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Würde, Freiheit und Gottesebenbildlichkeit im Kontext der heutigen Zeit

Seit Ende des Mittelalters verwandelte sich die urchristliche Lehre, indem der Mensch immer stärker als „zweiter Gott“ (secundus deus) gedeutet wurde. Dieser Gedankenstrang verhärtete sich in der Renaissance weiter und der Mensch hob sich schließlich als grenzenlos gestaltungsfähiger Mensch in „de dignita hominis“ hervor. Die Aufklärung letztlich nahm den autonomen Menschen aus der vorgefundenen Natur heraus, indem ihm die Philosophen eine moralisch-praktische Vernunft zusprachen. Es war Kant, der schließlich verkündete, die Würde besäße einen absolut inneren Wert.

Aufbau der frühchristlichen Gesellschaft und die Würde des Menschen

Das jeder Mensch würdevoll zu behandeln ist und alle vor dem Gesetz gleich sind, ist für uns keine Neuigkeit, war jedoch in frühchristlicher Zeit, wo Sklaven gehandelt, geschlagen und gekauft wurden, nicht selbstverständlich. Aus diesem Grund ist die Beleuchtung der frühchristlichen Gesellschaft für das Verständnis von Würde, wie wir sie heute verstehen, wichtig. Denken wir über die Würde nach, bemerken wir rasch, dass das frühchristliche Material in deutlichem Kontrast zu unseren von individualistischen Vorstellungen geprägten Empfinden steht (vgl. Lampe, 2001: 288f).

Die christlichen Wurzeln der Menschenwürde

„Die Würde des Menschen ist unantastbar...“ - dies beschloss der parlamentarische Rat im Deutschen Grundgesetzbuch am 23. Mai 1949 in Bonn. Doch was genau bedeutet die „Würde“ und wie zeichnet sie sich aus? Was sind ihre Grundlagen? Mit einer regelrechten Selbstverständlichkeit sprechen wir uns dafür aus, die Menschenwürde zu wahren und zu schützen, können den Begriff jedoch nicht ganz erklären oder gar deuten. Klar ist, dass das deutsche Volk nach dem 2. Weltkrieg ein Gesetz benötigte, welches sich rein mit dem Menschen befasst um ihn vor Staat und anderen Mitmenschen zu schützen. Völkermorde von Deutschland ausgehend sollten wenigstens formal unmöglich gemacht werden.

Die Omnipräsenz der Demütigung in der heutigen Gesellschaft und die Politik der Würde

Der Begriff der Demütigung ist der Bedeutungsgruppe Unlust empfinden zuzuordnen und steht auf gleicher Stufe mit Bedrohung, Elend, Kränkung und Leid (vgl. Franz Dornseiff, Der deutsche Wortschatz, 2004). Auch die Synonyme für Demütigung, wie z.B. Entwürdigung, Herabsetzung, Missachtung oder Verachtung, sind ähnlich negativ in ihrer Bedeutung, so dass es für einen Außenstehenden schwer verständlich erscheinen mag, dass Demütigung auch freiwillig beinhalten kann, wie bei bestimmten religiösen Praktiken. Und sie kann sogar „einvernehmlich statt finden“, zum Beispiel bei sadomasochistisch-interessierten Menschen, die aus Demütigungen einen Lustgewinn ziehen. Doch im Prinzip ist Demütigung die erzwungene Erniedrigung eines Menschen oder einer Gruppe, ein Prozess der Unterwerfung, der den Stolz, die Ehre, und Würde der Opfer verletzt oder vollständig raubt. Gedemütigt zu werden bedeutet, oft in extrem schmerzhafter Weise, in eine Situation gebracht zu werden, die sehr viel „tiefer” angesiedelt ist als es das Opfer erwartet. Der Akt der Demütigung enthält erniedrigendes Verhalten anderen gegenüber, Verhalten welches etablierte Grenzen und Erwartungen überschreitet. Demütigung kann Zwang und Gewalt beinhalten. Im Zentrum steht die Idee des nach unten Drückens und unten Haltens.

Der Begriff der Demütigung als solcher stellt keinen akademischen Terminus dar. In Lexika und Wörterbüchern wird die Demütigung als: Verletzung von jemanden in seiner Würde und Ehre (Wahring Deutsches Wörterbuch 1980); Verletzung von jmds. Selbstgefühl oder Stolz (Knaurs Grosses Wörterbuch der deutschen Sprache, Der Grosse Störing, München 1985); tiefe, beschämende Kränkung (Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch, Band 2, Stuttgart 1981), Herabwürdigung (Meyers Grosses Universal Lexikon, Band 16, Mannheim 1986) oder als Erniedrigung, Nichtachtung (Duden, Sinn- und Sachverwandte Wörter, Synonymwörterbuch der deutschen Sprache, Hrsg. Wolfgang Müller, Mannheim, Leiozig, Wien, Zürich 1997) beschrieben.

 

[quote] Demütigung (von Demut) ist die absichtlich beschämende oder verächtliche Behandlung eines wehrlosen Anderen vor den Augen Dritter oder vor seinen eigenen Augen. (vgl. Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Demütigung, Version 21:04, 18. Apr 2006) [/quote]

Die Demütigung scheint in der heutigen Gesellschaft omnipräsent zu sein und weist eine Menge von unterschiedlichen Erscheinungsformen auf. Man kann von einer psychischen, körperlichen, emotionalen, sexuellen oder beruflichen Demütigung sprechen, aber auch von einer politischen oder nationalen Demütigung. Der Begriff der Demütigung kann daher auf einer persönlicher Ebene (Mikroebene) als auch auf einer kollektiven Ebene (Makroebene) betrachtet werden. In beiden Fällen hat er mit dem Begriff von Würde, Ehre und Stolz zu tun. Da diese Werte unterschiedlich bei den Individuen herausgeprägt sind, wird die Demütigung auch im unterschiedlichen Grade empfunden. Sie hängt von der Sensibilität eines Menschen, hat daher einen subjektiven Charakter.

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