Das Wachstum des Indymedia-Netzwerks: Das erste global agierende alternative Mediennetzwerk

Indymedia wird zu Recht von vielen als erstes global agierendes alternative Mediennetzwerk angesehen. Das rasante Wachstum Indymedias wird bereits bei der Betrachtung der Website deutlich. Hier sind 165 Medienkollektive, die offiziell Teil des Netzwerks sind, aufgelistet – in mehr als 70 Ländern und auf allen Kontinenten. Das Wachstum des Netzwerks vollzog sich bisher vor allem in der westlichen Welt und Lateinamerika. Seit 2005 schwächte es sich hier jedoch erheblich ab. In anderen Weltregionen, zum Beispiel in Asien, bilden sich weiterhin neue Medien-Kollektive, jedoch nicht in dem Umfang wie es bisher im Westen zu beobachten war. Nichtsdestotrotz muss dies nicht zwangsläufig als ein abflauender Trend angesehen werden. Einerseits operieren bestehende Indymedia-Kollektive fortlaufend weiter und sind für neue Mitglieder offen. Andererseits sind in einigen Ländern vermehrt auch Indymedia-Kollektive aktiv, die keine eigenen Webpräsenzen betreiben und bereits bestehende Websites und andere Kanäle, zum Beispiel Blogs, für die Medienpublikation nutzen. Dennoch das Ziel der verstärkten Einbeziehung von unabhängigen Medienmachern und Bürgerreportern aus Afrika und Asien in das Netzwerk stellt die Indymedia-Macher vor neue Herausforderungen. Im Hinblick auf die verstärkte Zusammenarbeit der großen kommerziellen Internetdienste mit Regierungen (Geschäfte im "weltweit größten Gefängnis" für Internetnutzer, Keiner gewinnt, der Datenschutz verliert), könnte die mögliche anonyme Mitarbeit bei Indymedia, das Netzwerk insbesondere für Bürgerreporter aus Afrika und Asien jetzt wieder attraktiver machen.

[quote]“Indymedia is the first form of alternative media able to operate in a truly global manner. In a way never before realized, this alternative medium is able to connect voices of dissent across continents.” (Jankowski, Jansen 2003: 2)[/quote]

Indymedia entsteht 1999 als Alternative zu den führenden Medienmonopolen während den Demonstrationen gegen die World Trade Organisation in Seattle. Tausende berichten rund um die Uhr. CNN, Reuters America Online, Yahoo und BBC Online verlinken die Website. Sie wird allein während der Demonstrationen über 2 Millionen Mal abgerufen (vgl. Indymedia About Abruf 2.11.2005, Knapp, 2 Dez. 1999, Nach Kitaeff 2003 wurde die Site während der Proteste in Seattle 1.5 Millionen Mal abgerufen. Kitaeff, L. (Jan/Feb 2003): „Indymedia“. In: Utne, USA. 115, 85-86.).

[quote]„Despite having no advertising budget, no brand recognition, no corporate sponsorship, and no celebrity reporters, it received 1.5 million hits in its first week–more than CNN got in the same time.“(Whitney: 27 Jul 2005) [/quote]

Ursprünglich ist lediglich eine Berichterstattung während der Proteste gegen die WTO geplant, doch das Konzept erweist sich als längerfristig Erfolg versprechend und wird fortgesetzt. Nach der Battle of Seattle werden folgend viele nationale und lokale Seiten ins Netz gestellt, die alle am „i” mit Radiowellen zu erkennen sind. In den ersten 10 Monaten wächst das Netzwerk auf 33 Indymedia-Center an, die in 10 verschiedenen Ländern ansässig sind (vgl. Coleman, 2004, Meikle 2002). 2001 sind es bereits über 50 (CQ Researcher. 28 Sep. 2001: Reality according to www.indymedia.org.) und im September 2002 existieren ca. 90 Kollektive in 31 Ländern weltweit (Downing, 2003 [1]). Anfang 2003 gibt es 110 Indymedia Center (IMC) (Herndron, 2003), ein Jahr später, Anfang 2004, 134 Kollektive mit Webpräsenzen, sowie spezielle Indymedia-Projektseiten zu Themen wie Ökologie und Biotechnologie oder Indymedia-Radio– und TV-Projekten. Heute erhält die globale Website ca. 100.000 Hits pro Tag, während Großereignissen können es bei weitem mehr sein. Allein die italienische Website erhält zu Beginn des Irakkrieges 500.000 Hits pro Tag. In der Woche des Gipfeltreffens der G8 in Genua 2001 verzeichnet die Indymedia-Websites ca. 5 Millionen Seitenaufrufe (vgl. Indymedia FAQ Version 29.9.2005).

1 Wachstum der Anzahl der Kollektive von Indymedia

Die Größe des Netzwerks von Indymedia zeigt sich, sowohl bei der Betrachtung der Anzahl der Websites als auch im Umfang der Daten (vgl. Indymedia Website 2005). Bereits die Recherche bei den gegenwärtig marktbeherrschenden Suchmaschinen verdeutlicht dies. Bei einer Suche ohne Stichwort und der Einschränkung auf die Website indymedia.org listet Google 4,6 Millionen Webpages von Indymedia (vgl. Google 5. Februar 2006, Abruf 16:54 CET), Yahoo 5,34 Millionen Resultate (5. Februar 2006, Abruf 16:54 CET) und MSN 151,268 Resultate (5. Februar 2006, Abruf 16:54 CET) auf.

Laut Indymedia-Website haben sich weltweit mittlerweile 169 lokale Kollektive (165 offiziell assoziiert) mit eigenen Websites gebildet (vgl. Datenerhebung, Indymedia Website 2005), die auf Basis der Grundsätze von Indymedia, operieren. Die folgende Tabelle zeigt die Anzahl im Netzwerk organisierter Kollektive mit einer eigenen Domain oder Subdomain von 1999 bis zum 31. Dezember 2005. Als Datum der Kollektiv-Gründung wurde der Tag des ersten Posting auf den Websites festgelegt. Einbezogen wurden zudem Daten von Kollektiven, die nicht mehr aktiv sind (In der Vergangenheit lösten sich Kollektive nach einer anfänglichen Periode des Aufbruchs aufgrund mangelnder Mitwirkung (IMC Prag) oder politischer Probleme (IMC Zimbabwe) auf).

Jahresende

Anzahl der Indymedia-Kollektive

1999

1

2000

39

2001

70

2002

106

2003

136

2004

162

2005

169

Tabelle: Anzahl weltweiter Indymedia-Kollektive (eigene Datenerhebung auf Grundlage vorangegangener Untersuchungen und Raphael, vgl. http://lists.indymedia.org/pipermail/imc-normal-illinois/2004-December/0117-ac.html, Mon. Dezember 13 20:29:25 PST 2004, Mit einbezogen: Kollektive, die den Indymedia-Assoziierungsprozess noch nicht vollständig durchlaufen haben.)

Eine weitere grafische Übersicht verdeutlicht das rasante Wachstum insbesondere zwischen den Jahren 2000 und 2004. Aus der Darstellung geht ebenfalls hervor, dass die Expansion des Netzwerks sich im Jahr 2005 verlangsamt hat. Dies legt den Schluss nahe, dass Indymedia in Bezug auf die Anzahl von Kollektiven mit eigenen Websites ist Indymedia in eine Phase der Stabilisierung getreten ist.

Darstellung: Indymedia-Wachstum bis 31. Dezember 2005

Darstellung: Indymedia-Wachstum bis 31. Dezember 2005

Ein Trend erschließt sich bei der reinen Betrachtung der Anzahl der Kollektive mit Websites jedoch nicht. Im Netzwerk findet zunehmend eine Diversifizierung auf lokaler Ebene statt. Es bilden sich verstärkt örtliche Kollektive, die die bereits vorhandenen Websites und Ressourcen nutzen. Dies zeigt sich in Deutschland zum Beispiel beim Kollektiv aus Nordrhein-Westfalen, dass regelmäßig auf der deutschen Website Indymedias unter dem „Logo“ NRW publiziert (vgl. Indymedia NRW, Version 4. Januar 2006). Aber auch in Italien erfährt eine ähnliche Entwicklung. Hier finden sich zudem Kollektive, die zwar über eine eigene Website verfügen und von anderen lokalen Kollektiven der Region verlinkt werden, nicht jedoch von der globalen Website oder von Kollektiven in anderen Ländern. Nationale Websites als Aggregationsseite für lokale Indymedia-Kollektive, wie bei den United Kollekives in Großbritannien oder dem IMC Oceania mit Kollektiven aus Australien, Indonesien, den Philippinen und Neuseeland.

In der nachfolgenden Darstellung ist das Wachstum in Regionen in denen sich Indymedia-Kollektive gebildet haben einzeln dargestellt. Die Regionen East Asia, South Asia und Oceania sind in der Darstellung in einer Linie zusammengefasst. Ersichtlich wird ebenfalls, wann das erste und letzte Kollektiv in einer Region gegründet wurde. Die Einteilung basiert auf die Einordnung auf der Website von Indymedia. Die Grafik verdeutlicht, dass das Wachstum Indymedias in erster Linie in Nordamerika und Europa vonstatten ging.

 

Darstellung: Indymedia-Wachstum nach Regionen bis 3.Januar 2006

Darstellung: Indymedia-Wachstum nach Regionen bis 3.Januar 2006

 

1.1 Indymedia in Nordamerika

Das erste Posting von Indymedia erscheint am 24. November 1999 im Vorfeld der Anti-WTO Proteste (Seattle). Im folgenden Jahr gehen allein in den USA 19 weitere lokale Indymeda-Websites online. In den darauf folgenden Jahren 2001 und 2002 werden jeweils weitere 11 Kollektive pro Jahr gegründet. 2003 folgen weitere 10 neue Kollektive, 2004 – 8 Kollektive und im Jahr 2005 ein weiteres Kollektiv in Omaha. Die Daten zeigen vor allem in Nordamerika eine Verlangsamung des Wachstums der Anzahl von Kollektiven. Dieses Bild ergibt sich auch bei der Betrachtung der Entwicklung in Kanada. Die meisten Kollektive gründen sich in der Anfangszeit Indymedias. Als erstes Kollektiv in Kanada gründet sich am 2. Mai 2000 in Windsor. Einen Monat später folgen Alberta (11.6.2000, zwischenzeitlich inaktiv), Hamilton (18.6.2000) und Ontario (18.6.2000), dann Vancouver (13.8.2000) und Montreal (21.9.2000). Im Jahr 2001 gründen sich zwei weitere Kollektive – Maritimes (18.3.2001) und Victoria (7.8.2001), 2002 drei Kollektive und im Jahr 2004 findet die letzte Gründung in Kanada in Ottawa (26.11.2004) statt.

1.2 Indymedia in Lateinamerika

Das erste Indymedia Center in Lateinamerika entsteht bereits im Juni 2000 in Mexiko (21.06.2000). Im gleichen Jahr folgen Kolumbien (13.10.2000) und Brasilien (23.12.2000). Im Jahr 2001 bildet sich lediglich ein Kollektiv in Argentinien (01.04.2001). Den größten Zuwachs an Kollektiven in Lateinamerika erfährt das Netzwerk 2002. Neun Kollektive bilden sich in acht verschiedenen Ländern. 2003 folgen zwei Kollektive und 2004 weitere drei lokale Kollektive in Chile. Insbesondere das Indymedia-Center in der autonomen Provinz Chiapas in Mexiko erfuhr in der Vergangenheit auch in anderen Medien große Aufmerksamkeit. Die Medienmacher des IMC Chiapas sind eng mit der Zapatistischen Bewegung und dem Sprecher Subcommandante Marcos verbunden. Die aktive Nutzung der Möglichkeiten der neuen Medien, z.B. der Produktion von Radiosendungen durch Frauen in ländlichen Gebieten (www.radioinsurgente.org), bildet ein Vorbild für unabhängige Medienmacher weltweit ( Zapatistenradio im Internet). Die Sendungen können sowohl vor Ort als auch im Web empfangen werden.

1.3 Indymedia in Europa

Die europäische Geschichte von Indymedia beginnt mit dem Launch der Webpräsenz der britischen Indymedia am 1.Mai 2000 in London (vgl. Undercurrents History, Abruf 14. Mai 2005). Vier Wochen später folgt ein Kollektiv in Belgien (28.52000), dann in Frankreich (Das IMC Frankreich löste sich später auf. An seine Stelle traten lokale Websites von Kollektiven in ganz Frankreich.) (17.6.2000), Prag (11.8.2000, historische Site), Portugal (11.8.2000), Finnland (5.12.2000, historische Site) und regionale Seiten auf dem ganzen Kontinent. Die deutsche Website von Indymedia geht Anfang 2001 (vgl. Hintz 2003) online und gilt am Anfang vor allem als Forum für die Castortransport-Gegner (vgl. Hintz 2003). 2002 erhält das deutsche Indymedia-Kollektiv einen Poldi-Award für „praktizierte eDemocracy“ (vgl. Wegscheider 24. Dez. 2005) und wird folgend auch für den Grimme-Online-Award nominiert (vgl. Grimme Online Award, Abruf 30 Mai 2005). Während der Castortransporte im Jahr 2001 besuchen bereits täglich bis zu 8.000 User die Indymedia.de-Homepage, danach pendelt sich die Besucherzahl auf 4.000 ein (vgl. Freitag 20.04.2001). Bei der Betrachtung der Entwicklung von Indymedia in Europe ist auffallend, dass immerhin drei von sechs (Frankreich, Prag, Finnland) Indymedia-Websites, die in der Anfangsphase im Jahr 2000 gegründet werden, aufgrund von Problemen und mangelnder Mitwirkung später geschlossen wurden. Dennoch, insgesamt betrachtet, setzt sich das starke Wachstum Indymedias in Europa in den folgenden Jahren beständig fort. 2001 gründen sich in Europa 11 Kollektive, 2002 – 8 Kollektive, 2003 – 10 Kollektive, 2004 – 9 Kollektive und 2005 – 3 Kollektive (Ukraine indymedia.org.ua ist noch nicht offiziell assoziiert). Hier zeigt sich der gleiche Trend wie in Nordamerika.

1.4 Indymedia in Afrika

Das erste afrikanische Kollektiv gründet sich während der Weltkonferenz gegen Rassismus in Durban Südafrika im September 2001 (28.8.2001). Kollektive entstehen folgend in Nigeria (15.11.2001), Zimbabwe (28.02.2002, gegenwärtig inaktiv), in der Region Ambazonia (10.04.2002) und den Kanaren (09.09.2003). Im Mai 2003 geht die grenz- und kontinentübergreifende Website MadiaqIMC online (06.05.2003). Sie umfasst die europäisch-afrikanische Grenzregion Andalucia, Granada, Jerez, Malaga, Sevilla und Magreb.

1.5 Indymedia in der Region East Asia, South Asia und Oceania

Die Daten zeigen, dass sich von Anfang an auch in der Region East, South Asia, Oceania Kollektive etablieren. Hierbei handelt es sich jedoch in erster Linie um Kollektive, die in Australien und Neuseeland entstanden – vorwiegend anglophon geprägten Ländern, die sprachlich und kulturell westlichen Ländern näher stehen als umliegenden Nachbarländern. Die starke Integration Australiens in das Indymedia-Netzwerk kann zudem auf die starke Vernetzung des australischen Softwarekollektivs Catalyst mit Indymedia-Aktivisten in Seattle zurückgeführt werden. Die Gruppe programmierte die erste Software für die Website für Indymedia in Seattle (vgl. Madhava. “Reclaim the Streets, Reclaim the Code.” Punk Planet No. 43 (May, 2001) 101-103) und betreut auch heute noch viele Indymedia-Kollektive vor allem in Australien.

Die erste lokale Indymedia-Gruppe in Sydney Australien wird somit bereits im Juni 2000 (19.6.2000) Teil des Netzwerks. Das erste Posting von Aotearoa (Neuseeland) datiert auf den 1. Juli 2000. Einen Tag später geht Indymedia Melbourne online, dass folgend bei den Protesten gegen das World Economic Forum im September 2000 eine zentrale Rolle für die alternative Berichterstattung einnimmt. In den folgenden Jahren gründen sich Kollektive in Adelaide (1. April 2001), Perth (2.Februar 2003), Darwin (16. Februar 2004) und Brisbane (29. August 2004, historische Site).

In anderen asiatischen Regionen verläuft das Wachstum langsamer. Die erste Website eines Kollektivs in Asien geht am 3. November 2000 mit einem Kollektiv in Indien online. Erst zwei Jahre später gründet sich in Mumbai ein weiteres lokales Indymedia-Kollektiv (21.Juli 2002). Andere Kollektive in den verschiedenen asiatischen Regionen entstehen in Westasien in Israel (3.11.2001), Palästina (25.02.2002), Jerusalem (25.03.2002, nicht mehr aktiv), Beirut (16.07.2003) und Armenien (21.07.2005); im asiatisch-europäischen Raum in Russland (27.02.2001) und Istanbul (18.01.2003) und in Ostasien/Ozeanien in Jakarta (09.11.2001), Japan (05.03.2003), Manila (09.10.2003), Burma (17.11.2004) und Quezon City (Philippinen) (23.12.2004).

Zudem existieren in Asien weitere nicht offiziell assoziierte Websites, zum Beispiel das Taiwan IMC, das bereits seit dem 10. Juli 2004 online ist oder Indymedia South Korea, das seit dem 7. März 2005 ein Blog führt und sich derzeit in einem Assoziierungsprozess nach den Prinzipien des Indymedia-Netzwerks befindet. Daneben finden sich andere nicht assoziierte Websites, die unberechtigt unter dem Namen Indymedia operieren, wie zum Beispiel die nicht mehr aktive Website Indymedia Thailand (Abruf 5. Februar 2006).

2 Globale Verteilung von Indymedia-Kollektiven

Die folgende grafische Übersicht veranschaulicht die globale Verteilung des Netzwerks. Auffallend ist: 71,18% aller Kollektive mit eigenen Webpräsenzen bildeten sich in Nordamerika und Europa. Der Rest der Kollektive verteilt sich auf die übrigen Weltregionen.

Die meisten Indymedia-Kollektive finden sich in den USA mit 61 lokalen Gruppen (Ende 2005), gefolgt von Kanada mit 12 Kollektiven. Europa rangiert an zweiter Stelle mit 28,24% der Kollektive mit eigenen Websites. Indymedia ist auch in hoch technologisierten asiatischen Ländern bisher nicht vergleichbar stark vertreten wie in Europa und den USA. Dies ist trotz der starken Verbreitung des Internets und einer zunehmenden Internetaffinität vor allem in den Zentren Asiens der Fall [2].

Darstellung: Globale Verteilung von Indymedia-Kollektiven am 3.Januar 2006

Darstellung: Globale Verteilung von Indymedia-Kollektiven am 3.Januar 2006

Gründe und Ursachen für die ungleiche globale Verteilung von Indymedia-Kollektiven sind neben dem unzureichenden Zugang zum Internet in vielen Regionen nicht immer ausschlaggebend. Im Netzwerk wird dieses Problem zwar oft auf einen Mangel an Ressourcen und Wissen von potentiell Interessierten zurückgeführt, jedoch ebenfalls auf Kommunikationsprobleme und Sprachbarrieren durch eine englischzentrierte Kommunikation innerhalb des Netzwerks, sowie eine technikfokussierte Sichtweise von Aktiven.

[quote]„fact is that in most imcs i know mostly already quite priviledged white male students do the bigger part of the work cause they have enough money without having to work much, plus the technical knowledge and hard ware.“ (Anna, 27 Juni 2004)[/quote]

Die Gründe für die Konzentration von Kollektiven in Nordamerika und Europa sind jedoch nicht ausschließlich auf das Netzwerk zurückzuführen. Im Gegensatz zur Zeit der Gründung Indymedias 1999, stehen Internetnutzern heute eine Reihe von neuen kostenlosen Diensten – Blogs, Podcasts etc. – für die unabhängige Berichterstattung im weiteren Sinne zur Verfügung. Sie lassen ebenfalls eine einfache Publikation von Informationen zu. Hier kann für die Nutzer ferner als Vorteil gelten, dass der Produzent von Beiträgen in der Regel eine größere Kontrolle über die eigenen Beiträge innehat als bei Indymedia. Er kann sie auch nach dem ersten Posting noch verändern oder später gar wieder löschen. Dies ist bei Indymedia in der Regel nicht möglich.

In einigen Ländern haben sich weiterhin kommerzielle Medienprojekte etabliert (wie z.B. Ohmynews in Korea). Ohmynews bezieht seine Leser ebenfalls in das Publikationssystem mit ein. Erfolgreiche Beiträge von Nutzern werden zudem oft mit einem geringen Entgelt vergütet. Dies schafft einen weiteren Anreiz hier zu veröffentlichen. Andere Probleme Indymedia-Kollektive zu etablieren existieren in Ländern in denen eine starke Zensur ausgeübt wird und Internetangebote gefiltert und blockiert werden. Die Websites von Indymedia werden zum Beispiel in China und Singapur vollständig blockiert. Eine Mitarbeit in einem Indymedia-Kollektive kann hier als Konsequenz zu Gefängnisstrafen, wie Berichte von Reporter ohne Grenzen über Internetzensur in China belegen (vgl. Verdict in cyberdissident Li Zhi case confirms implication of Yahoo !, 27. Feb. 2006). Eine Erklärung zu Filtertechniken findet sich auch auf der Website von Indymedia [3].

[quote]„IMC China does not exist (yet?). One reason is that ch1nese g0vernment uses an internet f1ltering technique which will disallow acce55 (almost) anything the g0vernment does not like the countries' inhabitants to see. This f1lter can also trigger an advanced mechanism which will notify the author1ties that a possible non-conf0rmant person has accessed a disliked web site.“ (Indymedia Wiki, IMC China, 10 Aug 2005)[/quote]

3 Fazit

Indymedia-Kollektive haben sich auf allen Erdteilen etabliert. Die meisten Indymedia-Center haben sich zwischen 1999 und 2004 in der westlichen Welt und in einem geringeren, aber dennoch hervorstechenden Maße, in Lateinamerika gebildet. Das Wachstum hat sich hier im Jahr 2005 abgeschwächt. Nichtsdestotrotz muss dies nicht notwendigerweise als ein nachlassender Trend der unabhängigen Medienberichterstattung im Netzwerk von Indymedia interpretiert werden. Denn, bestehende Indymedia-Kollektive operieren fortlaufend weiter und sind für neue Mitglieder offen. Gleichzeitig entstehen Gruppen und Kollektive, die ohne eigene Webpräsenz operieren oder nur lokal und national verlinkte Webpräsenzen oder andere Kanäle, wie Blogs, für die Medienpublikation nutzen.

Außerhalb des Westens finden sich in anderen Weltregionen insbesondere in Bezug auf die Bevölkerungszahl bisher nur relativ wenige Indymedia-Kollektive mit eigenen Websites. Das Netzwerk wächst hier zwar weiterhin beständig, jedoch bisher nicht in vergleichbarer Geschwindigkeit und Umfang, wie zuvor in den westlichen Ländern. Hier ist ein Wachstumspotential unabhängiger Medienmacher vor allem im Hinblick auf den zunehmenden Zugang zum Internet vorhanden. Dennoch, letztendlich lässt die Auswertung der Zahlen dieser Regionen keine eindeutige Schlussfolgerung über die zukünftige Entwicklung der Anzahl von Kollektiven zu. Denn neben Fragen des Zugangs zum Internet, spielen für die Bildung von Kollektiven auf der einen Seite kulturelle Fragen eine Rolle. Hier stellt sich zum Beispiel die Frage, inwieweit sich Nutzer anderer Regionen, zum Beispiel aus Asien, in dem vorwiegend westlich-anglophon geprägten Netzwerk mit seiner spezifischen Netzwerkkultur und Geschichte wieder finden und dies annehmen. Sehen diese sich in der Lage das Netzwerk entsprechend ihrer Bedürfnisse zu nutzen und zu formen? Auf der anderen Seite existieren bereits zahlreiche andere kostenlose Publikations- und Kommunikationsdienste (die jedoch meist auf kommerzieller Basis operieren). Hierbei wird sich für Nutzer die Frage stellen, inwieweit das Netzwerk von Indymedia eine bessere und komfortablere Alternative bei der Informationsverbreitung und einen Mehrwert bietet. Im Hinblick auf die zunehmende Kontrolle von Regierungen, zum Beispiel in China (Chinas Ministerpräsident verteidigt Internet-Zensur), liegt dieser Mehrwert für die Mitarbeit im Indymedia-Netzwerk offensichtlich vor allem auch in der Möglichkeit der anonymisierten Verbreitung von Informationen. Diese können kommerzielle Anbieter oft nicht garantieren (Keiner gewinnt, der Datenschutz verliert). Ein Problem für Gruppen in Ländern mit restriktiver Zensur und Verfolgung von Dissidenten besteht jedoch darin, dass Vorraussetzungen für die Bildung transparent, offen und nachvollziehbar operierender Kollektive kaum gegeben sind. Transparenz und Nachvollziehbarkeit sind jedoch wesentliche Grundsätze bei Entscheidungsprozessen im Indymedia-Netzwerk. Auch die in vielen Indymedia-Kollektiven oft üblichen Treffen in der nicht-virtuellen Welt könnten unter diesen Vorraussetzungen zum persönlichen Risiko für im Netzwerk engagierte Aktivisten werden.

 

 

Originalversion: Behling, Mario (Version: 15.03.2006): Das Wachstum des Indymedia-Netzwerks. Das erste global agierende alternative Mediennetzwerk. Frankfurt (Oder): Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). URL: http://www.student.euv-frankfurt-o.de/~euv-6136/Wachstum des Indymedia-Netzwerks.pdf.

 

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[1] Downing, J. D. H. The independent media center movement and the anarchist socialist tradition, in: Curran, J. & Couldry, N. (Hrsg.), Contesting media power; alternative media in a networked world, Oxford/UK 2003, S. 243–258.

[2] Aus einer Studie des Pew Internet und American Life Projects, die 13000 Internetnutzer in den USA zu ihrer Nutzung befragt hat, geht hervor, dass Amerikaner asiatischer Abstammung das Internet häufiger nutzen als andere Bevölkerungsgruppen. „Asian-American are far more likely to have used the Internet and are more likely to use it on a daily basis than whites, blacks or Hispanics.“ (Budha 2003: 89)

[3] Der Autor versucht Filtertechniken zu umgehen indem er Wörter absichtlich verändert. Für Menschen bleiben die Inhalte jedoch verständlich.

 

 

Ostern in Italien – heißt für mich vor allem Schokolade, Schokolade, Schokolade und essen, essen, essen!

Zu Karfreitag essen wir in Italien nur Fisch, sehr leicht. Es gibt keine Süßigkeiten oder leckere Sachen, weil Christus gestorben ist, deshalb ist dieser Tag nicht mein Lieblingstag… Am Samstag versucht man dann zu vergessen, dass Jesus umgebracht wurde, also ist es empfehlbar einen Spaziergang am Gardasee zu machen, auf’s Land mit dem Fahrrad oder für faule Leute wie Valeria mit der Vespa zu fahren. Sonntag! Endlich kommt die Magie! Jesus ist wieder zwischen uns und der beste Teil Osterns beginnt auch für mich! Party, Essen, Trinken, viel Käse und Kuchen! Normalerweise gehen meine Eltern Ostern Morgen zur Kirche im Zentrum von Desenzano – Sonntagmorgen wenn Jesus Christus aufwacht und wieder zum Leben kommt. In Italien gehen viele Leute in die Kirche, aber ich persönlich besuche keine Kirche. Nach der Kirche freuen sich alle darauf das Mittagessen zu genießen. Bei uns gibt es ganz traditionell gefülltes Lamm mit Gemüse und zum Dessert Colomba. Das ist wie eine Torte – wie Panettone oder Brot mit Mandeln und Rosinen darauf. Aber Ostern heißt vor allem Schokolade, Schokolade, Schokolade! Bis zum Ende! Genauso wie in Deutschland suchen wir nach Eiern, ich am liebsten nach Überraschungseiern aus Schokolade! Sie sind zu Hause in den Ecken des Hauses versteckt und wer findet bekommt den Preis! Am Montagmorgen fährt man zum Beispiel mit Freunden auf’s Land zum Picknick. Da verwöhne ich mich und meine Freunde mit einem Frühstück. Danach bieten sich zahlreiche Möglichkeiten für eine kurzweilige Gestaltung des Tages: Eine Radtour, ein Ausritt, eine Partie Golf (mit Rabatt auf Greenfee für unsere Gäste), eine Wein- oder Ölverkostung in den zahlreichen Kellerein, Shopping in Desenzano oder Salò oder einfach relaxen im Hotelgarten oder am Strand vom Gardasee. Zu Ostern beginnt die Eissaison des Jahres, deshalb hat man zu Ostern Lust alle Geschmäcke zu probieren! Also nicht nur EIN Eis! Ich esse mehrere Eis, mehrere Kugeln!! Abends geht man dann mit dem Partner für ein romantisches Abendessen bei Kerzenlicht an in ein schickes Restaurant an die Küste. In meiner Familie feiern wir Ostern vor allem dadurch dass wir essen, essen, essen! 🙂 So habe ich nach Ostern so viele Kilos zugenommen, dass ich diese nicht zählen kann. Dann ist die Verzweiflung schon so unglaublich groß, dass ich die Kilos vergesse …

Die Krise der Kaffeewirtschaft (Teil II): Wege aus der globalen Preiskrise

Ursachen und Probleme der Produzenten von Kaffee durch Niedrigpreise und Auswirkungen auf die Qualität des Kaffees waren Gegenstand des ersten Teils. Der zweite Teil beschäftigt sich mit Alternativen zu dieser Entwicklung. Welche Alternativen existieren um der Kaffeepreiskrise entgegen zu wirken und den Kaffeeproduzenten ein angemessenes Einkommen zu ermöglichen? In diesem Abschnitt werden zum einen die Möglichkeiten im traditionellen Kaffeesektor als auch die Chancen im alternativen Kaffeesektor angesprochen, wobei ein besonderes Augenmerk auf den letzteren gelegt wird.

Exportdiversifizierung

Die generelle Exportdiversifizierung, d.h. die Umorientierung der Produzenten auf alternative Exportprodukte mit einer höheren Rendite soll hier an erster Stelle genannt werden. Aufgrund der Marktsättigung in den USA und in Europa ist die Begrenzung der weiteren Ausweitung des Kaffeeangebots von Nöten, solange neue Märkte noch nicht erschlossen sind. Dies bedeutet die Umleitung von Investitionen und die Umnutzung alter Kaffeeflächen von risikofähigen Unternehmen und damit die Entlastung des Marktes zugunsten kleinerer Einheiten. Das Problem hierbei ist, dass besonders die Kleinproduzenten unter den niedrigen Kaffeepreisen leiden und ihnen jegliches Kapital für eine Umrüstung oder Diversifizierung der Anbauprodukte fehlt. (Vgl. Stamm 1999, S. 404)

Nachfragesteigerung

Die ICO hat einen Fonds aufgelegt, aus dem Werbemaßnahmen für Kaffee in potenziellen Konsumländern finanziert werden, wie zum Beispiel in China und Russland. Der Erfolg hält sich aber sehr in Grenzen, da in diesen Ländern andere traditionelle Konsumgewohnheiten vorherrschen, die schwer zu erschüttern sind und es zudem an Kaufkraft fehlt. (Vgl. Stamm 1999, S. 404)

Vertikale Integration

Eine Möglichkeit der erhöhten Wertschöpfung bei der Kaffeeproduktion ist die vertikale Integration der Kaffeewirtschaft, d.h. die Integration von Verarbeitungsstufen von Kaffee im Erzeugerland. Durch die Verflechtungen mit anderen Wirtschaftssektoren können weiterführende Entwicklungsprozesse angestoßen werden. An die Stelle der einfachen landwirtschaftlichen Massenproduktion treten die Entwicklung und Koordinierung von mehrstufigen agroindustriellen Produktionsketten.

Die meisten kaffeeerzeugenden Länder aber produzieren Rohkaffee. 95% der weltweiten Kaffeeexporte sind Rohkaffee. Von den verbleibenden fünf Prozent sind 95% löslicher Kaffee und nur ein verschwindend kleiner Anteil (5%) ist Röstkaffee. Warum wird in nur so geringen Mengen Röstkaffee exportiert? Der Export von Röstkaffee wird vor allem durch die Struktur der Märkte in den Industrieländern erschwert. Der Kaffeemarkt in den USA und Europa ist schwer umkämpft und wird von wenigen Großanbietern dominiert. Zudem existiert eine starke Konzentration des Einzelhandels. Eine hohe Startinvestition erschwert die Platzierung einer neuen Marke mit landesweiter Verteilung.

Es existieren aber auch technische Probleme des Exportes von Röstkaffee, da dieser schnell an Aroma verliert. Nur Vakuumverpackungen bieten einen bedingten Schutz. Der Kundenwunsch in den einzelnen Ländern ist sehr unterschiedlich. Eine hohe Marktkenntnis und eine flexible Produktion sind unabdingbar. Der Verbraucher ist an Geschmack und Aroma einer Marke gewöhnt, welche nur durch den ständig angepassten Verschnitt von Rohware unterschiedlicher Herkunft erreicht werden.

Ein weiterer wichtiger Grund für den geringen Export von Röstkaffee ist die fehlende Möglichkeit der Weiterverarbeitung von Kaffee für Kleinproduzenten, da es ihnen an Kenntnis und vor allem an Kapital fehlt.

Bis heute findet der im Herkunftsland fertig verarbeitete Kaffee nur im Spezialitätensegment der USA und im Fairen Handel Europas Absatz. Nur in diesen Marktnischen werden Schwankungen der Produkteigenschaften durch die Verbraucher toleriert. (Vgl. Stamm 1999, S. 405)

Spezialitäten

Anstatt auf Masse zu produzieren bietet der Handel mit Kaffeespezialitäten die Möglichkeit ein höheres Einkommen zu erzielen, da für Kaffee besserer Qualität höhere Preise bezahlt werden als für herkömmlichen Kaffee. Besonders der nordamerikanische Markt ist ein potentieller Absatzmarkt. In den Jahren 1983 bis 1994 ist der Marktanteil von Spezialitäten von 3,6% auf 31% gestiegen. Die Produktion von Kaffeespezialitäten wird keine große Nachfragesteigerung bewirken, da vorwiegend die Massenware durch hochwertige Spezialkaffees ersetzt werden. Für die Produzenten aber bedeutet der Verkauf ein höheres Einkommen, da die Preise für Spezialkaffees deutlich über dem Börsenniveau liegen. (Vgl. Stamm 1999, S. 404f)

Kaffee aus biologischem Anbau

In den letzten Jahren sind bei den Verbrauchern das Umweltbewusstsein und damit die Nachfrage für Kaffee aus biologischem Anbau gestiegen. In vielen Konsumländern steigt die Bereitschaft für ökologisch produzierten Kaffee einen höheren Preis zu bezahlen. Immer mehr Kaffeeproduzenten sehen in diesem Marktsediment ihre Chance und steigen auf die Produktion von ökologischen Kaffee um. Weltweit wird auf ca. 205.000 ha ökologischer Kaffee angebaut, 80% der Anbauflächen liegen in Lateinamerika (Mayer 2003, S.33). Das weltweite Handelsvolumen von Biokaffee weist hohe Wachstumsraten von jährlich 15-18% (Mayer 2003, S.33) auf. Die USA und Deutschland sind die wichtigsten Hauptimporteure. In den USA ist die Sorte „Organic Coffee“ die wichtigste Kaffeespezialität. In Europa ist biologischer Kaffee im Rahmen des Fairen Handels von großer Bedeutung.

Durch eine erhöhte Nachfrage von Biokaffee kann eine weitere Produktionsausweitung der Kaffeeanbauflächen verhindert werden. Die internationalen Richtlinien für Biokaffee schreiben den extensiven Anbau in Mischkultur vor. Eine Hochertragsproduktion ist daher nicht möglich. Ein Rückbau bereits technisierter Kaffeepflanzen ist vom langfristig zu erzielenden Mehrpreis für Biokaffee abhängig, da der Anbau von biologischen Kaffee sehr arbeitsintensiv ist. Familienbetriebe eignen sich für die Erzeugung von Biokaffee besonders, da die arbeitsaufwendigen Prozesse nicht unmittelbar steigende Lohnkosten bedeuten. In den Ländern, wo lokale Preise für Arbeit und Land niedrig sind, ist der Anbau von Biokaffee besonders rentabel. (Vgl. Bickert / Nenke / Oheim 1998, S.162, Mayer 2003, S.33 und Stamm 1999, S.405)

Charakteristika der organischen Kaffeewirtschaft

Bevor sich dem Thema biologischer Kaffee intensiver gewidmet wird, muss zuerst geklärt werden, was Kaffee aus biologischem Anbau bedeutet und worin die Unterschiede zum herkömmlichen Kaffee bestehen.

Der wichtigste Unterschied liegt in der Anbau- und Verarbeitungsweise des Kaffees. Bei Biokaffee wird bewusst auf künstliche Agrochemikalien verzichtet und verantwortungsbewusst mit den im Produktionsprozess benötigten natürlichen Ressourcen umgegangen. Natürliche Nährstoffe werden zur Düngung wieder verwendet. Es entsteht ein geschlossener Nährstoffkreislauf. Die Anbauflächen werden diversifiziert, d.h. andere Nutzpflanzen wie Tomaten, Bohnen, Paprika und Mais mit angebaut. Durch die Nutzung von Schattenbäumen wird eine bessere Qualität der Kaffeekirschen erzielt. Mit der Verwendung von Zwischenfrüchten und Schattenbäumen wird zudem die Ausbreitung von Plagen und Krankheiten vermindert, deren Verbreitung in Monokulturen sowohl ökologische als auch ökonomische Schäden verursachen. Die von den Schattenbäumen herhabfallenden Blätter bieten einen Erosionsschutz und geben gleichzeitig Nährstoffe an den Boden weiter. Durch die Bodenbedeckung wird zudem das Austrocknen der Böden verhindert. Folglich können die Kaffeepflanzen auf eine relativ gleichmäßige Wasserzufuhr zurückgreifen. Die agrochemische Plagen- und Schädlingsbekämpfung wird durch den vermehrten Einsatz mechanischer Pflegemaßnahmen wie Schneiden, Beschatten, Blattentfernen, etc. als Prophylaxe ersetzt. Die Verwendung von Kalk zur Bekämpfung des Kaffeerosts („roya“) ist in der biologischen Anbauweise zulässig. (Vgl. Bickert / Nenke / Oheim 1998, S.157f)

Argumente für den Wechsel zur ökologischen Kaffeewirtschaft

Unterschiedlichste Gründe sprechen für einen Wechsel zur ökologischen Kaffeeanbauweise. Im Folgenden werden einige soziale, ökologische und ökonomische Argumente aufgezeigt. Mit dem Anbau von Biokaffe verhält sich der Kaffeeproduzent verantwortungsbewusst gegenüber der Umwelt und sichert so nachhaltig das zukünftige Einkommen seiner Familie. Er kann sich mit einem gesunden Produkt identifizieren und erwirbt neue Erkenntnisse über den Kaffeeanbau. Mit dem Verzicht von Chemikalien gehen gesündere Arbeitsbedingungen für den Produzenten und seine Arbeitskräfte einher.

Mit der Umstellung auf den extensiven Anbau in Mischkultur wird die Fruchtbarkeit und Qualität der Böden wieder hergestellt und gesichert. Durch die natürliche Anbauweise bekommen die Kaffeepflanzen und Kaffeekirschen eine gesündere Ausprägung. Die durch die Kaffeewirtschaft bedingte Umweltverschmutzung wie kontaminierte Böden oder kontaminiertes Grundwasser kann reduziert werden.

Der Kaffeeproduzent hat geringere Kosten durch den Verzicht auf teure Agrochemikalien. Er kann zudem seine Abhängigkeit von externen Produktionsmitteln verringern, da die organischen Nebenprodukte der Produktion von Kaffee zur Düngung der Kaffeepflanzen verwendet werden können. Familienbetriebe können die Kosten für externe Produktionsmittel durch den vermehrten Einsatz der familiären Arbeitskraft senken. Die mechanischen Pflegearbeiten durch die Familie ersetzen die teuren Agrochemikalien. Von größter Bedeutung aber ist der bedeutend höhere Preis (bis zu 30% höher) für zertifizierten organischen Kaffee auf dem alternativen Markt. (Vgl. Bickert / Nenke / Oheim 1998, S. 158f)

Probleme und Chancen der organischen Kaffeewirtschaft

Die zuvor aufgeführten Argumente sprechen klar für den biologischen Anbau. Bei einigen Ländern wie z.B. Peru gibt es schon heute einen Angebotsüberhang von ökologisch produzierten Kaffee auf dem Weltmarkt. In anderen Anbaugebieten wie beispielsweise in Costa Rica liegt dagegen ein Nachfrageüberhang vor. (Vgl. Mayer 2003, S. 34) Welche Faktoren hemmen die Kaffeeproduzenten auf die ökologische Kaffeewirtschaft umzustellen?

Beispielhaft wird im Folgenden die Situation in Costa Rica dargestellt. Ein Produzent kann seinen Kaffee nur als ökologisch anerkannt verkaufen, wenn der Anbau und die Verarbeitung bestimmten Standards entsprechen, die auf den wichtigsten Zielmärkten gesetzlich festgeschrieben sind. Zu diesen Standards gehört eine dreijährige Umstellungsphase, in der keine Agrochemiekalien verwendet werden dürfen. Auch die Verarbeiter und Exporteure dürfen keine synthetischen Mittel benutzen und müssen ökologisch und konventionell angebaute Kirschen getrennt verarbeiten. In Costa Rica wird nur auf wenigen Fincas organischer Kaffee angebaut. Es existieren ca. 500 ha zertifizierte Kaffeefelder, dies entspricht nur 0,5% der gesamten Kaffeeanbauflächen des Landes. Die Mehrheit dieser Fincas sind Kleinkaffeeproduzenten mit einer Anbaufläche nicht größer als 3 ha. (Vgl. Mayer 2003, S. 34f)

Das Überstehen der dreijährigen Transformationsphase ist für die Produzenten die größte Hürde, denn sie bedeutet die totale Änderung ihrer Produktionsweise, d.h. die Erfüllung aller Anforderungen einer biologischen Produktionsweise von Anfang an. Der Kaffee aber wird erst nach der Umstellungsphase als organisch hergestelltes Produkt anerkannt, was für den Produzenten hohe Ertragseinbußen für mindestens drei Jahre bedeutet. Gerade Kleinproduzenten können sich diese „Verlustjahre“ nicht leisten, da für sie der Kaffee oft die einzige Ertragsquelle ist.

Ein weiteres nicht unbedeutendes Hindernis ist die Zertifizierung, welche mit hohen Kosten und administrativen Aufwand (Mitgliedsbeitrag, jährliche Inspektion, 0,5-1% der Einnahmen) für die kleinbäuerlichen Produzenten verbunden ist. Die Zertifizierung ist ein internationaler Prozess, d.h. es müssen Richtlinien international anerkannter Organisationen eingehalten werden. Die Produktionseinheit wird anhand von Bodenanalysen auf die Verwendung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln überprüft und die Organisation des Betriebes anhand der Buchführung und Lagerhaltung kontrolliert. Die Kaffeeproduzenten benötigen die Zertifizierung ihres Kaffees um auf dem alternativen Markt den höheren Preis für Biokaffee zu erhalten. Die Zertifizierungskosten könnten gesenkt werden durch die internationale Anerkennung nationaler und regionaler Organisationen, welche die Zertifizierung preiswerter durchführen könnten. Eine weitere Alternative ist die Gruppenzertifizierung bei der nur die Leitung einer Gruppe kontrolliert und bei den Mitgliedern dieser Gruppe nur Stichproben durchgeführt werden, wobei bei dieser Variante die Gefahr des Missbrauchs hoch ist. (Vgl. Bickert / Nenke / Oheim 1998, S. 159f) Die Zertifizierung muss den Produzenten einen Anreiz bieten: Einen höheren Verkaufspreis für den ökologisch angebauten Kaffee. Den Mehrpreis erhält der Kaffeeproduzent nur, wenn er seinen Kaffee direkt an Importeure und Röster im Ausland verkauft, die bereit sind für das zertifizierte Produkt einen über den Börsenpreis liegenden Mehrpreis zu zahlen. Die Unternehmen, die einen effektive Zusammenarbeit mit vor- und nachgelagerten Produktionseinheiten oder eine vertikale Integration aufweisen, können Umweltschutz und Wettbewerbsfähigkeit am besten in Einklang bringen.

Die mangelnde Kenntnis der Kaffeeproduzenten über organischen Kaffeeanbau und die Gewöhnung an den Gebrauch von Agrochemikalien erschweren die Umstellung auf die ökologische Produktionsweise. Im Besonderen fehlt es an regionalspezifischem Wissen über standortgerechten Schattenanbau. Der nationale Beratungsdienst des nationalen Kaffeeinstituts (ICAFE) von Costa Rica betrachtet den Schattenanbau aufgrund der befürchteten Ernterückgänge und Pilzerkrankungen kritisch und bietet daher keinen Beratungsdienst hinsichtlich ökologischen Kaffeeanbau an. (Vgl. Mayer 2003, S. 36f) Aufklärungsarbeit durch nationale und internationale Umweltorganisationen kann hier Abhilfe schaffen.

Bis heute übersteigt die Nachfrage nach organischem Kaffee aus Costa Rica das bisherige Angebot und kann für die Kaffeeproduzenten des Landes eine Marktnische bedeuten, wenn sie die erforderlichen Kapazitäten und Kapital aufbringen können.

Fairer Handel

Seit den 1970er Jahren existiert der direkte Import von Produkten von Kleinproduzenten aus Entwicklungsländern durch unterschiedliche Organisationen, mit dem Ziel die Kleinproduzenten durch Zahlung eines kostendeckenden Mindestpreis und Aufschlägen auf den Weltmarktpreis zu unterstützen. Der Kaffee spielt hierbei eine zentrale Rolle (siehe Abb. 4). Seit 1993 existieren in Deutschland Ansätze der Organisation des Vertriebes sozialverträglicher Produkte über die traditionellen Handelswege zur Erweiterung des Marktes. Im Folgenden werden zwei unterschiedliche Konzepte des Fairen Handels vorgestellt.

Gepa-Konzept

Die Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt mbH (Gepa) wurde Mitte der 1970er Jahre als eine Handelsorganisation gegründet. Sie ist sehr stark entwicklungspolitisch orientiert und verfolgt das Ziel durch Zahlung von Einkaufspreisen über Weltmarktpreisniveau den Kleinproduzenten ein angemessenes Einkommen und menschenwürdige Lebensverhältnisse zu ermöglichen. Zudem unterstützt die Gepa soziale Projekte und engagiert sich in der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit.

Der Kaffee ist mit ca. 60% des Gesamtumsatzes das wichtigste Handelsgut der Gepa. Das zentrale Element des Gepa-Handels ist der Ausschluss von Zwischenhändlern, Exporteuren und internationalen Handelshäusern aus der Handelskette. Der Kaffee wird direkt von kleinbäuerlichen Genossenschaften bezogen. Die Suche nach förderungswürdigen Kooperativen findet durch Gepa-Mitarbeiter vor Ort statt. Mit den Genossenschaften werden langfristige Verträge mit großzügigen Vorfinanzierungsfazilitäten und Unterstützungszahlungen für Bildungsarbeit und Technische Beratungen abgeschlossen. Der Gepa-Kaffee kommt hauptsächlich aus Nicaragua, Costa Rica, Mexiko, Bolivien, Peru, Guatemala, Tansania und Kamerun. Der höhere Ankaufspreis, die Unterstützungszahlungen für Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit und die Arbeit der Experten vor Ort haben zur Folge, dass der Endpreis des Gepa-Kaffees für den Verbraucher deutlich höher ist. Zudem ist die Gepa eine kleine Handelsgesellschaft und hat daher im Vergleich zu Großhandelshäusern und Röstern ungünstigere Frachttarife und Röstkosten. Der Gepa-Kaffee ist ca. 40% teurer als herkömmlicher Kaffee. Anfangs erfolgte der Absatz nur in Dritte-Welt-Läden und Aktionsgruppen. In den letzen Jahren kam es zu einer Diversifizierung der Absatzwege. Heute werden fast 50% des Gepa-Kaffees an den herkömmlichen Lebensmitteleinzelhandel und Großverbraucher abgesetzt. (Vgl. Glania 1997)

TransFair-Konzept

Der Verein zur Förderung des fairen Handels mit der „Dritten Welt“ wurde 1991 mit dem Ziel gegründet, ein Siegel für Kaffee mit gerechten Handelsbedingungen, d.h. Zahlung eines „fairen“ Preises an die Produzenten, zu etablieren. Im Gegensatz zur Gepa handelt TransFair nicht direkt mit Kaffee, sondern vergibt das TransFair-Siegel an Handelshäuser und Röstereien. Am TransFair-Konzept können Produzenten teilnehmen, die einer Genossenschaft angehören, deren Mitglieder Familienbetriebe mit kleinen Anbauflächen (ca. 3 ha) sind. Die Genossenschaften müssen demokratisch geführt werden und sich in gemeinschaftlichen Projekten (z.B. Schulungsprogramme, Wiederaufforstungsarbeiten) engagieren. Die teilnehmenden Genossenschaften werden in ein Produzentenregister eingetragen.

Die Nutzer des Siegels haben den Status von Lizenznehmern und müssen unterschiedliche Auflagen bzw. Vertragsbedingungen erfüllen. Der Kaffee darf nur direkt vom Produzenten eingekauft werden. Dies bedeutet wie bei der Gepa den Ausschluss des lokalen Zwischenhandels. Es müssen zusätzliche Regeln für die Verwendung des Siegels auf Verpackung und in der Werbung durch die Röster eingehalten werden, die fair gehandelten Kaffee von Importeuren beziehen. Es können so auch Nicht-Lizenznehmer das Siegel nutzen und dadurch auch Handelshäuser für das Konzept gewonnen werden. Die Kaffeeproduzenten bekommen einen festgelegten Mindestpreis, der ca.10% über den Weltmarktpreis liegt. Für die Genossenschaften besteht die Möglichkeit langfristige Abnahmeverträge abzuschließen. Bei Vertragsabschluss bekommen die Kooperativen einen Vorschuss bis zu 60% des Kaufwertes.

Im herkömmlichen Handel dagegen bekommen die Kaffeeproduzenten nur ein bis zwei Drittel des Börsenpreises. Durch die Vorfinanzierungen der Importeure sind die Kleinbauern nicht mehr zur teuren Kreditaufnahme gezwungen um ihre Produktion zu finanzieren. Sowohl die Lizenznehmer als auch die Produzenten unterliegen einer strengen Kontrolle durch TransFair.

Im Gegensatz zur Gepa hat TransFair keinen Einfluss auf die Preisgestaltung des Endpreises des Kaffees für den Verbraucher. TransFair-Kaffee ist deutlich preiswerter als Gepa-Kaffee. Gepa ist auch TransFair-Lizenznehmer und zahlt einen höheren als den von TransFair festgelegten Preis an die Produzenten und finanziert mit den Einnahmen ihre Bildungsarbeit. Zudem haben die anderen Lizenznehmer deutlich geringere Kosten, da sie neben dem Fairen Handel auch den konventionellen Handel betreiben und daher günstigere Frachten und Röstkosten aushandeln können.

Bei Kaffee mit dem TransFair-Siegel ist ein Umsatzanstieg zu verzeichnen. TransFair-Kaffee kann man heute im Sortiment von bedeutenden Lebensmittelketten (Rewe, Edeka, Spar, Metro, Kaisers) finden. (Vgl. Glania 1997 und TransFair e.V. / RUGMARK 2002)

Bewertung des Fairen Handels

Fairer Handel hat positive Auswirkungen für Produzenten, Konsumenten als auch zu fairen Handel übergehende Röster und Händler, da diese eine höhere Absatzmenge und Gewinnspannen haben. Fairer Handel aber bedeutet einen großen Nachteil für die ausgeschalteten Zwischenhändler. Wenn die Existenz der Zwischenhändler ökonomisch nicht gerechtfertigt ist, da sie durch ihre Macht die Bildung von Kooperativen verhindern, dann ist ihre Ausschaltung unproblematisch, da so der Handel effizienter ablaufen kann. Wenn aber die Zwischenhändler eine wichtige Handelsfunktion wie das Sammeln effizienter erfüllen können als die Bauern oder Kooperativen, dann sind sie eindeutig die Verlierer des fairen Handels. In der Realität sind beide Fälle anzutreffen.

Fairer Handel wird problematisch, wenn durch den Anreiz der besseren Entlohnung Kaffee überproduziert und zusätzlich der konventionelle Handel beliefert wird. Dies hat einen erhöhten Angebotsdruck mit sinkenden Weltmarktpreisen zur Folge, was sich besonders nachteilig auf nicht organisierte Produzenten auswirkt. Dieser Gefahr kann aber durch Exklusivitätsvereinbarungen und Angebotshöchstmengen in den Verträgen mit den Kooperativen entgegengewirkt werden.

Der aktuelle Trend für Kaffee aus Fairem Handel ist sehr positiv. Dennoch steht der alternative Handel (noch) im Schatten des konventionellen Handels und stellt eher eine Marktnische dar. Ein weiteres Wachstum ist zu erwarten und die Gewinnung neuer Länder als potentielle Konsumenten, wie Skandinavien und USA. (Vgl. Stamm 1999, S. 405f, Glania 1997 und TransFair e.V. / RUGMARK 2002)

Fazit

Der Überproduktionskrise kann nur durch Begrenzung der Ausweitung der Anbauflächen und durch Politiken, die eine zunehmende Wertschöpfung und komplexere Produktionsmuster beinhalten, entgegengewirkt werden. So können die Einkommensquelle Kaffee erhalten und zusätzliche Entwicklungsimpulse wie Spezialitäten in hoher Qualität und Export von weiterverarbeiteten Kaffee ausgelöst werden. Die Strategie ist die Abwendung vom reinen Commodity- (Massen-) Export hin zur Bedienung verschiedener Marktsegmente mit der Aussicht auf höhere Einkommen. Durch den Anbau von ökologischem Kaffee wird die umweltgerechte Kaffeeproduktion gefördert und gleichzeitig der Gefahr der Überproduktion entgegengewirkt. Die besten Ertragsausichten haben doppelt zertifizierte Produkte (ökologisch und fair gehandelt). Biologisch angebaute und fair gehandelte Produkte ermöglichen den Kleinproduzenten ein faires Einkommen und garantieren dem Verbraucher einen qualitativ hochwertigen Kaffee.

 

Literatur:

Bickert, M. / Nenke, S. / Oheim, K. (1998), Deutscher Kaffeeverband e.V. (2003), Engle, D. (2003), Fehlmann, A. (2000), Glania, G. (1997), Korneffel, P. / Tenbrock, C. / Uchatius, W. (2002) Mayer, C. (2003), Neuberger, G. (1988), Rupprecht, J. (1995), Stamm, A. (1999), TransFair e.V. / RUGMARK (2002)

 

Ostern in Brasilien: Gefräßigkeitstage mit Schockoladeneiern und reichlich zu Essen und zu Trinken

Wir feiern bald Ostern und komischerweise hat mich noch keiner gefragt, wie man Ostern in Brasilien feiert. Das Thema erscheint vielleicht nicht so interessant und außergewöhnlich, denn die Brasilianer haben im Endeffekt dieselbe christliche Tradition, wie die Deutschen. Es gibt Schockoladeneier und viel zu essen. Dennoch Ostern in Brasilien ist anders als in Deutschland. Und nun zu Ostern frage ich mich selbst, wie wir Brasilianer eigentlich Ostern im feiern.

Eine wirklich präzise Antwort kann ich vielleicht nicht geben, denn nach mehr als zwei Jahren in Deutschland erinnere ich mich nicht mehr genau an alle Einzelheiten. Aber eines ist sicher in der Osterzeit wird man in Brasilien ein Sündiger, denn es sind „Gefräßigkeitstage“.

Während die Schokoindustrien ihre Kassen füllen, nehmen viele Brasilianer zu, nach Tagen der Schokoladenfräßigkeit. Die Zeit, in der man Eier gemalt und versteckt hat, damit die Kinder suchen, ist schon vorbei. Trotzdem ist noch der Hase das Symbol für Fruchtigkeit geblieben. Aber nur in der Erinnerung der Erwachsen. Den Kindern ist es eigentlich ziemlich egal: Die wollen lediglich das größte und leckerste Schokoladenei als Geschenk bekommen. Die Verliebten auch. Ja, man verschenkt statt Spielzeuge oder Blumen Schokoladeneier in Brasilien! Und wenn diese mit Kokosnuss überzogen sind und mit Pralinen darin, dann hmmm! Einfach L E C K E R! Ostern wird am dritten Sonntag im April gefeiert, aber der Schokoladeneiaustausch fängt schon früher an.

Sehr schön. Du fragst dich wahrscheinlich, ob wir ein traditionelles Mittagessen oder Abendessen haben. Ich bejahe… die ganze Familie versammelt sich für ein reichliches Mittagessen, meist bei der Oma. Was wir essen? Na ja, es ist immer unterschiedlich, aber ich kann behaupten, es ist nichts Besonderes – mal Nudeln, mal Pizza, mal Fisch, mal Bohnen mit Reis, Kartoffeln und Salat, aber vor allem essen wir in den Ostertagen Schokoladeneier, die zwischen den Verwandten ausgetauscht wurden. Fleisch versuchen wir zu vermeiden, weil es an den Körper von Christos erinnert… Übrigens, dass Christo in dieser Zeit auferstand – daran erinnert man sich kaum… Die frommsten Katholiken besuchen noch am Sonntagmorgen den Gottesdienst in der Kirche. Aber die meisten Brasilianer vergessen einfach den Grund der Feiertage. Sie freuen sich auf Ostern, in erster Linie weil man in dieser Zeit nicht arbeiten muss. Es ist wie die Fortsetzung der Karnevalzeit. Und was macht man in dieser Zeit? Na ja, alles Mögliches, vor allem Schokoladeneier fressen…

Ach, ich habe vergessen, eine Frage zu beantworten. Bei uns trinken viele in dieser Zeit Bier, anders gesagt: Sie saufen! Tatsächlich. Denn man muss nicht den nächsten Katertag im Büro sitzen… Und was ich in dieser Zeit mache? Ich gebe einfach den Tipp, dass ich kein frommer Katholik bin… den Rest weißt du schon, oder?

Die Maquiladoras in der Cuidad Juárez in Mexiko – Arbeits- und Sexualmarkt junger Migrantinnen

Die schwierige Lage von Migrantinnen in der Stadt Juárez an der nördlichen Grenze Mexikos ist geprägt von sexualisierter Gewalt. An diesem Ort sind Frauen Gewalt in einem Maße ausgesetzt wie in keiner anderen Stadt Mexikos. Dennoch, die extreme Situation der jungen Frauen in Juárez ist exemplarisch und kann als Beispiel für viele andere Städte in Mexiko gelten. Die Cuidad Juárez ist von Wüste umgeben und über den Rio Grande durch drei Brücken mit der texanischen Stadt El Paso verbunden. Die Grenze zu den USA wird durch hochmoderne technisch aufgerüstete Grenzeanlagen und Zäune geschützt. In dieser nördlichen Stadt Mexikos werden seit über 10 Jahren junge Frauen straffrei ermordet.

Im Vergleich mit Baja California im Westen und Nuevo León im Osten ist Juárez und der Staat Chihuahua unterentwickelt und benachteiligt. Der amerikanische Konsul John Dye sagte im Jahre 1921 über diese Stadt: “Juárez is the most immoral, degenerate, and utterly wicked place I have ever seen or heard in my travels.” (Martínez 1996: 151) Martinez charakterisiert Juárez bereits aus historischer Sicht als eine „border boom town”. (Martínez 1996: 152) Über zwanzig Jahre später ist die Stadt, abgesehen von den sozialen und wirtschaftlichen Problemen, die sie mit vielen mexikanischen Städten teilt, erneut eine „border boom town”. Dies ist ein Resultat des immensen Wachstums der Maquiladora-Industrie in den 80ern und 90ern. Der Zustand der Gesellschaft in Juárez hat sich durch die Migration verändert und ist durch den Bevölkerungsfluss in einer stetigen Auflösung begriffen.

Migration in Juárez

Seit den 1940er Jahren gehört die nördliche Region Mexikos zu den bedeutendsten Zuwanderungsgebieten interner Migranten. Juárez ist ein wichtiges Ziel für Migranten aus dem Bundesstaat Chihuahua geworden. Wenn man die Zielgebiete der Arbeitsmigranten betrachtet, hat die Bedeutung der Region Texas stark zugenommen. Es ist festzuhalten, dass Juárez eine in großem Masse eine durch die Migration gewachsene Stadt ist. Außerdem hat die Ciudad Juárez innerhalb der mexikanischen Maquiladora-Industrie eine gewisse Sonderposition inne, da sich dort die größten Maquiladoras mit den bekanntesten Namen befinden.

„There is additional migration as a result of NAFTA“ (Parnreiter, 1999: http://vgs.univie.ac.at/VGS_alt/HSK14lp.html), wurde prophezeit. Die Entwurzelungswelle führte zu einer verstärkten Zunahme der Wanderungen. In der ersten Hälfte der 1990er Jahre stieg die Binnenmigrationsrate wie nie zuvor an (1980-1990: 17,4%; 1990-1995:19,4%). Somit gab es als 700000 neue Binnenmigranten pro Jahr. Diese Zahlen machen deutlich, dass die Anzahl der Binnenwanderer sich um ein Viertel erhöht hat. Weiterhin stieg die Emigration in die USA an. Doppelt so viele mexikanische Arbeitskräfte wanderten in die USA ein. Peter Smith fasste die wissenschaftlichen Positionen bezüglich der Auswirkungen der NAFTA folgendermaßen zusammen. Es zeigen sich vier Grundthesen (vgl. Alscher 2001: 53):

1. Reduzierung der Auswanderung: Das durch den Freihandel induzierte wirtschaftliche Wachstum in Mexiko erhöht die Chancen zur Teilnahme auf dem formellen Arbeitsmarkt, steigert das Lohnniveau und senkt somit die Motivation zur Auswanderung in die USA.

2. Erhöhung der Auswanderung: Die Restrukturierung der mexikanischen Ökonomie hat v.a. im Fall der arbeitsintensiven Produktion in kleinen und mittleren Unternehmen negative Auswirkungen. Arbeitskräfte werden freigesetzt, fehlende Alternativen auf dem Arbeitsmarkt steigern die Motivation zur Auswanderung.

3. Kein sichtbarer Effekt: Während in einigen Sektoren Arbeitskräfte freigesetzt werden, so entstehen in anderen wiederum neue Arbeitsplätze. Dies führt zu einer Balance auf dem Arbeitsmarkt. Die Auswanderung setzt sich zu den bisherigen Mustern entweder fort oder erhöht sich leicht aufgrund demographischer Faktoren.

4. Differenzierte Effekte: Die Freisetzung von Arbeitskräften in sensiblen Sektoren oder aber die Erhöhung der individuellen Möglichkeiten zur Auswanderung durch Akkumulation ökonomischer Ressourcen führt zu einer Erhöhung der Auswanderung in kurz- und mittelfristiger Perspektive; in längerfristiger Perspektive sinkt sie jedoch.

Sowohl innerhalb Mexikos als auch bei der äußeren Migration sind es zumeist die stark urbanisierte Regionen, die den größten Teil der Migranten aufnehmen. Die interne Migration nach Ciudad Juárez steht in einer Wechselbeziehung mit der internationalen Migration in die USA. Viele der Migranten sehen Juárez nur als einen Transitraum und entschließen sich dann, meist auf illegalem Weg, in die USA auszuwandern.

[quote] Dennoch „… die Behauptung, die rural-urbane Migration dominiere in Lateinamerika, muss grundsätzlich diskutiert werden. Sollte es sich zeigen, dass weitere relevante Bevölkerungsbewegungen existieren, so hätte dies weitreichende theoretische und empirische Konsequenzen.“ (Klagsbrunn 1996; Witte: 83) [/quote]

Diese Annahme bestätigt bei der Betrachtung der Migrationsbewegungen in Mexiko im Allgemeinen und Juárez im Spezifischen. Denn, mit der Verschlechterung der Lebensbedingungen in den Städten hat wiederum eine Abwanderung in ländliche Gebiete stattgefunden, obwohl die Abwanderung in die Städte die wichtigste Form der Migration bleibt. (vgl. Klagsbrunn 1996; Witte: 83)

Gründe für die Migration in Mexiko

Damit aus Frauen Migrantinnen werden, bedarf es mehrerer Faktoren. Allein die Aussicht auf bessere Lebensbedingungen und höhere Löhne genügen nicht, um Frauen zur Migration zu veranlassen. Sassen spricht von „objective and ideological linkages“ (ebd.), die notwendig sind, um Sender- und Empfängerregion, jobsuchende Emigranten und Unternehmer zu verbinden. Solche „Brücken“ können ökonomischer Natur sein (z.B. Handelsbeziehungen oder Direktinvestitionen). Sie können durch militärische und/oder politische Präsenz entstehen. Sie können historische Wurzeln haben, oder durch allgemeine „Verwestlichung“ durch Kultur, Konsum und Ideologien begründet werden. (ebd.)

Ein zentraler Faktor für die Migration in die USA ist das unterschiedliche Pro-Kopf-Einkommen der beiden Länder. Die NAFTA wurde als eine Lösung gesehen, potenzielle Migranten von einer Auswanderung abzuhalten. Die ökonomische Entwicklung der Grenzregion, die Schaffung von Arbeitsplätzen sollten vor allem auch Anreiz und Motivation sein, in Mexiko zu bleiben. Nach der neoklassischen Ökonomie basiert das Phänomen der Migration darauf, Einkommen zu maximieren und die Lohndifferenz auszugleichen (vgl. Alscher 2001: 73). Die neue Ökonomie der Migration besagt jedoch, dass die Lohnaussichten als Grund für eine Abwanderung in der Regel nicht ausreichend seien, sondern vielmehr das soziale Gefüge, in dem sich der zu entscheidende Migrant befindet. Eine Entsendung eines Familienmitglieds in ein Land mit höherem Pro/Kopf Einkommen würde zum Beispiel eine sichere Basis für die zurückgebliebene Familie schaffen.

Bei den Frauen in Juárez handelt es sich ebenfalls meist um temporäre Migratinnen. Ihre Übersiedlung ist in der Regel nicht mit festen Absichten verbunden ein Leben in Juárez zu beginnen. Zum Teil sind sie bereits im Kindesalter an die nördliche Grenze gekommen.

[quote] „When a woman from Mexico […] decides to emigrate in order to make money as a domestic servant she is designing her own international debt politics. She is trying to cope with the loss of earning power and the rise in the cost of living at home by cleaning bathrooms in the country of the bankers.” (http://vgs.univie.ac.at/VGS_alt/HSK14lp.html) [/quote]

Die Frau als Arbeiterin in den Maquiladoras

Seit jeher werden vor allem Migranten in den Maquiladoras beschäftigt (Klagsbrunn 1986: 339). Das Leben eines Migranten ist von einer hohen Mobilität geprägt, soziale Netze existieren meist nur sehr lose. Maquiladora-Betriebe versuchen die Probleme, wie hohe Rotationsrate zu umgehen, indem sie eine Mindestwohndauer bei einer Einstellung voraussetzten. Es ist dennoch eine hohe Rotation in den Fabriken zu beobachten. Gründe hierfür sind: Oft unzureichender Lohn und gesundheitsschädigende und schlechte Arbeitsbedingungen, Instabilität des Lebens in der Stadt, fehlende Kindergärten für die Betreuung von Kindern, Rückkehr ins Landesinnere oder Arbeit in den USA. Trotzdem stellen Maquiladoras für viele Mexikaner und Mexikanerinnen einen Anziehungspunkt dar. Sie werden mit einer Verbesserung ihrer Lebensumstände assoziiert, da der Verdienst in den Fabriken oft dennoch höher liegt als der Verdienst in der regulären Arbeitsbranche. Dass vergleichsweise viele Frauen in den Maquiladoras arbeiteten, macht die folgende Tabelle deutlich.

Female and male operatives in the maquilas, 1975-1988

YEAR

TOTAL
OPERATIVES

OF WHICH

PERCENT
FEMALE
OPERATIVES

MALE

FEMALE

1975

57,850

2,575

45,275

78,3

1978

78,570

18,205

60,365

76,8

1981

110,684

24,993

85,691

77,4

1984

165,505

48,215

117,290

70,9

1987

248,625

84,525

164,100

66,0

Quelle: INEGI (1988: Tabelle 2) (vgl. Sklair 1993: 30)

 

Die Zahlen vom Jahr 1975 bis 1988 sind jedoch heute nur begrenzt aussagekräftig, da aufgrund der zunehmenden Schwierigkeiten in die USA zu emigrieren wieder mehr Männer in den Maquilas arbeiten. Der Wandel zu einer höheren Beschäftigung von Männern geht ferner auf eine Veränderung der Produktionsschwerpunkte zurück. Die Zahl der beschäftigten Frauen verringerte sich somit kontinuierlich und beträgt 1999 nur noch 55%.

Meist stellt die Anstellung in den Maquiladoras für viele Frauen die erste bezahlte Tätigkeit dar. Eine andere Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, bleibt ihnen oft nicht, obwohl Frauen in den Fabriken meist jünger und gebildeter sind als solche, die nicht in den Maquilas arbeiten. Vor allem in den frühen Jahren der Maquilas werden bewusst vorrangig Frauen eingestellt, jedoch auch schon vor dem Entstehen der Maquiladora-Industrie zählten Frauen zu den hauptsächlichen Beschäftigten in mexikanischen Fabriken. Die Gründe hierfür skizziert Sklair, die sich insbesondere mit der Situation der Frauen in den Weltmarktfabriken auseinandersetzt. Sie stellt weibliche und männliche Beschäftigte folgendermaßen gegenüber:

[quote]„Woman's docility is contrasted with man's aggression, the undemanding woman with the demanding man, the nimble-fingered woman with the clumsy (but strong) man, the nonunion and woman with the union man, and the woman who does not stand up for her rights with the militant man“. (Sklair 1993: 172) [/quote]

Die den Frauen zugeschriebenen Eigenschaften verändern ihre Qualität, wenn man sie mit denen der Männer vergleicht. Frauen stellen eine ideale Arbeitskraft dar, da sie stereotypenbeladen als geduldig, anpassungsfähig und geschickt gelten. Die Maquila-Industrie beschäftigen jedoch Frauen nicht aufgrund ihrer Sanftmütigkeit oder Geschicklichkeit, sondern weil sie sich am ehesten anpassen und dem geforderten Bild des „idealen“ Arbeiters entsprechen, das die Industrie fordert. Trotz der hohen Beschäftigungszahl von Frauen gelten die Tätigkeiten, die von Frauen ausgeführt werden als weniger wertvoll als die von männlichen Beschäftigten ausgeführten Tätigkeiten. Dies ist wiederum auf die Rolle der Frau in der mexikanischen Gesellschaft zurückzuführen, worauf ich später noch eingehen möchte. Das folgende Kapitel, in dem ich die Situation der Frauen in der mexikanischen Gesellschaft behandle, macht deutlich, inwiefern die Migration der Frauen an die nördliche Grenze Mexikos als eine mutige Entscheidung angesehen werden kann. Zumeist mit eigenen Kindern, ohne begleitenden Ehemann, begeben sie sich auf eine ungewisse Reise, an deren Ende meist zwar Arbeitsmöglichkeiten warten; dafür aber andere kaum lösbare Probleme entstehen, denen die Frauen mit Ohnmacht gegenüberstehen und welche somit oft zu Depression und Hoffnungslosigkeit führen.

Geschlechtsspezifische Probleme und Diskriminierung

In den Maquilas Mexikos treten geschlechtsspezifische Probleme, wie sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und andere Formen der Diskriminierung auf. Beispielsweise müssen sich Frauen vor einer Einstellung in den Fabriken einem Schwangerschaftstest unterziehen. Dieser wird regelmäßig wiederholt. Trotz der täglichen Diskriminierung findet bezüglich der Lohnzahlungen keine Benachteiligung der Frauen statt. Dieses Prinzip gilt jedoch nur für die Maquiladora-Industrie an sich und ist nicht beispielhaft für die gesamte mexikanische Industrie und Wirtschaft. Die Tätigkeit der Frauen in den Fabriken stellt einen entscheidenden Beitrag zum Lohnerwerb der Familien dar und sichert einen wesentlichen Teil der familiären Existenz. Aufgrund der niedrigen Löhne können viele Frauen ihre Kinder und Angehörigen oft nicht ausreichend versorgen und müssen andere oder weitere Verdienstmöglichkeiten finden. Nicht selten werden daher junge Mexikanerinnen zu Prostituierten. Werden sie bei dieser Tätigkeit schwanger, werden sie sofort entlassen. Genauso wie die Männer besitzen die Frauen keinen Kündigungsschutz.

Die Tätigkeit in den Maquilas geht mit Verletzungen sozialer und ökologischer Mindeststandards einher. In der Regel sind die Frauen nach wenigen Jahren aufgrund gesundheitsschädlicher Arbeitsbedingungen und überlanger Arbeitszeiten nicht mehr in vollem Maße leistungsfähig und werden durch aus ländlichen Regionen strömenden Migrantinnen ersetzt (Lenz 1980: 30). Wichterich spricht von einem „pull-and-push-Kreislauf“, in dem die Industrie die ländlichen Frauen zunächst entwurzelt und attrahiert wird, um sie nach einer beschränkten Zeit wieder abzustoßen (Wichterich 1984: 31).

Frauenkörper und das Bild der Frau in der mexikanischen Gesellschaft

Octavio Paz schrieb 1959 in seinem Essay „Das Labyrinth der Einsamkeit“:

[quote] „Die mexikanische Frau ist […]  ein Symbol, das für die Stabilität und die Fortdauer der Rasse steht. Zu ihren kosmischen kommt ihre soziale Bedeutung hinzu: Im Alltag besteht ihre Funktion darin, Ruhe und Ordnung herzustellen, sowie Mitleid und Sanftheit beizutragen.“ (Paz 1959: 34) [/quote]

Weiterhin sagt er, dass für die Mexikaner die Frau ein „dunkles, geheimes und passives Wesen“ sei.

[quote] „Die Frau verkörpert den Lebenswillen, der seinem Wesen nach unpersönlich ist. Von daher ist es für sie unmöglich, ein eigenes Leben zu leben. Sie selbst zu sein, ihr Begehren, ihre Leidenschaft und ihre Launen auszuleben, bedeutet für sie, dass sie sich untreu wird. […] Sie ist die undifferenzierte Kundgebung des Lebens, der Kanal kosmischer Begierde. In diesem Sinn hat sie kein eigenes Begehren.“ (Paz 1959: 33)[/quote]

Insbesondere das zweite Zitat macht deutlich, inwiefern der Frau die Vernunft abgesprochen wird, über ihr Leben zu bestimmen. Sie wird überhöht und gleichzeitig entpersonalisiert (vgl. Paz 1959: 37) und jeglicher Aktivität beraubt. Bestimmte emotionale Fähigkeiten werden ihr zu-, eigenes Begehren jedoch abgesprochen. Paz definiert sie als ein entferntes, unerreichbares Wesen und lässt sie dadurch unmenschlich erscheinen. Gleichzeitig ist sie aufgrund ihrer anatomischen Beschaffenheit, an der allein sie Schuld trägt, körperlichen Gefahren ausgeliefert. Damit spricht Paz das Ausgeliefert-Sein der Frau dem Mann gegenüber an.

[quote] „Weder ihre eigene Bescheidenheit noch soziale Wachsamkeit machen die Frau unverwundbar. Durch ihre schicksalhaft ‚offene Anatomie’ und ihre soziale Funktion […] ist sie allein erdenklichen Gefahren ausgesetzt, gegen die weder Schutz noch eigene Moral etwas vermögen. Das Übel wurzelt in ihr selbst, in ihrem von Natur aus „geschlitzten“, offenen Wesen“. (Paz 1959: 34) [/quote]

Octavio Paz beschreibt dabei die Gefahr, die vom Mann ausgeht. Sexualität zwischen Frau und Mann wird auf Vergewaltigung reduziert. Dies bedeutet, dass die vom Mann ausgeübte Gewalt nicht nur rechtmäßig ist, sondern „eine unvermeidliche Beziehungsform zwischen den Geschlechtern“. (Paz 1959: 38)

[quote] „In der Tat wird jede Frau, auch diejenige, die sich aus freien Stücken hingibt, vom Mann zerfetzt.“ (Paz 1959: 72) [/quote]

„Das Labyrinth der Einsamkeit“ wurde in der Geschichte erfolgreich rezipiert. Das Essay Paz’s kann demnach als Sittengemälde jener Zeit aufgefasst werden, da es die Sichtweise des Mannes veranschaulicht. Die Gewalt gegen Frauen wird somit legitimiert. Dieser Ausschluss der Frauen ist „bis heute in großen Teilen der mexikanischen Gesellschaft konsensfähig“. (Lang 2001: 38) [/quote]

Seit den 1960er Jahren werden Frauen jedoch teilweise ebenfalls stärker in Entwicklungsprozesse einbezogen. Die Gleichstellung von Frau und Mann wurde im Gesetz verankert und ein Gesetz verabschiedet, welches Gewalt in intimen Beziehungen regeln soll. Trotz der Errungenschaften, für die Feministinnen seit den 1970ern hart gekämpft haben, befinden sich Frauen in Mexiko noch immer in einem Zustand der sozialen Ausgrenzung. Das folgende Kapitel wird zeigen, dass sich selbst eine Annäherung zwischen beiden Geschlechtern noch nicht vollzogen hat.

Femizid−Sexualisierte Gewalt

„Was Juárez braucht, ist eine kulturelle Revolution“ sagt Esther Chávez, Gründerin des Casa Amiga, einer NGO, die sich für Frauen Mädchen einsetzt, die Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind.

Mit Beginn der 70er Jahren hat sich eine gender-spezifische Migrationsforschung entwickelt. Dabei steht im Vordergrund, dass Frauen ihr Herkunftsland aus Gründen, wie Diskriminierung, zumeist einer geschlechtsspezifischen, verlassen. Da die weibliche Migration oft mit einer Feminisierung der Arbeitswelt beginnt, hat die Migration meist emanzipatorische Auswirkungen. Gleichzeitig kann dies mit einer Diskriminierung und Verschlechterung der Lebensverhältnisse einhergehen. Frauen, die vom armen Süden nach Juárez kommen, bieten sich eine Vielzahl von Arbeitsmöglichkeiten in den über 300 Maquiladoras. Sie ergreifen diese Tätigkeit meist als Notlösung, in der Regel wenn eine Flucht über den Rio Bravo in die USA misslungen ist. Oft allein und ohne familiären Rückhalt in dieser Stadt sind sie wie nie zuvor sexueller Gewalt ausgeliefert.

Wie gezeigt, sind der Großteil der in den Maquilas Beschäftigten Frauen. In den Fabriken erwartet sie neben einer geringen Vergütung und der Verletzung sozialer und ökologischer Mindeststandards, auch die häufige sexualisierte Gewalt, die sexuelle Belästigung und Erpressung nach dem „lie-down-or-lay-off-Prinzip“ („Hinlegen oder Entlassen-Werden“). Dies ist in den Weltmarkt-Fabriken seit ihrem Bestehen ein Teil der Beschäftigungs- und Machtstruktur, deren Abbau nur sehr langsam gelingt (vgl. www.kpoe.at/progdisk/forum/59.html).

Mit der Einstellung in den Fabrikhallen entwickeln die Frauen sich oft zum Hauptverdiener der Familie und gewinnen rein wirtschaftlich eine höhere Position in der mexikanischen Gesellschaft. In einer von „Macho-Gehabe“ geprägten Welt fühlen sich viele arbeitslose Männer hierdurch herabgesetzt. Die prekäre Lage vieler Familien und Aussichtslosigkeit führt dabei zudem aufgrund nicht gelernter Konfliktbewältigungsstrategien oft zu einer Zunahme an häuslicher Gewalt durch die Männer. Das kleine System Familie wird zerstört. Frauen in Juárez sind somit nicht nur der Gewalt in den Maquilas ausgesetzt, sondern treffen auch in ihrem Haus auf Gewalt in Form von Vergewaltigung und Schlägen.

Ein weiteres Problem in Juárez und anderen Grenzstädten betrifft transnationale Kleinhändlerinnen. An der Grenze zur USA müssen sie sich oft „filzen lassen“. Die Halblegalität oder Illegalität ihrer Aktivitäten werden hier oft sexuell ausgebeutet. Und auch eine weitere schlimme Form der Ausbeutung von Frauen ist auf der US-amerikanischen Seite anzutreffen – der Handel mit Frauen. Die durch illegale Einwanderung herrührende Recht- und Schutzlosigkeit der Frauen wird oft gewaltförmig und erbarmungslos ausgenutzt. Bei den Opfern von Frauenhandel wie auch bei Sexarbeiterinnen und Migrantinnen erhöhen die Vereinzelung und Isolation das Risiko gewalttätiger sexueller Übergriffe. Aufgrund der Beobachtungen schlussfolgert Witerich, dass herkömmliche Geschlechterordnungen umgestülpt werden und eine „Durchdringung von Arbeits- und Sexualmarkt innerhalb dieser Wirtschaftsordnung“ erfolgt (Witerich 2000: www.kpoe.at/progdisk/forum/59.html).

In Juárez hat die Gewalt unfassbare Ausmaße angenommen. Insbesondere seit einer Serie von Frauenmorden hat die Gewalt auch internationale Aufmerksamkeit erhalten. Seit Etablierung der Fabrikhallen in der Freihandelszone wurden in der mexikanischen Wüste mehr als 370 ermordete junge Frauen aufgefunden, mindestens 500 Frauen gelten als vermisst. Die Morde geschehen größtenteils auf dem Weg zur Arbeit oder nachts nach dem Arbeitsende. Die Verkehrsverbindungen von Juárez zu den Fabriken geben den Frauen nur ungenügend Sicherheit.

[quote] „Die Stadt hält einen traurigen Rekord: Innerhalb der letzten 10 Jahre wurden mehr als 370 junge Frauen, meist unter 20 Jahre alt, verschleppt und ermordet. Die Regierung und die örtlichen Behörden verschleiern bisweilen die Aufklärung und versuchen die Angelegenheit kleinzureden. Ein Anwalt, der eine Familie einer Ermordeten vertrat, wurde auf offener Straße von der Polizei hingerichtet. … Es soll eine Verfilmung über diese Morde in Planung sein. Jennifer Lopez wird die Hauptrolle übernehmen und eine Reporterin spielen, die vor Ort recherchiert.“ (Version 11:11, 2. Apr 2006: http://de.wikipedia.org/wiki/Ciudad_Juarez) [/quote]

[quote]The victims of these crimes have preponderantly been young women, between 15 and 25 years of age. Many were students, and most were maquiladora (foreign owned factories). A number were relative newcomers to Ciudad Juarez who had migrated from other areas of Mexico. The victims were generally reported missing by their families, with their bodies found days or months later abandoned in vacant lots or outlying areas. In most of these cases there were signs of sexual violence, abuse, torture or in some cases mutilation. (IACHR, 7. März 2003: http://www.cidh.org/annualrep/2002eng/chap.vi.juarez.htm) [/quote]

In der mexikanischen Gesellschaft und Wirtschaft ist die Frau rechtlich und organisatorisch ungeschützt. Diese Ungeschütztheit impliziert immer sexistische Gewalt. Die Frau ist somit als „ökonomische Akteurin niemals von ihrer Körperlichkeit getrennt.“ (Witerich 2000: www.kpoe.at/progdisk/forum/59.html). Unter Bezug auf diese Feststellung können auch die sexuellen Serienmorde an jungen, armen Arbeiterinnen in Ciudad Juárez interpretiert werden. Obwohl die Täter nicht festgestellt worden sind, können die Morde als ein exemplarisches Beispiel für die Rache von „abgestiegenen“ Männern an (den unabhängig gewordenen) Frauen interpretiert werden. Die ursprüngliche Motivation könnte auf einfache Erklärungsmuster zurückzuführen sein, die Frauen zum Beispiel die Schuld an der Lage der arbeitslosen Männern geben. Denn, „die Frauen nehmen den Männern die Arbeit weg und untergraben ihre Identität“. In der patriarchalischen Gesellschaftsstruktur wird die Aufklärung über die Morde und sexuellen Straftaten in Juárez nicht effektiv betrieben und wird gar von Polizisten behindert (vgl. IACHR, 7. März 2003: http://www.cidh.org/annualrep/2002eng/chap.vi.juarez.htm). Mangelndes Interesse und möglicherweise unzureichendes Unrechtsbewusstsein sind nur ein Teil der Gründe, warum diese Morde nun schon über ein Jahrzehnt andauern.

Fazit

Das Entstehen der Maquila-Industrie brachte eine veränderte Rollenverteilung in der mexikanischen Gesellschaft mit sich in der der Mann nicht mehr alleiniger „Ernährer“ der Familie ist. Insgesamt muss jedoch festgestellt werden, dass die Beschäftigung im industriellen Sektor den sozialen Status der Migrantin nicht verbesserte. Bei der Tätigkeit in den Maquiladoras handelt es sich meist um eine unqualifizierte, schlecht bezahlte, ausbeuterische und teilweise gefährliche und gesundheitsschädliche Arbeit. Diese wird aufgrund der Arbeitsbedingungen oft nur in einer Übergangsphase ausgeübt. Wie die zitierten Studien und Quellen zur Maquiladora-Industrie jedoch ebenfalls offenbaren, ist die Frau als Akteurin in den mexikanischen Weltmarktfabriken nicht mehr wegzudenken. Die Analyse zeigt, dass Frauen aufgrund ihrer Tätigkeit zu einem festen Bestandteil der mexikanischen Industriebeschäftigten geworden sind. Trotzdem werden mexikanischen Frauen häufig weder auf beruflicher noch privater Ebene ausreichende Anerkennung gewährt. Im Gegenteil, sie müssen sich oft sexuellen und gewalttätigen Angriffen erwehren. Insbesondere in Juárez und in den anderen Grenzstädten im Norden Mexikos hat diese Gewalt unerträgliche Ausmaße angenommen. Die zahlreichen Morde an jungen Frauen sind ein Beispiel hierfür, können jedoch ferner als ein allgemeiner Hinweis auf die prekäre soziale Lage großer Bevölkerungsteile interpretiert werden. Die Analyse lässt darauf schließen, dass es sich bei den Ursachen der Gewalt um systemimmanente Ursachen, insbesondere bei der sexualisierten Gewalt, handelt. Diese ständige körperliche Bedrohung ist Bestandteil des weiblichen Alltags. Die Frau als Migrantin, ohne festen Wohnsitz und soziales Gefüge, ist dabei weitaus anfälliger für sexistische Übergriffe als Frauen, die über ein stabiles, soziales Netz verfügen. Dennoch Frauen, Männer und Kinder – die ganzen Familien sind von den schwierigen Lebensbedingungen in den Städten und auf dem Lande betroffen. Neben der Veränderung der Denkweisen der hierarchisch-patriarchalisch geprägten Männer mit „Macho-Gehabe“ bieten nur die Verbesserung der Lebensbedingungen und zusätzliche Bildungsangebote die Möglichkeit die Situation der Menschen in Juárez und ganz Mexiko dauerhaft zu verbessern.

 

 

 

Referenzen

 

Alscher, Stefan (2001): Märkte, Migration, Maquiladoras: Auswirkungen des Freihandels auf Migrationsprozesse aus regionaler Perspektive (Tijuana/San Diego),Berlin.

Fischer, Karin; Novy, Andreas; Parnreiter, Cristof (Hg.) (Abruf 30. März 2006): Globalisierung und Peripherie. Umstrukturierung in Lateinamerika, Afrika und Asien. Frankfurt am Main: Brandes und Apsel, Wien: Südwind 1999 (Historische Sozialkunde 14). URL: http://vgs.univie.ac.at/VGS_alt/HSK14.html

Klagsbrunn, Viktor (Hg.) (1986): Lehrforschungsprojekt Mexiko: Veränderungen der Sozialstruktur und Migration in Mexiko, Berlin

Lang, Miriam (2001): Gewalt und Geschlecht in Mexiko: Strategien zur Bekämpfung von Gewalt im Modernisierungsprozeß, Berlin.

Martínez, Oscar (1996): U.S.-Mexico Borderlands: Historical and Contemporary Perspectives, Washington.

Organization of American States's Inter-American Commission on Human Rights (7 März 2003): The situation of the rights of women in Cuidad Juárez, Mexico: The right to be free from violence and discrimination. URL: http://www.cidh.org/annualrep/2002eng/chap.vi.juarez.htm.

Parnreiter, Christof (Hrsg.) (1999) HSK 14: Globalisierung und Peripherie. Umstrukturierung in Lateinamerika, Afrika und Asien. Migration: Symbol, Folge und Triebkraft von globaler Integration. Erfahrungen aus Zentralamerika Frankfurt am Main: Brandes und Apsel, Wien: Südwind (Historische Sozialkunde 14)., Andreas Novy, Karin Fischer. S. 129 – 149. URL: http://vgs.univie.ac.at/VGS_alt/HSK14lp.html.

Sklair, Leslie (1993): Assembling for Development: The maquila industry in Mexico and the United States, San Diego.

Wikipedia (Version 11:11, 2. Apr 2006): URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Ciudad_Juarez.

Witerich, Christa (1984): Frauen in der dritten Welt: Zum Stand der Diskussion um Integration von Frauen in die Entwicklung, Bonn.

Witerich, Christa (1998): Die globalisierte Frau, Hamburg.

Witerich, Christa (21./22.Januar 2000): Gender matters. Zur Vergeschlechtlichung von Arbeit auf globalisierten Märkten. Aus: Werkstattgespräch, Berlin 21./22.Januar 2000, Karl Dietz Verlag Berlin (gekürzt). Verantwortlich für das Zitat: Heidi Ambrosch. URL: www.kpoe.at/progdisk/forum/59.html.

Der Sommer in Berlin zwischen Vergangenheit und Zukunft – ein Abschied von den Berliner Zwischenwelten

Den letzten Sommer habe ich im Prenzlauer Berg gewohnt. Im Juli ist es das schönste, die Zeit im Mauerpark zu verbringen und einfach mit Freunden „rumzuhängen“ und auf der Wiese in der Sonne zu sitzen. Die Sonne ist für mich die größte Freude des Lebens. Mir gefällt die Atmosphäre im Mauerpark. Die Berliner in dieser Ecke der Stadt sind verrückt. Sie spielen, singen und quatschen hier bis der letzte Sonnenstrahl die Stadt verlassen hat. Die Schaukel im kleinen Gebirge des Mauerparks ist mein Reich. Von hier hat man „den Blick in die Vergangenheit“, denn hier stand die Mauer. Auf dem Flohmarkt hatte ich Fotos von diesem alten und faszinierenden Berlin gesehen.

Und wenn ich auf der Schaukel schwebe – wie zwischen Vergangenheit und Zukunft, denke ich über meine eigene Vergangenheit und meine Zukunft nach. Wundervolle Tage vergehen immer schnell und so auch die Sommertage in Berlin. Für einige Monate ging es zurück nach Italien und ich musste meinen Abschied vom Sommer in Berlin nehmen. Also, habe ich eine „Tschüssparty“ organisiert – in der Bar im Grenzbereich in der Fehrbelliner Straße an der Oberbaumbrücke in Kreuzberg.

Ich sitze in der Bar und nachdem ich meine kleine Party mit dem Chef besprochen habe, trinke ich noch einen Kaffee. Da spricht mich ein charmanter Mann an. „Hallo woher kommst du mit solch einer charmanten Aussprache?“ Paola: „Mein Name ist Paola Coppola. Ich komme aus Italien.“ Sofort stellt sich heraus, dass wir beide eine große Faszination für Literatur haben. Ich gucke ihn mit großen Augen an. „Möchtest du mich einmal besuchen?“

Die Aussicht von seiner Wohnung ist beeindruckend. Im Zimmer liegen vier Bücher auf dem Tisch. Sie sind von ihm. Was für ein Schriftsteller ist er? Eine Woche bleibt uns und die Zeit mit ihm vergeht wie im Flug, eine wunderbare unvergessliche Zeit mit einer unvergesslichen Stimmung, die wir nie wieder hervorbringen können.

In dieser Zeit schreibe ich meine ersten Gedichte auf deutsch – über die „Berliner Zwischenwelten“. Er verfasst die letzten Zeilen seines neuen Buchs. Wir ahnen der Abschied ist nicht nur ein Abschied für einige Monate…

Trainingsmethode Neuro-Linguistisches Programmieren

Die Trainingsmethode NLP bietet eine umfangreiche Auswahl von Modellen, die in Führungstrainings sinnvoll eingesetzt werden können. Dadurch, dass die Anzahl der vorhandenen Muster andauernd steigt, ist zu erwarten, dass sie ihrem fremdgesetzten Anspruch nach Wissenschaftlichkeit immer näher kommt. Eigentlich als Sammlung empirischer Modelle zur Bereicherung für Therapeuten gedacht, wird NLP in letzter Zeit von einigen auch als Esoterik bezeichnet, mit Sekten in Verbindung gebracht und als unseriös verurteilt (Vgl. exemplarisch o. V. 1999).

Leider gibt es einige Anbieter, die diesen Eindruck stützen. Sie locken ihre Kunden mit übersteigerten Versprechungen (Vgl. Gulnerits 2000), versuchen die NLP-Modelle in zu geringer Zeit zu lehren und bieten keine Nachbetreuung. Andere sorgen für nur kurzfristige Motivationsschübe, die schnell wieder vergehen (Vgl. Steidl 1997) und werfen damit ein schlechtes Licht auf alle NLP’ler. NLP ist kein Wundermittel. Der für das Training verantwortliche Trainer sollte sorgfältig ausgewählt werden und die geschulten Führungskräfte längerfristig begleiten. Nicht zuletzt ist der Name Neurolinguistisches Programmieren unglücklich gewählt und hat einen negativen Einfluss auf dessen Image.

Trotz aller Hindernisse steigt in Deutschland permanent die Zahl der Trainer, die explizit und ausschließlich NLP-Methoden nutzen oder diese als Bereicherung ihres sonstigen Repertoires in ihre Arbeit einfließen lassen. Große und namhafte Unternehmen wie Xerox (Vgl. Dilts 1998: 69 ff.), Hewlett-Packard und die UNIDO (Vgl. O’Connor 1999: 253) haben für sich den Nutzen von NLP erkannt und lassen ihre Mitarbeiter mit NLP-Techniken weiterbilden. Bei der angedeuteten Tendenz ist zu erwarten, dass NLP einen festen Platz am Weiterbildungsmarkt erhält und ausbaut, obwohl es weiterhin in seiner Seriosität umstritten bleiben wird. Die Erfolge, die mittels NLP erzielt werden, erweisen sich dafür als gute Grundlage.

 

 

 

Referenzen

 

Dilts, Robert B. (1998): Von der Vision zur Aktion: Die Erschaffung einer Welt, der die Menschen zugehören wollen. Visionäre Führungskunst. Angewandtes NLP, Paderborn

Gulnerits, Kathrin (2000): Viele NLP-Anbieter bieten Psycho-Clubbing ohne Substanz in: Wirtschaftsblatt vom 26.02.2000, S. E27 (Beilage)

o. V. (1999): Vier Professoren gegen Esoterik in: Psychologie Heute, o.Jg., Heft 09/1999, S.15

O’Connor, Joseph (1999): Führen – mit NLP: Pfad-Finder im innovativen Unternehmen, Kirchzarten bei Freiburg

Steidl, Sibylle (1997):
Neurolinguistisches Programmieren: Scharlatane wollen ohne Ausbildung Profit machen – Experten warnen vor unseriösen Anbietern in Wirtschaftsblatt vom 28.06.1997, S. E2

 

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Weblinks

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Kein Ostern in China

Vom Osterfest habe ich in China früher nur etwas aus Büchern erfahren. Ehrlich gesagt, das Osterfest und auch Weihnachten gehören zu westlichen Ländern. Viele Leute wissen etwas über Weihnachten, aber ich glaube, dass nicht so viele etwas über das Osterfest wissen. Das sind keine traditionellen Feste bei uns. Die meisten haben auch nicht frei zu Ostern oder Weihnachten. Heutzutage feiern manche junge Leute Weihnachten oder Ostern, aber es beschränkt sich nur auf eine kleine Gruppe von Leuten, die meist im Ausland studiert haben oder die bei ausländischen Firmen gearbeitet haben oder arbeiten. Dort bekommen sie einen Tag oder zwei Tage Pause, um zu feiern. Also nutzen sie die Gelegenheit und gehen mit ihren Freunden aus, machen einen Ausflug oder gehen Shopping. Aber auch manche Studenten in China feiern Weihnachten oder jetzt vielleicht auch Ostern. Denn Studenten mögen ausländische Kultur oft und nehmen Feste oft sehr schnell an. Aber beim Osterfest bin ich mir nicht sicher, ob sie das jetzt auch feiern. Ich bin jetzt schon fast zwei Jahre hier und kann das nicht genau sagen. Na ja, die Gesellschaft ändert sich sehr schnell in China, aber ich glaube trotzdem, dass sich das Osterfest nicht in ganz China findet, sondern wirklich nur auf eine kleine Gruppe in großen Städten beschränkt, die es aus Spaß feiern.

Der Frühling in Berlin ist einfach total verrückt

Der Frühling in Berlin ist einfach total verrückt! Völlig crazy, denn Berlin hat so viele Parks, Gärten mit Festivals und Feste im Frühjahr! Berlin wird eine neue Stadt im Vergleich zum Winter – plötzlich total lebendig, reich an tausenden Events, Aufführungen und Austellungen die man nicht verpassen darf. Ich würde vor allem den Karneval der Kulturen empfehlen, weil diese Parade der Freiheit und Freude beim Tanzen, bedeutet! Man kann auch die multikulti Atmosphäre Berlins spüren und die Schönheit dieser Vielfalt der Kulturen, der Farben der Haut und der fremden Sprachen. Man kann alles auf einmal zusammen wahrnehmen, wie in einem Traum, in einer anderen Welt! Beim Karneval lohnt es sich auch zu shoppen, vor allem bunte Taschen zu 20 Euro pro Stück. Sie sind sehr populär in Berlin. Trotzdem habe ich letztes Mal keine gekauft, denn P.G. hat mich davon abgehalten und so habe ich 20 Euro gespart.