Ich vermisse das indische Restaurant in der Grossbeerestrasse in BERLIN KREUZBERG

In Zürich mache ich endlich auch Mittagspause. In Berlin habe ich nie eine Mittagspause gemacht, aber jetzt verstehe ich, wie schön es ist eine Pause zu machen, wenn alle die anderen eben dieses machen.

Na ja. Ich habe gestern eine super Wohnung gesehen. Die kostet 1000 Euro plus Parkplatz, allerdings ist das billig – nur 50 Euro pro Monat. Die Wohnung ist 3.5 Zimmer mit einer Einbauküche, großem Kühlschrank und Balkon mit Aussicht. Ich habe sie gemocht und ich habe sofort Fax zur Verwaltung geschickt. Trotzdem habe ich keine Antwort bekommen, deswegen habe ich auch heute gleich angerufen um zu sagen, dass ich mich dafür sehr interessiere. Ich hoffe ich bekomme sie.

Dann mit den Möbeln. Ich habe einen guten Deal gemacht! TV JVC (relativ groß), DVD/CD/Radio System mit Home Cinema, Couch, TV Sessel, TV-Tisch, Kaffee Tisch, Essenstisch, Schreibtisch, Tisch und 2 Stühle auf dem Balkon, Matratze, 2 große Schränke und ein Kleiner, ein Staubsauger, einen Fernsprecher (um nicht zu sagen Telefon) ohne Kabel, 2 Teppiche und viele andere Kleinigkeiten für 786 Schweizer Franken oder ungefähr 500 Euro. Nicht schlecht, e? Sie wollte 1100 CHF und ich habe gesagt ja aber dann habe ich meine Meinung gewechselt und sagte 700, sie hat gesagt 900 aber ich habe gesagt nein 700. Dann hat sie gesagt (alles per Email) 786 Schweizer Franken. Da habe ich gesagt ok. Das geht. Es lohnt sich. Aber ich muss für den Umzug bezahlen und das ist teuer!

Ich hoffe, alles klappt und ich kann ab 1. März meine Wohnung genießen und Freunde einladen als Gastgeber!

Ich muss jetzt arbeiten, damit der Sommer nicht in der Schweiz verbracht wird (um nicht zu vergessen, dass hier altes Deutsch gesprochen wird).

Camilleri: Schön und interessant war diese Reise durch Sizilien bis nach Deutschland

Endlich habe ich meine Arbeit über Andrea Camilleri fertig. Meine Wahl der Thematik, Camilleri: „Von Sizilien nach Deutschland“, hat sich durch die Tatsache inspirieren lassen, dass mein Professor mir diesen interessanten, aktuellen und besonderen Stoff vorgeschlagen hat. Der sizilianische Autor ist ein richtiges Phänomen in Deutschland geworden. Er hat mit seinen sizilianischen Geschichten ein Millionenpublikum verführt. Darüber war ich auch erstaunt und überrascht. Andrea Camilleri wurde 1925 auf Sizilien geboren und ist jetzt in Rom lebend. Er bedient die Literaturfreude mit unterhaltsamen Geschichten um seinen Commissario Montalbano. Daneben schreibt er aber auch überaus erfolgreiche und hintersinnige historische Romane über seine Heimatinsel, wie zum Beispiel „König Zosimo“.

Camilleris Bücher zeichnen sich durch eine besondere sprachliche Mischung des Italienischen mit zahlreichen Dialekten wie dem Sizilianischen, Milanesischen, Genuesischen und Napolitanischen und Einsprengseln anderer Sprachen, wie dem Spanischen aus. Die Sprache Camilleris ist hierdurch oft mit lokalen Mundarten so imprägniert, dass sie in manchen Ausdrücken selbst für viele Italiener nur noch durch die Stimmung und aus dem Zusammenhang heraus verständlich wird. Daraus ergibt sich die Frage, wie eine derartige Sprache übersetzt werden kann. Ist dies überhaupt möglich? Dies war das Thema meiner Abschlussarbeit. Dazu habe ich italienische Originale der Romane „Il cane di terracotta“ (Der Hund aus Terracotta – Commissario Montalbano löst seinen zweiten Fall) und „Il re di Girgenti“ (König Zosimo) von Camilleri mit den deutschen Übersetzungen verglichen.

Christiane von Bechtolsheim verfolgt die folgende Strategie bei der Übersetzung des Mafia-Krimis „Der Hund aus Terracotta – Commissario Montalbano löst seinen zweiten Fall“ ins Deutsche. Der Roman spielt in Sizilien und so finden sich viele dialektische Ausdrücke der Region im Originalroman. Sie rufen spezielle Assoziationen beim italienischen Leser hervor. Um nun in der Übersetzung die gleiche Wirkung wie im Italienischen zu erzielen, wurde der Dialekt nicht etwa durch einen Dialekt einer deutschen Region ersetzt. Stattdessen behandelt Bechtolsheim den Dialekt der Originalsprache für die Übersetzung wie eine fremde Sprache im Roman. Sie verfremdet die Sprache der Figuren und verdeutlicht dem Leser somit die Unterschiede zwischen den Charakteren. Dies ergibt durchaus Sinn, denn es wäre für deutsche Leser unverständlich und verwirrend, wenn ein Sizilianer in einem Roman plötzlich den Dialekt einer Region in Deutschland sprechen würde. Wieso sollte ein Sizilianer plötzlich zum Beispiel sächsisch sprechen? Dies wäre absolut unlogisch. Somit ist es klar bewiesen, dass man einen Dialekt nicht mit einem Dialekt übersetzen kann. Ein Dialekt wäre eine vollkommene Verfremdung und Verunstaltung.

Auch im historischen Roman, „König Zosimo“, verwendet der Übersetzer Moshe Kahn eine derartige Strategie. Basierend auf einer wahren historischen Begebenheit, erzählt Camilleri hier die Geschichte des Bauern Zosimo, der im Jahr 1718 in Agrigent nach dem Willen des sizilianischen Volkes zum König und nach wenigen Tagen gestürzt und hingerichtet wurde. Camilleri entwirft ein geradezu barockes Epos, das mit den irrwitzigen Umständen von Zosimos Zeugung und seiner Geburt einsetzt. Sizilien erlebte damals wirre Jahrzehnte; die Herrscher über die Insel – mal die Savoyer, mal sogar die Spanier – wechseln in schnellem Tempo. Der Alltag wird von Ränken und Intrigen bestimmt. Bis Zosimo das Licht der Welt erblickt, sind bereits 100 Seiten im Fluge vergangen, wissen wir alles über das harte Arbeitsleben der Landarbeiter und ihre kleinen sexuellen Freuden. Erotische Eskapaden schildert Camilleri deftig und direkt. Deshalb ist der Roman nicht nur komisch, humorvoll und spannend, sondern auch die sprachliche Raffinesse ist zu bemerken. In der Sprache lässt Camilleri nicht nur Italienisch, sondern auch Spanisch, Französisch und Latein ‚parlieren’ – grundiert von dem alten Dialekt aus Vigàta, dem fiktiven Kosmos seiner Romane.

Wie konnte nun der Übersetzer, Moshe Kahn, den Lesern diesen sprachlichen Cocktail wiedergeben? Hierfür war eine innovative Strategie erforderlich. Moshe Kahn hat diese Strategie gefunden. Er hat spanische Wörter mit einigen deutschen Wörtern kombiniert oder durch originelle Erfindungen wiedergegeben, wie zum Beispiel Verschluppungcìon = ein typisches Ende von Substantiven im Spanischen. Kahn schafft es hierdurch, die Zweisprachigkeit des Romans gekonnt ins Deutsche „zu retten“ und die Dialogfetzen von spanischen Adeligen einzuflechten. Für das alte Sizilianisch (der Dialekt aus der erfundenen Stadt Vigàta) findet er eine andere Strategie. Er „transferiert“ es zu einem archaischen Deutsch des 18. Jahrhunderts, wie es in der Übersetzung zum Beispiel bei der Figur Jean Paul deutlich wird. Zwischen all den Sprachen bleibt nur das Lateinische unverändert. Für andere Dialekte des Romans wird keine spezielle deutsche Entsprechung ‚ge- oder erfunden’. Denn, es ist schlichtweg nicht möglich all die verschiedenen Sprachen und Dialekte des Romans ins Deutsche zu übertragen. Hierdurch geht natürlich viel verloren. Das ist unvermeidbar. Aber es ist ebenso wichtig, den Ton und die Melodie eines Satzes ‚herüberzubringen’. Sie verdeutlichen den Charakter eines Menschen und die Stimmung einer Handlungssituation. Dies ist dem Übersetzer gelungen und aus diesem Grund gebührt Moshe Kahn ein besonderes Lob.

Abschließend kann festgestellt werden: Es zeigt sich eine gemeinsame Strategie sowohl bei der Übersetzung des Romans „Hund aus Terracotta. Commissario Montalbano löst seinen zweiten Fall.” von Christiane von Bechtolsheim als auch bei „König Zosimo“ von Moshe Kahn. Durch den Vergleich der Übersetzungen mit dem Original versteht man, dass man eben nicht einen Dialekt einer Sprache mit in einem Dialekt einer anderen Sprache übersetzen kann. Zudem zeigt sich, dass eine generelle Strategie bei einer Übersetzung sich nicht immer verfolgen lässt. Die Rolle der Figuren muss stets beachtet werden. Je nach Situation und Person müssen Übersetzer entscheiden, ob sie mehr oder weniger umgangssprachlich, korrekt, gespreizt oder witzig übersetzen. Zudem zeigt sich auch in anderer Hinsicht eine Übereinstimmung zwischen den zwei Übersetzter. Beide lassen hin und wieder auch in der deutschen Übersetzung sizilianische Ausdrücke oder Flüche stehen und erlauben den Lesern so, Sizilien mit seinen zahlreichen Facetten zu fühlen und zu spüren. Durch diese Strategie von Bechtolsheim und Kahn fühlen sich die Leser in die sizilianische Welt hineingezogen und begeben sich auf eine echte Reise nach Sizilien. Hierbei entdecken sie die Insel auch auf einer historischen Ebene an der uns Camilleri teilhaben lässt. Die Fäden, an denen der Autor Camilleri seine Figuren im Original tanzen lässt (bzw. wie Marionetten zieht), entspringen einer scharfsinnigen Beobachtung menschlichen Verhaltens sowie der enormen sprachlichen Ausdruckskraft Camilleris. Kahn und Bechtolsheim gelingt es diese Sprache ins Deutsche zu übertragen. Und so fasziniert die merkwürdige Mixtur Camilleris auch die Deutschen. Schön und interessant war diese Reise durch Sizilien bis nach Deutschland.

 

Ein interessantes Interview mit Camilleri im Berliner Zimmer: http://www.berlinerzimmer.de/eliteratur/camilleri_interview.htm

Basta! Berlin! Mitten in Kreuzberg, eine freundliche Insel auf der man sich zu Hause fühlt

Das Basta in Berlin. Solche Orte habe ich vermisst in den letzten Jahren in Berlin, aber es gibt sie noch oder besser es gibt sie immer wieder. Zufällig geraten wir hier rein. Von einem Tisch grüßen uns ein paar nette Gesichter. Offensichtlich haben sie das hier aufgemacht. In der Ecke gibt es einen alten Kohleofen und auf den Tischen stehen Wassergläser mit einer Peperoni und einer Blume. Die kleine Theke ist auch ganz lieb gemacht mit Blümchen, einer Schale mit Streichhölzern und einigen aufgestapelten Zitronen. Wir bestellen uns ein Hefeweizen während ein Gast dem „Barkeeper“ vorführt, wie man so ein Bier professionell mit einer auf den Kopf gedrehten Flasche einfüllt. Unser „Barkeeper“ macht es sofort nach und natürlich geht das halbe Bier daneben. Sympathisch unprofessionell, aber Pegah (so heißt sie, erfahre ich später) findet das gar nicht so lustig. „Warum musst Du auch alles nachmachen?“, fragt sie und bringt die Sache in Ordnung.

Jetzt lerne ich aber erstmal Carsten kennen. Er sieht aus, wie mein alter Freund James aus dem Studententheater in Melbourne. Unglaublich! So eine Ähnlichkeit! Sein Lachen, seine Bewegungen, seine Körperhaltung! Aber wahrscheinlich liegt es daran, dass er auch Schauspieler ist. Er spielt mit Pegah im Hau drei vom Hebbel-Theater und er hat den Treffpunkt gerade erst vor einer Woche aufgemacht, erzählt er mir. Der Vertrag läuft zunächst drei Monate.

Ich: „Und was wollt ihr jetzt hier machen?“
Carsten: „Das ist hier ein Treffpunkt für unseren Verein zur Künstlerförderung und alle die hierher kommen sollen wie Freunde behandelt werden! Bald soll es noch viel mehr zu sehen geben bei uns. Auftritte von Musikern, Tänzern und Schauspielern. Sie treten hier ohne Gage, aber mit dem Herzen auf und deswegen berühren sie auch die Herzen der Menschen. Hier spielen nur Leute, die die Herzen der Menschen berühren.“

Eine ganz wunderbare Idee finde ich.

Carsten ist weg und plötzlich sitzt Pegah mit mir am Tisch. Sie ist 1985 als kleines Mädchen mit ihren Eltern aus dem Iran gekommen. Jetzt spielt sie auch im Theater und kennt Carsten daher.

Ich: „Und wer kommt sonst so her?“
Pegah: „Alle möglichen Leute und alle sollen kommen!“
Jetzt legt sie wieder was Neues auf den Plattenteller (Goran Bregovic).
Pegah: „Besonders mag ich Zigeunermusik.“, lacht sie und verschwindet schon wieder Hände klatschend zum Takt der Musik.

Ich hole mir eine selbst gemachte Piadina mit Spinatfüllung. Hmmm! Einfach zu lecker! … Und so hole ich mir gleich noch eine Zweite… und denke: Alles hier muss aufgeschrieben werden! Die Stimmung hier muss festgehalten und aufgesogen werden, bevor der Abend vorbei ist! Vielleicht wird diese Bar nie wieder so sein, wie an diesem Abend!

Währenddessen sitzt Jan zusammen mit Ronja am Tisch. Sie wartet eigentlich auf Ben aus New York, den sie zwei Jahre nicht gesehen hat. Aber jetzt lässt er sie noch länger warten. Nun, ruft er schon wieder an und sie wirkt langsam wirklich etwas genervt. Hm.

Ich unterhalte mich nun mit Karsten (mit K). Er ist seit zwei Jahren DJ. Letzten Sonnabend hat er die Stimmung zum Kochen gebracht mit seiner verrückten Musikmischung. Und jetzt wollen sie hier jeden Sonnabend so eine Party steigen lassen.

Ich: „Und was spielst Du so?“
Karsten: „Am Anfang Easy Listening, später Soul, Funk, Rock’n’Roll. Ich spiele zum Beispiel gerne die alten Sachen wie: ‚Raindrops keep falling on my arms’ von B.J. Thomas.“
Ich: „Cool!“
Karsten: „Ja oder so was wie Shaolinsoul, zum Beispiel Labi Siffre – ‚I got the blues’ und Funky Stuff wie Meters oder alte Rock’n’Roll-Sachen von Elvis oder ja! Queen!“

Karsten kennt die Crew hier auch durch einen Schauspiel-Workshop. Nur Schauspieler hier im Moment, denke ich. Er kommt ursprünglich aus Kiel und wohnt in Berlin in der Yorkstraße.

Ich: „Und wie ist das Leben da?
Karsten: „Ja das Leben in Berlin. Heiter bis wolkig und auch sonnig.“
Ich: „A-ha.“
Karsten: „Alles eben. Teilweise ist es ganz schön, manchmal aber auch anstrengend. Mir fallen tausend Sachen ein! Berlin. Berlin hat eine graue Romantik. Es ist undurchsichtig. Es lebt.“
Ich: „Was denkst Du über die Berliner Stimmung? Gibt es die überhaupt?“
Karsten: „Es gibt keine Berliner Stimmung. Berlin ist abhängig von sich selber. Berlin ist sich selber ausgeliefert, aber jeder weiß es! … Weil es hier keine Inspiration gibt, macht sie jeder selber. Du erwartest soviel, wenn Du nach Berlin kommst, aber irgendwie checkst Du, das hier nur Suchende sind. Ist eine verrückte Stadt mit Typen, sag ich Dir. Wer entlarvt wen zuerst. Wer hat die beschissenste Frisur. Sowas eben..“
Ich: „Hm, ja, verstehe.“
Karsten: „Das solltest Du aber alles nicht schreiben, ist nicht so wichtig.“
„Doch“, sage ich. „Sehr inspirierend! Ein frischer Blick auf die Stadt und nicht immer nur diese Großstadtromantik!“

Nun trifft Ben aus New York ein und setzt sich zu uns. Er lebt bereits zehn Jahre in Deutschland und arbeitet für Adidas in Stuttgart. Sie haben am nächsten Tag eine Pressekonferenz und deswegen ist er in der Stadt. Über Berlin hat er nicht soviel zu erzählen: „What can I say? In Berlin somebody found a couch on a trash bin and opened a bar! In New York you need real money to open a bar. It is not like here.“

Ein Berliner Unikat mit einem langen schwarzen Mantel kommt herein. Man sieht es gleich. Flex, heißt er und hat eine raue Stimme, die fasziniert. Flex schreibt.

Ich: „Und was so? Romane?“
Flex: „Nein, Romane sind zu langwierig. Es dauert einfach zu lange. Poesie!“
Ich: „Ah, ja und welche Richtungen?“
Flex: „Meine Richtung sind viele Richtungen. Was mich im Moment interessiert, darüber schreibe ich.“
Ich: „Und was inspiriert Dich?“
Flex: „Was mich inspiriert ist das Leben, aber das ist banal. .. so etwas zu sagen…“
Ich: „Und was waren Deine letzten Gedichte?“
Flex: „Meine letzten Gedichte? ‚Endlich wieder Nacht’“
Ich: „Ja. Hm.“
Flex: „Ja, das fällt mir gerade ein.“

Es ist halb zwei. Am liebsten hätte ich mich noch mit den Leuten aus Dagestan vom Nebentisch unterhalten. Aber wir brechen auf. Am Tisch knutschen Ronja aus München und Ben aus New York ganz schön wild. Darauf musste sie auch ziemlich lange warten. Carsten und Pegah verabschieden uns so wie alle ihre Gäste persönlich. Der Abend hat begonnen mit Wissenschaftlern, die über ein Neues Denken sprechen und er endet mit Menschen, die es einfach tun. Hier ist Berlin – mitten in Kreuzberg, eine freundliche Insel auf der man sich zu Hause fühlt.

 

* Das "Basta!", Treffpunkt des Vereins zur Künstlerförderung, befindet sich in der Falckensteinstraße 46 (neben dem San Remo) in Kreuzberg kurz hinter der Oberbaumbrücke, wenn man vom Friedrichshain kommt. Die nächstgelegene U-Bahnstation ist U1 Schlesisches Tor.

Führungstraining mit NLP – Was bedeutet führen? Eine Führungsperson, der niemand folgt, ist nutzlos!

In der Regel werden zumindest in der westlichen Welt „Befehle“ heute nicht mehr ohne Weiteres befolgt. Auch Angestellte wollen Anweisungen nicht nur gehorchen, sondern den Sinn ihrer Handlungen verstehen und nachvollziehen. Sie wollen sich ebenfalls geachtet fühlen und individuell Verantwortung übernehmen. Die Autorität, die ein Mensch allein aufgrund seiner Stellung in der Hierarchie erhält, reicht für eine effektive Motivation und Anleitung nicht mehr aus. Werden die persönlichen Werte und Ziele einer Person nicht genügend gewürdigt, so ist besteht die Gefahr, der er nicht mehr mit hohem Einsatz und bestmöglichen Erfolgen an den gemeinsamen Aufgaben mitarbeitet. „Führung“ ist somit ein Status, der sich nicht direkt erlangen lässt. Hierzu ist das Vertrauen von Menschen notwendig, die sich einem auch freiwillig anschließen. Denn: Eine Führungsperson, der niemand folgt, ist nutzlos.

Damit andere der Leitung vertrauen, muss diese sich zunächst jedoch selbst vertrauen. Das heißt nicht, dass sie sich für unfehlbar halten soll, sondern dass sie über genügend Fachkompetenz verfügt und sich ihrer Fähigkeiten und Fertigkeiten – kurz: Ihrer selbst bewusst ist. In diesem Sinne soll sie durch ihre Person und ihr Tun ein Vorbild sein. Die Führungskraft muss andere animieren können, ein bestimmtes Ziel anzusteuern. Zu diesem Zweck ist es erforderlich, dass sie über gute kommunikative Fähigkeiten verfügt und Einfluss nehmen kann. Weiterhin müssen Führungskräfte sowohl das Ziel im Auge behalten, als auch den bereits zurückgelegten Weg. Sie müssen die Fähigkeit haben Veränderungen zu erkennen und in dem folgenden Entscheidungen zu berücksichtigen. Das Unternehmen oder die Organisation in der sie agieren als auch das weitere Umfeld, müssen als komplexes System verstanden und behandelt werden.

Führungsstile

(Vgl. O’Connor 1999: 58 ff.)

Es ist möglich, Führungsstile in verschiedenste Kategorien zu unterteilen. Die im folgenden skizzierte Unterteilung ist eher ungewöhnlich, entspricht aber im Grunde der herkömmlichen. Die Bezeichnungen sind jedoch besonders positiv formuliert. Dadurch ergeben sich beispielsweise folgende Stile:

  • Der Lehrerstil zeichnet sich besonders durch sein Wissen und seine Stellung aus. Er erreicht Ansehen bei anderen Mitarbeitern besonders nachhaltig durch das Vermitteln von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten. In negativen Extremfällen gründet sich der Einfluss dieser Führungskraft nur noch auf formale Autorität. Dann erreicht sie Gehorsam nur durch Untergraben des Selbstvertrauens der Angestellten oder unter Androhung schrecklicher Konsequenzen.

  • Der Designer führt seine Kollegen, indem er seine Fähigkeiten und sein Know-how in den Dienst der anderen stellt. Er gestaltet sein Umfeld und beeinflusst damit das Leben anderer. Viele Menschen schließen sich gern solchen Personen an, lernen von ihnen und lassen sich leiten. Vergisst der Designertyp, dass sein Erfolg nur auf seinen Leistungen beruht, so kann es passieren, dass er im Ruhm vergangener Zeit schwelgt und dadurch sowohl den Kontakt als auch den Einfluss auf die Angestellten verliert.

Manchen Führungskräften ist es ein besonderes Anliegen, das Beste in anderen Menschen zu fördern. Dies kann als der Trainerstil bezeichnet werden. Anderen Mut zu machen und sie anzuleiten ist lobenswert. Darüber hinaus sollte der Trainer beim Coaching seiner Mitarbeiter in jedem Fall deren aktuelle Möglichkeiten betrachten und sie nicht zu Instrumenten seiner Träume machen.

Im NLP liegt die Betonung, auch beim Thema Führungsstile besonders auf der Flexibilität der Führungsperson. Bei der Untersuchung Ihrer augenblicklichen Stärken wird nicht nur die Arbeitszeit, sondern ihr gesamtes Leben beleuchtet. Häufig nutzen Führungskräfte besonders effektive Stile, wenn sie im Freundeskreis oder in der Familie die Führung übernehmen. Die angewandten Eigenschaften und Verhaltensweisen lassen sich meist auch erfolgreich ins Berufsleben übertragen. Ziel ist, dass es den trainierten Personen gut gelingt, ihre Art und Weise zu führen angemessen dem Umfeld und sonstigen Erfordernissen anzupassen (Vgl. Dilts, R. 1998: 202f).

Erklärung der grundlegenden Bestandteile von Führungstrainings

Da Führungstrainings in der Regel nur bestimmte Kompetenzen und Fertigkeiten schulen sollen, und der verfügbare Zeithorizont sehr begrenzt ist, ist es nicht möglich; einen standardisierten Ablauf zu beschreiben. Vielmehr sprechen Trainer im Vorfeld die Schwerpunkte mit dem Management, der verantwortlichen Fortbildungsabteilung oder dem betreffenden Klienten ab und machen sich ein Bild von dessen Umfeld. So ist es Anliegen dieser Arbeit, einen umfassenden Einblick in die Vermittlung der wichtigsten Führungskompetenzen mittels NLP zu geben. Dazu werden an einigen Stellen ausschließlich die Modelle beschrieben, an anderen auch passende Übungsabläufe eingefügt. Zu den beschriebenen Lehrinhalten gehört eine Einführung in grundlegende Annahmen des NLP, die zum einen das Verständnis der nachfolgenden Muster erhöht und zum anderen einen verantwortungsvollen Umgang damit unterstützt. Selbstkompetenz ist von erheblicher Bedeutung, um der Führungskraft zu ermöglichen, die entsprechende Vorbildrolle auszufüllen. Zudem verhelfen Soziale Kompetenzen zu einem bewussteren Umgang mit den anderen Mitarbeitern, mehr Überzeugungskraft und Verständnis. Systemisches Denken benötigt die Führungsperson um angemessen auf komplexe Probleme und Zielvorstellungen reagieren zu können.

Grundannahmen des NLP

Wirklichkeit

Die Umwelt eines jeden Menschen ist wesentlich komplexer, als von ihm wahrgenommen werden kann. Weder das Gehirn, noch die Sinnesorgane sind in der Lage derart viele Einflüsse komplett aufzunehmen und zu verarbeiten. Sämtliche Wahrnehmungen durchlaufen ein Filtersystem, in dem für diese Person unwichtige Informationen ausgefiltert werden. Diese werden dann weder bewußt, noch unbewußt in den Entscheidungen, Wertungen oder dem Weltbild der Person berücksichtigt. Teilweise werden die aufgenommenen Informationen auch so interpretiert, dass sie in das vorgefaßte Bild passen. Zur Verdeutlichung dieses Modells betrachten wir eine Führungspersönlichkeit, die davon ausgeht, dass prinzipiell alle Menschen faul sind und Aufsicht bedürfen. Die Grundannahme wird durch das Beispiel der Führungskraft selbst bereits ad absurdum geführt. Trotzdem ist zu erwarten, dass sich diese Einstellung in der von ihr wahrgenommenen Realität bestätigt. Bei der permanenten Kontrolle werden immer wieder „Fehler“ auftauchen, die Mitarbeiter werden, da sowieso eine Nachprüfung erfolgt, nachlässiger und Ausnahmen bestätigen die Regel. Alle Menschen reagieren dementsprechend auf ihr unvollständiges Modell der Realität. Objektive Wahrheit zu erfahren ist auf dieser Grundlage völlig unmöglich. Im NLP wird dieser Umstand häufig mit der Metapher „Die Landkarte ist nicht das Gebiet.“ umschrieben.

Menschenbild

Da das Nervensystem Teil des Körpers und speziell das Gehirn Zentrum von Gedanken und Emotionen ist, werden im NLP Körper, Geist und Seele als untrennbare Einheit eines Systems betrachtet. Sie beeinflussen sich gegenseitig. Jeder Mensch ist einzigartig. Er hat eine individuelle Vergangenheit, welche ihn beEinflusste. Dadurch entwickelt jeder sein eigenes Modell der Welt, was sich in seinem Leben bewährt. Auf dieses Weltbild gründen sich Wahrnehmungen, Interpretationen und Entscheidungen der Person. Anhand der Informationen und Möglichkeiten, die einem Menschen subjektiv zur Verfügung stehen, entwickelt er eine positive Absicht und trifft die in seinen Augen beste Wahl. In diesem Sinne funktionieren alle Menschen perfekt. Kritiker weisen darauf hin, dass häufig von diesen – positiv intendierten – Aktionen negative Nebenwirkungen ausgehen, die der Handelnde billigend in Kauf nimmt (Vgl. Grenzheuser 1994: 23 ff.). Das Prinzip der positiven Absicht ist jedoch eine nicht beweis- oder widerlegbare Annahme, die bei Anwendung „als ob“ sie wahr wäre, eine bessere Voraussetzung für gemeinsame Lösungen jeder Art ist. Sie schafft eine wohlwollende und von Vertrauen geprägte Ausgangssituation.

Kommunikation und Interaktion

Kommunikation beschränkt sich nicht nur auf die wörtliche Rede, sondern beinhaltet unzählige nonverbale Signale. Es kann nicht jegliches Verhalten vermieden werden. Anwesende Mitmenschen reagieren auf die Handlungen. Daraus folgt, dass nicht zu kommunizieren unmöglich ist (Vgl. Watzlawick 1996: 50 ff.). Jeder Mensch sollte versuchen, sein Kommunikationsverhalten so zu gestalten, dass andere erkennen, was gemeint ist. Da verbale Kommunikation i.d.R. etwas beim Gesprächspartner bezweckt, bestimmt die erhaltene Reaktion die Bedeutung. Um angemessen auf den anderen einzugehen, ist von größter Wichtigkeit, ihn zu verstehen. Dafür ist eine sensible Wahrnehmung notwendig. Kommunikation ist kein Wettstreit. In gelungener Kommunikation gibt es nur Gewinner. Im günstigsten Fall erreicht jeder, was er beabsichtigt. Dies wird auch als win-win-Prinzip bezeichnet.

Lernen und Veränderung

NLP geht davon aus, dass prinzipiell jedes Verhalten nützlich ist. Häufig paßt das entsprechende Verhalten jedoch nicht in den Kontext, in dem es angewandt wird. Ein gutes Beispiel dafür ist Sturheit, die in anderen Fällen als Durchhaltevermögen sehr nützlich sein kann. Hinter jedem Verhalten steht eine positive Absicht. Zeigt ein Mitarbeiter Widerstand gegen eine bevorstehende Veränderung, so kann man davon ausgehen, dass er den augenblicklichen Zustand für günstiger hält oder sich nicht in die Lage versetzt fühlt, die ihm übertragenen Aufgaben zu meistern. Sein Widerstand ist eine Aussage über die Führungskraft, über die genutzte Informationspolitik oder fehlende Unterstützung. Auch Probleme sind hilfreich. Sie sind Ziele, die „auf dem Kopf stehen“ (Vgl. O’Connor, Seymor 1997: 38). So läßt sich aus dem Problem „Ich kann meine Kollegen nicht genügend motivieren.“ leicht das Ziel „Ich möchte mein Team im anstehenden Projekt besonders motivieren und nutze dazu die Erfahrungen aus diesem Führungsseminar.“ entwickeln. Prinzipiell kann jeder Mensch alles lernen, was andere vor ihm erlernen konnten. Abgesehen von eventuellen physiologischen Einschränkungen verfügt jeder über die nötigen Ressourcen, um die angestrebten Veränderungen zu erreichen. Dabei gibt es kein Versagen. Erreicht man sein Ziel vorerst nicht, so kann man mit dem Feedback sein Verhalten in zukünftigen Situationen optimieren.

Flexibilität

Im NLP wird sehr großer Wert auf die Vermehrung von Wahlmöglichkeiten gelegt. Man geht davon aus, dass in einem System das Element mit der höchsten Flexibilität die Führung übernimmt. Mit der Betrachtung von Alternativen ist eine Überprüfung der alltäglichen Abläufe möglich. Wird dies regelmäßig getan, verhindert man damit das Einschleichen ineffizienter und eventuell kostspieliger Gewohnheiten (Vgl. Bachmann, 1991: 60 ff.). Wenn man mit einem Verhalten oder einer Strategie nicht das gewünschte Ziel erreicht, so sollte man etwas anderes machen (Vgl. exemplarisch Bandler, Grinder 1996: 30, S. 87). In diesem Fall kann jede andere Aktion nur den selben oder einen höheren Erfolg erzielen.

 

 

Referenzen

Bachmann, Winfried (1991): Das neue Lernen: eine systematische Einführung in das Konzept des Neurolinguistischen Programmierens, Paderborn 1991

Bandler,Richard/ Grinder, John (1996): Patterns. Muster der hypnotischen Techniken Milton H. Ericksons, Paderborn 1996

Grenzheuser, Klaus (1994): Vom Wesen der Psychologie, Kritische Auseinandersetzung mit der Psychologie am Beispiel von NLP  – Eine Streitschrift -, Meerbusch 1994

Watzlawick, Paul (1996): Menschliche Kommunikation, neunte unveränderte Auflage, Bern et al. 1996

O’Connor, Joseph/ Seymour, John (1997): Neurolinguistisches Programmieren: gelungene Kommunikation und persönliche Entfaltung, 7. überarbeitete und erweiterte Auflage, Freiburg 1997

O’Connor, Joseph (1999): Führen – mit NLP: Pfad-Finder im innovativen Unternehmen, Kirchzarten bei Freiburg 1999

Dilts, Robert B. (1998): Von der Vision zur Aktion: Die Erschaffung einer Welt, der die Menschen zugehören wollen. Visionäre Führungskunst. Angewandtes NLP, Paderborn 1998

 

 

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Weblinks

Kritisch

Positiv

Verbände und private Initiativen

 

Hiermit bestätige ich, dass das Leben in Berlin sowie die Berliner Stimmung einfach unbezahlbar sind

Mir geht es gut, aber ich fürchte, dass hier „ausgearbeitet“ wird. Denn bereits bin ich ganz von Anfang mehr als 10 Stunden pro Tag im Büro und das ist nur so, weil ich noch Zeit brauche eine Wohnung zu finden. Nur deswegen gehe ich etwas früher vom Institut weg. Könnt ihr das glauben? Na ja. Ich werde sehen wie es läuft und dann bin ich sicher.

Ansonsten gehe ich jetzt gleich auch wieder eine Wohnung zu besichtigen, und ich hoffe, dass sie mir gefällt, damit ich fertig mit der Wohnung bin und mich danach auf meine Arbeit konzentrieren kann. Ich werde mir jetzt eine Wohnung angucken, die 70 m2 groß ist und das heißt, es gibt Platz für Freunde, wenn sie her kommen wollen.

Ich grüsse sie aus der Schweiz und ich bestätige hiermit, dass das Leben in Berlin sowie die Stimmung von Berlin einfach unbezahlbar sind.

Ansturm auf Blog des Wikimedia-Vereins nach gerichtlicher Sperrung von Wikipedia.de (ausgesetzt wegen Vollstreckungsschutz)

Inzwischen gibt es hunderte von fast 200 Kommentare auf dem Blog des Wikimedia-Vereins. Der Verein betreibt die deutsche Domain von Wikipedia. Innerhalb der ersten 24 Stunden wurden unter dem Blogeintrag „Einstweilige Verfügung gegen Wikimedia Deutschland e.V.“ 167 Kommentare gepostet (bis 24 Uhr am 19.1.2005). Eine beachtliche Zahl, auch wenn einige Kommentatoren mehrere Male posteten. Zum Vergleich der erste Blogeintrag von Tim Berners-Lee (ein „Vater des Internets“) brachte es kürzlich auf 455 Kommentare bevor das Kommentarfeature nach einer Woche aufgrund der Überlastung abgeschaltet wurde. Neben teilweise abstrusen Mutmaßungen und Beschimpfungen weisen die meisten Kommentare im Wikimediablog auf die Unverhältnismäßigkeit der Sperrung der Weiterleitung hin (auf die umfangreichste und eine der meist besuchtesten deutschen Websites, wenn nicht die meist besuchteste).

Die Weiterleitung der Website wird nach Angaben auf www.wikipedia.de momentan wieder eingerichtet. Dies wird möglich, da die Rechtsanwälte des Vereins mit einem Eilantrag die Einstellung der Zwangsvollstreckung bis zur endgültigen Entscheidung des Gerichts erwirkt haben.

Die Kommentarschlachten auf dem Blog des mit vollständigem Namen lautenden Vereins „Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e.V.“ sind derweil offensichtlich vorbei.

Folgend habe ich die für mich interessantesten Kommentare teilweise gekürzt aufgelistet (immer noch eine große Anzahl). Beschimpfungen wurden aussortiert und ein Versuch der Einordnung unternommen.

Der erste Eintrag ging bereits kurz nach der Sperrung um 0:27 Uhr am 19. Januar von „DerGolgo“ ein. Er fragte nur ungläubig: „WARUM?? Welche Begründung?“ Andere nahmen es zunächst eher scherzhaft.

[quote] Max K.: I habe mir einen Scherz erlaubt einen Beitrag gestellt und in nach wenigen Minuten gelöscht und schon darf ich die Seite nicht mehr betreten. Ich entschulige mich jetzt und sage das es mir leid tut und so etwas nicht mehr vorkommen wird![/quote]

Viele äußerten einfach nur ihre Enttäuschung und Bedauern über die Vorgänge.

[quote] Jörg: Finds auch sehr schade, dass aufgrund eines so untergeordneten Themas die Seite gesperrt wird. Da scheint es irgendjemandem das rechte Augenmaß verzogen zu haben.

Sebastian:…ich finde diese aktion des berliner gerichts einfach nur schade und echt arm! wikipedia ist ein tolles projekt und einige leute haben nichts besseres im kopf, als soetwas zu zerstören!

Fataga: … Unfassbar! Selbst für Kinder und Schüler, die sich tagtäglich informieren, ist die Seite unerlässlich! Und nicht jeder weiss, dass www.wikipedia.de nur eine Weiterleitung auf de.wikipedia.org ist. Ich fass es einfach nicht!

AAA101: Also ich find das sehr schlecht das wikipedia “verboten” wurde ich bin Schüler und Wikipedia hat mir immer sehr bei informationsbeschaffung für Referate geholfen…[/quote]

Zahlreiche Unterstützungserklärungen folgten.

[quote] Daniel Borchers: … bei uns gehört wiki in der Schule zum Alltag! Die Politik sagt doch “Alles für die Bildung” wikipedia.de ist der beste Beitrag zur Bildung, also!!!! Wiki für Deutschland!!!!

Wiki-Liebhaber: Nein, das darf doch nicht war sein!!!!! Wikipedia war, ist und bleibt hoffentlich auch das beste Lexikon im Web. P.S.: Ich bin für eine Wikipedia-Unterstützerliste

G0li4th: Wohin soll der ganze Müll noch hinführen? Noch ist es nur die Domain. Doch Morgen könnten alle Wikis gerechtlich verboten werden. Und Übermorgen? Nein, nicht mit mir!!!Lasst uns alle eine Demonstration vor dem verantwortlichem Amtsgerich organisieren.

Jeany: FRECHHEIT! Bin auch für eine Unterstützerliste. Wikipedia ist das Beste Lexikon im Internet. Hatte noch kein Thema wo nichts hier drin stand. Das kann man doch nicht verbieten. Bin geschockt. Unsere Gerichte hätten doch besseres zu tun als diese Seite zu verbieten. Hoffe, dass ihr bald wieder zu erreichen seit!! Liebe Grüße [/quote]

Weitere Kommentatoren brachten die Vorgänge sofort mit der Einschränkung der Freiheit und offener Zensur in Zusammenhang.

[quote] weltsicht: ich muss auch sagen, dass mich diese nachricht geschockt hat. deutschland scheint mir mal wieder nur von richtern und anwälten regiert!! wo bleibt die freiheit des denkens, die freiheit des wissens, wenn man ständig mit seiner freiheit die vermeindlichen rechte anderer verletzt????? freiheit ist nichts wert, wenn andere einem den raum zum denken nehmen!

Mööp: …es lebe die zensur wissen ist Macht – Macht macht Politikern angst

Ernst Traudt: Wer zensiert zieht sich den Hass aller Nutzer im Netz zu. Wer eine dermassen in der ganzen Welt bekannte Seite wie Wikipedia sperrt, der ist entweder dumm oder auf oeffentliche Aufmerksamkeit aus. Wer sich als Richter zu so etwas ueberaus daemlichen und unueberlegten verleiten laesst, wie den Versuch die Nennung eines Familiennamens im Netz zu unterdruecken, der riskiert das Ansehen der BRD im In- und Ausland.

Niktom: irgendwie hat dieses Gerichtsurteil den gegenteiligen Effekt. Ich hatte noch nie was von Tron gehört. Nun bin ich umfassend informiert. [/quote]

Insgesamt wurden die Verhältnismäßigkeit der Maßnahme sowie die dauerhafte Durchsetzbarkeit im Internetzeitalter in Frage gestellt. Zudem wurde auf die Unmöglichkeit der Kontrolle von Informationen im Internet hingewiesen.

[quote] Gerhard: Der ganze Wirbel um “Tron” im Zusammenhang mit Wikipedia ist mir völlig unverständlich, die Familie hat damit erreicht, dass der Name “F. …” nun überall bekannt wird. Eine Sucheingabe bei Google oder bei der Deutschen Bibliothek (ddb) zeigt den Namen an. Auch seine Original-Diplomarbeit, ursprünglich wohl vom CCC mit vollem, inzwischen “anonymisiert online gebracht lässt sich weiterhin finden. Wozu also die Zensur bei Wiki???

Altfelde … Ich hätte niemals Tron nachgeschlagen, auch wenn ich einige seiner “Werke/Taten” schon kannte, jetzt jedoch kenne ich den Namen und werde ihn nicht so schnell vergessen, zumal mich die ganze Sache emotional berührt (bin etwas angepi**t). Mir ist auch nicht wirklich ersichtlich, wo das Problem für die Familie bei dem Artikel ist, ausser vielleicht die Sache mit dem Suicid. Menschen, die die Familie nicht kennen, können nichts mit dem Namen anfangen und die, die den kennen, kennen auch die ganze Hintergrundgschichte. Falls die Sache Erfolg haben sollte, stellt dies ein Problem für die Infomationsfreiheit, wie sie von Wikipedia propagandiert wird, dar, weil dann eine Grundlage für weitere Klagen besteht und man doppelt überlegen müsste, ob eine Infomation eingeht oder nicht.

Madayar: Was ich lustig finde, ist der google-remark (weiter oben irgendwo). Völlig richtig, warum klagt Familie Floricic nicht gegen Google? Da ist ja zudem VIEL mehr Geld zu holen als bei der Wikipedia. Und worauf Google bei Boris Floricic alles verlinkt ist überaus erstaunlich.

Michael: „Wikipedia.de“ muss wieder dirket und ohne den Umweg „de.wikipedia.org“ ans Netzt! Keine Frage! Ich „kannte“ Tron nicht, bis ich eben Wikipedia nutzen wollte.
Seit 5 Min. kenne/weiß ich
– seinen geheimen bürgerlichen Familiennamen (min. 4 Internetseiten),
– wo er mit seiner Mutter (DER SPIEGEL 45/1998) und wie er gelebt hat,
– seine Diplomarbeit samt zugehörigen Professoren,
– dass sein Vater – Ivo F. – ein Reiseveranstalter ist, der durch Wikipedia Geschäftseinbußen habe hinnehmen müssen(http://www.sueddeutsche.de/,kulm2/kultur/artikel/970/67903/),
– dass sein Vater nicht will, dass andere aus dem Pseudonym seines Sohnes Kapital schlagen und
– dass im Jahr 2000 ein Herr Ivo Floricic (Berlin) “TRON” als Marke angemeldet und eintragen ließ (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/21/21750/1.html).
Vor 4 Min. glaubte ich noch an ethische Gründe der Eltern oder dass sie möglicherweise immer noch belästigt würden. Eigentlich wollte ich in Wikipedia nur etwas über Brahms nachlesen! Außer dem gibt’s ein Buch zum Thema und offensichtlich auch demnächst einen Film. Hat eigentlich jemand google und ebay informiert?

AHE schrieb: Was so alles Recht ist in Deutschland. Schon merkwürdig. Was wäre, wenn jemand in einem Berliner Lebensmittelmarkt einen Zettel mit Tron’s Realnamen platziert und nicht verrät, wo der Zettel hängt. Wird dann die Wegweiser nach Berlin per einstweiliger Anordnung abmontiert oder verdeckt? Mir scheint, es passen weder die Mittel (es wissen jetzt sicher viel mehr Menschen Tron’s Realnamen als vorher), noch die Verhältnismäßigkeit der Mittel (es geht um zwei Worte in 0,00029 % aller deutschen Wikipedia-Artikel). Ich bin zwar kein Jurist, aber wenn man wegen solcher Kleinigkeiten derartig weitreichende (und trotzdem derartig nutzlose) Verfügungen gerichtlich durchbekommt, haben wir ein Problem mit der Rechtsgrundlage. Zweitens sind Tron’s Eltern auch noch sehr schlecht beraten. Wie weltfremd muss ein Rechtsanwalt sein, um nicht vorher begreifen zu können, dass die (vorgeblichen) Probleme der Eltern mit diesem Vorgehen nur schlimmer werden und dass jetzt jeder, der wikipedia.de schreiben kann, auch genau weiss, wie Tron mit vollem bürgerlichen Namen hieß. Logisch wäre die ganze Aktion nur, wenn es letztlich doch nur um Aufmerksamkeit für das neueste Buch über Tron geht, kann da mal jemand die Verkaufszahlen im Auge behalten? [/quote]

Ausnahme bildeten Posts, die Wikipedia kritisierten oder die Strategie des Vereins in dem Fall hinterfragten.

[quote] Besucher: Super, hoffentlich bleibt das Halbwissen- und Möchtegernwissen-Lexikon für immer zu.

datenschutz: schon mal darüber nachgedacht, ob nicht wiki deutschland das problem verursacht hat? 1. wer braucht den nachnamen von tron? niemand. 2. wieso wird die weiterleitung auf wiki.de abgeschaltet? weil keiner der wiki-autoren bereit ist, sich 30 sekunden zeit zu nehmen, um den nachnamen von tron (vorübergehend) zu löschen. denn ohne nachnamen im artikel gibt es kein problem und kein gerichtliches verbot. 3. was macht wiki.de stattdessen? nimmt die ganze (weiterleitungs-) seite vom netz und proklamiert einen nicht vorhandenen (geister-) angriff auf die informartionsfreiheit. [/quote]

Einige suchten jedoch nach einem Interessenausgleich.

[quote] Caspar: Also ich kann ja alle verstehen, die furchtbar betrübt sind, dass sie jetzt 3 Buchstaben mehr als URL eintippen müssen und deshalb den Untergang des Abendlandes prognostizieren. Die Frage, inwieweit die Ausübung von bestehenden (und demokratisch legitimierten) Gesetzen OK ist, ist aber ein eher komplexes rechtsphilosophisches Thema und sicher nicht mit dem Argument “Ich mag aber das Ergebniss, was dabei rauskommt nicht” hinreichend abzufrühstücken.

peterprokop: Fakt ist, das es eine schlechte Idee ist, die Bitten der Eltern eines toten Hackers zu mißachten, die Warnungen von Freunden in den Wind zu schlagen und auf unmenschlichen Prinzipien herumzureiten. Es ist gut, daß ein Gericht den Schutz der Rechte Einzelner über die Rücksichtlosigkeit einer Meute stellt, die meint, sich über Regeln, an die sich selbst die Boulevardpresse hält, hinwegsetzen zu können. Das alles wäre leicht vermeidbar gewesen, ohne die ganze Sache vor Gericht und in den Medien breitzutreten. Die Eltern hatten nur um die Entfernung ihres vollen Familiennamens aus dem Artikel gebeten. Sieben Buchstaben. Wenn die Wikipedia einen Präzedenzfall schaffen wollte, hätte Sie sich besser einen anderen Gegner aussuchen sollen als Eltern, die ihr einziges Kind verloren haben. P.S.: Ich finde die wikipedia auch grossartig, aber ich möchte nicht als einzelner Opfer einer Gruppe von bornierten wikipedia admins werden. P.P.S: Natürlich wurde von den Eltern versucht, den Namen rauszunehmen, nachdem eine entsprechende Bitte auf der Diskussionsseite unbeachtet blieb, aber er wurde von admins immer wieder reingetan. [/quote]

In einem sehr großen Teil der Postings waren die Kommentatoren jedoch einfach nur regelrecht wütend.

[quote] Amy: Ich bin traurig und wütend – habe ich doch mittlerweile wikipedia immer häufiger genutzt und immer gute Antworten bekommen. Ich drücke euch die Daumen, damit Ihr bald wieder online seit. Macht weiter so und laßt euch nicht unterkriegen!

P: Deutschland will dumm bleiben. Akzeptiert das. Und außerdem ist mir scheiß egal wie dieser Trontyp hieß oder wer das war! Wichtig ist nur, dass das Wissen allen komplett zur Verfügung steht. Ohne Tabus! Wer den Zugang zu Wissen verbaut ist ein Verbrecher. Und zwar ist es das schlimmste Verbrechen, dass es gibt. Ohne Wissen kein Fortschritt. Eine Atombombe richtet nicht soviel Schaden an wie ein systematisches Abriegeln des Wissens. Natürlich kann hiervon im momentanen Fall keine Rede sein, aber der erste Schritt dazu ist getan. Wie dem auch sei. Ich glaube an These eins und wander aus sobald ich hier mein mehr oder weniger kostenloses Studium abgegriffen hab. Assozial? Ja verdammt. Aber nicht in dem Maße, wie die Kläger.

Oylentyellow: Ich sehe mich durch diesen Fall veranlasst der wikipedia endlich Geld zu spenden. Nur der Anlass ist eigentlich Schade, da ich es bevorzugt hätte, wenn meine Spende für “sinnvolle” Ausgaben wie z.B. Servermiete verwendet werden würde anstatt für “notwendige” wie die Rechtsanwälte von wikipedia. Auch wenn diese mein Lob (und Geld) bekommen da sie auch meine Rechtsauffassung durchsetzen. … Und wo bleibt eigentlich der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz?

Aiwok: Drehen die freunde vom Amt jetz voellig frei?? was soll den dieser bloedsinn auf einmal? moegen sich die verursacher(wer auch immer dahinter stecken mag) mit faulem gemuese beworfen fuehlen verdient haetten sie es wohl…

Robert: Man da war endlich mal was nützliches und man hat gefunden was man wissen wollte und nun so ne scheisse. DeUtScHlAnD eben!!!!!!!!!!!!!!

Jens: …sooo blöd möcht ich mal sein: Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den rechten SChlaf gebracht!

neuling: Ich bin Deutschland, ich stehe über dem Web. Zum Glück bin ich vor 20 Jahren ausgewandert. Nur noch die Staatsbürgerschaft habe ich. Nur welche sollte ich da noch nehmen? Ist doch überall das Gleiche mit diesem kapitalistischem gehabe… Ich bin somit nicht mehr Deutschland…

YK: Ach was, wie kann man eigentlich nur so seltsam verrückt sein und eine Internetseite anzuklagen, welche täglich von halb Deutschland genutzt wird? Die Person hat wohl vergessen, dass sie nicht die einzige ist und sich mit einer solchen Aktion den Rest auf den Hals hetzt…. Ich glaube, dass hier jeder der Person mal die Meinung sagen, wenn nicht sogar zeigen will. YK [/quote]

Zwischendurch gab es auch immer wieder ironische bis scherzhafte Kommentare.

[quote] Xiameng Ding: Ick bin nen Chinesin, und ick will ma wat über den fremdsprache deutsch erlernen denn das bildung is ja gut!!!

Samueldegen: du bist deutschland

JK: Wenn man Nachnamen nicht mehr ausschreiben darf: Gilt das dann auch künftig für Politiker? Ein Kanzler, der nicht sagt, woher einige Spenden kamen, würde dann nur noch Helmut K. genannt werden. Der erste Kanzler der Republik: Konrad A. Der Kaiser der Franzosen Napoleon B. In weiterer Folge dürften Ottomotoren, Dieselmotoren oder Röntgenstrahlen auch nicht mehr so genannt werden. Einige chemische Elemente im unteren Teil des Periodensystems müssten umbenannt werden. … *grübel* [/quote]

Wikipedia.de: Nach Sperrung wird Website in nächsten Stunden wieder weitergeleitet, Frage nach Verhältnismäßigkeit bleibt

Wer gestern früh die deutsche Domain der Website der kollaborativen Online-Enzyklopädie Wikipedia aufrief, wurde von der Nachricht überrascht, dass die Weiterleitung der Domain Wikipedia.de aufgrund einer einstweiligen richterlichen Verfügung in der Nacht gesperrt werden musste. Genaueres war vom Verein mit dem Hinweis auf das laufende Verfahren nicht zu erfahren, doch ergab eine kurze Webrecherche Aufschluss über die Vorgänge.

[quote] Liebe Freunde Freien Wissens, durch eine vor dem Amtsgericht Berlin-Charlottenburg am 17. Januar 2006 erwirkte einstweilige Verfügung wurde dem Verein Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e.V. untersagt, von dieser Domain auf die deutschsprachige Ausgabe der freien Enzyklopädie Wikipedia weiterzuleiten. Dieser Verfügung Folge leistend, hat der Verein die Weiterleitung umgehend deaktiviert. (http://www.wikimedia.de/2006/01/einstweilige-verfuegung) [/quote]

Bereits am 10. Januar berichtete Burkhard Schröder über den Fall, der nun diese Entwicklung nahm. Es geht dabei um den Hacker Tron, der 1998 umgekommen ist. Seine Eltern fordern aus nicht ohne Weiteres nachvollziehbaren Gründen, dass sein Realname nicht mehr auf der Wikipedia-Website genannt wird. Hierzu erwirkten sie bereits eine Verfügung gegen die Wikipedia-Foundation, die die Websites in den USA betreibt.

[quote] Der Hacker Boris F. alias „Tron“ findet auch sieben Jahre nach seinem Tod am 17. Oktober 1998 keine Ruhe. Ein Amtsgericht in Berlin hat jetzt im Auftrag seiner Eltern eine Einstweilige Verfügung gegenWikipedia durchgesetzt: Sein Realname soll nicht mehr genannt werden dürfen. (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/21/21750/1.html) [/quote]

Die deutsche Website www.wikipedia.de befindet sich im Besitz des Vereins in Deutschland. Sie leitete lediglich auf die internationale Domain http://de.wikipedia.org weiter, wurde jedoch nun ebenso ins Visier der Eltern genommen. Nach einer Anhörung des von Wikipedia beauftragten Anwalts am heutigen Tag stimmte das Amtsgericht jedoch der Ansicht zu, dass es sich bei der einstweiligen Verfügung – die Weiterleitung zu sperren – um eine unverhältnismäßige Maßnahme handelt.

[quote] Die Interessen von Wikipedia an der Bereitstellung aller Beiträge wiegen dem zufolge im konkreten Fall vorläufig höher als die postmortalen Namensrechte der Antragsteller, insbesondere, weil es die Antragsteller nicht genannt haben, welche Beiträge genau Namensrechtsverletzungen enthalten. (http://www.heise.de/newsticker/meldung/68586) [/quote]

Die ganze Geschichte bleibt undurchsichtig. Neben den juristischen Fragen, welche Rechte die Eltern nach dem Tod ihres Sohnes haben und inwieweit sie eine vollständige Namensnennung überhaupt verbieten lassen können, stellen sich Fragen nach der Motivation. Warum versuchen die Eltern ihre Interessen nun ausgerechnet gegen Wikipedia durchzusetzen? Auch Heise, Google die Computerwoche und viele andere haben bereits über den Hacker Tron berichtet und den vollständigen Namen genannt. Werden die Eltern jetzt gegen alle Quellen im Internet vorgehen? Werden sie alle verklagen, die über diese Geschichte berichten?

Auch die Rolle von Müller-Maghun, der sich auf Seiten der Eltern engagiert wird wohl im weiteren Verlauf der Geschehnisse weiter ins Blickfeld geraten. Müller-Maghun ist Sprecher des Chaos Computer Clubs. Vor einigen Tagen saßen Wikipedianer und CCC’ler noch zusammen beim Chaos Communication Congress im Berliner Congress Center. Jetzt agiert eine Hauptperson des Chaos Computer Clubs gegen Wikipedia, wenn auch nicht im Namen des Chaos Computer Clubs (Klarstellung). Müller-Maghun hat bereits in der Vergangenheit im Zusammenhang mit dem Tod von Tron gemutmaßt, dass es sich um einen Mord handelt und betreibt eine Website namens Tronland im Andenken an Boris F.. Dies scheint jedoch im gegenwärtigen Fall mit Wikipedia keine Rolle zu spielen.

Abgesehen von den möglicherweise berechtigten Interessen, muss die Verhältnismäßigkeit der Aktion hinterfragt werden. Eine Verantwortung haben hier nicht unbedingt die Eltern. Sie handeln in einem persönlichen Interesse. Verantwortung für die Wahrung der Verhältnismäßigkeit und Interessen der Allgemeinheit hätte das Gericht zeigen müssen. Ein weiteres Mal offenbart sich hier die Inkompatibilität der deutschen Gerichtsbarkeit im Internetzeitalter. Sie ist nicht in der Lage verschiedene Interessen abzuwägen und ermöglicht oft nur einseitige Entscheidungen, anstatt einen Interessensausgleich zu fördern. Die Vorgehensweise die größte frei zugängliche Onlineenzyklopädie in deutscher Sprache (mit gegenwärtig 343.751 Artikeln!) wegen der vollständigen Namensnennung eines toten Hackers sofortig zu sperren (und somit der Versuch den Zugang zu einer Site, die bei den Zugriffen noch vor Medienkonzernen wie CNN rangiert einzuschränken), erscheint mehr als fragwürdig. Warum war es nicht möglich Wikipedia, um eine vorübergehende Sperrung des Vollnamens zu bitten, bis zu einer vollständigen gerichtlichen Klärung? Natürlich gibt es hierfür juristische Verfahrensgründe. Müssten Verfahren nicht jedoch der modernen Welt angepasst werden, anstatt Entscheidungen zu rechtfertigen, die unter den Nutzern (der Bevölkerung) weitgehend nur auf Unverständnis stoßen (können) (siehe: http://www.wikimedia.de/2006/01/einstweilige-verfuegung#comment-118).

Berliner Wikipedia-Stammtisch in der C-Base: Vereinsthemen, Rechtsfragen, ein Nacktfoto und eine wissenschaftliche Arbeit

Jeden dritten Sonntag im Monat trifft sich die Berliner Wikipedia-Community in der C-Base ganz in der Nähe der U- und S-Bahnstation Jannowitzbrücke. Eine gute Gelegenheit die engagiertesten Wikipedianer einmal persönlich kennen zu lernen oder die neuesten Wikipedia-News aus erster Hand zu erfahren. Und so bin ich am 15. Januar 2006 auch mal wieder dabei.

Der Ort des Wikipedia-Stammtischs

Der Stammtisch der Berliner Wikipedianer findet seit Mai 2004 in der C-Base statt. Die C-Base wurde im Stil einer Raumstation gestaltet. Das Inventar hat ein bisschen gelitten in den letzten Jahren finde ich und es sieht nicht mehr ganz so cool aus, wie am Anfang. Aber dennoch ist es ein ziemlich inspirierender Club. Einige witzige Sitzgelegenheiten, die offensichtlich aus einem alten Flugzeug ausgebaut wurden, fallen einem sofort auf und natürlich sind die Leute hinter der Bar auch supernett und beeindrucken mich manchmal mit ihrem Wissen über die verrücktesten Sachen. Uwe erzählte mir zum Beispiel zwischendurch alles über den zugeschütteten Engelskanal in Kreuzberg, der gleich mehrere Wikipedia-Artikel füllen könnte (aber leider hat er keine Quellen zum Heranziehen.). Danach erfuhr ich endlich einmal, was es mit Dr.Who auf sich hatte, der mir immer wieder in irgendwelchen Zusammenhängen in England begegnete, während ich dort wohnte. Na ja, dennoch gibt es für mich in Berlin in allen Bars und Clubs und somit auch hier einen Minuspunkt. Die C-Base ist zwar nicht verqualmt, aber der Rauch von Zigaretten liegt nun einmal in der Luft und das ist eben für Nichtraucher nicht so angenehm.

Die Wikipedianer

Seit der Gründung des deutschen Wikivereins haben sich zahlreiche neue tatkräftige Mitwirkende bei Wikipedia engagiert. Mittlerweile hat der Verein über 200 Mitglieder, die deutschlandweit Stammtische etabliert haben. Doch eins hat sich seitdem kaum verändert – der Frauenanteil unter den Wikipedianern ist konstant niedrig geblieben. Dies stelle ich auch heute wieder fest. Erklärungen hierfür hat fast jeder eine. Für mich ist klar, dass es nicht an dem Verhalten Männern liegen kann. Denn die sind ganz nett und sympathisch.

Interessantes Anspracheverhalten unter Wikipedianern

Eine Besonderheit bei Treffen der Wikipedia-Community ist, dass sie sich mit den Namen unter denen sie im Wiki arbeiten anreden. Das sind manchmal die lustigsten Spitznamen und mir kommt es schon ein bisschen komisch vor. Aber vielleicht ist das nur eine Frage der Gewöhnung. Im Internet posten auch viele unter ihrem richtigen Namen. „Das kann man auch machen. Ist doch kein Problem“, meint Jakob zu einem Mädchen, das das erste Mal beim Stammtisch dabei ist und überlegt unter welchem Namen sie zukünftig mitarbeiten will.

Der Ablauf eines Wikipedia-Stammtischs

Doch wie läuft so ein Stammtisch eigentlich ab? Alles beginnt schon Wochen vorher. Jeder Stammtisch in Deutschland hat seine eigene Wikiseite. Sie dient der Organisation des Stammtischs. Hier können neue Leute erfahren, wo in ihrer Umgebung ein Stammtisch stattfindet. Die meisten Vereinsmitglieder hinterlassen hier bereits eine Nachricht, ob sie an dem Stammtisch teilnehmen werden oder nicht. Natürlich ist es auch sinnvoll, wenn neue Interessenten sich hier eintragen. Dies ist vor allem wichtig, wenn besondere Veranstaltungen während des Stammtisches geplant sind, wo nur eine begrenzter Teilnehmerzahl möglich ist oder ein Grillabend organisiert wird, wo das Essen geplant werden muss. Solange sich die meisten eben eintragen, funktioniert das gut.

Bei dem Stammtisch in der C-Base trudeln die Leute dann nach und nach ein. Offensichtlich kennen sich die meisten. Doch gerade in der letzten Zeit kommen auch immer mehr neue dazu. Der Berliner Stammtisch ist somit laut Website auf 29 offizielle Teilnehmer (am 15.1.2006) angewachsen und bestimmt noch einmal sechs, sieben Weiteren (eventuell von Zeit-zu-Zeit-Teilnehmern), die gekommen sind, ohne sich im Wiki eingetragen zu haben, denke ich mir. „Dennoch, ist schon eine relativ geschlossene Community“, meint ein Student der Theaterwissenschaften zu mir, der das erste Mal dabei ist. Nach einer Weile sehe ich ihn jedoch ganz lustig mit ein paar „alt gedienten“ Wikipedianern talken.

Worüber man sich bei einem Wikipedia-Stammtisch unterhält?

Vereinsthemen, Vorstandswahlen, „Wer wird Finanzer?“ und leider muss in letzter Zeit auch vermehrt über Rechtsfragen gesprochen werden. Soll sich der Verein zukünftig für Rechtsprobleme im Zusammenhang mit der internationalen Website zuständig erklären? Na ja, aber es geht nicht nur um Vereinsthemen. Die Community feiert auch ganz gern mal. Also muss zum Beispiel darüber nachgedacht werden, wie das Frühlingsfest dieses Jahr organisiert wird. An einer anderen Ecke werden Newbie-Fragen zur Mediawiki-Software diskutiert und am Tisch sitzen ein paar Leute und überlegen, welches Thema sich am besten für eine wissenschaftliche Abschlussarbeit über Wikipedia eignen würde. Unter den Leuten hier sind offensichtlich einige Studenten und „gerade Abgeschlossene“, die da gute Ratschläge geben können.

Und außerdem – Wikipedianer in Aktion! (Körper)Freie Informationen und Medien werden hier bei Bedarf auch mal schnell live produziert!

In den Tagen vor dem Stammtisch gab es Diskussionen über das Nacktfoto einer Frau bei dem Artikel „Frau“. Ein Wikipedianer aus Berlin hatte ein Model engagiert und ein Nacktfoto von ihr gemacht, dass nun im Artikel „Frau“ erschien. Doch so gut kam es am Ende nicht an, meint ein Wikipedianer zu mir. Auf der Diskussionsseite zum Artikel wurde unter anderem gefordert das Foto wieder zu entfernen. Der Gegenvorschlag war auf der Seite für „Mann“ ein Foto von einem nackten Mann zu zeigen. Doch wer würde sich zur Verfügung stellen? Nun warum nicht gleich hier beim Stammtisch ein Foto von einem Mann machen? Es gibt ja fast nur Männer hier? Dies wäre für mich eine echte Gelegenheit gewesen ohne jedwede Arbeit sofort eine gewisse Berühmtheit in der Wikipedia-Community zu erlangen. Hm. Aber irgendwie konnte ich mich dazu nicht durchringen. Trotzdem ich alle die offenen freien Ideen absolut unterstütze.

Na ja, viele andere Sachen passieren noch bei einem Stammtisch. Die Berichte anderer Anwesender gibt es unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Berlin/Archiv

Fotos vom Stammtisch in Berlin gibt es hier: http://commons.wikimedia.org/wiki/Stammtisch_Berlin

Das Portal des Wikimedia-Stammtischs in Berlin befindet sich hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Berlin

Termine von Treffen der Stammtische von Wikipedianern in ganz Deutschland gibt es unter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Treffen_der_Wikipedianer