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Die Russen kommen (Teil 1)

 

Nationalismus ist nicht das Erwachen des Selbstbewußtseins von Nationen:

Er erfindet Nationen, wo sie nicht existieren.“


Du hast gekocht als würden die Russen kommen!“

 

Du hast gekocht als würden die Russen kommen!

 

Russen, was für Russen? Wo kommen die her? Wieviele? Was wollen die hier? Und wie lange wollen die hier übernachten? Was für Russen?

Jan, mein Freund ...

Was für Russen, Kommode?

Armee.

Was, zum Übernachten? Du hast einen Haufen Russen eingeladen. Wo sollen die denn schlafen?

Jan, die Russen stehen vor Berlin.

Haha witzig, wie die Türken vor Wien, ja!

Nein, nicht wie Türken. Türken mit Pferden und kamen über Balkan. Russen haben Panzer und kommen durch Polen.

Polen, Polen, Kommode? Mit dem Zug oder mit dem Bus aus Polen, und wieviele, verdammt nochmal?!

„Der Fremde“ von Albert Camus

Die Handlung des Romans ist relativ einfach. Es geht im Wesentlichen um zwei Ereignisse - den Tod der Mutter Meursaults und den Mord an einem Araber. In dem Roman geht es aber nicht in erster Linie darum, was der Protagonist macht, sondern wie er es macht. Was den jungen Büroangestellten vor allem auszeichnet und ihn gegenüber anderen entfremdet, ist seine ungewöhnliche Gleichgültigkeit - gegenüber Dingen, Menschen, Ereignissen und sogar gegenüber seinem eigenem Schicksal. Die Gleichgültigkeit von Meursault ist ein schockierendes Element des Romans.

Der Roman – Produkt einer individualistischen, bürgerlichen Gesellschaft, die von Marktgesetzen beherrscht wird

Das Konzept der Indifferenz hat die Menschheit seit Anfang ihrer Geschichte begleitet. Es ist in den meisten bedeutenden philosophischen Systemen präsent. Man findet es in der stoischen „apatheia“, in der epikureischen „ataraxia“, im buddhistischen „Nirvana“, im taoistischen Nichts oder im Nicht-Denken des Zen. In der Literatur hat sich diese Idee besonders im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert entwickelt. Viele berühmte Autoren wie Proust, Valéry, Périer, Cocteau, Hemingway oder Beckett haben in ihren Werken gleichgültige Figuren geschaffen. Im neunzehnten Jahrhundert als „spleen“, „mal du siécle“, oder „ennui“ gesehen, ist die Indifferenz im nächsten Jahrhundert bereits zur Verweigerung aller gesellschaftlichen Werte geworden. Literatur spiegelt den Geist des Zeitalters wider. Das gilt vor allem für den Roman, der besonders mit den gesellschaftlichen Phänomenen verbunden ist. Laut Lucien Goldmann wird der Roman des zwanzigsten Jahrhundert zum Produkt einer individualistischen, bürgerlichen Gesellschaft, die von den Marktgesetzen beherrscht wird: Eine Gesellschaft, in der die qualitativen, authentischen Werte nicht mehr unmittelbar (wie in der feudalen Welt) gegeben sind, sondern implizit bleiben. So muss auch die Indifferenz in den literarischen Texten als Matrix der bestehenden sozialen Situation gesehen werden.

Die Krise der Werte, die Industrialisierung und Entwicklung der Marktproduktion mit ihren Tauschwerten, und der Übergang zum Monopolkapitalismus haben den gesellschaftlichen Kontext des Endes des neunzehnten und der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts bestimmt. Eine große Rolle spielten auch die Erfahrungen und Erlebnisse des ersten Weltkriegs, die Konfrontation mit dem Tod, Leid und Sinnlosigkeit. Für den Roman der Zwischen-Kriegs-Zeit war auch die Entwicklung der faschistischen Soziolekte und die Veränderungen der soziolinguistischen Situation von Bedeutung. Die Indifferenz die sich in dieser Zeit der Unruhe und Ambivalenz aller Werte, herausgeprägt hat, wird als eine Reaktion auf, vom Individuum als störend oder defizitär bewertete, Zustände oder Vorgänge dargestellt, und kann als eine Form der Resignation oder als ein Schutzmechanismus verstanden werden. Die Gleichgültigkeit wird auch als absolute Antwort auf die Identitätskrise oder Nichtung von Identität betrachtet.

Zu den wichtigsten Werken, dessen Protagonisten sich mit einer besonderen Indifferenz kennzeichnen, gehören Albert Moravia mit seinem Roman „Die Gleichgültigen“, Jean-Paul Sartre mit dem Titel „Der Ekel“, Samuel Beckett mit „Murphy“ oder Gottfried Benn mit „Der Ptolemär“. Eine besondere Stellung unter den „gleichgültigen“ Texten nimmt das Werk von Albert Camus „ Der Fremde“. Diesem 1942 erschienenen Roman des französischen Autors, der in Algerien gelebt hat, kommt eine besondere Bedeutung innerhalb der Indifferenzthematik zu. Mit seinem Erscheinen wurde sie freigesetzt und verfügbar, was die Vielzahl der Sekundärliteratur bezeugt. Dieser Text markiert auch den Übergang der Thematik in die Postmoderne.

Die Indifferenz in „Der Fremde“ ist nicht nur eine Reaktion des Individuums auf das gesellschaftliche Ganze, sondern auch eine Widerspiegelung des philosophischen Denkens seines Autors. Charakteristisch für Albert Camus ist die Feststellung der Absurdität des Lebens. Sie erfolgt sowohl aufgrund der bestehenden sozialen Verhältnisse, der persönlichen Erfahrungen des Schriftstellers, bei denen der Verlust des Gottesglauben und die Konfrontation mit dem Tod die größte Rolle spielen, als auch aufgrund seiner Lektüre der bedeutenden Philosophen wie Nietzsche, Schopenhauer oder Kierkegaard. Die Tatsache, dass das menschliche Leben absurd ist, löste für Camus eine andere wichtige Thematik aus:

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