David Wagner's blog

Enttäuschungen und Überraschungen bei einer Konferenz der Wirtschaftwissenschaften in Kuba

CICE steht für Internationale Konferenz der Wirtschaftwissenschaften und selbige fand Ende Oktober 2006 in Santa Clara statt. Als Delegierter unserer Fakultät wurde ich zu dieser eingeladen. Das hat weniger etwas damit zu tun, dass man mir etwas Gutes tun wollte, sondern mehr damit, dass die Eintrittsgelder auf westlichem Niveau lagen und gutes Geld mit der Tagung verdient werden konnte und wurde.

Kuba: Ein Besuch in der Zigarrenfabrik in Santa Clara

Vergangene Woche besuchten wir im Rahmen unseres Unterrichts die örtliche Zigarrenfabrik. Der Besuch begann an der Tafel mit Informationen zur wöchentlichen Planerfüllung, gekennzeichnet waren dort alle aktuellen Bestände und die Prozentzahlen, die für alle Arbeiter deutlich machten, in welchen Bereichen sie gut gearbeitet hatten bzw. wo weiter zugepackt werden muss.

Medien- und Informationspolitik in Kuba

Ich bin erschreckt darüber wie reglementiert Informationen hier an die Öffentlichkeit gelangen. Kontakte in’s Ausland werden über die Preise der Telekommunikationsmittel geschickt unterbunden, eine Stunde WWW im (monopolistischen) Internetcafe, im lokalen Telepunto, kostet 6 Dollar und somit etwa ein Drittel Durchschnittsgehalt, mitgebrachte Speichermedien sind dort verboten. Ein Telefongespräch nach Deutschland etwa kostet rund 4.5 Dollar pro Minute.

Afrika und Kuba

Durch den Sklavenhandel, der in früherer Zeit durch die Spanier auf Kuba betrieben wurde, ist ein großer Teil der Bevölkerung, man schätzt etwa 50%, afro-kubanischer Abstammung und somit farbig. Der überwiegende Teil davon lebt im Osten der Insel.

In den 70er und 80er Jahren standen deren religiöse Rituale unter Strafen und die Priester wurden öffentlich schikaniert. Anfang der 90er Jahre wechselte die Regierung Castros ihre geistige Haltung und kooperiert seither mit einigen dieser religiösen Gruppen.

Kuba: „Manche sind Gleicher“

Ein Ausflug zu den Cayos Santa Maria: An einem Wochenende vor Kurzem planten wir einen Ausflug in den Norden, zu den Cayos, einer Inselgruppe, die durch eine 70 km lange Schnellstraße durch das Meer mit dem „Festland“ Kubas verbunden ist. Als wir in unserem Bekanntenkreis herumfragten, wer uns begleiten wolle, damit wir nicht mit einem halbvollen Wagen fahren, bemerkten wir recht schnell, dass die Kubaner nicht in der Lage waren uns zu begleiten, weil dieses Gebiet „in nationalem Interesse“ nur Touristen bzw. Ausländern zugänglich ist.

Von diesen Sektoren gibt es eine Vielzahl, die schönsten Strände der Insel um Varadero sind von dieser Regelung ebenfalls betroffen. Man könne Anträge stellen um eine Besuchserlaubnis zu erhalten, diese Anträge würden aber regelmäßig nicht bewilligt oder gar nicht erst bearbeitet. Wenige weitere Besuchsmöglichkeiten bestehen außerdem durch FDG-ähnliche Objekte. Die Arbeiter der Hotels werden täglich in speziellen Shuttles transportiert, diese passieren regelrechte Grenzübergänge mit Passkontrollen. Die Joint-Ventures, die die Anlagen betreiben, zahlen den (Dollar-)Lohn an die kubanische Regierung, diese wiederum zahlt den Kubanern (einen Bruchteil davon) in Peso Nacional aus. Auf den Inseln angekommen, treffen wir auf eine Traumkulisse wie in einem anderen Land: Palmenstrand, weißer Sand, blaues Wasser… Irgendwie haben es doch noch einige Kubaner an den Strand geschafft. Leider konnten wir nicht herausfinden, wer diese Personen waren.

Unterricht an der Universität in Santa Clara: Nuevo Hombre vs. Homo Oeconomicus

Die Uni in Santa Clara: Nach den anfänglichen Schwierigkeiten mit meinen Kursen und der Einschreibung erhalte ich mittlerweile quasi-privaten Sprachunterricht. Gemeinsam mit Enes, einem Chinesen aus der Nähe von Shanghai, lerne ich täglich etwa 3 Stunden Spanisch. Leider sind die Möglichkeiten begrenzt: Es gibt kaum Papier bzw. Kopiermöglichkeiten, keine Audio- bzw. Videoabspielgeräte, keine Overhead-Projektoren und auch keine Lehrbücher.

Kuba: Im Nabel der Revolution in Santa Clara

Einige Wochen sind vergangen, seit ich in meinem Studienort Santa Clara angekommen bin. Diese erste Zeit war durchzogen von frustrierenden und nervigen Erlebnissen und einigen kleinen Lichtblicken. So ziemlich alles, was an Warnungen in meinem studentischen Kuba-Führer stand, hat sich bewahrheitet.

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