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Hoher Entwicklungsdienst-Besuch in Kabul – Internationale Perspektive

Hoher Entwicklungsdienst-Besuch in Kabul

Ich bin früh aufgewacht und musste viel nachdenken. Die ganzen nächsten Tage ging das so. Einmal eine Liste machen, was ich als Grundausstattung anschaffen sollte für die Ausbildung in der Schreinerei. Und zusammentragen, welche Informationen ich noch brauche. Viel mehr über diese holländische Organisation, den Projektleiter, die örtlichen Amtsinhaber, den Schreinereileiter. Immerhin werde ich als einziger Europäer vor Ort wohnen.

Ich bin früh aufgewacht und musste viel nachdenken. Die ganzen nächsten Tage ging das so. Einmal eine Liste machen, was ich als Grundausstattung anschaffen sollte für die Ausbildung in der Schreinerei. Und zusammentragen, welche Informationen ich noch brauche. Viel mehr über diese holländische Organisation, den Projektleiter, die örtlichen Amtsinhaber, den Schreinereileiter. Immerhin werde ich als einziger Europäer vor Ort wohnen. Und etliche Anfragen zur Ausbildung habe ich: Drei Monate Basic-Kurs, drei Monate Advanced- Kurs mit je 15 Leuten ist deshalb nicht möglich, weil ich so lange gar nicht in Hezarak sein werde. Was die inhaltliche Abgrenzung zwischen den beiden “Kursen” sein soll, ist mir nicht klar geworden. Ich will auch wissen, ob es wirklich keinen Bedarf an Fenstern und Türen mehr gibt, bevor ich loslege mit Möbelbau. Zusätzlich ist das ein hoher Aufwand, wenn das Ziel ist, dass sich dann nur drei Leute selbständig machen sollen. Wichtig ist mir, dass Ole mir nicht mehr reinreden kann, wenn ich Entscheidungen getroffen habe. Wenn ich da wochenlang eine Beziehung auf Augenhöhe zu den Paschtunen aufgebaut habe, einen gegenseitigen Respekt, und er dann kommt und mich lächerlich macht. Morgens gleich ging es zu einem Treffen mit Frau Saumer. Sie bekleidet eine hohe Position im Entwicklungsdienst und war für ein paar Tage in Afghanistan. Wir stellten uns alle vor und Frau Saumer erklärte, dass sie es ungern hört, wenn jemand sagt: ‚Ich arbeite in einem ZIM- Projekt’. Das wäre so ziemlich das Falscheste, was wir sagen könnten. Dass wir gleichberechtigte Partner in anderen Organisationen wären und so weiter. Mich stoßen diese reinen ‚Sprachregelungen’ eher ab, vor allem, wenn es dadurch dann immer schwieriger wird, die Wirklichkeit zu beschreiben. Klaus gab mir eine Vorlage, indem er aus Uganda erzählte, wie wenig wichtig das war, ob in einem GTZ-Projekt einer von einem anderen Entwicklungsdienst bezahlt worden ist. Und ich konnte darauf aufbauen und erklären, dass ich am Vortag erst die einsame Entscheidung des Head of Mission erfahren hätte, dass ich in diesem Bergdorf wohnen soll. Und doch offensichtlich der Entwicklungsdienst für die ZIM nur ein Personalservice sei. Dem Entwicklungsdienst-Chef Anders war die Überraschung anzumerken. Er wusste bis dahin auch nichts über meinen Einsatzort. Frau Saumer fragte, warum ich das nicht schon vorher gewusst hätte. Das konnte ich ihr natürlich nicht beantworten, blöde Frage im Grunde. Was ich sagen konnte war, dass die Zusammenarbeit mit einer solch streng hierarchischen Organisation viele der Grundsätze und Ziele des Entwicklungsdienst außer Kraft setzt, wie Partizipation zum Beispiel. Und die sind doch nicht Selbstzweck, sondern sinnvoll. Ich hätte jetzt z.B. mit Eifer Dari gelernt und käme nun in ein Paschtunen- Gebiet. Die Aufgabe als solches würde mich aber sehr reizen. Es ging noch eine Weile um das Selbstverständnis des Entwicklungsdiensts, jemand anderes kritisierte ebenfalls die Organisation. Anderen war noch die Gehaltszulage wichtig, die bisher für Afghanistan gezahlt wurde. Frau Saumer erwähnte noch, wie gut sie inzwischen Afghanistan kennt (nach drei Tagen), immerhin habe sie schon einen Rundflug über Kabul gemacht und war in Jallalabad. Afghanistan gehöre zwar nicht zu den Ländern, die Vergnügungssteuerpflichtig wären, obwohl, wenn sie sich den blauen Himmel so angucken würde… Und so weiter. Ich muss aufpassen, dass ich nicht zu sehr ins Negative verfalle. Es war zumeist schon ganz okay, was Frau Saumer gesagt hat und ich fand den Morgen ganz angenehm. Sie hat auch wirklich nach unseren Sorgen und Nöten gefragt und ich hatte das Gefühl, mit Kritik nicht auf taube Ohren zu stoßen. Und die Kollegen bringen nicht alle so blöde Sprüche, wie auf der Fahrt nach Hezarak und die, die welche bringen, bringen sie auch nicht die ganze Zeit. Nach dem Treffen sind wir wieder in die Stadt, zusammen mit Mir Afzal, unserem Sprachlehrer. Ein paar Sachen einkaufen und Geldwechseln. Diesmal wollten wir aber Kleingeld haben und nicht die neuen 1000 Afghani- Scheine (etwa 17,-€), die so schwer oder gar nicht zu wechseln sind. (Wochen später hatten die Afghanen, die vor der Währungsreform als höchste Banknote nur 10 000 alte Afghani (10 neue Afghani) kannten, sich an die ‚großen’ Scheine gewöhnt). 20.11. Mittwoch