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Ausflug mit der Lehrerin Neda – Internationale Perspektive

Ausflug mit der Lehrerin Neda

Morgens haben wir etwas gelernt, saßen auf der Dachterrasse oben im Sonnenschein. Es war mal wieder so warm, dass wir hätten im T-Shirt draußen sitzen können und uns mit Sonnenöl schützen mussten. Nachmittags sind wir mit einem Taxi zum Büro (Astrid und ich) und von dort zu Fuß zu dem Gästehaus, in dem unsere Lehrerin Neda wohnt. Bei ihr waren noch ihre Tante, deren Enkeltochter, ihre Cousine und deren Tochter. Die eine der beiden jungen Frauen studiert an der Uni und ich versuchte noch ein bisschen mehr über die Demonstration an der Uni zu erfahren.

Morgens haben wir etwas gelernt, saßen auf der Dachterrasse oben im Sonnenschein. Es war mal wieder so warm, dass wir hätten im T-Shirt draußen sitzen können und uns mit Sonnenöl schützen mussten. Nachmittags sind wir mit einem Taxi zum Büro (Astrid und ich) und von dort zu Fuß zu dem Gästehaus, in dem unsere Lehrerin Neda wohnt. Bei ihr waren noch ihre Tante, deren Enkeltochter, ihre Cousine und deren Tochter. Die eine der beiden jungen Frauen studiert an der Uni und ich versuchte noch ein bisschen mehr über die Demonstration an der Uni zu erfahren. Aber so direkt wollte sie wohl nicht mit mir reden. Sie sprach jedenfalls lieber mit Astrid. Die beiden jungen Frauen konnten auch ein wenig Englisch. Die Studentin muss von ihrem Vater aus immer den Tschadori tragen, wenn sie auf der Straße unterwegs ist, als einzige der vier Frauen. Die anderen trugen nur einen Schleier. Alle waren einige Jahre in Pakistan, vor allem während der Taliban -Zeit. Neda bot uns Tee und Gebäck an, aber ich wollte nicht den ganzen Frauen (Neda selbst fastete an diesem Tag auch) etwas vor essen. So habe ich nur höflich etwas gekostet. Ich fand das mit den vier Frauen ja ziemlich spannend. Natürlich bin ich noch vorsichtig, aber es ist schon viel einfacher, mit Frauen zu sprechen, als uns gesagt wurde. Ich spreche auch nicht so mit Frauen wie in Deutschland, auf keinen Fall mit fremden Frauen in der Öffentlichkeit und fotografiere sie auch nicht. Aber anschauen kann man Frauen schon und jetzt bei dem Kontakt mit den vier Frauen war es auch möglich, sie anzuschauen und geredet haben sie auch mit mir, wenn auch die jungen Frauen eher weniger, manchmal kichernd. Als die Vier wegfuhren (was recht lange dauerte, ich meine die Verabschiedung) sind wir zu dritt auf einen der hohen Berge in der Stadt gelaufen. Die Berge in der Stadt sind entweder gar nicht bebaut oder nur an den Hängen und dort auch nur illegal. Manchmal hat die Stadtverwaltung versucht, diese illegalen Bauten abzureißen, aber das ist ihnen nicht dauerhaft gelungen. Der Berg, den wir bestiegen haben, war echt steil und voller Geröll, auch keine richtigen Wege. Ziemlich hoch noch wurde gebaut. Wasser gibt es für diese Lehm- und Steinhütten nicht, die Leute müssen ihr Wasser von unten holen. Die Abwasser laufen so den Berg hinab, die Kinder spielen an der Kloake. Weiter oben im Berghang ließen viele Kinder Drachen steigen, die Bebauung hörte auf. Die Pfade wurden immer kleiner und wir wurden unsicher, ob der Berg wirklich minenfrei ist. Weil es außerdem auch immer steiler wurde, sind wir nicht mehr höher gestiegen, sondern an der Flanke entlang, bis wir die andere Seite der Stadt von oben sehen konnten. Ich machte einen Haufen Fotos, musste irgendwann den Film wechseln. Prompt war ein Kind da, das mir dabei genau zuschaute. Ich fand bei dem neuen Film einen Müsliriegel, den ich spontan verschenkte. Für das zweite Kind, das genauso plötzlich auftauchte, hatte ich noch einen halben, das Dritte bekam auf mein Drängen die Hälfte von dem ersten, aber für die nächsten zwanzig Kinder hatte ich nichts mehr. Ein etwa Sechsjähriger trug permanent seine zweijährige Schwester auf dem Rücken. Ein Kind hatte eine große Wunde am Gesicht, viele Kinder hatten Wunden an den Fingern. Zur Schule gingen sie aber alle, sogar recht nahe bei ihren Wohnungen. Die Kinder lachten kaum. Neda meinte, früher hätte mensch viel mehr Lachen gehört, gerade auch von den Frauen. Manchmal war die ganze Luft voll mir Frauenlachen sagte sie. Die Kinder wollten alle fotografiert werden, Neda fragte sie nach ihren Geschwistern. Zwischen drei und sieben Geschwister haben sie. Beim Wiederabsteigen durch die Slums werden wir zweimal zum Essen eingeladen und öfter schauten auch Frauen neugierig über die Mauern ihrer Häuser. Aber fotografiert werden wollte keine. Neda fragte sie (sie hatte selbst Filmkamera und Fotoapparat dabei). Weiter unten ist ein Viertel, in dem einige der hohen Panjiris wohnen, auch das Geheimdienstzentrum ist da. Manchmal rasen dann Autos mit schwarzen Scheiben wie die Bekloppten durch die Straßen. Ein Taxifahrer erzählte, dass er von so einem Auto gerammt wurde, das gleichzeitig einen Fußgänger zu Tode fuhr und einfach abhaute, ohne Nummernschild. Überall kann mensch die Leute arbeiten sehen. Es ist unglaublich, wie viel gebaut wird. Beeindruckend sind auch die Hazara mit ihren großen Karren, die sie selber ziehen. Schade, dass ich mich nicht traue, sie zu fotografieren. Schade wegen des Fotos, meine ich. Ansonsten ist es natürlich nicht schade, sondern richtig, weil ich es ziemlich gemein finde, mit meiner Kamera da lustig zu fotografieren, während andere sich aus Not dermaßen abschuften zwischen den Autoabgasen. Irgendwo fotografiere ich einen Abfallhaufen. Ein Ladenbesitzer meinte dann: Warum fotografierst Du den Müll und nicht mich? Woran ich mich auch gewöhnen muss, ist, dass beim Einkaufen immer eine ganze Horde um mich herumsteht und mir ins Portemonnaie guckt. Am Anfang habe ich versucht, so schnell wie möglich zu bezahlen und dabei gezittert. Erst wenn ich meinen Geldbeutel wieder verstaut hatte, habe ich wieder aufgeatmet. Ich glaube, die meisten Afghanen kennen keinen Geldbeutel. Bei den vielen Geldscheinen machte das auch wenig Sinn. Vor der Währungsreform waren 10 000 Afghani der größte Schein, das sind umgerechnet 20 Cent. Inzwischen fühle ich mich viel sicherer und auch eher beschützt als bedroht. Ich habe den Eindruck, dass ich bei einem Angriff sofort Beistand von vielen Seiten her bekäme. Neda erzählte uns unter dem Eindruck der vielen Kinder noch von einem Mann, der sie auf offener Straße angesprochen hatte. Er bat um Rat für seine Frau, die bei der letzten Geburt fast gestorben wäre. Aber sie vertrüge die Pille nicht. Ob sie ihm sagen könne, wo er vielleicht Hilfe für seine Frau fände. Neda konnte ihm so schnell auch nichts sagen. Abgenervt war auch sie von den vielen Bildern von Massoud, dem ermordeten Panjiri-Kriegsherren, obwohl sie mit ihm ursprünglich durchaus sympathisierte. Mit einem Taxi fuhren Astrid und ich wieder heim. Ein Taxifahrer wollte 100 Afghani, ich habe nur gesagt: ‚zu teuer’ und bin einfach weiter gegangen. Da rief er: ‚60!’ – Okay. Wunderlicherweise fuhr er erst mal ins Zentrum, um dann nach Taimani zu fahren. In Taimani, wo unser Gästehaus ist, wollte er 70 und behauptete, der Weg sei schließlich so weit gewesen. Ich verwies ihn zwar auf seine zugesagten 60, bezahlte dann aber doch 70, aus Angst, er könne einen Auflauf provozieren, dem ich sprachlich nicht gewachsen wäre. 15.11.02 Freitag (Feiertag)