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Gewaltige Aufgaben für die Stadt- und Verkehrsplanung in Kabul und neue Erkenntnisse über Entscheidungswege in Afghanistan – Internationale Perspektive

Gewaltige Aufgaben für die Stadt- und Verkehrsplanung in Kabul und neue Erkenntnisse über Entscheidungswege in Afghanistan

Die Wächter machten große Augen als Arun uns besuchte – weil er so ein hohes Tier ist. Er kam auch in einem Wagen aus dem Ministerium, in dem normalerweise nur der Minister selbst oder sein Stellvertreter gefahren wird. Arun ist allerdings auch direkter Berater des Ministers, der heilfroh sei, dass jemand mit Ahnung gekommen sei. Und das hat Arun, so dass wahrscheinlich eine Menge seiner Ideen und Vorschläge in die Arbeit dieses Ministeriums einfließen wird.

Die Wächter machten große Augen als Arun uns besuchte – weil er so ein hohes Tier ist. Er kam auch in einem Wagen aus dem Ministerium, in dem normalerweise nur der Minister selbst oder sein Stellvertreter gefahren wird. Arun ist allerdings auch direkter Berater des Ministers, der heilfroh sei, dass jemand mit Ahnung gekommen sei. Und das hat Arun, so dass wahrscheinlich eine Menge seiner Ideen und Vorschläge in die Arbeit dieses Ministeriums einfließen wird. Vor einigen Jahren habe ich von Recife, einer brasilianischen Großstadt gelesen, die heute das einzige Nahverkehrssystem der Welt hat, dass sich selbst trägt. Und zwar standen sie vor der Aufgabe, ein U-Bahn-System zu planen. Es wurde schnell klar, dass dafür das Geld hinten und vorne nicht reicht. Anstelle nun mit halben Sachen anzufangen, haben sie etwas ganz Neues entworfen. Das waren Gliederbusse mit mehreren Türen, wie Straßenbahnen und eigenen Spuren, die je nach Bedarf auch wieder geändert werden können. Sozusagen schienenlose Straßenbahnen. Die Planer davon, so habe ich von Arun erfahren, waren Studienkollegen von ihm, aus der gleichen Schule. An unserem Lern- und Esstisch machte uns Arun ein paar Skizzen zu einem Verkehrsleitsystem und zu einer Aufteilung der Straßen in Bereiche für Fußgänger, Fahrräder, schnelle und langsame Fahrzeuge. Eine Weile habe er Überzeugungsarbeit leisten müssen, um zu verhindern, dass die Armen (zum Beispiel die Hazara mit ihren Ziehkarren) nicht einfach in diesen Planungen weggezeichnet werden, sondern ihren Platz bekommen. Zu dem Verkehrsleitsystem (Umlenkung des Verkehrs von stark frequentierten Knotenpunkten hin zu weniger belasteten Straßen, Ermittlung des Verkehrsaufkommens einzelner Stadtteile zur Ermittlung sinnvoller Hauptverkehrsadern usw.) fragte ich ihn: Ja, und dann hast du einen tollen Plan, aber genau in der wichtigen Straße sitzt das Ministerium des Innern und macht eine Vollsperrung, weil der Minister gerade im Haus arbeitet. Arun lachte: “Das hatte ich bisher in allen Ländern, in denen ich gearbeitet habe: Algerien, Syrien, Marokko, China. Solch eine Straße ist genauso zu betrachten, wie ein Hauptknotenpunkt, das Verkehrsleitsystem muss sich darauf genauso einstellen.” Bei einem Spaziergang durch das Viertel war er aber dann doch überfordert mit den vielen Aufgaben, die er da auf sich zu kommen sah: die Kloaken, die einfach zur Straße hin ablaufen, die Abwässer. Er meinte, dass die Brunnen der Armen nur 4-5 Meter tief seien und die Sickergruben der Reichen ebenfalls. In unserem Haus ist der Brunnen etwa 30 Meter tief, ich hoffe, dass auch die öffentlichen Brunnen wenigstens so tief reichen. Aber die Sickergrube unseres Hauses ist zwar optisch und –erstmal- hygienisch besser, als die Kinderspielplatz- Jauche der anderen Häuser, aber langfristig für das Grundwasser eine Katastrophe. Früher, sagte Arun, waren die offenen Fäkalien insofern nicht so ein Problem, weil es weniger Einwohner pro Fläche in Kabul gab und es regelmäßig entsorgt wurde. Auch Seuchen waren nie ein Problem, wohl auch wegen der trockenen Luft. Eigentlich, meinte er, seien sie im Ministerium genug Leute, 300 an der Zahl. Mit so vielen könne man richtig etwas bewegen. Aber wenn er einen Gang durch das Ministerium machen würde, sähe er die meisten in leeren Büros untätig herumsitzen. Es gäbe immerhin eine Abteilung, die von einem Exil-Afghanen geleitet würde, da ginge es richtig rund. Wenn er jetzt etwa 20 Leute zu seiner Unterstützung bekäme, wolle er erst wissen, was das für Leute sind. Aber das sei wohl überall so in der öffentlichen Verwaltung, das es nur um die Posten, nicht um die Arbeit ginge. Außerdem ständen jeden Morgen bis zu zehn Leute vor der Tür des Ministers, die alle für irgendetwas eine Erlaubnis oder eine Unterschrift wollten. Dabei geht es oft um Dinge, die gar nicht zu dem Entscheidungsbereich des Ministeriums gehörten oder um etwas, was viel weiter unten in einer zuständigen Abteilung entschieden werden muss. Aber der Minister unterschreibt es meistens trotzdem und damit ist es entschieden. Mit einem hohen Abteilungsleiter hatte er ein Gespräch, einer seiner Untergebenen kam dazu, wollte von dem Leiter eine Unterschrift. Als dieser verweigerte, kam es schnell zu einem Streit. Es ging um die Fortsetzung eines Computerkurses, dessen ersten Teil der Untergebene und seine ganze Arbeitsgruppe gemacht hatte und den er nun mit allen weiter machen wollte. “Sehen Sie, man lässt uns nicht machen! Man bremst uns aus!” wandte er sich an Arun. Der Vorgesetzte sagte: “Wir müssen auch die anderen Abteilungen berücksichtigen, ich kann nicht eine Gruppe bevorzugen!” und das auch zu Arun, der nun zwischen den Stühlen sich befand. Das Wichtigste, meinte er, ist dann, dass niemand sein Gesicht verlieren darf. Und es ist anders, als in Deutschland. Wenn der Vorgesetzte ‚Nein’ sagt, ist es noch lange nicht zu Ende. Die sagen dann sofort, dass es ihnen nicht passt. Das kann lange Streitereien geben. “Sehen Sie”, sagte Arun, “Sie haben doch gehört, was Ihr Abteilungsleiter gesagt hat: Er findet es auch wichtig, dass die Leute weitergebildet werden. (“Genau, genau!” sagte der Abteilungsleiter) Und wenn sie das unbedingt wollen, dann wird er Ihnen bestimmt nicht im Wege stehen. Nur, im Rahmen der Möglichkeiten wird Ihre ganze Gruppe daran wohl nicht teilnehmen können. Vielleicht treffen Sie sich morgen noch einmal und überlegen gemeinsam, welche Strategie sie anwenden können, um eine Weiterbildung und effizientere Arbeit zu erreichen.” Die vielen Container, in denen die Leute ihre Läden haben, Schrott sammeln usw., die kommen alle weg, sagte Arun. Als ich etwas irritiert guckte, meinte er: “Die sind doch sowieso alle illegal.” Montag, 25. November