Kuba, La Habana: BMW’s und 50er Jahre Cheverolets, Peso Nacional und Peso Convertible und eine Spritztour durch die Stadt

La Habana: Auf meinem Flug hierher war ich umgeben von venezolanischen Stipendiaten, die gerade auf dem Weg waren ihr Medizinstudium in Havanna fortzusetzen. Ich wohne (illegal) bei einer älteren Frau, die mir Freunde in Bogotá empfohlen haben. Der Unterschied zu Kolumbien ist schon groß. Während man dort wirklich kaum Entbehrungen hinnehmen musste, wird man hier gleich in den ersten Tagen mit einigen erheblichen Veränderungen konfrontiert.

Am Flughafen trifft man sofort auf Reisekommerz, schöne neue Taxis (meist deutsche Autos) fahren die Touris zu zünftigen Preisen in die Stadt. Auf den Straßen und in der Stadt bietet sich ein gemischtes Bild von moderner Gesellschaft und totalem Rückschritt. Vor den Hotels parken 5er BMWs und E-Klassen, während sich die Bevölkerung mit 50er Jahre Cheverolets und rostigen Bussen fortbewegt. Diese sind für Touristen verboten.

Das Haus, in dem ich wohne ist einfach. Aus dem Wasserhahn tropft ein Rinnsal. Warmes Wasser gibt es schon seit Berlin nicht mehr. Im Kühlschrank gibt es keine Marmelade, keinen Käse, keine Wurst. Ich gehe mit Frau Hernandez zum Kiosk um die Ecke. Dort kaufe ich Milchpulver für Instant-Milch, trockenes Brot und eine Packung Ostsee-Butter (keine Ahnung, wieso die ausgerechnet hier gelandet ist).

Es gibt 2 Währungen auf Cuba, den Peso Nacional und den Peso Convertible. Touris bezahlen grundsätzlich alles in Peso Convertible, der steht derzeit ziemlich mittig zwischen Dollar und Euro, man bezahlt also quasi eins zu eins. Für meine Notration bezahle ich 7 Peso Convertible. Teuer! Interessant wird es, wenn man Peso Nacional eintauscht und feststellt, dass man damit quasi Nichts bekommt. Umberto, der Sohn von Frau Hernandez, erzählt mir, dass man mit dem Geld für Kubaner eigentlich nur noch Obst und Fahrkarten kaufen kann, der Rest wird auch von ihnen in Peso Convertible bezahlt. Da aber alle Kubaner in der Nationalwährung bezahlt werden, müssen sie den Convertible teuer eintauschen. Das heißt, auch Frau Hernandez hätte für diesen winzigen Einkauf 7 Euro bezahlt. Das erklärt vielleicht den leeren Kühlschrank.

Im Haus wirkt irgendwie alles geflickt. Die Lampen haben Wackelkontakte, die Ventilatoren klappern laut. Umberto legt mir ein T-Shirt auf den Tisch und fragt, ob ich es nicht tauschen wolle. Warum nicht?! Bei einer Spritztour durch die Stadt zeigt er mir das alte Havanna. Tolle Innenstadt, viele alte Kolonialbauten, alles schön und restauriert, mitten in der Innenstadt üben Pioniere das Marschieren - ich bin schwer beeindruckt. Dabei erzählt mir Umberto (der Sohn von Frau Hernandez), dass in diesem Land eigentlich Alles verboten sei. Was das genau heißt, werde ich hoffentlich in den nächsten Monaten erfahren.