Ein paar Tage WG mit Arun und ein Gefallen für den Wächter

Mittags kommt Arun. Er will mit uns WG machen. Warum mit uns und was er darunter versteht, ist mir nicht ganz klar. Später denke ich, dass er vielleicht etwas deutsche Kultur als Ruhemöglichkeit sucht. Aber vorerst gibt er sich total Mühe, will richtig einsteigen. Haushaltskasse, einkaufen, und er kocht schon am zweiten Tag für uns. Ich sage ihm: ”Arun, Du sollst hier nicht noch eine anstrengende Arbeit haben, du musst dich auch ein bisschen ausruhen.” “Wir machen hier so, wie es in der Vorbereitungszeit in Deutschland war”, sagt er. Das hat ihm wohl gut gefallen. Über mich hat er viele lobende Worte, dass ich mich wirklich einsetzen würde usw. Das tut mir auch mal gut zu hören. Während seiner Zeit bei uns kommt er einmal völlig geschafft und erledigt nach Hause. Bekannte von früher hatten ihn eingeladen und pausenlos auf ihn eingeredet. Nur leidvolle Geschichten aus Mujaheddin- und Taliban Zeiten: Tote, Folter, Flucht, Verlust von Menschen, Gesundheit und Besitz. Und er war nur als stummer Zuhörer gefordert. “Wenn ich wenigstens auch mal hätte irgendetwas jammern dürfen, wie: Ja, stimmt, 1998 im Juni, da hat mir mein rechter Arm auch fürchterlich wehgetan…” Einmal fragte Mohammad, der Wächter mich, ob Arun ihm nicht helfen könne, an eine Wohnung zu kommen. Ich fragte Arun. Ein paar Tage später brachte er für Mohammad ein Papier mit, mit dem dieser ein Anrecht auf den Erwerb eines Stückes Bauland bekam. Die anderen beiden Wächter wollten natürlich auch so ein Papier. Sie brachten deshalb einen Brief, der ganz offensichtlich an jemand anderes adressiert war und baten Arun, ihnen bei der richtigen Zustellung dieses Briefes zu helfen. Ganz nebenbei fragten sie dann bei dieser Gelegenheit nach der Anrechtsurkunde. Mir wurde da erst klar, in welche blöde Lage ich Arun mit meiner Frage gebracht hatte. Relativ abschiedslos verschwand Arun ein paar Tage später wieder und war im Grunde für uns auch nicht mehr erreichbar. Schade. Mittwoch, 27. November

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