Spaziergang in Kabul: Schweißen auf der Straße und eine bewegungslose Bettlerin im Tschadori

Bei einem Spaziergang entdecken wir auf einer Freifläche ganz tiefe Löcher im Boden, so etwa fünf Meter tief, unten Wasser und Müll. Sind die, um Wasser für die Lehmziegeln zu haben? Oder waren das früher Brunnen von Häusern, die es nicht mehr gibt? Mehrfach sehe ich Leute beim Schweißen, völlig ohne Schutzschild. Arbeitsschutz gibt es hier nur rudimentär, auch an den Schreinereimaschinen, die ich bisher gesehen habe. Die Armen, die zum Teil stundenlang an der Kreuzung arbeiten müssen. Einmal sah ich eine Bettlerin, die an einer dicht befahrenen Straße mit ihrer ausgestreckten Hand auf der Erde lag. Ich weiß gar nicht, wie die es schafft, nicht überfahren zu werden. Unter ihrem Tschadori ist das Sehen sowieso schon schwer, aber die hat gar nicht mehr geguckt. Vielleicht war sie auch tot. Bettler, die auf der Straße übernachten, habe ich öfter gesehen; einer lag so reglos da, mit Erfrierungen an Händen und im Gesicht, dass er gut auch tot sein konnte. Es ist nachts jetzt richtig kalt, ich denke, mehr als 5 Grad minus. Donnerstag 28. November

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