Sowjetische Plattenbauten in Kabul

Am nächsten Tag half mir unser Lehrer Mir Afzal die sowjetische Wohnsiedlung zu finden, in der Nabil mit seiner Familie wohnt. Es gibt an den Rändern von Kabul mehrere solcher Plattenbausiedlungen, wie sie es auch bei uns gibt, manchmal ja auch ziemlich heruntergekommen. Hier ist nur überhaupt kein Grün dabei (ehemals gab es wohl welches, ein paar sehr, sehr dürre Bäume stehen oft noch herum) und die Gebäude sind voller Einschusslöcher, selten auch teilweise eingestürzt. An einer Stelle stehen noch Baukräne, das Haus dabei ist halb fertig (aber bewohnt) und Baumaterial liegt daneben. Wahrscheinlich seit Abzug der Russen. Die Plätze zwischen den Häusern sind voller Kinder, überall hängt die Wäsche und auf dem Boden Müll, zum Teil allerdings etwas ordentlicher auf einem Haufen. Direkt an dem Haus von Nabil trafen wir ihn. Mir Afzal konnte ihm erklären, dass ich erst kommen wollen würde, wenn das Gepäck da ist und dass ich leider überhaupt keine Zeit hätte, weil ich arbeiten müsse. Er zeigte uns noch seine Wohnungstür (durch ein enges, angebautes Treppenhaus ging es zum zweiten Stock). So schmuddelig alles auch ist und ganz viel roher Beton, es wird überall daran gebaut und nachgebessert und angestrichen. Mich gruselt es trotzdem, wenn ich diese Wohnblocks sehe. Ich denke das Eingesperrt -sein ist für die Frauen noch eher auszuhalten, wenn es immerhin einen Innenhof gibt, Bewegungsmöglichkeit. Zum Teil sind die paschtunischen Höfe riesig und es leben viele Menschen darin. Aber in diesen Plattenbauten, da sitzen die Frauen dann in drei Zimmern, Küche, Bad. Und wenn Besuch kommt, werden sie in den Vorratsraum gesperrt (das habe ich im Ernst schon gehört). Die Sowjets hatten natürlich ein anderes Geschlechter-Konzept. Aber nun, da sie so gründlich gescheitert sind, haben sie lauter Gefängnisse gebaut. Und Minen. Passt ja. Mittwoch, 27. November

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