Wer ist besser? Die Paschtunen oder die Dari sprechenden Afghanen?

Vom Büro aus bin ich mit dem Taxi gefahren. Der Fahrer wollte unbedingt von mir wissen, wer denn besser sei: die Paschtunen oder die Dari sprechenden Afghanen. War mir schon klar, dass er selbst wohl ein Panjiri sein müsse, ein Massoud- Anhänger. Ich sagte also, ich könne da keinen Unterschied erkennen. Doch, ich solle jetzt sagen, wer besser sei. Ich hätte mit Paschtunen und Tadschiken zusammen gearbeitet und sie alle seien nett gewesen, antwortete ich. Nur die Mujaheddin fände ich nicht so toll. Waaas?! -Ja , die Mujaheddin hätten immerhin Kabul zerstört. – Das wäre alles der Gulbudin (Hektmatyar) gewesen. – Nein, sag ich, das waren auch Sayyaf (Zustimmung) und Khalili (Zustimmung) und Rabbani (Schweigen) und Massoud (heftiger Protest). Als wir dann an einem deutschen Panzerwagen vorbeifahren und ich erklärte, die könne ich auch nicht sonderlich leiden, entspannte er sich wieder etwas. Wir konnten uns dann darauf einigen, dass es besser sei, Taxifahrer oder Schreiner zu sein, als Soldat. Dienstag, 26.November

Pakanto, der Paketmacher für Linuxdistributionen: Paketbeschreibungen mit Wikihilfe kollaborativ erstellen

Um Software bei Linux zu installieren, stellen Distributoren, wie zum Beispiel Debian oder Ubuntu, einen Katalog mit verschiedenen Softwarepaketen zur Verfügung. Dieser Katalog existiert häufig nur in englischer Sprache oder ist oft nur rudimentär übersetzt. Bei diesem Problem setzt das Projekt Pakanto, der Paketmacher, von Daniel Arnold an. Mit Hilfe eines Wikis als kollaboratives Werkzeug sollen Paketbeschreibungen erstellt und verbessert werden.


Direkter Link: http://video.google.de/videoplay?docid=2345512916243638835

Daniel: „Es ist so, wenn ich ein Paket installiere, möchte ich natürlich wissen, was ist da drin, welche Software. Einmal kann ich natürlich über den Namen suchen. Wenn ich also weiß ich möchte Firefox installieren, dann kann ich nach Firefox suchen. Wenn ich aber keine Ahnung habe, wie die entsprechende Software heißt, dann muss ich in der Beschreibung suchen. Ich suche also zum Beispiel einen Webbrowser. Ich kann jetzt in meinem Paketmanager nach Browser suchen. (Auf dem Computer) haben wir jetzt eine ganze Reihe von Browsern. … Und jetzt suchen wir mal nach Textverarbeitung und da sehen wir bei Textverarbeitung – es gibt keinen Treffer.“

Kurt: „Aber das kann doch nicht sein. Ich weiß doch das ganz viele Pakete existieren in denen Textverarbeitungen drin sind.“

Daniel: „Ja, Open Office zum Beispiel. Also muss ich den englischen Begriff Office eingeben. Dann habe ich einen Haufen Office-Pakete. Das ist ein Problem.“

Kurt: „Ich denke bei Officeverarbeitung an Büro und wäre wahrscheinlich gar nicht darauf gekommen nach Büro zu suchen. Sehr irritierend.“

Daniel: „Genau. Problem ist letztendlich, dass die Paketbeschreibungen der meisten Distributionen bisher nur auf Englisch sind. Man muss also um diesen Katalog nutzen zu können Englisch können. Das ist für den normalen Benutzer… Hm.“

Kurt: „Wir wollen auch, dass auch Leute Linux benutzen können, die kein Englisch können.“

Daniel: „Das ist genau die Sache. Da war also meine Idee die Paketbeschreibungen nicht mehr nur für Nerds … zu machen, zum Beispiel Paketbeschreibungen wie 'Less is More'. Man muss wissen 'Less' ist ein Paket, das mehr kann als 'More'. Das ist ein Insiderwitz eben… Gut, da war meine Idee mit dem Projet Pakanto – der Paketmacher – diese Paketbeschreibungen in einem Wiki zu erstellen. Pakanto.org ist das Wiki. Es verwendet dieselbe Software wie Wikipedia, nämlich Mediawiki. Ich habe das ein wenig angepasst."

Kurt: „Das Interface kommt mir schon bekannt vor.“

Daniel: „Das ist sehr bekannt. Es hat auch den Vorteil, die Leute wissen sofort aha das ist das Wiki. Ich weiß von Wikipedia schon, wie ich damit umzugehen habe und auch wer nicht programmieren kann, kann zu seiner Linuxdistribution etwas beitragen – das die Beschreibungen besser werden…. Dieses Projekt soll keine Onlineressource an sich sein. Das ist nicht wie Wikipedia ein Onlinelexikon, sondern das Wiki ist sozusagen Mittel zum Zweck. Es ist hier ein kollaborativer Editor.“

Kurt: „Und nachher greifen die Distributionen darauf zurück und holen sich da die Paketbeschreibungen raus und bauen die in den eigenen Distributionen ein.“

Daniel: „Das wäre das Endziel. Am Anfang werde ich mich auf Privatpersonen konzentrieren, die Adhoc ein Paket installieren wollen. Das wäre der erste Schritt.“

Kurt: „Und dann wird das peu a peu verbesssert und irgendwann kann ich dann nach Textverarbeitung suchen und bekomme genauso viele Treffer wie ich jetzt bei der Suche nach Office-Packages bekomme… Cool. Klasse Projekt.“

Weblinks

Paketmacher Pakanto: www.pakanto.org
Mediawiki-Software: www.mediawiki.org
Kurt Jansson: www.jansson.de
Blog von Daniel: http://arnomane.wordpress.com
Daniel Arnold bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Arnomane

Wütende Statements über die Frauenhilfeorganisation

Abends habe ich die Gelegenheit mit der Afghanin Zaira, die längere Zeit in Deutschland war, über die Frauenhilfeorganisation zu reden. ‚Zu reden’ ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck: Sie ist innerhalb kürzester Zeit hochgegangen wie eine Rakete und hat nur noch auf diese Organisation geschimpft: Diese NGO wäre gar nicht in Kabul, sondern in Pakistan, die illegalen Mädchenschulen unter den Taliban hätte gar nicht AFA gemacht, sondern andere Frauen. Sie würden jetzt nur so tun, als wären sie das gewesen und würden genug Geld bekommen, andere seien viel bedürftiger. Und die Frauen, die dort gefördert würden, kämen sowieso alle aus der Oberschicht. Das meiste, was die Frauen dort erzählen, sei gelogen. Die Organisation würde nur im Untergrund arbeiten. Alle Afghanen seien wütend auf sie. Alle wüssten auch, dass es eine maoistische Kadergruppe sei und sie sich nur gut tarnen würden. Früher hätten sie sogar Kinder erschossen, die ihnen im Wege standen. Alle Schriftsteller und Intellektuelle, die vor den Russen nicht geflohen seien, würden sie in ihren Schriften persönlich angreifen, beleidigen und diffamieren. Dieses wütende Statement gipfelte in der Aussage: Diese NGO hat kein Platz in Afghanistan. Dass diese Frauenhilfeorganisation manchmal sehr diffamierend und persönlich verletzend schreibt, hatte ich anhand eines Textes selbst gelesen. Das ist oft politisch nicht besonders klug, aber nachvollziehen konnte ich das: So viele Vergewaltigungen, Morde, Gräueltaten…Ich kann verstehen, das frau das alles zum Beispiel einem Dostum (der Usbekengeneral, der erst im Dienste der Sowjets, später in wechselnden Koalitionen gegen die Sowjets sich besonders durch systematische Vergewaltigungen und Folter hervortat) nicht verzeihen mag. Die anderen Vorwürfe hatte ich zum Grossteil schon gehört: So war der Mann von Adela, der hochverehrten und ermordeten Gründerin, zwar Maoist, aber in ihren Schriften konnte ich keinerlei Anzeichen dafür finden, dass die Organisation deshalb auch maoistisch ist. Ich kann auch keinen Sinn darin sehen, sich bis zur völligen Selbstaufgabe zu tarnen. Komisch auch bei all diesen Hasstiraden, dass niemand mir in irgendeiner Form seine Urteile gegen AFA belegen konnte. Zaira versprach mir zwar, mir einen Text zu besorgen, hat sie aber nie getan. Ich fürchte, dass außer einer bloßen Wiederholung ihrer Diffamierungen, auch in dieser Schrift nichts anderes zu finden gewesen wäre. Manchmal denke ich, dass es möglicherweise ein Konflikt in der Art ist, wie ihn auch hier zu Lande bürgerliche Frauen mit radikalen FrauenLesben haben: Der Vorwurf, ein durch und durch gewalttätiges System mitzutragen auf der einen Seite und der Vorwurf, durch Systemopposition kleine Schritte der Veränderung zu gefährden auf der anderen Seite. Na ja, trotz allem hat mich ihre Reaktion ziemlich verunsichert, weniger intellektuell, sondern vielmehr emotional. Ich dachte drüber nach, lieber etwas anderes zu machen und wie ich mich wieder von der Organisation zurückziehen könne, nach dem ich die ersten Schritte auf sie zugegangen war. Am meisten verunsichert mich im Grunde bei allen Projekten, die ich gesehen habe, sowohl von Care als auch von der Frauenhilfeorganisation, dass ich kaum bis gar nicht überprüfen kann, ob die ganze Projektdarstellung, nur Show ist oder auch Wirklichkeit. Ich kann noch nicht mal wissen, ob die Mädchen, die ich in dem einen Haus gesehen habe, nicht in Wirklichkeit auf eine normale Schule gehen. Nadia sagt, sie seien schon zu alt, was gut stimmen kann. Dienstag, 26. November

Wikipedia: Stabile Versionen, mehr Qualität statt Quantität und neue Anwendungsmöglichkeiten durch Nutzung von Geokoordinaten

Kurt Jansson im Gespräch mit Jakob Voss in der Wikipedia Corner beim 23 Chaos Communication Congress. Wie hat sich die Enzyklopädie entwickelt? Was steht uns in nächster Zeit bevor?

Die Wikipedia-Community kam bereits zu Überlegungen das Artikelwachstum einzuschränken, um die vorhandenen Ressourcen der freiwilligen Mitarbeiter der Enzyklopädie besser zu nutzen. Jakob: „deshalb hatten wir letzten Monat den „Keine-Neuen-Artikel-Sonntag“… Wir wollen mehr Qualität statt Quantität…“. Dies sollte jedoch nicht soweit führen eine generelle Pause (Sperrung) für neue Artikel einzulegen. Jakob: „(Denn) da gibt es noch sehr viele Lücken. Da kann noch viel ausgebaut werden.“

Die verstärkte Nutzung von Geokoordinaten in Artikeln in Verbindung mit Programmen wie Google Earth ist ein weiteres spannendes Thema. Jakob: „(Dies) wird dazu führen, dass Wikipedia in ganz anderer Weise benutzt wird, als bisher.“

Gespannt wartet die Community auch auf die Einführung eines weiteren technischen Features: Stabile Versionen. Ziel ist es dabei Artikel von anerkannten Mitgliedern der Community und Experten prüfen zu lassen und als zuverlässig zu kennzeichnen. Diese Artikel könnten dann unter einem Extralink weiterbearbeitet werden. Änderungen der stabilen Version würden jedoch verifiziert werden und somit in längeren Abschnitten erfolgen.

Eine Frauen-Entwicklungshilfeorganisation in Afghanistan: Eine Hühnerfarm und eine Schule

Morgens früh holte mich der Fahrer von Karla ab. Zu Karla kommen bald auch zwei Frauen von der Frauen-Entwicklungshilfeorganisation. Eine etwa Vierzigjährige, Nadia, in rotem Kostüm, über das sie draußen ein Burka stülpt und eine zweite knapp zwanzigjährige, schwarz gekleidete Frau, die übersetzte. Zusammen fahren wir mit einem Fahrer und Auto (sah aus, wie ein Taxi) durch die Stadt. Eine große Straße ist gesperrt, wegen eines Blitzbesuches von Joschka Fischer. (Holger Balke durfte ihm drei Minuten über die Arbeit des Entwicklungsdienstes in Afghanistan berichten, was er sich offensichtlich müde und gelangweilt anhörte). Auf eine Nachfrage von Nadia gebe ich eine kurze Einführung in die Geschichte und Rolle der Grünen aus meiner Sicht. Karla korrigierte mich an den Stellen, wo ich gar zu sehr vom Leder zog. Als erstes haben wir eine Hühnerfarm besucht. In der Nähe vom Flughafen, einer dieser normalen Höfe mit einer hohen Mauer drum herum. Dieser Hof sei erst neu bezogen worden, die Hühner gerade erst aus Pakistan gekauft, das Futter wird auch gekauft. 1000 Hühner seien es, sie haben einen überdachten Auslauf und in einem Schuppen kleine Lehmnischen zum Legen. Auf der anderen Seite des Hofes gibt es ein zweistöckiges Gebäude, das unten zum Teil als Lagerraum genutzt wird. Drei Witwen würden hier arbeiten und leben, mit ihren Kindern. Ich sehe eine alte Frau (was nicht heißt, dass sie tatsächlich alt ist, in Afghanistan altern die Frauen sehr schnell), einen Mann Anfang zwanzig, einen Jugendlichen und zwei, drei Kinder. Ich verstehe, dass wir wegen der Infektionsgefahr mit unseren Straßenschuhen nicht in den Stall sollen, dann werden wir aber doch hineingelassen. Die Hühner lassen sich anfassen, anders, als ich das aus Deutschland her kenne. Nadia sagt, dass sie selbst vier Hühnerfarmen in Kabul betreut, dass es aber weit mehr gibt, wie viel weiß sie nicht. Der Gewinn der Farmen fließe an die Organisation zurück. Anschließend fahren wir zu einer Schule, es ist aber noch niemand da. Deshalb geht es weiter zu einem Hof, in dem ein stummes Mädchen, etwa 19 Jahre alt, wohnt. Sie hat als kleines Baby während eines Bombenangriffes ihr Gehör teilweise verloren. Als wir kamen, war sie dabei, Kohlenstaub mit Wasser zu Fladen zu backen, um sie dann im Winter im Ofen verbrennen zu können. Ihre Mutter sei Lehrerin, in dem Hof gab es noch eine 16-jährige, einen etwa 12-jährigen und ein kleines Mädchen. Der Hof hatte einen Garten und in der Mitte einen Ziehbrunnen. Der Eimer an diesem Brunnen war aus alten Autoreifen gemacht, wie es sie hier oft zu kaufen gibt. Die 19-jährige, die mir sehr klar und konzentriert erschien, im Übrigen aber sehr schüchtern war, sei sehr intelligent und würde den Haushalt managen. Ob sie denn auch aus dem Haus heraus käme, fragte Karla .Ja, ab und zu zum einkaufen, meinte ihr Bruder. Als Karla eher entsetzt reagierte, meinte Nadia, dass sie schon auch mal aus dem Haus käme, zum Verwandtenbesuch und so weiter. Nach einer Weile sind wir wieder zu der ‚Schule’: Wieder ein Hof, vor dem Haus zwei Mädchen, die Wäsche waschen. In einem Raum, vielleicht drei mal vier Meter sitzen etwa zehn 12-16jährige Mädchen, eine Frau ist dabei. Während wir dort sind, kommen noch etwa zehn Mädchen dazu. An der Wand hängen Nähsachen. Nähen, schreiben und noch etwas, was ich vergessen habe, werden unterrichtet. In dem Haus wohne eine Witwe mit ihren Kindern. Einen jungen Mann, der auf meine Nachfrage erklärte, er wohne hier, sah ich auch und noch eine zweite ältere Frau. In dem zweiten Raum des Hauses bekamen wir Obst und Gebäck angeboten. Der junge Mann ging solange vor die Tür, während wir dort saßen und aßen. Nadia langte tüchtig zu, wir anderen drei waren etwas zurückhaltender, sonst aß niemand etwas, es war ja noch Ramasan. Die beiden älteren Frauen seien Schwestern und würden beide abwechselnd unterrichten. Leise und auf Englisch erklärte Nadia, dass die eine der beiden Frauen auch Prostituierte gewesen sei. Karla hatte sie ursprünglich gefragt, ob sie vielleicht eine Prostituierte fotografieren und interviewen könne. Weil sie es wichtig fand darüber zu berichten, wie sehr es gerade auch in Kabul Prostitution gäbe. Viele reagieren darauf mit Erstaunen, dabei ist es doch naheliegend, dass dort, wo Frauen derart entrechtet sind, sie auch am meisten ausgebeutet werden. Prostitution ist für Männer leicht, wo Frauen arm sind und niemals die Möglichkeit haben, darüber öffentlich zu reden. Als wir uns morgens bei Karla trafen, hatte Nadia gefragt, ob sie etwas Geld für das Interview und die Geschichte der Frau bezahlen könne. Wie viel denn, fragte Karla zurück. Zu Taliban- Zeiten hätten sie um etwa 300 Dollar gebeten, aber jetzt wären 100-200 Dollar okay. Karla erschrak richtig, nein, soviel habe sie nicht, nein, auch 50 Dollar nicht. Sie würde lieber kein Interview machen. Nadia bat mich, die Plätze, die wir besucht hatten, niemandem zu zeigen. Sie gab mir eine Visitenkarte mit der Adresse der Organisation in Pakistan und schrieb ihren Namen dazu. Sowohl das Bienenprojekt, das ich ihr vorschlug (ich bin in Deutschland Imker), als auch ein Ausbildungsprojekt für Schreinerinnen fand sie sehr interessant, wobei sie die Schreinerei deutlich mehr interessierte. Von mir hatte sie auch schon gehört, also waren meine früheren Versuche, Kontakt aufzunehmen doch nicht ganz umsonst gewesen. Mit Karla machte sie noch einen Termin für Samstag, mit mir einen Termin für Dienstag (ob sie zu uns ins Gästehaus kommen könne?). Ich bin zu Fuß nach Hause, weil das Klassenzimmer in unserer Nähe war. Nach dem Mittagessen fahren wir ins Büro und bekommen eine Einweisung in die Handhabung von Funkgeräten. Wir bekommen alle eines ausgehändigt. Allerdings sind wir mit unserem Haus in Taimani zu weit von dem Entwicklungsdienst-Büro entfernt, so dass wir mit denen nicht in Funkkontakt treten können. Andere deutsche Organisationen funken allerdings auf der gleichen Frequenz, so dass eine Chance besteht, dass irgendwer unsere möglichen Hilferufe hört. De facto habe ich es nie benutzt. Dienstag, 26. November

Internationale Stimmung beim Sommerfest der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) und Słubice

Ein Rough-Cut von der "EUVenalia", den studentischen Festtagen an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder und Słubice vom 11.-12. Juni 2002. Der Film fängt die internationale Stimmung beim Sommerfest der Universität ein. Nicht mehr ganz aktuell, aber einige Passagen sind vielleicht immer noch witzig anzuschauen. Länge: 38:42 min.

Direkter Link: http://video.google.de/videoplay?docid=8899053292303192854

Die Festtage wurden organisiert durch das Kulturreferat des ASTA, insbesondere durch Max Wollert und Sylwia Kotkowska.
Musik: Viaphoniker, Orchester der Europa-Universität Viadrina
Bands: Chicago Farmers (Zielona Góra), Space Hobos (Berlin), Rob Harney & The Waiters (Berlin), KuWi-Stars (Frankfurt (Oder), VOO VOO (Polen)
Dank auch an: Stadtamt Slubice, Frankfurt (Oder), Hieronim Rzeppa, Robert Suligowski,
Die Grotte (Studentenklub), alle Mitwirkenden

Übersetzungen (Arkadiusz Paszek):

Sylwia am Anfang in Slubice: Jetzt gibt es noch nicht so viele Leute, aber wir erwarten später viele Studenten. Ich hoffe sie kommen auch…

Lukasz mit Wurst: Die Bratwurst habe ich leider schon aufgegessen, sie war auch sehr lecker! Ich bin vom AStA. Wir haben echt Spaß hier. Es gibt noch nicht so viele Studenten, aber es ist ja sowieso noch früh. Ich denke mal, dass die Meisten erst später kommen werden. Ich empfehle jedenfalls allen, die noch kommen, die ausgezeichneten Würstchen "a la AStA" zu probieren!

In der Grotte, aufgeregter Typ: Leute, hört zu, in Wirklichkeit ist es total abgefahren an der Viadrina. Ich lade euch alle ein.. hier her. Das ist eine coole Uni! Tolle Partys! Nicht nur lernen! Auch die Bibliothek – na ja …, es ist einfach super!

In der Grotte am Ende: Die Gemeinschaft ist sehr wichtig. Freunde, Gemeinschaft, das Gefühl mit anderen zu sein…

Kurz und schnell am Ende in der Grotte: Es hat mir sehr gefallen!

Weblinks:

Viaphoniker: http://viaphoniker.de

Europa-Universität Viadrina: http://www.euv-ffo.de

Asta der EUV: http://asta.euv-ffo.de

 

Viadrina Sommerfest 2001

Mit einer alten VHS-Kamera und einem 20-Minuten-Akku bin ich 2001 beim Sommerfest der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) unterwegs.

Teil 1, Direkter Link: http://video.google.de/videoplay?docid=2290044605311700374

Teil 2, Direkter Link: http://video.google.de/videoplay?docid=4187219626069411387

Ein riesiges Fest mit mehr als 2000 Leuten – deutsche und polnische Studenten und Gäste aus der Ukraine, Weißrussland, Schweden, Frankreich, China und vielen anderen Ländern. Zu Essen gibt es reichlich. Auf dem Hinterhof wird gegrillt und französische Erasmusstudenten machen leckeren Salat und „Quiche Lorraine“. Der Univerein Spotkanie verkauft derweil die osteuropäische Spezialität Bigos. Ein bunter Abend beginnt. Professoren und die Frankfurter treffen ein und präsentieren das lockere und aufgeschlossene Frankfurt vor der Kamera. Einige sind nur wegen den „Kuwistars“, eine Band von Dozenten, die am Abend ihre Hits zum Besten geben. Frankfurt ist super, berichten zwei Dutzend Partyteilnehmer und „hier gibt es das beste Bier überhaupt“. Am Ende des Abends rockt die Stadt zu Salsa und Samba bevor die Studies um zwei Uhr morgens beginnen, die Straße zu fegen, denn so war es mit dem Bürgermeister abgemacht.

 

Film: Mario Behling
Länge: 42 min
Online in zwei Teilen
Format: 3:4, VHS
Zeitpunkt: 6. Juni 2001

 

Vielen Dank an Michaela Grün, Arek Paszek und alle Helfer für die Organisation des Festes und nicht zu vergessen auch die Musiker und Künstler.

Gewaltige Aufgaben für die Stadt- und Verkehrsplanung in Kabul und neue Erkenntnisse über Entscheidungswege in Afghanistan

Die Wächter machten große Augen als Arun uns besuchte – weil er so ein hohes Tier ist. Er kam auch in einem Wagen aus dem Ministerium, in dem normalerweise nur der Minister selbst oder sein Stellvertreter gefahren wird. Arun ist allerdings auch direkter Berater des Ministers, der heilfroh sei, dass jemand mit Ahnung gekommen sei. Und das hat Arun, so dass wahrscheinlich eine Menge seiner Ideen und Vorschläge in die Arbeit dieses Ministeriums einfließen wird. Vor einigen Jahren habe ich von Recife, einer brasilianischen Großstadt gelesen, die heute das einzige Nahverkehrssystem der Welt hat, dass sich selbst trägt. Und zwar standen sie vor der Aufgabe, ein U-Bahn-System zu planen. Es wurde schnell klar, dass dafür das Geld hinten und vorne nicht reicht. Anstelle nun mit halben Sachen anzufangen, haben sie etwas ganz Neues entworfen. Das waren Gliederbusse mit mehreren Türen, wie Straßenbahnen und eigenen Spuren, die je nach Bedarf auch wieder geändert werden können. Sozusagen schienenlose Straßenbahnen. Die Planer davon, so habe ich von Arun erfahren, waren Studienkollegen von ihm, aus der gleichen Schule. An unserem Lern- und Esstisch machte uns Arun ein paar Skizzen zu einem Verkehrsleitsystem und zu einer Aufteilung der Straßen in Bereiche für Fußgänger, Fahrräder, schnelle und langsame Fahrzeuge. Eine Weile habe er Überzeugungsarbeit leisten müssen, um zu verhindern, dass die Armen (zum Beispiel die Hazara mit ihren Ziehkarren) nicht einfach in diesen Planungen weggezeichnet werden, sondern ihren Platz bekommen. Zu dem Verkehrsleitsystem (Umlenkung des Verkehrs von stark frequentierten Knotenpunkten hin zu weniger belasteten Straßen, Ermittlung des Verkehrsaufkommens einzelner Stadtteile zur Ermittlung sinnvoller Hauptverkehrsadern usw.) fragte ich ihn: Ja, und dann hast du einen tollen Plan, aber genau in der wichtigen Straße sitzt das Ministerium des Innern und macht eine Vollsperrung, weil der Minister gerade im Haus arbeitet. Arun lachte: “Das hatte ich bisher in allen Ländern, in denen ich gearbeitet habe: Algerien, Syrien, Marokko, China. Solch eine Straße ist genauso zu betrachten, wie ein Hauptknotenpunkt, das Verkehrsleitsystem muss sich darauf genauso einstellen.” Bei einem Spaziergang durch das Viertel war er aber dann doch überfordert mit den vielen Aufgaben, die er da auf sich zu kommen sah: die Kloaken, die einfach zur Straße hin ablaufen, die Abwässer. Er meinte, dass die Brunnen der Armen nur 4-5 Meter tief seien und die Sickergruben der Reichen ebenfalls. In unserem Haus ist der Brunnen etwa 30 Meter tief, ich hoffe, dass auch die öffentlichen Brunnen wenigstens so tief reichen. Aber die Sickergrube unseres Hauses ist zwar optisch und –erstmal- hygienisch besser, als die Kinderspielplatz- Jauche der anderen Häuser, aber langfristig für das Grundwasser eine Katastrophe. Früher, sagte Arun, waren die offenen Fäkalien insofern nicht so ein Problem, weil es weniger Einwohner pro Fläche in Kabul gab und es regelmäßig entsorgt wurde. Auch Seuchen waren nie ein Problem, wohl auch wegen der trockenen Luft. Eigentlich, meinte er, seien sie im Ministerium genug Leute, 300 an der Zahl. Mit so vielen könne man richtig etwas bewegen. Aber wenn er einen Gang durch das Ministerium machen würde, sähe er die meisten in leeren Büros untätig herumsitzen. Es gäbe immerhin eine Abteilung, die von einem Exil-Afghanen geleitet würde, da ginge es richtig rund. Wenn er jetzt etwa 20 Leute zu seiner Unterstützung bekäme, wolle er erst wissen, was das für Leute sind. Aber das sei wohl überall so in der öffentlichen Verwaltung, das es nur um die Posten, nicht um die Arbeit ginge. Außerdem ständen jeden Morgen bis zu zehn Leute vor der Tür des Ministers, die alle für irgendetwas eine Erlaubnis oder eine Unterschrift wollten. Dabei geht es oft um Dinge, die gar nicht zu dem Entscheidungsbereich des Ministeriums gehörten oder um etwas, was viel weiter unten in einer zuständigen Abteilung entschieden werden muss. Aber der Minister unterschreibt es meistens trotzdem und damit ist es entschieden. Mit einem hohen Abteilungsleiter hatte er ein Gespräch, einer seiner Untergebenen kam dazu, wollte von dem Leiter eine Unterschrift. Als dieser verweigerte, kam es schnell zu einem Streit. Es ging um die Fortsetzung eines Computerkurses, dessen ersten Teil der Untergebene und seine ganze Arbeitsgruppe gemacht hatte und den er nun mit allen weiter machen wollte. “Sehen Sie, man lässt uns nicht machen! Man bremst uns aus!” wandte er sich an Arun. Der Vorgesetzte sagte: “Wir müssen auch die anderen Abteilungen berücksichtigen, ich kann nicht eine Gruppe bevorzugen!” und das auch zu Arun, der nun zwischen den Stühlen sich befand. Das Wichtigste, meinte er, ist dann, dass niemand sein Gesicht verlieren darf. Und es ist anders, als in Deutschland. Wenn der Vorgesetzte ‚Nein’ sagt, ist es noch lange nicht zu Ende. Die sagen dann sofort, dass es ihnen nicht passt. Das kann lange Streitereien geben. “Sehen Sie”, sagte Arun, “Sie haben doch gehört, was Ihr Abteilungsleiter gesagt hat: Er findet es auch wichtig, dass die Leute weitergebildet werden. (“Genau, genau!” sagte der Abteilungsleiter) Und wenn sie das unbedingt wollen, dann wird er Ihnen bestimmt nicht im Wege stehen. Nur, im Rahmen der Möglichkeiten wird Ihre ganze Gruppe daran wohl nicht teilnehmen können. Vielleicht treffen Sie sich morgen noch einmal und überlegen gemeinsam, welche Strategie sie anwenden können, um eine Weiterbildung und effizientere Arbeit zu erreichen.” Die vielen Container, in denen die Leute ihre Läden haben, Schrott sammeln usw., die kommen alle weg, sagte Arun. Als ich etwas irritiert guckte, meinte er: “Die sind doch sowieso alle illegal.” Montag, 25. November

Neue Bedeutungen für die Bezeichnungen ‘Hutu’ und ‘Tutsi’ während der deutschen und belgischen Kolonialzeit

Schon seit Beginn der deutschen Kolonialmacht (1899) übten die deutschen Vertreter eine indirekte Herrschaft aus, da den Einheimischen zu jeder Zeit gewisse Machtpositionen eingeräumt wurden. Trotz indirekter Herrschaft muss sie sich mit ihrer Einteilung in eine Rassenordnung für die Grundsteinlegung der ethnischen Konflikte verantworten. Die zu deutschen Kolonialzeiten gestellten Weichen verhärteten sich irreversibel in der belgischen Kolonialzeit und führten 1994 letztendlich zu einem massenhaften, ethnisch begründeten Töten.

Die Deutschen führten eine ethnische Bedeutung in die Begriffe 'Hutu' und 'Tutsi' ein. Man wollte sich jeglichen Aufwand oder größere Probleme sparen und schnell ein gut funktionierendes Herrschaftssystem aufbauen. Durch Grenzziehungen, Einführung der Steuer und die Erstellung von Landkarten rechtfertigten die Kolonialherren die Trennung in kulturell und sprachlich unterschiedliche Stämme (vgl. Hoerding, 1997: 25).

Um die Ruander in klar voneinander trennbare Rassen (Stämme) einteilen zu können, gebrauchten die Kolonialherren ihr Hintergrundwissen der Rassentheorie. Von nun an wurden die Einheimischen nach ihrem Äußeren in zwei Rassen eingeteilt: 'Hutu' und 'Tutsi' (Die Twa blieben bei dieser Einteilung außen vor, da sie mit ihrer geringen Bevölkerungsanzahl nicht ins Gewicht fielen). Neben dem Aussehen war auch der Stand des Jeweiligen entscheidend für die neue Einteilung in Rassen. Ein Mann, der einmal als 'Hutu' eingestuft worden war, blieb für sein ganzes Leben 'Hutu'. So wurden auch Säuglinge sofort nach der Geburt in eine der beiden Rassen eingestuft. Dabei war die Rassenzugehörigkeit der Eltern ausschlaggebend. Die ursprünglich flexible Handhabung beider Begriffe ging, wie hier deutlich wird, total verloren: „Allein die Abstammung entschied jetzt darüber, ob jemand ein 'Tutsi' (…) oder 'Hutu' war.“ (Hoering,1997:20). Deutlich wird: die ethnische Definition beider Bezeichnungen ist erst in der Kolonialzeit geschaffen und später ausgebaut worden. Denn von nun an war man davon überzeugt, dass die Menschen in Ruanda ungleich geboren wurden: Die einen um zu regieren, die anderen um regiert zu werden. Ohne Ausnahme sahen die Kolonialmächte diese Behauptungen als absolut an.

Bei den Einordnungen in zwei Ethnien verstand man die Hutu als untergebene Rasse, die alles mit Gleichmut ertrug. Ihnen wurde seitens der Europäer ein unterwürfiger Charakter zugesprochen. Das Wort 'Hutu' setzten sie mit 'Diener' gleich (vgl. Melvern, 2000: Kap.2: 8). Im Vergleich zu den Tutsi seien die Hutu kleiner und gröber, unfeiner gebaut. Als charakteristisch hervorstechend seien die schwulstigen, dicken Lippen der Hutu. Für die Europäer waren sie das Ebenbild eines typischen „Negers“. Ihnen wurde des Weiteren eine „Intelligenzlücke“ nachgesagt. Die Deutschen waren davon überzeugt, klar physiologische und auch psychologische Unterschiede zwischen den 'Hutu' und 'Tutsi' erkennen zu können. Hingegen zu den Hutu wurde den Tutsi ein nach westlichen Vorstellungen wesentlich schöneres Erscheinungsbild nachgesagt: Schlank, wohlgeformt und zierlich wurden sie in alten Berichten beschrieben. Sie erhielten den Beinamen: „die, die geboren wurden, um zu regieren“ (vgl. Semujanga, 2003: 114 f). Semujanga fasst diese Phänomen sehr gut zusammen, indem er erkennt, dass der Tutsi für die Europäer ein „schwarzer Europäer“ war, dem die typischen Eigenschaften: Intelligenz, Fleiß und Schönheit nachgesagt wurden:

[quote]„The Tutsi are very tall people, with a straight nose, intelligent, of Hamitic type, cattle herders, gifted for command. Hutu are short people, with a flat nose, less intelligent, less cunning, farmers of Negroid type, ungifted for command, servile; Twa are very short people, hunters, potters, of Pygamy type, thoughtless buffoons.“ (Semujanga, 2003: 116). [/quote]

Angenommen wurde, das die Tutsi eigentlich ein Hamitenvolk (und damit in Wirklichkeit „schwarze Europäer“) seien, so dass sich die die Deutschen dazu verpflichtet sahen, deren Macht zu stützen und weiter auszubauen. Dem „dummen“ (aber mit einem wesentlich höheren Einwohneranteil) Volk sollte keinerlei Herrschaft zugesprochen werden. Dies bezeichnete man – so grotesk es auch klingen mag – als logische, selbstverständliche Schlussfolgerung der historischen Fakten, nicht als Bevorzugung einer Bevölkerungsschicht.

Manche Wissenschaftler waren sogar von einem ethnischen Nullpunkt überzeugt. So gingen sie davon aus, dass ursprünglich drei voneinander äußerlich klar trennbare Rassen existierten. Allein durch die Folge vom Genaustausch in Form von Mischehen seien diese deutlichen Merkmale in der Kolonialzeit etwas schwieriger zu erkennen. Hingegen aber bei Feldarbeitern, die fern ab der großen Städte lebten und daher wenig Einfluss auf die Rassenmischung (bzw. die Mischung der Gene) ausüben konnten, meinte man die rassischen Eigenschaften ohne Probleme nachvollziehen zu können (vgl. Semujanga, 2003: 103).

Um diese Theorien zu bestätigen wurden biologische Messungen vorgenommen, die sich stark denen der späteren Nürnberger Gesetze (1935) des deutschen Dritten Reiches ähnelten. Die Ergebnisse der Messungen von Kopf, Nase und Körpergröße sollten auch gleichzeitig Aufschlüsse über deren Intelligenzquotienten geben: „biologische Unterschiede wurden intellektuellen und charakterlichen Merkmalen zugeordnet.“ (Hoering, 1997: 11).

Obwohl sich heute in Berichten nachlesen lässt, dass diese physiologischen und psychologischen Unterschiede sehr schwer nachvollziehbar und daher oft willkürlich waren, ließen die Kolonialherren es sich nicht nehmen, jeden zu untersuchen um anschließend eine klare Entscheidung über dessen Ethnie zu treffen. Diese Messungen, wie Diamond beschreibt, konnten gar nicht wahrheitsgetreue Aussagen treffen:

[quote] „…many individuals are impossible to assign to either of the two groups based on apperance. About one-quarter of all Rwandans have both Hutu and Tutsi among their great-grandparents“ (Diamond, 2005: 318). [/quote]

Doch auch Blutuntersuchungen sollten Aufschluss über die inneren Werte der beiden „Rassen“ geben. Man meinte in Blutwerten erkennen zu können, dass die Tutsi ursprünglich aus einer malariafreien Umgebung stammten und dies ein klares Indiz für deren Rasse sei. Ähnliches sollte die vermehrte Anzahl von Milchzucker, die man in dem Blut der Tutsi meinte gefunden zu haben, beweisen (vgl. Mamdani, 2001: 45).

Jedoch schrieben die deutschen Kolonialherren die Ethnien der Ruander nirgendwo offiziell fest; erst die Belgier entwarfen für die gesamte Bevölkerung Personalausweise, in denen die „Ethnie“ festgehalten wurde. Wie hier deutlich wird, haben die Kolonialherren beide Ethnien überhaupt erst definiert und körperlich und geistige Merkmale für sie erfunden. Künstlich konstruierten sie zwei Ethnien innerhalb eines Landes, welches bis dato nur eine Geschichte und Sprache hatte. Dies hatte, schwere, irreversible Folgen.

Heute gehen sogar manche Anthropologen und Soziologen davon aus, dass die Bezeichnungen 'Hutu' und 'Tutsi' nur eine Erfindung der Kolonialherrschaft waren. Diese Behauptung trifft auf Ablehnung, wie im gleichen Maße auch auf Zustimmung. Diejenigen, die nicht mit dieser Meinung übereinstimmen, verweisen auf altes Quellenmaterial. Dort sind alte Mythen schriftlich festgehalten, in denen schon vor Hunderten von Jahren die Begriffe 'Hutu' und 'Tutsi' genannt werden. Forscher, die hingegen mit dieser These übereinstimmen, betonen, dass die Begriffe erst seit der Kolonialzeit diese rassistischen Bedeutungen bekamen. Sicher ist, dass vor der Eroberung Ruandas keinerlei ethnische Diskussion geführt wurde (vgl. Semujanga, 2003: 101 f). Zwar kann man mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass die Begriffe `Hutu` und ’Tutsi’ schon vor der Kolonialzeit im Vokabular der Sprache Kinyarwanda vorhanden waren, jedoch hatten sie mit Sicherheit keine wertende Funktion.

 

 

Quellen

Baratta, Mario von (2001): Der Fischer Weltalmanach 2002. Zahlen. Daten.  Fakten. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag.

Berkeley, Bill (2001): The Graves are not yet Full. New York: Basic Books.

Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.) (1999): Afrika 1 Zeitschrift 264. Bonn: Schwann Bagel GmbH & Co KG.

Diamond, Jared (2005): Collapse. London: penguin group.

Die Bibel – Die heilige Schrift. Altes und neues Testament. Nach einer Übersetzung von Luther.

Gleichmann, Peter; Kühne, Thomas (Hrsg.) (2004): Massenhaftes Töten. Kriege und Genozide im 20. Jahrhundert. Essen: Klartext Verlag.

Harding, Leonhard (1998): Ruanda – der Weg zum Völkermord. Vorgeschichte – Verlauf –Deutung. Hamburg: Lit. Verlag.

Hoering, Uwe (1997): Zum Beispiel Hutu & Tutsi. Der Völkermord hätte verhindert werden können, befand ein UN-Bericht. Göttingen: Süd-Nord-Lamuv.

Kimenyi, Alexandre (1978): A Relational Grammar of Kinyarwanda. Volume 91. London: University of California Press.

Kimenyi, Alexandre (2002): A Tonal Grammar of Konyarwanda – an Autosegmental and  Metrical Analysis. Volume 9. New York: The Edwin Mellen Press.

Mamdani, Mahmood (2001): When Victims Become Killers. Colonialism, Nativism, and the Genocide in Rwanda. Princeton, New York: Princeton University Press.

Melvern, Linda (2000): A People Betrayed. The Role of the West in Rwanda's Genocide. London, New York: Zed Books.

Newbury, Catharine (1988): The Cohesion of Oppression. Clientship and Ethnicity in Rwanda 1860– 1960. New York: Columbia University Press.

Scholl-Latour, Peter (2001): Afrikanische Totenklage. München: Bertelsmann Verlag.

Semujanga, Josias (2003): The Origins of Rwandan Genocide. New York: Humanity Books.

Wikipedia, Ethnie: 05.10.2006, 12:35 Uhr., http://de.wikipedia.org/wiki/Ethnie

Wikipedia, Rasse: 05.10.2006, 12:40 Uhr. http://de.wikipedia.org/wiki/Rasse

Wikipedia, Ruanda: 05.10.2006, 15:40 Uhr.   http://de.wikipedia.org/wiki/Ruanda

 

Afghanistan und Schwierigkeiten der Kommunikation: ‚Mit ‚Warum?’ fängt der Krieg an’

Nach dem Lernen habe ich mit Mohammad und einem Nachbarsjungen Volleyball gespielt. Ich fand das richtig nett. Eine Menge kleinerer Kinder standen mit herum, holten sofort den Ball, wenn er mal wegflog. Nach einer Weile musste Mohammad kurz in unseren Hof zurück und ein paar der Kinder versuchten neugierig einen Blick in unseren Hof zu werfen. Da nahm er zu meinem Entsetzen einen Stein und warf ihn nach den Kindern. Kurz darauf kam noch richtig sauer ein Nachbar dazu und beschimpfte die Kinder und gebot ihnen, abzuhauen. Er hatte wohl beobachtet, dass die Kinder die letzten Tage immer angelaufen kamen, wenn ich nach Hause kam. Öfter hatten sie sich richtig in einer Reihe aufgebaut und ich habe ihnen einer nach dem anderen die Hand gegeben und ‚Asalam Aleikum’ gewünscht. Ich fand das richtig toll. Die ersten Wochen waren es nur Jungen, später kamen auch Mädchen dazu. Ein Mädchen brachte sogar Freundinnen mit, um ihnen zu zeigen, wie sie dem Ausländer die Hand gibt. Ich fragte also den Nachbarn, warum er denn die Kinder wegschicken wolle, ich hätte jedenfalls meine Freude an ihnen. Die Kinder würden immer frecher. Morgen würden sie mir ins Haus laufen, meinte er und schrie wieder die Kinder an. ‚Tschera?’ fragte ich: ‚Warum?’ Ob ich vielleicht Französisch könne? Das musste ich leider verneinen. – Jedenfalls sei er in Frankreich gewesen und kenne sich aus mit der Welt. Er wolle mir nur helfen und ich würde schon sehen, was ich davon hätte. Beleidigt zog er von dannen. Unsicher blieb ich zurück und fragte Mohammad, ob er meine, dass der Nachbar mir tatsächlich nur helfen wolle. Der wusste das auch nicht. Einen Tag danach ist er zum Nachbarn gegangen, hat nachgefragt und meinte dann, es sei alles okay. Aber mich hat aus diesem Haus fortan kaum jemand mehr gegrüßt. Mohammad meinte: “Die grüßen auch die anderen Nachbarn nicht”. Viel später erklärte er mir, dass Afghanen nicht so oft ‚Tschera?’ fragen. Es gäbe ein Sprichwort, das besagt: ‚Mit ‚Warum?’ fängt der Krieg an’. Mir wurde klar, warum ich so oft das viel schwierigere ‚As hotereke?’ gehört hatte, in etwa: ‚Aus welchem Grund?’ Aber die Kinder waren die nächsten Tage erst mal weg. Schade, besonders die beiden kleinen Hazara- Brüder (mit ihren Schlitzaugen, rundem Gesicht und von einem Ohr bis zum anderen grinsend, wenn sie mich sahen), habe ich vermisst. Montag, 25. November

Serchilo: Meta-Suchmaschine mit Wikiprinzip

Um die Datenbanken von Suchmaschinen und Auskunftsdiensten abzufragen, muss man auf die Websites der Anbieter. Neben Werbebannern erhält man hier oft viele für die Suche nicht relevante Informationen. Mit einer Suchanfrage bei Serchilo kann man direkt auf die Ergebnisse von Suchmaschinen zugreifen. Die Nutzer können bei Serchilo zudem eigene Kommandos schreiben und bearbeiten. Die Befehle werden hierzu in einem Wiki unter einer freien Creative-Commons-Lizenz (by+sa) gespeichert.


Direkter Link: http://video.google.de/videoplay?docid=-6172785649893307966

Kurt Jansson: „Ich habe hier den Benutzer Jorges neben mir, im realen Leben Georg genannt. Ich kenne ihn aus der Wikipedia und er hat noch ein weiteres spannendes Projekt am Laufen: Serchilo. Was hat das auf sich? Oder zuerst einmal, wo kommst du eigentlich generell her? Was machst du im normalen Leben?“

Georg: „Ich studiere Computerlinguistik in Potsdam. Da geht es um Informatik und Sprache… z.B. automatische Übersetzung und Spracherkennung das ist unser Feld.“

Kurt: „So bist du auch auf Serchilo gekommen?

Georg: „Nein, ich bin eigentlich nur ein ganz normaler Webuser und was ich oft mache ist, dass ich Suchmaschinen benutze.“

Um die Datenbanken der Suchmaschinen abzufragen, muss man jedoch auf die Websites der Anbieter gehen. Neben Werbebannern erhält man hier oft viele für die Suche nicht relevante Informationen, z.B. wenn man bei der Bahn lediglich eine Zugverbindung sucht. Serchilo erspart dem Nutzer diesen Schritt. Mit einer Suchanfrage bei Serchilo kann man direkt auf die Ergebnisse von Suchmaschinen zugreifen. Bei der Zugabfrage der deutschen Bahn bleiben dem Nutzer dann sogar die Banner und animierten Bilder in der Ergebnisseite erspart und erhöhen dabei gleichzeitig die Ausgabegeschwindigkeit der Resultate.

Georg: „Nun, das ist ja bislang nichts Besonderes…. Was Serchilo ebenfalls anbietet, ist das die Befehle für die Suchabfragen in einem Wiki gespeichert werden. Diese Inspiration kam von meiner Arbeit bei der Wikipedia. Da habe ich gesehen, wie so etwas funktioniert – das die Leute Artikel bearbeiten können und dass da auch nicht viel Müll heraus kommt. Denn, wenn jemand was falsch macht, kann ein anderer Nutzer das verbessern. Und genauso ist das bei Kommandos. Klar kann jetzt ein Spammer kommen und bei einem Schlüsselwort Ergebnisse zu einer Spamseite leiten lassen, aber dann wird ein anderer Nutzer das sehen und kann das wieder rückgängig machen.“

Weblinks:
Serchilo: http://www.serchilo.net
Serchilo Firefox-Plugin: http://serchilo.net/wiki/index.php/Serchilo:Firefox
Georg Jähnig: http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Jorges