Johannes Apfel's blog

Spaziergang in Kabul: Schweißen auf der Straße und eine bewegungslose Bettlerin im Tschadori

Bei einem Spaziergang entdecken wir auf einer Freifläche ganz tiefe Löcher im Boden, so etwa fünf Meter tief, unten Wasser und Müll. Sind die, um Wasser für die Lehmziegeln zu haben? Oder waren das früher Brunnen von Häusern, die es nicht mehr gibt? Mehrfach sehe ich Leute beim Schweißen, völlig ohne Schutzschild. Arbeitsschutz gibt es hier nur rudimentär, auch an den Schreinereimaschinen, die ich bisher gesehen habe. Die Armen, die zum Teil stundenlang an der Kreuzung arbeiten müssen.

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Einkaufen in Kabul: Handwerkszeug und keine Lust zum Handeln

Mit Mir Afzal gehe ich zusammen Handwerkszeug für das Gästehaus einkaufen, weil wir nicht mal einen Schraubenzieher hatten. Ein ganz neuer Stadtteil und ich bin mal wieder erstaunt, was es in diesen winzigen Läden so alles zu kaufen gibt. Ich habe keinen einzigen Laden mit mehr als 60 qm gesehen und mit um die 50 qm auch nur zwei oder drei. Die meisten haben höchstens 15 qm und sind oft voll gestopft mit manchmal unglaublich vielen Dingen. Einmal gehe ich mit Astrid einkaufen, bin ein bisschen kränklich und habe keine große Lust zum Handeln, will einfach nur meine Sachen kaufen.

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Ein paar Tage WG mit Arun und ein Gefallen für den Wächter

Mittags kommt Arun. Er will mit uns WG machen. Warum mit uns und was er darunter versteht, ist mir nicht ganz klar. Später denke ich, dass er vielleicht etwas deutsche Kultur als Ruhemöglichkeit sucht. Aber vorerst gibt er sich total Mühe, will richtig einsteigen. Haushaltskasse, einkaufen, und er kocht schon am zweiten Tag für uns. Ich sage ihm: ”Arun, Du sollst hier nicht noch eine anstrengende Arbeit haben, du musst dich auch ein bisschen ausruhen.” “Wir machen hier so, wie es in der Vorbereitungszeit in Deutschland war”, sagt er. Das hat ihm wohl gut gefallen.

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Sowjetische Plattenbauten in Kabul

Am nächsten Tag half mir unser Lehrer Mir Afzal die sowjetische Wohnsiedlung zu finden, in der Nabil mit seiner Familie wohnt. Es gibt an den Rändern von Kabul mehrere solcher Plattenbausiedlungen, wie sie es auch bei uns gibt, manchmal ja auch ziemlich heruntergekommen. Hier ist nur überhaupt kein Grün dabei (ehemals gab es wohl welches, ein paar sehr, sehr dürre Bäume stehen oft noch herum) und die Gebäude sind voller Einschusslöcher, selten auch teilweise eingestürzt. An einer Stelle stehen noch Baukräne, das Haus dabei ist halb fertig (aber bewohnt) und Baumaterial liegt daneben.

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Mein Fahrrad ist da, aber…

Zu Hause war mein Fahrrad da, das mir Rafiulah stolz vorführte. Ich bedankte mich sehr, merkte aber bald, dass es einiges zu reparieren gab, bevor ich damit würde fahren können. Vor allem die Konstruktion der Bremsen hielt einer einfachen Benutzung nicht stand. Mit Rafiulah stimmte auch irgendetwas nicht und ich bekam durch Nachfragen heraus, dass das Fahrrad nun doch etwas teurer geworden war. Das ließ sich einfacher regeln, als die Reparaturen. Kurz darauf kam Nabil, der Cousin von Bhopal (mit dem ich in Deutschland Dari angefangen hatte zu lernen).

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Wer ist besser? Die Paschtunen oder die Dari sprechenden Afghanen?

Vom Büro aus bin ich mit dem Taxi gefahren. Der Fahrer wollte unbedingt von mir wissen, wer denn besser sei: die Paschtunen oder die Dari sprechenden Afghanen. War mir schon klar, dass er selbst wohl ein Panjiri sein müsse, ein Massoud- Anhänger. Ich sagte also, ich könne da keinen Unterschied erkennen. Doch, ich solle jetzt sagen, wer besser sei. Ich hätte mit Paschtunen und Tadschiken zusammen gearbeitet und sie alle seien nett gewesen, antwortete ich. Nur die Mujaheddin fände ich nicht so toll. Waaas?! -Ja , die Mujaheddin hätten immerhin Kabul zerstört.

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Wütende Statements über die Frauenhilfeorganisation

Abends habe ich die Gelegenheit mit der Afghanin Zaira, die längere Zeit in Deutschland war, über die Frauenhilfeorganisation zu reden. ‚Zu reden’ ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck: Sie ist innerhalb kürzester Zeit hochgegangen wie eine Rakete und hat nur noch auf diese Organisation geschimpft: Diese NGO wäre gar nicht in Kabul, sondern in Pakistan, die illegalen Mädchenschulen unter den Taliban hätte gar nicht AFA gemacht, sondern andere Frauen. Sie würden jetzt nur so tun, als wären sie das gewesen und würden genug Geld bekommen, andere seien viel bedürftiger.

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