Noch ein Frauenprojekt: Humanitarian Assistance for the Woman of Afghanistan

Ich wache wieder früh auf. Oben von der Dachterrasse aus kann mensch sehen, dass der Schnee auf den Bergen durch die letzten warmen Tage zum Teil geschmolzen ist. Nachts friert es regelmäßig, aber weil es so trocken ist, fühlt es sich nicht so kalt an. Tagsüber ist es nach wie vor oft wolkenlos und sehr warm, ich schätze zwischen 15 und 20° C. Martina leiht mir eine Schere zum Haare schneiden, ich will hier ja nicht so lange Haare haben (ich glaube, ich habe das alleine ganz gut hinbekommen). Vormittags kommt Karla (die Fotografin) zum Sprachkurs, um anschließend mitzufahren zu einem Projekt von Care: ‚HAWA’, ein Witwen- Projekt. Care heist: Cooperative Assistance for Relief Everywhere. HAWA heist: Humanitarian Assistance for the Woman of Afghanistan. Wir betreten in der Innenstadt einen dieser Höfe, vorne zur Strasse hin gibt es einen kleinen Laden, in dem Nähsachen und Eingemachtes verkauft werden, hinten sind Büros, dazwischen der übliche Garten. Wir werden in eines der Büros geführt, drei Afghaninnen erzählen ein bisschen über HAWA, Neda übersetzt ins Deutsche. Zusätzlich sitzt noch eine Sudanesin in dem Büro. Eine der Frauen will wieder gehen, nachdem sie etwas erzählt hat. Wortlos bedeutet ihr die Sudanesin, zu bleiben. Das geht ein paar Mal (wortlos) so hin und her, bis die Afghanin einfach geht, die zweite auch. Es gibt geschätzte 50000 Witwen in Kabul, 10000 erreicht HAWA mit seinen Programmen. Das Hauptziel ist, die Ernährung zu verbessern, Frauen auf eigene Füße zu stellen. Auch versuchen sie, die Bedürftigsten zu erreichen: Verbessern sich die Bedingungen einer Frau wesentlich, dann wird eine neue Frau dafür aufgenommen. Im Wesentlichen haben sie zwei Typen von ‚income generating projects’: Einmal produzierende Gewerbe, wie: Gebäck, Marmelade, Nähen, Stickerei, Teppiche, Malerei, Kaligrafie und Touristenware. Angedacht sind noch Projekte mit Hühnern, Schafen, Kühen, Seide, Wolle, Honig und Ausbildungen zu Friseusen und Hebammen. Der andere Typ ist Gartenbau, hauptsächlich für den eigenen Anbau. Zusätzlich zu den Ausbildungen beraten sie in Gesundheitsfragen, vor allem vorbeugend. Die Frauen werden gesucht, indem HAWA- Frauen in die Bezirke gehen und Nahrung verteilen. Dabei fragen sie dann nach den Interessen der Frauen. Auswahlkriterien sind: Es müssen Witwen sein, keine Kinder unter 10 Jahren, sie müssen gesund und fleißig sein und Zeit haben. Nach drei Monaten Ausbildung bekommen sie ein Zertifikat. Gute Schülerinnen werden Lehrerinnen. Danach leihen sie zinslos Geld, dass langsam wieder zurückgezahlt werden muss. Zum Beispiel für eine Nähmaschine oder Geld für Holz, um eine Bäckerei zu machen. In manchen Bezirken ist es üblich, dass zu Hause der Teig gemacht und zu einer Frau gebracht wird, die den dann ausbäckt. Wir fragten, was mit den Frauen passiert, die den Anforderungen nicht gerecht werden können. Die erstaunliche Antwort war, dass es alle schaffen. Sie lehren auch Hauswirtschaft. Sieben Frauen konnten sie an die holländische Botschaft vermitteln, andere Frauen sollen bei einer anderen Organisation Arbeit finden. Eine Näherin habe es auf 1200 Afghani Reingewinn gebracht (ca.200 €), soviel zahlt der Entwicklungsdienst für einen guten Übersetzer, ein Lehrer bekommt 40 € vom Staat. Ein paar Tage später waren Astrid, Klaus und Martina im Interkonti, wo von Witwen hergestellte Sachen verkauft wurden. Die Preise waren im Bereich von 10 bis 50 € für zum Beispiel afghanische Kleidung, der Absatz unglaublich. In einer Kasse haben sie die Dollarnoten Paketweise gesehen. “Die Veranstalter verdienen Millionen, die Touristen glauben an gute Taten und die Witwen bekommen Pfennige”, meinte Klaus, “perhaps”. Wir wissen es nicht. Immerhin ist es eine dänische Organisation, die diesen Verkauf organisiert hatte. Montag, 18.11.

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