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„Green Kisses from the Emerald Ireland” für Berlin!

Liebes Berlin, ich habe dich verlassen! Natürlich vermisse ich deine einzigartige spannende Stimmung, doch muss ich sagen, hier habe ich bestimmt wunderschöne Ablenkungen: „The Emerald Ireland is a paradise of peace and tranquillity and the people… are really crazy!“ Es ist eine ganz andere Welt hier. 5 Minuten aus der Stadt ist schon alles grün und es gibt keine Leute nur Schafe (sheep!). Das Wetter ist unvorhersagbar. Es gibt normalerweise Regen, Sonne und Wind - an einem einzigen Tag. Und die Leute sind wirklich etwas Besonderes. Very friendly, of course!

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Strategien zum Erfolg - Fokus auf Selbstkompetenz und die eigene Vision beim Neurolinguistischen Programmieren

Robert Dilts definiert verschiedene übereinander liegende Ebenen für die Problemanalyse und Entwicklung von Lösungsansätzen, die sich für das NLP als relevant erweisen. Dazu gehören Kontext (Umgebung), Verhalten (was ich tue), Fähigkeiten (Zustände, Strategien), Glauben (+Werte/ Metaprogramme), Identität (wer ich bin) und Spiritualität. Jede der neurologischen Ebenen ist abstrakter, als die darunter liegende. Umso mehr Einfluss auf die abstrakten Ebenen besteht, umso mehr Einfluss besteht auf das jeweilige Individuum oder System. Ein guter Projektleiter, Unternehmenschef oder Netzwerkleader agiert auf allen neurologischen Ebenen. Das NLP geht davon aus, dass die günstigste Vorgehensweise ein Team oder eine Gruppe erfolgreich zu leiten ist, eine gemeinsame Unternehmensvision zu etablieren – also nach Dilts gemeinsame Glaubenswerte, Identität und sogar eine gemeinsame Spiritualität zu schaffen. Diese können operationalisiert, das heißt in konkrete Ziele, Strategien, Aufgaben und schließlich in Taten umgesetzt werden.

Auch im kleineren Rahmen einer Organisation, in einer Abteilung, Filiale oder Teil einer Netzwerkorganisation kann eine Vision, die die Werte der Mitarbeiter, Projektbeteiligten und des Unternehmens oder Netzwerks einbezieht als Leitbild dienen. Auf dem Weg zur eigenen Vision bietet NLP einige hilfreiche Modelle, die in diesem Beitrag näher betrachtet werden. Sie ermöglichen Personen, die - sei es in Unternehmen oder in ehrenamtlichen Netzwerorganisationen - arbeiten ihrer Möglichkeiten und Hilfsmittel besser bewusst zu werden und systematisch eigene kreative Kräfte zu mobilisieren und für angestrebte Projekte zu nutzen.

Ressourcen erkennen

Alle Dinge und Umstände, die Menschen unterstützend beim Umsetzen von Zielen nutzen können, werden im NLP als Ressourcen bezeichnet. Sich dieser Hilfsmittel möglichst umfassend bewusst zu werden, erhöht die Anzahl nutzbarer Möglichkeiten und sichert damit eine größere Flexibilität. Zunächst hat jeder in seinem Umfeld Menschen, die in bestimmten Situationen helfen können. Arbeitskollegen, Bekannte, Freunde oder Familienmitglieder - sie alle haben Hobbies und Spezialgebiete, mit denen sie sich gern beratend oder aktiv an der Verwirklichung unserer Ideen beteiligen. Kennt man Leute, die ähnliche Herausforderungen bereits gemeistert haben, so kann man sie als Rollenmodelle nutzen. Dabei können einerseits die Herangehensweise, also die innere Einstellung und spezielle Denkstrategien und andererseits die Handlungsweise, wie z.B. Verfahren und Abläufe als Vorbild dienen.

Menschen, denen man vertraut und die bereit sind, einer Person Anleitungen zu geben, können zu Mentoren werden. Sie müssen nicht unbedingt real, sondern sie können auch fiktive Persönlichkeiten aus einem Buch, einem Film oder komplett konstruiert sein. In vielen Kulturen ist es sogar üblich, Tiere als ständige Berater zu wählen. Im Gegensatz zu anderen beliebigen Personen sind Mentoren in jeder Entscheidungssituation nützlich. Es ist empfehlenswert mindestens drei möglichst verschiedene dieser Ratgeber für sich zu wählen. So könnte der erste besonders geschickt mit Kontextproblemen umzugehen wissen. Der zweite eignet sich vielleicht besser als Helfer bei eigenen Schwächen und der dritte ist bewandert in Spirituellen Fragen.

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„Berlinow“ zum Letzten: I had the time of my life! Was ich vermissen werde und was ich nicht vermissen werde

Nun ist es soweit. Mein letzter Eintrag an euch aus Berlin. Die Zeit im neuen Jahr war sehr erfüllt. Es war wirklich nie langweilig. In Berlin ging es noch einmal drunter und drüber. Jedes Wochenende Party.

A. G. Iñárritu & H. Müller: „Fünf Minuten Schwarzfilm“ oder „11’09’’01“ - Die cineastische Verwirklichung einer Provokation?

Was könnte der DDR-Dramatiker Heiner Müller (1929-1995) mit dem mexikanischen Filmregisseur Alejandro Gonzáles Iñárritu (1963) bloß gemeinsam haben? Was hat der vielleicht anspruchsvollste deutsche Theaterautor des XX. Jahrhunderts mit dem erfolgreichen Filmemacher von „Amores Perros“ (1999) und „21 Gramm“ (2003) eigentlich zu tun? Um ehrlich zu sein, gar nichts. Wäre also eine Verbindung zwischen diesen beiden Künstlern überhaupt vorstellbar oder handelt es sich um ein persönliches Hirngespinst? Mit aller Wahrscheinlichkeit hätte ich mich für die zweite Option entschieden, wäre da nicht ein besonderes Kinoerlebnis im Winter 2002 gewesen… Könnte der aus Mexiko-City stammende Regisseur, Heiner Müllers Werk oder sogar seine theoretischen Äußerungen gekannt haben? Die Wahrscheinlichkeit ist eher minimal, obwohl ich bemerken möchte, dass Iñárritu einige Semester Theaterregie bei dem polnischen Regisseur Ludwig Margules studiert hatte. Wie definiert man also die cineastische Verwirklichung einer „provokativen Theorie“ oder einer „theoretischen Intuition“, die auf einer Kinoleinwand 14 Jahre nach ihrem ursprünglichen Ausruf wieder zum Leben erweckt wurde? Fortentwicklung eines Gedankens, oder einfach geniale Koinzidenz?

„Fünf Minuten Schwarzfilm.“

Als die Sonne noch am Zenit der Karriere des Dramatikers Heiner Müller stand, und er an seiner „Lohndrücker“ Inszenierung am Deutschen Theater als Regisseur arbeitete, bewilligte er 1988 ein Interview, dass sich von den unzähligen anderen „Müller-Interviews“ [1]  dieser Zeit, eindeutig unterscheiden sollte. Ich beziehe mich prinzipiell auf den besonderen Inhalt dieses Gespräches, dessen prägnanter Titel „Fünf Minuten Schwarzfilm“ lautete. Aber hierzu später. Müllers damaliger Dialogpartner hieß Rainer Crone. Das aufgezeichnete Gespräch erschien zuerst im Katalog der Städtischen Kunsthalle Düsseldorf (BiNATIONALE) („Deutsche Kunst der späten achtziger Jahre/Amerikanische Kunst der späten achtziger“, DuMont, Köln 1988,  S. 56-67.), und wurde dann 1990 in dem von Renate Ziemer und Gregor Edelmann herausgegebenen zweiten Band der „Gesammelten Irrtümer“ wieder veröffentlicht. („Fünf Minuten Schwarzfilm“. Ein Gespräch mit Rainer Crone. In: Gesammelte Irrtümer 2, Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 1990, S. 137-150.) Meiner Ansicht nach, ist es Rainer Crone als einzigen Gesprächspartner Müllers gelungen, sich ausschließlich auf das Thema zu konzentrieren, dass sich bis dato nicht im Mittelpunkt der damaligen „Müller-Rezeption“ befand. Crones Fragen schildern uns die Umrisse eines verzwickten Verhältnisses ab, dass den Dramatiker vom Blickwinkel der Bildenden Kunst aus mustert. Crone interessierten grundsätzlich Müllers persönliche Wertungen und Einschätzungen hinsichtlich der gegenwärtigen Kunst. Seine Frage, „welche Funktion würden Sie der Kunst in diesem Zusammenhang - einer globalisierten Mediengesellschaft des XX. Jahrhunderts - beimessen“, („Fünf Minuten Schwarzfilm“. Ein Gespräch mit Rainer Crone. In: Gesammelte Irrtümer 2, Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 1990, S. 139.)  veranschaulicht die heutige Problematik einer voyeuristisch orientierten Gesellschaft, die sich der absoluten „Bilder-Vergötterung“, der totalen „Bilderschwemme“, bedingungslos sowie grenzenlos ausgesetzt hat.

[quote] „Wenn es eine Funktion von Kunst in diesem Umfeld gibt, dann ist das so etwas wie täglich fünf Minuten Schwarzfilm im Fernsehprogramm. Ich meine – ganz parteiisch – einfach 'Fünf Minuten Schwarzfilm', das würde so ungeheuer viel ändern an den Sehgewohnheiten.“ (ebd.), lautete die lapidare Antwort des Dramatikers. [/quote] Der offensichtlich sarkastische Beigeschmack dieser Bemerkung, dürfte niemandem entgangen sein. Müllers lakonisch- prägnante Ausdrucksweise, bringt die bemerkenswerte Haltung „eines nicht hinter den Barrikaden verharrenden Künstlers“ bildhaft zum Vorschein.

Andererseits Ziel dieser Pointe ist es, die passiven und apathischen Sehgewohnheiten des „Fernseh-Zuschauers“ direkt in Frage zu stellen, bzw. zu stören, zu unterbrechen. Müller weiter:

[quote] „Die Grundgewohnheit des Fernsehzuschauers ist die, daß pausenlos Bilder da sind. Es gibt keine Pause im Bilderfluß. Also wäre es gut, damit man die Bilder überhaupt wieder sieht, daß sie ab und zu durch Schwarzfilm unterbrochen werden, wo man also nichts mehr sieht. Und die Funktion von heutiger Kunst wäre die, diesen Bilderfluß – aber das sind ja inzwischen alles Klischees – mit einer Störung der Sehgewohnheit zu unterbrechen.“ (ebd.) [/quote]

Das „subversive Element“ liegt dieser Äußerung auffallend zugrunde. Die Aufhebung der verkalkten Sehgewohnheiten der Fernsehzuschauer, kann nur durch eine gezielte Provokation, oder durch einen Verstörungs- und/oder Störungseffekt erzeugt  werden. Folglich kritisiert Müller die gegenwärtige Tendenz „der Medien, die die geltende Sozialpsychologie - bestehend aus tief gefestigten, passiven und unaufmerksamen Sehgewohnheiten -  zu ihren Gunsten einfach ausnützt […].“ (Denis McQuail, Sociologia dei Media, Bologna, Il Mulino 2001, S. 321 (Übersetzung A.E.).

Die Kunst müsste ihre Unabhängigkeit, ihre Autonomie auch künftig bewahren können, egal wie. Müller vertritt die Vision einer tendenziell nicht „integrierbaren“ Kunst, die die Kritik, die Subversion, den Widerstand, weiterhin als wirkungsvolle Waffen versteht. Die primäre Funktion der Kunst sollte demzufolge, nicht in einer „naturalistischen“ Abbildung der Begebenheiten bestehen, was ohnehin durch die alltägliche „Bilderüberschwemmung“ überflüssig geworden ist, sie sollte sich vielmehr an einer anderen, imaginären Wirklichkeit abarbeiten. Wenn Müller also von „Fünf Minuten Schwarzfilm“ redet, liegt der utopische Moment in der totalen Befürwortung einer Kunst, die der Dramatiker als Inbegriff einer unabdingbaren Störung, einer unentbehrlichen Unterbrechung sieht, die die „Maschine“ endgültig zum Stillstand erzwingen soll.

[quote] „Gesucht: die Lücke im Ablauf, das Andre in der Wiederkehr des Gleichen, das Stottern im sprachlosen Text, das Loch in der Ewigkeit, der vielleicht erlösende FEHLER […].“ (Heiner Müller Material, Bildbeschreibung, Frank Hörnigk (Hrg), Reclam, Leipzig 1988, S. 13.)[/quote]

„11’ 09’’ 01”

Als ich mir das umstrittene Film-Projekt 11’09’’01 in einem fast leeren Kinosaal im Winter 2002 ansah, war mir bereits bewusst, dass ich etwas ganz Besonderes erleben sollte. Die Premiere dieses Kollektiv-Films hatte im Rahmen des Filmfestivals in Venedig (29.08-08.09.2002) stattgefunden, und verschaffte Alain Brigands Projekt Beachtung und Aufmerksamkeit in ganz Europa. Die allgemeine Anerkennung verursachte jedoch eine radikale Abneigung, eine systematische Gegenoffensive auf der „politischen Ebene“. Der Film galt seitdem als subversiv, destruktiv, und wurde stets als „anti-amerikanisch“ intendiert, verweigert und letztlich sogar zensiert. Man sollte sich aber eher fragen, warum dieser Film so herzlich von der Öffentlichkeit empfangen wurde. Die Kritik hat ihn jedenfalls als „pazifistisch, medienkritisch, impressionistisch und humanistisch“ bezeichnet und generell positiv rezensiert. (http://www.br-online.de/kultur-szene/film/tv/0309/00860) Warum entstand also diese urplötzliche Erleichterung nach seinem Erscheinen? Verkörperte der Film vielleicht die Gedanken und die Empfindungen einer ausgeschlossenen „schweigenden Mehrheit“?

Der 11. September 2001 verwandelte sich binnen weniger Stunden, in das vielleicht umfangreichste Medien-Ereignis der Weltgeschichte, das kollektive „Schock-Erlebnis“ par excellence. Als sich dann Brigand einige Monate später für das Projekt entschied, bewirkte die bloße Erinnerung an den dramatischen Tag immer noch Panik, Ängste und allgemeine Bestürzung. Das kollektive Trauma wurde einfach nicht bewältigt, ganz im Gegenteil, die Beteiligten trugen alle fleißig dazu bei, die Wunde ununterbrochen bluten zu lassen. Die sonst so aufgeklärte, nüchterne und selbstbewusste westliche Welt widmete sich einer leidenschaftlichen, quasi irrationellen „Massen-Hysterie“. Die zu jener Zeit verantwortlichen Politiker schriien, stotterten, schwiegen aber auch, und wenn sie es überhaupt vermochten, versprachen sie den Betroffenen „uneingeschränkte“ Solidarität. Während die Presse ihre ursprüngliche Bestimmung verlernte, „bombardierten“ die Massenmedien weiterhin ihre Zuschauer mit Furchterregenden Bildern und überflüssigen, nichts sagenden Kommentaren. Primitive Instinkte wie die des biedersten Nationalismus, des Rassismus und der Intoleranz entblößten sich blitzartig auf dem globalisierten „World-Szenario“.

Die Täter, die Terroristen, waren bekannt, aber man ließ sie eine zeitlang gewähren. Die „versprochene Solidarität“ dagegen, fand ihre Konkretisierung ein paar Monate später in Afghanistan - eines der ärmsten und gemarterten Länder der Welt - dessen Befreiung „en passant“ alles zum Besten hätte wenden sollen. Als das Taliban-Regime dann schließlich gestürzt wurde, jubelte die blinzelnde Weltgemeinschaft triumphierend. Die zivile Bevölkerung weniger. Seltsamerweise konnten die in Afghanistan ansässigen Hauptangeklagten des 11. Septembers, spurlos entkommen. „Dunkles Getümmel ziehender Barbaren“: die „Achse des Bösen“ im Anmarsch...

Inmitten dieser folgenschweren Zeitspanne entschloss sich - wie bereits erwähnt - der französische Produzent Alain Brigand für das äußerst riskante und anspruchsvolle Film-Projekt. Das Hauptziel seiner Bestrebungen war es, eine möglichst pluralistische Darstellung des 11. Septembers und seiner fatalen Konsequenzen der Öffentlichkeit zu präsentieren.

[quote] „Um das weltumspannende Echo auf dieses Ereignis auf andere Art als durch diese entsetzlichen Bilder festzuhalten, wurde mir sehr bald klar, dass wir die Pflicht der Reflexion hatten. Diese Reflexion sollte nicht der Gegenwart verhaftet sein, sondern sich ausdrücklich der Zukunft zuwenden. Sie sollte in allen Ländern und Regionen verstanden und mitempfunden werden können. Eine Reflexion, die diese Bilder mit anderen Bildern beantwortete.“ (http://www.movienetfilm.de/11_09_01/presseheft.php) [/quote]

In dem im Internet veröffentlichten Interview wandte sich der Produzent an elf Filmemacher/Innen aus den verschiedensten Teilen der Welt mit der Vorlage: „Ein Film, der 11 Minuten, 9 Sekunden und 1 Bild – 11’09’’01 – dauert und sich um die Ereignisse des 11. September und ihrer Folgen dreht.“ (http://www.movienetfilm.de/11_09_01/presseheft.php). Den befragten Regisseuren wurde absolute Freiheit gewährt; die Vielfalt der behandelten Themen und die Heterogenität der darin vertretenen Ansichten, sprechen eindeutig dafür. Am Projekt arbeiteten der britische Politfilmer Ken Loach, der Amerikaner Sean Penn, Claude Lelouch, Samira Makhmalbaf, Youssef Chahine, Danis Tanovic, Amos Gitaï, Mira Nair, Shohei Imamura und Alejandro Gonzáles Iñárritu, dessen Kurzfilm mir die Inspiration zu diesem Text überhaupt ermöglichen sollte. Die elf Beiträge vermeiden allerdings die allbekannten Schreckensbilder, und versuchen anderweitig über die Anschläge zu reflektieren. Der 11. September bleibt im Hintergrund verborgen, die Tragödie wird verarbeitet, bearbeitet, nur angedeutet, und dient vielmehr der Verknüpfung zu anderen tragischen Ereignissen der jüngsten Weltgeschichte. Der Film entspricht daher einer kollektiven, pluralistischen Analyse, die den Abgrund des Menschen und dessen alltäglichen Kampf zwischen Wahn und Wirklichkeit, darzustellen versucht.

A. G. Iñárritu: „11 Minuten Schwarzfilm und 1 Bild“

Dass die künstlerische Verarbeitung des 11. Septembers als eine Überwindung des tabuisierten Traumata verstanden werden sollte, leuchtete mir schon damals ein und ich befürwortete es auch aufrichtig. Dass ich aber während Alejandro Gonzáles Iñárritus Beitrag ausgerechnet an Heiner Müllers „Fünf Minuten Schwarzfilm-Provokation“ denken musste, verblüffte mich aufs innigste. Ich saß wie gefesselt vor der Leinwand. Vor meinen Augen die cineastische Umsetzung einer provokativen Theorie. Meine Begeisterung stieg Minute nach Minute, elf Minutenlang. Nebenbei gesagt, das irritierte Publikum empfand diesen kurzen Zeitraum als eine Ewigkeit. Die wenigen anwesenden im Kinosaal wollten den bizarren, etwas befremdenden Kurzfilm gar nicht wahrnehmen, bereits nach den ersten verstrichenen Minuten, strebten sich alle sichtlich nach einer unterhaltsamen linearen Erzählstruktur. Iñárritu verweigert diesen Wunsch. Er entschied sich für die „Darstellung“ der Tragödie des 11. Septembers, indem er sie letztendlich gar nicht zeigte. Seine damalige Motivation erläuterte er während einem Gespräch:

[quote] „An jenem Tag, dachte ich, wurde die Fiktion von der Realität getötet. Die Story und die Bilder hat jeder schon tausendmal erzählt und zu sehen bekommen; als jemand, der Fiktionen produziert, trat ich deshalb demütig einen Schritt zurück und versuchte, einen Tribut zu leisten in Form von 11 Minuten visuellen Schweigens, wobei Schwarz für die Farben des Todes und des Leids steht und Weiß für das Heilen.“( http://www.movienetfilm.de/11_09_01/presseheft.php) [/quote]

Der elf Minutenlange Schwarzfilm „überschwemmt“, „überfällt“, „berauscht“ das Publikum mit unbeschreibbar brutalem Rohmaterial. Der pechschwarze Bildschirm wird mehrmals, abrupt, fast blitzhaft für Sekundenbruchteile von einem verzerrten, hellem Bild unterbrochen. Das unscharfe Bild schildert das furchtbare Schicksal eines Menschen, der von einem der brennenden Türme des World Trade Centers ins Leere hinabstürzt.

[quote] „Das einzige Bild, das ich verwendete, war der fallende Mensch, gedacht als metaphorische Darstellung des Ikarus. Es war ja nicht nur dieser einzelne Mensch, der da stürzte, sondern wir alle fielen. Den Einsturz des Turms nahm ich als metaphorische Darstellung des Turms von Babel, in dem jeder eine andere Sprache spricht und niemand sich mit dem anderen verständigen kann, also ein Zusammenbruch der romantischen Vorstellung von globaler Zivilisation.“( http://www.movienetfilm.de/11_09_01/presseheft.php) [/quote]

Das empfundene Entsetzen der Zuschauer wird durch ein grausames „crescendo“ bestehend aus Ton und Musik verschärft.

Im Versuch die kargen Bilder zu dechiffrieren, vernimmt man zugleich furchtbare Schreie, verzweifelte Stimmen, Abschiedsgrüße auf Anrufbeantwortern, Medienberichte, sowie metallische Geräusche, Sirenen, grelle dumpfe Töne des Kronos-Quartett, sowie Gebete der Chamula-Indios.

[quote] „Anstatt den Zuschauern mit Hilfe einer Kurzgeschichte eine Antwort zu liefern, wollte ich die Leute mit ihren eigenen Bildern konfrontieren, mit ihren eigenen Ängsten und Empfindungen angesichts dessen, was passiert ist, und ihnen damit zu einer Katharsis verhelfen. Paradoxerweise gab es dazu überhaupt nur eine einzige Möglichkeit, nämlich ohne Bilder zu arbeiten.“ (http://www.movienetfilm.de/11_09_01/presseheft.php) [/quote]

Dies berichtete der Regisseur seinem damaligen Gesprächspartner. Die Abwesenheit der Bilder ermöglicht eine völlig andere Sicht auf die New Yorker Terroranschläge. Es ist die Darstellung einer bisher fehlenden, mangelnden und genau deswegen notwendigen Perspektive.

Indem der Kurzfilm all die unschuldig Gestorbenen würdigt, wird dem „Sensationalismus“, der visuellen „Bilderüberschwemmung“ der Massenmedien, einen radikalen Strich gemacht. Ziel Iñárritus ist die Katharsis der Zuschauer. Der Anblick der pechschwarzen Leinwand versetzt das Publikum in einen beängstigenden, bedrückenden Zustand, der jedoch auch verärgerte Reaktionen herbeiführen kann. Elf Minutenlang wird der sonstige „Bilderfluß“ unterbrochen, die Gewohnheit gestört. Der Zuschauer wird aufgefordert sich an das Geschehene zu erinnern, die fehlenden Bilder selbst auszumalen, sie zu Ende zu denken. Heiner Müllers unparteiischer „Fünf Minuten Schwarzfilm“ Ausruf hätte, meines Erachtens nach, eine ähnliche Funktion wie die des eben analysierten Kurzfilms. Die Kunst als Inbegriff einer Störungsaktion, eines Verstörungsfaktor, der die bestehenden, verkalkten, passiven Sehgewohnheiten der Fernseh- und Kinozuschauer bekämpfen soll, um das Individuum wieder im Mittelpunkt des eigenen humanistischen Diskurs zurückzuführen. Die mögliche Rückkehr zur Reflexion durch die „Verlangsamung“, die „Unterbrechung“, die „Störung“ des beschleunigten und ununterbrochenen Daseins. Alexander Ernst © Berlin, Februar 2006

 

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[1] Zum Thema der Müller Interviews/Gespräche siehe a.: Sascha Löschner, Geschichte als persönliches Drama. Heiner Müller im Spiegel seiner Interviews und Gespräche, Frankfurt/Main 2002; Alexander Ernst: Interviste e Conversazioni di Heiner Müller. Diplomarbeit, Florenz 2003 (unveröffentlicht).

 

 

Quellen

 

Heiner Müller, Gesammelte Irrtümer 2, Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 1990.

Heiner Müller Material, Frank Hörnigk (Hrg.) Reclam, Leipzig 1988.

Alexander Ernst, Interviste e Conversazioni di Heiner Müller, Florenz 2003 (unveröffentlicht), Diplomarbeit.

Deutsche Kunst der späten achtziger Jahre/Amerikanische Kunst der späten achtziger, DuMont, Köln 1988,  S. 56-67.

BR-Online: 11' 09" 01 - September 11, Kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September haben elf Regisseure und Regisseurinnen in kurzen Geschichten versucht, auf das Grauen zu reagieren. http://www.br-online.de/kultur-szene/film/tv/0309/00860, (Abruf 17.11.2004)

Yahoo Movies: http://de.movies.yahoo.com/fa./385525.html, (Abruf 17.11.2004)

Filmz.de: 11'09''01 - September 11, http://www.filmz.de/film_2002/_11_09_01_september_11/, (Abruf 17.11.2004)

Haus der Kulturen der Welt: Inarritu Alejandro Gonzales, http://hkw.de/deculture_base/InarrituAlejandroGonzales, (Abruf 22.11.2004)

Movienetfilm.de: 11'09''01 - September 11, http://www.movienetfilm.de/11_09_01/presseheft.php, (Abruf 22.11.2004)

 

 

I

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Heisst das aber, dass man sich auf Berlin verlassen kann?

Bravo Paola. Gratulation! Das ist ein toller Artikel, ein tolles Blog, dass Du begonnen hast, um nicht zu sagen, dass das einfach Poesie ist. Berlin kann man wirklich vertrauen. Berlin lässt man nicht im Stich. Sie, diese Stadt, hat mich nie im Stich gelassen. Ich habe wirklich eine geile Zeit gehabt und ich muss sagen, dass Paola Coppola auch zu diesem Erfolg beigetragen hat. Ich kann es nicht vergessen, als wir beide auf die Volkshochschule gegangen sind, damit wir noch mehr Deutsch lernen können. Dort haben wir gelernt, was im Stich zu lassen bedeutet und ich erinnere mich daran, dass es sehr lustig war. Die Volkshochschule in Berlin Mitte ist ganz in der Nähe vom Cafe Zosch. Dort sind wir jeden Mittwoch hingegangen und manchmal wurde auch ein bisschen gesoffen.

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Berlin lässt niemanden im Stich

Am Anfang meiner Zeit in Berlin steht das Leben der Entdeckung. Ich fühle mich von den Berlinern angezogen. In Berlin gibt es viele internationale Studenten, aber mich interessieren vor allem die verschiedenen Berliner in Ost und West.

Bravo Mario! Sehr lustig dein Photo auf der Berlinale!

Mario, Mario! Bravo! Gratulation für diesen riesen Erfolg! Hab die Photos von der Berlinale auf sina.com gesehen! Sehr lustig. Eigentlich bin ich neidisch auf dich, weil ich mich jetzt daran erinnere, wie ich mit Vale auf die Berlinale gegangen bin und einen Film gesehen habe.

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