afghanistan

Als Dozent an der Universität Herat

Die Universität in Kabul beendet, noch einige Monate in Deutschland verbracht und dann war es soweit – ab nach Herat, um dort am Aufbau der Deutschabteilung mitzuarbeiten. Das war mein neues Ziel.

Vor fast genau einem Jahr bin ich nach Herat gegangen. Täglich gibt es Flüge von Kabul mit Kamair. Ich war sehr neugierig und als ich am Mittag am Flughafen ankam, wartete die DAAD-Lektorin bereits auf mich. Natürlich hatte ich schon viel von der Schönheit der Stadt gehört. Alles läuft auch viel geordneter als in Kabul und es gibt nicht soviel Staub hier.

Leben und Arbeiten in Afghanistan: Flug und Ankunft in Kabul

Von November 2002 bis April 2003 war ich mit einer deutschen Entwicklungshilfe-Organisation in Afghanistan. Dankbar für diese Möglichkeit, habe ich ein erstaunlich vielseitiges und interessantes Land kennen gelernt: Durch die Taliban-Herrschaft traumatisierte Menschen, karge, aber wunderschöne Landschaften, Ruinen-Viertel und zahlreiche Neubauten, Gastfreundschaft und eindrucksvolle Persönlichkeiten, Straßen voller Bettler und im Frühjahr endlich wieder grüne Felder sind nur ein paar Stichworte aus vielen Begegnungen.

Die Geschichte der „Khudai Khidmatgar“ in Afghanistan: Hoffnung gegen den Fundamentalismus?

1988: Mit unverminderter Brutalität wird der Golfkrieg zwischen dem Irak und Iran fortgesetzt. Die Präsenz der US-Flotte im persischen Golf garantiert den See- und Handelskrieg in Permanenz. Reagan verteidigt schließlich die Interessen des christlichen Abendlandes gegen die wild gewordenen islamischen „Barbaren“. Ein moderner Kreuzzug also. Und angesichts des unberechenbaren Fanatismus der Mulla regt sich hierzulande gegen die US-Kriegsschiffe im Golf und die der Bundesmarine im Mittelmeer kaum nennenswerter Protest. Vergessen wird bei diesem Kreuzzug nur allzu leicht, dass das christliche Abendland im Mittelalter, und zuweilen noch heute, eine Brutalität entwickelte die der des Schiismus im Iran in nichts nachsteht. Vergessen wird auch, dass der Schiismus nicht der ganze Islam ist und nicht alle SchiitInnen fundamentalistisch sind und unberücksichtigt bleibt drittens, dass die dem iranisch aufgezwungene westliche Zivilisation unter dem Schah erst den Widerstand aus der fundamentalistisch-islamischen Tradition schürte. Wäre eine Entwicklung des islamischen Widerstands möglich gewesen, zumal die Armee des Schahs in geradezu grandioser Weise durch Massendemonstrationen und Dienstverweigerungen gewaltfrei zersetzt wurde, bevor Khomeini kam? Diese Frage wird heute gar nicht erst gestellt, weil eine gewaltfrei-revolutionäre Bewegung im Islam schlicht unvorstellbar erscheint. Eine ebensolche hat es aber gegeben, und sie zählte zu den erfolgreichsten und radikalsten in der noch weitgehend unbekannten Geschichte weltweiter gewaltfreier Bewegungen: es ist die Bewegung der „Khudai Khidmatgar“ (übersetzt: Diener Gottes), die wegen ihrer roten Hemden als „Rothemden“, GandhianerInnen, bekannt wurden.

Subscribe to RSS - afghanistan