Kuba und die sexuelle Befreiung

Santa Clara ist das Köln Deutschlands oder das San Francisco Amerikas, hier gibt es eine Unmenge Homosexuelle und Transvestiten. Landesweit hat Santa Clara den Ruf als Hauptstadt der sexuell Andersdenkenden erlangt.

Dieser Fakt bestimmt das städtische Leben merklich, so findet z.B. jeden Samstagabend in dem Kulturhaus der Stadt eine Veranstaltung nur für Homosexuelle statt, gekrönt wird diese durch eine Drag-Show, also das Verkleiden von Männern als Frauen. Abends findet man auf dem Marktplatz stattliche Gruppen von Damen mit viel zu breit geratenen Schultern und Bartschatten. Das diese einem permanent und penetrant hinterher rufen oder auf dem Heimweg unauffällig hinter einem her schleichen, nervt manchmal schon gewaltig.

Bei der Bevölkerung verursacht diese Bewegung unterschiedliche Reaktionen. Neulich unterhielt ich mich mit einem Künstler, der an einer Ausstellung zur Heterosexualität arbeitet. Er möchte in dieser Form an den Familiensinn der Menschen und an das natürliche Zusammenleben von Mann und Frau erinnern. Dass diese Bewegung auch Ausdruck von jugendlichem Widerstand ist, halte ich für nicht unwahrscheinlich, denn gemessen an der Größe der Stadt und dem sonst eher „machistischen“ Bild des Mannes in der kubanischen Realität, ist das Ausmaß der Homosexualität beachtlich.