Fahrradkauf in Kabul

Ganz früh morgens war ich verabredet, mit dem Wächter zusammen ein Fahrrad zu kaufen. Der Bruder eines Freundes habe ein Fahrrad-Geschäft. Um ein gutes Fahrrad zu bekommen, versprach ich ihm das Fahrrad, sobald ich wieder nach Deutschland zurück fahren würde (das wäre aber nicht nötig gewesen). Mit dem Taxi sind wir in die Innenstadt, zu Fuß durch das Gewühl in der Altstadt hindurch in eine schmale Seitengasse, am Kabulfluss vorbei (im ausgetrockneten Flussbett ist Laden an Laden, meistens Teppiche und die Einheimischen nennen es Titanic- Bazar). Die Seitenstraße ist (wie fast überall) voll mit Läden rechts und links, hier sind es allerdings mehrstöckige Häuser, oft mit Innenhöfen. In solch einen Innenhof gehen wir, er ist voll mit Fahrradhändlern. Um den Innenhof geht in allen Stockwerken eine Art Veranda, so wie bei uns in einer Einkaufspassage, hier nur ohne Glasdach. Unten stehen eine Menge Fahrräder, die seien aber alle ‚nicht gut’, warum, weiß ich nicht, ich kann keinen Unterschied erkennen. Es sind fast überall nur chinesische Räder zu sehen, es gibt allerdings auch indische und pakistanische Räder. Ein Stockwerk höher habe er gute Räder, meint der Verkäufer. Wir kommen an einer Art Werkstatt vorbei, in der ausschließlich Kinder zwischen 8 und 15 Jahren die Räder montieren. Er zeigt mir ein Rad. Es sei noch nicht fertig montiert, insbesondere der Mantel sei nicht gut, der müsse ausgewechselt werden. Ich bemerke, dass fast alle Schrauben nicht festgedreht sind, vor allem das Tretlager schlackert. Es gibt auch nirgends Kontermuttern, auch für die Tretlager nicht. Ich will das Fahrrad gleich mitnehmen, aber das wollen sie partout nicht. Sie versprechen mir, es bis zum nächsten Tag fertig zu haben, für 3200 Afghani, das sind etwa 60,- €. Wir wiederholen zweimal alles, was noch daran gemacht werden muss, den Preis und dass ich am nächsten Tag nachmittags kommen werde. Der Verkäufer bietet mir an, noch ein anderes Rad zu zeigen. Ich finde das eine gute Idee, wir gehen zusammen bis in das oberste Stockwerk, er schließt dort ein Lager auf, das voller Verpackungsmaterial ist, aber ohne Fahrrad. Bis gestern, meinte er, wären dort noch fünfundzwanzig Fahrräder gewesen. Er hätte auch nicht gedacht, dass die so schnell verkauft worden wären. Schon etwas sauer bin ich dann nach Hause. Irgendwie konnte ich den Kerl nicht leiden. Samstag 23. November

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