Die Geschichte der Berliner Mauer bis 1990

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Berlin in vier Sektoren aufgeteilt. West-Berlin umfasste den amerikanischen, britischen und französischen Sektor, Ost-Berlin den sowjetischen Sektor. Bis zum Bau der Mauer konnten sich die Berliner innerhalb ihrer Stadt frei bewegen, das heißt, aus den drei Westsektoren unbehelligt in den Ostsektor gelangen. Im übrigen Deutschland war die Reise zwischen der Ostzone und den Westzonen allerdings ab dem 29. Oktober 1946 nur noch mit einem 30 Tage gültigen Interzonenpass möglich. Überquerte man die Grenze von West nach Ost schloss sich an den Kontrollstreifen hinter einem 500 Meter breiten Schutzstreifen eine 5 Kilometer breite Sperrzone an. Wer im Sperrgebiet wohnte, erhielt keinen Interzonenpass und durfte keinen Besuch aus Westdeutschland erhalten. Besuche aus dem restlichen Gebiet der DDR waren nur nach entsprechender Voranmeldung möglich. Veranstaltungen in diesem Gebiet mussten angemeldet und bis 22.00 Uhr beendet werden, der Aufenthalt im Freien war nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang erlaubt.1

Am 23. Juni 1948 wurde Berlin aufgrund der Währungsreform im Westen in zwei Währungszonen gespalten. Diese Währungsreform wurde durch Erlass von Gesetzen zur Neuordnung des Geldwesens der amerikanischen, britischen und französischen Militärregierung durchgeführt. Sie beinhaltete ein neues Währungs-, Emissions-, Umstellungs- und Festkontogesetz und erwies sich mit dem gleichzeitigen Übergang zur Marktwirtschaft als erfolgreich. Mit der Währungsreform beginnt das, was später als das deutsche „Wirtschaftswunder“ bezeichnet wurde.

Die Folge der divergierenden Auffassungen zwischen den Westmächten und der UdSSR über eine gemeinsame Deutschlandpolitik war letztendlich jedoch der Beginn der Blockade West-Berlins. Die sowjetische Besatzungsmacht verhängte nur einen Tag später, am 24. Juni, eine Sperre über alle Land- und Wasserwege, die von den westlichen Besatzungszonen nach Berlin, sowie in die Ostsektoren und damit in die sowjetische Besatzungszone führten. Dies war ein Versuch der UdSSR ganz Berlin unter ihre Kontrolle zu bringen. Am darauf folgenden Tag, dem 25. Juni 1948, wurde von den westlichen Alliierten die Berliner Luftbrücke zur Versorgung West-Berlins mit Lebensmitteln eingerichtet. Ein zum Glück schon vorhandenes exaktes Regelwerk über die Benutzung der Luftkorridore erwies sich beim Beginn der Blockade für die Aufnahme und Durchführung einer Luftbrücke als äußerst wertvoll. Denn würden bei den Luftbrückenflügen die getroffenen Regelungen beachtet, konnte die Sowjetunion gegen diese Flüge nur unter dem Bruch der erfolgten Vereinbarungen mit militärischen Mitteln vorgehen. Zu einer militärischen Auseinandersetzung hätte also die UdSSR den ersten Schritt tun müssen.

Während der gesamten Dauer der Luftbrücke kam es zwar zu kleineren Zwischenfällen im Flugverkehr, wie z.B. dichtes Heranfliegen von sowjetischen Jagdflugzeugen an die Luftbrückenflugzeuge oder sowjetische Luftwaffenmanöver in den Luftkorridoren, die befürchteten größeren Störmanöver, wie z.B. Sperrballons über dem Berliner Luftraum, blieben jedoch aus. Die Blockade dauerte ein Jahr und drei Monate. Bis zum 30. September 1949, dem Ende der Blockade und damit auch der Luftbrücke, gingen über 277.728 Flüge amerikanischer und britischer Maschinen zur Versorgung der Bevölkerung nach Berlin. Schon zu Beginn der Blockade-Zeit wurden im September 1948 Vertreter aus den Landtagen der westlichen Besatzungszonen gewählt, die den „Parlamentarischen Rat“ mit Sitz in Bonn bildeten und für die Ausarbeitung eines Grundgesetztes verantwortlich waren. Am 23. Mai 1949 war auch diese Voraussetzung für die Gründung eines westdeutschen Staates gegeben, so dass es nur einen Tag später, am 24. Mai 1949, zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland kam. Am 7. Oktober 1949 folgte die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik.

Die Schließung der Grenzen zwischen Ost- und Westdeutschland und zwischen der DDR und West-Berlin wurde am 26. Mai 1952 vollzogen. Nur noch die Sektorengrenzen in Berlin waren frei passierbar. Am 28. Mai 1953 verkündete die Regierung der DDR eine Erhöhung der Arbeitsnormen. Daraufhin begann in Ost-Berlin ein Streik, der sich schnell in die industriellen Zentren der DDR ausbreitete. Die Streikenden forderten bessere Arbeitsbedingungen, freie Wahlen und die Ablösung der Regierung. Die sowjetische Armee griff mit Panzern ein und schlug den Aufstand blutig nieder. Später, im selben Jahr, wurde der Interzonenpass für die DDR abgeschafft, nachdem er zuvor schon von den Westalliierten für das Gebiet der Bundesrepublik abgeschafft worden war. DDR-Bewohner mussten von nun an Ausreisegenehmigungen beantragen, wenn sie die Zonengrenze überschreiten wollten. Am 11. Dezember 1957 wurde das Verlassen der DDR ohne Erlaubnis gänzlich verboten und mit bis zu drei Jahren Haft bestraft. Im August 1961 wurde dann auch die Sektorengrenze um West-Berlin geschlossen und es wurde damit begonnen, eine Mauer zwischen dem Ostsektor und den Westsektoren zu errichten. Der Mauerbau begann damit, dass Bautrupps und Soldaten der Nationalenvolksarmee Stacheldrahtverhaue anbrachten und anschließend Mauern unterschiedlicher Höhe und Stärke, bekrönt mit Stacheldraht, aufbauten. Nach einem Jahr bereits ragten 130 Beobachtungstürme auf. Im fünften Jahr war die Mauer auf eine Länge von 25 km angewachsen. 1963 wurde die Hohlblock-Steinmauer an vielen Stellen durch erste Betonmauern ersetzt, die bis zu 1 Meter stark waren.

Ab 1965 kamen auch Bunker hinzu. Die dritte Mauergeneration wurde um 1974 errichtet. Sie bestand aus vorgefertigten Betonplatten, die horizontal zwischen Betonpfählen oder T-Trägern eingelassen wurden. Diese Mauer war nun 3,7 Meter hoch, 10 cm dick und wurde durch ein aufgelegtes Betonrohr bekrönt. 1975 wurde diese Mauer allerdings schon durch die vierte Generation ersetzt: weiß grundierte Stahlbeton-Fertigelemente wurden fugenlos, ohne Zwischenstützen, aneinander gesetzt. Sie beinhalteten einen Sockel und schlossen auf der Oberseite durch ein geschlitztes Betonrohr ab. Dies war die so genannte „Grenzmauer 75“. Sie hatte eine Höhe von 4,1 Meter. Ein Segment war 1,2 Meter breit, 2,6 Tonnen schwer und trug einen Sockel mit einer Tiefe von 2,1 Metern. Die Wandstärke betrug jetzt 15 cm. Als Vorteile dieser Mauer sollten sich der einfache Aufbau und die Widerstandsfähigkeit gegen Umwelteinflüsse und Grenzdurchbrüche herausstellen. Diese Mauer hatte über 28 Jahre und drei Monate Bestand und galt in den Augen der Erbauer als „das beste Grenzsicherungssystem der Welt“. Diesem „System“ genannten Bollwerk und den Grenzbefestigungen an der innerdeutschen Grenze fielen nahezu 200 Menschen zum Opfer, 80 davon allein an der Berliner Mauer.

Nach dem Beginn des Mauerbaus wurden alle Grenzübergänge, auch für West-Berliner, geschlossen. Erst zwei Jahre später, im Dezember 1963, durften die West-Berliner wieder den Ost-Sektor betreten. Zwischenzeitlich besuchte der damalige US-Präsident Kennedy West-Berlin und unterstützte das Volk mit den noch heute bekannten Worten „Ich bin ein Berliner“. Am 3. September 1971 wurde das Vier-Mächte-Abkommen in Berlin unterzeichnet. Darin verpflichtete sich die UdSSR, Verkehrsverbindungen zwischen der BRD und West-Berlin nicht zu behindern, sondern zu erleichtern. Es sollte eine Verbesserung der Kommunikation zwischen Westdeutschland und West-Berlin ermöglichen. 1987 forderte Ronald Reagan vor dem Brandenburger Tor: „Herr Gorbatschow, öffnen sie dieses Tor! Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!“, was dann, zwei Jahre später auch geschehen sollte. Voraus ging eine Öffnung der Grenze von Ungarn nach Österreich am 10. September 1989 für Flüchtlinge aus der DDR. Am 9. November 1989 gab Günther Schabowski, ein führendes Mitglied der SED-Regierung, auf einer Pressekonferenz bekannt, dass die Reisebeschränkungen für DDR-Bürger aufgehoben werden. Die Mauer fiel. Schon ein knappes Jahr später, am 3. Oktober 1990, wurde die deutsche Einheit auch völkerrechtlich Wirklichkeit. Der Wille nach Freiheit und Selbstbestimmung hatte sich durchgesetzt. Berlin, jahrzehntelang Mittelpunkt des Kalten Krieges und der Konfrontation, wurde nun zum Symbol der Einheit Deutschlands und der Zukunft Europas.



1 Die geschichtlichen Fakten sind im Wesentlichen aus folgenden beiden Bänden übernommen: (1.)Weltgeschichte im Aufriss, Band: Deutschland im Spannungsfeld der Siegermächte 1945-1949, Frankfurt, Berlin, München 1982, S.219ff. und aus (2.) Geschichtliche Weltkunde, Band 4, Von der Zeit des Imperialismus bis zur Gegenwart, Frankfurt, Berlin, München 1983, S. 211ff..

 

Eine Galerie mit Mauernbildern gibt es hier.

 

Kategorien: