Mein Tagesablauf auf dem Schreinerhof in Afghanistan

Morgens gegen 6.00 Uhr wache ich spätestens auf. Um 6.00 Uhr dämmert es schon ein bisschen. Man sieht aber noch die unglaublich hellen und vielen Sterne. Quer über den Hof gehe ich zu jener Toilette, die aus lediglich einem Loch im Boden besteht. Irgendjemand trifft zu meinem Leidwesen noch nicht mal dieses Loch genau. Diese Toilette ist auch eher etwas für die Ingenieure, draußen, außerhalb des Hofes gehen einige der Anderen sich auf freiem Feld entleeren. Nach meinem Toilettengang wasche ich mich. Erstaunlicherweise ist es leicht möglich, sich mit dem Generator das Bad zu teilen und zum Glück hat mir Entwicklungsdienst-Kollege Egon für meinen Container Styroporplatten überlassen (die dünnen mit Alu für hinter die Heizung). Eine davon nehme ich um nicht festzufrieren beim Waschen. Ich könnte auch warmes Wasser haben, aber ich glaube, ich würde dann nachher noch mehr frieren als mit kaltem Wasser. Das Wasser habe ich mir holen lassen in einem eigenen Kanister. Allerdings nehmen das jetzt meine Jungs, um ihre rituellen Waschungen vorzunehmen vor dem Beten. Herrlich erfrischt öffne ich das Schloss meines Containers und stelle die Kisten und den ganzen Krempel wieder raus, die ich auf Geheiß der NGO immer einschließe über Nacht. Weil das alles in der Kälte etwas langsam geht, ist es danach meist schon 7.00 Uhr und es gibt Frühstück: Tee und Brot. Wie gesagt, ich habe zum Glück mein Müsli. Ich bin immer schon eine Weile am Arbeiten, wenn dann gegen halb neun die Schreiner ankommen. Abends verschwinden sie gegen drei oder vier wieder mit der Begründung, dass der Weg so weit ist. Der Weg ist sehr viel weiter, wenn ich eine unangenehme Arbeit habe, dann müssen sie schon um drei Uhr weggehen, sonst gegen vier. Ich arbeite dann noch zwei, drei Stunden, ab halb fünf mit meiner “pressure lamp”, die wirklich sehr helles Licht macht. So gegen sechs Uhr schalten die NGO- Leute auch ihren Generator an. Aber das nützt mir in meinem Container natürlich bisher nur insofern, dass ich den Akku der Bohrmaschine aufladen kann. In der Regel habe ich abends eher NGO- Leute in meinem Container und tagsüber eher andere. Zwischen 18.00 und 19.00 Uhr gibt es noch mal warmes Essen, oft interessanter (weil mit Gemüse) als der Reis mit Rosinen und Fleisch(-soße), den es grundsätzlich mittags gibt. Anschließend sitze ich noch bei den NGO- Leuten. Gestern habe ich begonnen, ihnen Doppelkopf beizubringen. Meine Schmerztabletten (aus der Entwicklungsdienst-Apothekenschachtel) habe ich ganz verschenkt, weil abends oft Jemand irgendwie krank ist und ich ihnen ersparen wollte, wegen jeder einzelnen Tablette fragen zu kommen. Das war allerdings ein Fehler, wie sich später herausstellte. Ing. Mir Shah, dem ich die Tabletten gegeben hatte, steckte sie alle sofort für sich selbst ein. Gegen 21.00 oder 22.00 Uhr verkrümle ich mich in meinen Raum, den ich trotz allen Ankündigungen doch alleine habe. Heute habe ich zum ersten Mal den kleinen Holzofen angemacht, weil es doch sehr, sehr kalt war im Raum. Sonst ging es eigentlich, ich hatte eine warme und eine dünne Decke und den Schlafsack und noch eine Reihe von Klamotten an. Nur an den Füßen habe ich juckende Frostbeulen, weil ich gar nicht merke, dass ich (vor allem morgens nach dem Waschen) kalte Füße habe.

„Der Fremde“ von Albert Camus

Die Handlung des Romans ist relativ einfach. Es geht im Wesentlichen um zwei Ereignisse – den Tod der Mutter Meursaults und den Mord an einem Araber. In dem Roman geht es aber nicht in erster Linie darum, was der Protagonist macht, sondern wie er es macht. Was den jungen Büroangestellten vor allem auszeichnet und ihn gegenüber anderen entfremdet, ist seine ungewöhnliche Gleichgültigkeit – gegenüber Dingen, Menschen, Ereignissen und sogar gegenüber seinem eigenem Schicksal. Die Gleichgültigkeit von Meursault ist ein schockierendes Element des Romans. Wir haben es hier mit einem Wesen zu tun, das sich keine Gedanken über seine eigenen Handlungen macht und das überhaupt kein Innenleben hat. Das „erlebende Ich“ erscheint in der Tat erst in der zweiten Hälfte des Romans, wo Meursault beginnt sein Leben zu reflektieren.

Die Handlung des Romans

Der Romans konzentriert sich auf zwei wichtige Ereignisse im Leben Meursaults: den Tod der Mutter und den Mord an dem Araber. Alles andere sind die täglichen Tätigkeiten des Hauptprotagonisten, die ein eher einfaches und monotones Leben ausmachen.

Der Roman „Der Fremde“ besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil stellt das tägliche Leben des Helden von dem Tod seiner Mutter bis zum Mord an einem Araber dar. Der zweite Teil des Romans stellt die Gerichtsverhandlung dar.

Der Hauprotagonist, Meursault, ist ein junger, ungefähr 30-jähriger Franzose, der in Algier lebt. Er arbeitet als ein Büroangestellter in einem erfolgreichen Importunternehmen und führt ein einfaches Singleleben.

Am Anfang erfährt der Leser, dass die Mutter Meursaults gestorben ist. Meursault bekommt ein Telegramm aus dem Altersheim in Marengo, wo seine Mutter ihre letzte Jahren verbracht hat. Er nimmt sich zwei Tage von der Arbeit frei und begibt sich zu der Beerdingung. Dem Begräbnis geht eine Todeswache voraus bei der Meursault den alten Freunden seiner Mutter begegnet. Die Beerdigung findet am nächsten, sehr heißen Tag statt.

Meursault quält sich in dem Leichenzug, der von der niederdrückenden Sonne begleitet wird. Danach ist er extrem müde und träumt nur davon, nach Hause zurückzukehren. Am nächsten Morgen, nach einem langen Schlaf, beschließt er im Meer baden zu gehen. Im Wasser stößt er auf Marie Cardona, die früher eine Stenotypistin in seinem Büro war. Er verbringt den Tag mit ihr am Strand und später lädt er sie ins Kino ein, wo sie einen lustigen Film anschauen. Danach gehen beide in seine Wohnung.

An einen anderen Tag wird Meursault von seinem Nachbarn, Raymond Sintès angesprochen. Der junge Mann, der in seinem Stadtviertel als Zuhälter bekannt ist, bittet Meursault um ein Gefallen. Er ist mit einer maurischen Freundin zusammen, die ihm angeblich untreu ist. Deshalb will er sie bestrafen. Raymond möchte ihr einen Brief schicken, der sie zu seiner Wohnung locken soll und dann würde er sie demütigen. Er bittet Meursault, für ihn diesen Brief zu schreiben. Der tut es, wofür Raymond ihm seine Freundschaft anbietet.

Eine Woche später ist Meursault Zeuge, wie Raymond seine Geliebte verprügelt. Er interveniert nicht. Erst die Polizei, die gerufen wird, beendet die Schlägerei. Raymond muss sich auf dem Kommissariat melden. Diesmal bittet er Meursault für ihn zu bezeugen. Meursault erfüllt die Bitte und lügt zu Raymonds Gunsten. Die Vorfälle mit der geschlagenen Frau enden darin, dass Raymond von dem Bruder der Maurin und noch ein paar anderen Araber verfolgt wird.

An einem Sonntagmorgen lädt Raymond Meursault und Marie zu der Villa von seinem Freund Masson am Meer ein. Sie nehmen den Bus zu dem Strand und bemerken, dass sie von den Arabern verfolgt werden. Später stoßen sie am Strand zusammen. Es kommt zu einer Schlägerei und Raymond wird von einem der Arabern mit dem Messer verletzt. Er will sich rächen und nach dem Verbinden der Wunde kehrt er mit einem Revolver zum Strand zurück, doch die Araber sind nicht mehr da. Meursault will den Freund vor Dummheiten bewahren und nimmt seinen Revolver. Um sich vor der Sonne zu schützen, kehrt er zum dritten Mal allein zum Strand zurück und sucht nach Schatten an einer Wasserquelle. Dort zwischen den Felsen sieht er den Araber liegen, der Raymond angegriffen hat. Der Araber zieht sein Messer und lässt es in der Sonne spielen. Vom erblindenden Sonnenlicht getroffen, umfasst Meursault den Abzug des Revolvers, den er in der Tasche hält und schießt los. Er tötet den Araber und schießt noch vier mal in den reglosen Körper.

Im zweiten Teil muss Meursault ins Gefängnis. Zuerst wird er vom Untersuchungsrichter verhört. Während er auf seinen Prozess wartet, gewöhnt er sich an das Alltagsleben im Gefängnis und fängt an, wie ein Gefangener zu denken. Er versucht vor allem, die Zeit totzuschlagen, aber er beginnt auch über das Leben zu reflektieren und seine Situation zu analysieren.

Während seines Prozesses fühlt sich Meursault so, als würde die ganze Geschichte jemand anderen betreffen. Er hört meistens nur zu und wird auch selten etwas gefragt, und wenn, gibt er knappe und für das Gericht eher ungenügende Antworten. Schließlich, nach den Aussagen seiner Freunde, die ihm nicht zu helfen vermögen und nach der Rekonstruktion der Ereignisse vom Staatsanwalt, die dem Mord vorangehen und die von der Schuld Meursaults zeugen sollen, wird er zum Tode verurteilt.

Er wartet noch einige Tage auf seine Exekution. Meursaults verbringt diese letzte Zeit mit Erinnerungen aus seiner Vergangenheit und Meditationen über den Sinn des Lebens. Er wird auch von einem Priester besucht, dessen Besuche er früher abgelehnt hat. Das Gespräch mit dem Geistlichen über Gott, Gnade und Hoffnung unterbricht Meursault mit einem Ausbruch des Zornes, in dem er die Sicherheit des Priesters in Frage stellt und seine eigene Lebensart verteidigt. Er schreit alles aus sich heraus, woran er glaubt und was seine Lebensapologie ist. Erschöpft aber beruhigt genießt er noch die Ruhe seines letzten Abends und hofft, am nächsten Morgen, wenn er enthauptet werden soll, vom Schrei des Hasses vieler Leute begleitet zu werden.

Das Problem der Gleichgültigkeit

Die Handlung des Romans ist relativ unkompliziert. Sie konzentriert sich um zwei wichtige Ereignisse: den Tod der Mutter und den Mord an dem Araber. Alles andere sind die täglichen Tätigkeiten des Hauptprotagonisten, die ein eher einfaches und monotones Leben ausmachen.

In dem Roman geht es aber nicht so sehr darum, was Meursault macht, sondern wie er es macht. Es gibt etwas, was diesen jungen Büroangestellten auszeichnet und ihn gegenüber den anderen entfremdet. Es ist seine ungewöhnliche Gleichgültigkeit. Gleichgültigkeit gegenüber den Dingen, den Menschen, den Ereignissen und sogar gegenüber dem eigenem Schicksal. Meursault scheint von nichts berührt zu werden: Er trauert nicht nach dem Tod seiner Mutter, bereut nicht seine Mordtat und nimmt ruhig sein Todesurteil an. Er sagt seiner Freundin, dass er sie nicht liebt, ist aber bereit, sie zu heiraten. Die Freundschaft, die man ihm anbietet bleibt ihm ebenfalls völlig egal. Er lehnt die Promotion in der Arbeit ohne Bedenken ab. Kurz, alle Sachen, die anderen im Leben wichtig sind, haben für Meursault keine Bedeutung und er kümmert sich nicht um sie.

Meursault respektiert auch keine gesellschaftlichen oder menschlichen Normen: er raucht an dem Sarg seiner Mutter und trinkt Kaffee. Er sieht ruhig mit an, wie sein Nachbar seine Geliebte verprügelt. Er kennt scheinbar keine Moral und nichts macht auf ihn einen großen Eindruck. Er verbringt am besten seine Zeit schlafend oder den Himmel beobachtend. Die Gleichgültigkeit von Meursault ist ein schockierendes Element des Romans.

Wir haben es hier mit einem Wesen zu tun, das sich keine Gedanken über seine eigene Handlungen macht und das überhaupt kein inneres Leben hat. In der Erzählung fehlen innere Monologe oder Bewusstseinsströme. „Der Fremde“ zeichnet sich dadurch aus, dass in der Erzähltechnik die Innerlichkeit, Reflexivität und Wertung zum Minimum reduziert sind. Den Stil charakterisiert eine überraschende Objektivität. Die Ereignisse werden sehr sachlich und leidenschaftslos erzählt, so dass die Erzählung an einem trockenen Bericht erinnert. Das erlebende Ich kommt erst in der zweiten Hälfte des zweiten Teils vor, wo Meursault anfängt, über sein Leben nachzudenken.

Der Stil des Romans scheint die Widerspiegelung der Indifferenz des Protagonisten zu sein. Die Sprache ist karg, die Sätze kurz und einfach. Die Erzählweise ist gleichmütig, sogar mechanisch. Camus nähert sich hier dem amerikanischen Behaviorismus, den man zum Beispiel aus den Werken Ernest Hemingways kennt. René Girard kommentiert zu dem Stil von „Der Fremde“:

[quote] „The style bears a striking ressemblence to the style of Meursault’s actions prior to the murder. We feel that someone, on some fine day, handed Camus a pen and a piece of paper and Camus did the natural and mechanical thing to do, in such circomstances, which is to start writing, just as Meursault did the natural and mechanical thing to do, when you receive a gun, which is to start shooting. The book, like the murder appears to be the result of fortuitous circumstances. The overall impression is that “L’Etranger” was written in the same bored, absentminded, and apathetic fashion as the Arab was murdered.” (René Girard, «Camus’ Stranger Retried» in «Albert Camus», hrsg. Harold Bloom, New York, Philadelphia 1989, 79-105, S.99) [/quote]

Es ist nicht erstaunlich, wenn wir bedenken, dass der Erzähler in dem Roman Meursault selbst ist, dem es prinzipiell an Motivation fehlt und der jeglicher Spiritualität beraubt ist. Man kann kaum eine Beschreibung der Vergangenheit, irgendeine Spur der Entwicklung des Protagonisten finden. Der Erzähler weigert sich auch, seinen Charakter oder seine Taten psychologisch oder metaphysisch zu rechtfertigen. Er beurteilt auch nicht das Benehmen der anderen Personen. Er verzichtet auf die gesellschaftliche Kritik. Diese erfolgt indirekt durch die gleichgültige Haltung Meursaults, die die bestehende Ordnung in Frage stellt.

Meursault lehnt die Werturteile ab, denen er die einfachen Feststellungen vorzieht. Die metaphysischen Aussagen bedeuten ihm nichts. Jean-Paul Sartre schreibt über das Bewusstsein Meursaults:

[quote] „Nun ist es so angelegt, dass es zwar für die Dinge durchsichtig ist aber nicht für ihre Bedeutung.“ (Jean-Paul Sartre , „Der Mensch und die Dinge“ in „Aufsätze zur Literatur 1938-1946“, Reinbek 1978, S.85) [/quote]

Meursault ist der richtige Fremde, worauf selbst der Titel des Romans hinweist. Camus wollte aber ursprünglich seiner Erzählung einen anderen Titel geben, nämlich „Der Gleichgültige“, was noch mehr den bewussten Charakter der Darstellung der Indifferenz betont. Die Gleichgültigkeit Meursaults wird zu einem Streitgegenstand in der Sekundärliteratur. Sie wurde von den Literaturkritikern sehr unterschiedlich interpretiert. Walter Pabst bezeichnet sie zum Beispiel als eine „non-participation permanente“ (Walter Pabst, «Un héros absurde. Meursault et ses ancêstres». in: «Les Lettres Romanes». 45, 1991, 195-200, S. 198)., Die Beziehungslosigkeit Meursaults wird als „Mangel an Persönlichkeit“ (Erik H. Erikson, „Jugend und Krise. Psychodynamik im sozialen Wandel“, Stuttgart 1970, S. 97) oder „Identitätslosigkeit“ bewertet. Seine Reaktionslosigkeit wird als eine Ohnmacht gelesen:

[quote] „Meursault, il est vrai, est un médiocre, un impuissant.“ (Emmanuel Mounier, «Malraux, Camus, Sartre, Bernanas», Paris 1970 S.90) [/quote]

Die Gleichgültigkeit des Helden wird auch häufig mit seiner Faulheit erklärt. Es gibt aber auch positive Deutungen der Indifferenz des Protagonisten. Leo Bersani sieht in der Gleichgültigkeit das Resultat der Erkenntnis der Absurdität des Lebens:

[quote] „Meursault’s indifference is the form taken by the passion of life when one realizes that death makes all human experience equally unimportant and yet equally precious.“ (Leo Bersani, “The Stranger’s Secrets”, in: ”Balzac and Beckett.Center and circumference in French fiction”, Oxforf 1970, 247-272, S. 257) [/quote]

Rainer Rutkowski sieht in der Gleichgültigkeit Meursaults unbewussten Schutz vor dem Absurden. Guido Schüepp wiederum wertet diese Indifferenz als ein Ausnahmezustand, der von dem Tod der Mutter ausgelöst wurde.

[quote] Er behauptet, dass Meursault „ein ruhiger, pflichtbewusster Mann“ ist, „der niemanden stört, den man darum auch gern hat und den man brauchen kann.“ (Guido Schüepp, „Die absurde Erfahrung als Ausgangspunkt des Existenzverständnisses bei Albert Camus“. in: „Freiburger Zeitschrift für Philosophie und Theologie“. 23, 1976, 430-452, S. 433) [/quote]

Meursault ist tatsächlich nicht nutzlos. Er ist intelligent und scharfsinnig und legt großen Wert auf das gewissenhafte Arbeiten. Was also häufig als Gleichgültigkeit empfunden wird, ist die Beschränkung auf die Tatsachen und Suche nach der Klarheit, die von den Werturteilen bedroht wird. Es ist manchmal auch die extreme Sachlichkeit, die Meursault das Leben einfacher macht. Bei der Beerdigung der Mutter scheint es ihm „der kürzeste Weg, das Unvermeidliche zu tun“ (Dieter Wellershoff, „Der Gleichgültige. Versuche über Hemingway, Camus, Benn und Beckett“, Köln 1975, S. 47, wie Dieter Wellershoff schreibt. Eine gute Zusammenfassung der Haltung Meursaults liefert Kathrin Glosch:

[quote] „Es reicht nicht aus, Meursault als indifferent zu bezeichnen. Seine ambivalent geführte Indifferenz muss man als Nonkonformismuszeichen gedeutet werden, als anideologische Engagementabwehr. In dieser Ideologieabwehr hat der Text sein tiefstes Wirkmoment.“ (Kathrin Glosch, «Cela m’était égal». Zur Inszenierung und Funktion von Gleichgültigkeit in der französischen Literatur des 20. Jahrhunderts“, Stuttgart, Weimar 2001, S.166) [/quote]

Die Gleichgültigkeit wurde auf verschiedene Art und Weise erklärt und bewertet. Die Varietät der Interpretationsmöglichkeiten ist sehr groß und jede Sichtweise kann richtig sein. Eines ist jedoch sicher: die Indifferenz Meursaults ist nicht ihrer Gründe beraubt und sie ist tief in den persönlichen Überzeugungen Camus’ verwurzelt. Um ihre Natur besser zu verstehen, sollte man das philosophische Denken des Autors mit seiner Theorie des Absurden verfolgen.

Dubai – Kabul

Um 5.30 Uhr ziehe ich aus dem „Dreamland Hotel“ in Dubai aus. Am Flughafen treffe ich Jeff wieder. „Did you sleep well?“ „Oh my god! This Iranian lady last night!“, antwortet er. Offensichtlich hat er in der letzten Nacht nicht geschlafen. Wir checken in. Etwas verwirrend hier. Ein älterer Afghane in traditioneller Kleidung findet sich auch nicht zurecht. „Hey Dude back there is the end!“, weist Jeff ihn zurecht.

Der Flug nach Kabul mit Kam Air: Neben mir sitzt John aus Südafrika. Er arbeitet als Leibwächter für den japanischen Botschafter. Auf den Stühlen weiter rechts sitzt ein Afghane. Wir haben zwei Stewards und zwei Stewardess ohne Kopftuch. Eine der Flugbegleiterinnen ist Türkin. Sie hat das offensichtlich alles im Griff hier. Die Maschine ist etwa zu 2/3 besetzt. Stundenlang sehe ich nichts als Berge – graue, braune und schneebedeckte Berge Afghanistans soweit das Auge reicht.

Bei der Landung fliegen wir sehr nah an den Bergen Kabuls vorbei. Die militärische Zone des Flughafens ist riesig. Nach dem Aussteigen erst mal keine Fotos mehr, das ist sicherer. Draußen kommt ein Bus Marke Ikarus, die kenne ich von früher. Überall hektische Soldaten mit Gewehren auf der Schulter.

Ich stelle mich an der Schlange an, aber nach ein paar Minuten holt mich eine Sicherheitsbeamtin vor. Sirous erwartet mich dort. Er ist Angestellter bei Ariana, der afghanischen Fluggesellschaft, und wurde von Freunden geschickt um mich abzuholen. Die Zeiteinsparung von 15 Minuten soll mich dann auch gleich 20 Dollar kosten. Jemand hatte in der Zwischenzeit meinen Pass gestempelt und da ich nicht warten musste, soll ich jetzt bezahlen. Das finde ich ziemlich teuer. Ich frage Sirous, ob ich wirklich etwas geben muss, aber er weiß auch nicht so recht. Ich habe keine Dollar und gebe ihm 15 Euro, womit er nicht zufrieden ist. Er will mehr. Hm. Das fängt ja gut an hier.

Am Flughafen-Gebäude gibt es zwei riesige Plakate, eines mit Massud und eins mit Karzai. In das Gebäude dürfen nur Fluggäste und Sicherheitskräfte. Die anderen müssen draußen warten. Der Fahrer des Goethe-Instituts steht mit einem Schild vor dem Eingang. Auf der Straße vom Flughafen gibt es sehr viele Soldaten mit Gewehren. Der Krieg ist allgegenwärtig.

Dubai – Kabul

5.30 Uhr ziehe ich aus dem „Dreamland Hotel“ in Dubai aus. Am Flughafen treffe ich Jeff wieder. „Did you sleep well?“ „Oh my god! This Iranian lady last night!“, antwortet er. Offensichtlich hat er in der letzten Nacht nicht geschlafen. Wir checken in. Etwas verwirrend hier. Ein älterer Afghane in traditioneller Kleidung findet sich auch nicht zurecht. „Hey Dude back there is the end!“, weist Jeff ihn zurecht. Der Flug nach Kabul mit Kam Air: Neben mir sitzt John aus Südafrika. Er arbeitet als Leibwächter für den japanischen Botschafter. Auf den Stühlen weiter rechts sitzt ein Afghane. Wir haben zwei Stewards und zwei Stewardess ohne Kopftuch. Eine der Flugbegleiterinnen ist Türkin. Sie hat das offensichtlich alles im Griff hier. Die Maschine ist etwa zu 2/3 besetzt. Stundenlang sehe ich nichts als Berge – graue, braune und schneebedeckte Berge Afghanistans soweit das Auge reicht. Bei der Landung fliegen wir sehr nah an den Bergen Kabuls vorbei. Die militärische Zone des Flughafens ist riesig. Nach dem Aussteigen erst mal keine Fotos mehr, das ist sicherer. Draußen kommt ein Bus Marke Ikarus, die kenne ich von früher. Überall hektische Soldaten mit Gewehren auf der Schulter. Ich stelle mich an der Schlange an, aber nach ein paar Minuten holt mich eine Sicherheitsbeamtin vor. Sirous erwartet mich dort. Er ist Angestellter bei Ariana, der afghanischen Fluggesellschaft, und wurde von Freunden geschickt um mich abzuholen. Die Zeiteinsparung von 15 Minuten soll mich dann auch gleich 20 Dollar kosten. Jemand hatte in der Zwischenzeit meinen Pass gestempelt und da ich nicht warten musste, soll ich jetzt bezahlen. Das finde ich ziemlich teuer. Ich frage Sirous, ob ich wirklich etwas geben muss, aber er weiß auch nicht so recht. Ich habe keine Dollar und gebe ihm 15 Euro, womit er nicht zufrieden ist. Er will mehr. Hm. Das fängt ja gut an hier. Am Flughafen-Gebäude gibt es zwei riesige Plakate, eines mit Massud und eins mit Karzai. In das Gebäude dürfen nur Fluggäste und Sicherheitskräfte. Die anderen müssen draußen warten. Der Fahrer des Goethe-Instituts steht mit einem Schild vor dem Eingang. Auf der Straße vom Flughafen gibt es sehr viele Soldaten mit Gewehren. Der Krieg ist allgegenwärtig.

Kuba: „Manche sind Gleicher“

Ein Ausflug zu den Cayos Santa Maria: An einem Wochenende vor Kurzem planten wir einen Ausflug in den Norden, zu den Cayos, einer Inselgruppe, die durch eine 70 km lange Schnellstraße durch das Meer mit dem „Festland“ Kubas verbunden ist. Als wir in unserem Bekanntenkreis herumfragten, wer uns begleiten wolle, damit wir nicht mit einem halbvollen Wagen fahren, bemerkten wir recht schnell, dass die Kubaner nicht in der Lage waren uns zu begleiten, weil dieses Gebiet „in nationalem Interesse“ nur Touristen bzw. Ausländern zugänglich ist.

Von diesen Sektoren gibt es eine Vielzahl, die schönsten Strände der Insel um Varadero sind von dieser Regelung ebenfalls betroffen. Man könne Anträge stellen um eine Besuchserlaubnis zu erhalten, diese Anträge würden aber regelmäßig nicht bewilligt oder gar nicht erst bearbeitet. Wenige weitere Besuchsmöglichkeiten bestehen außerdem durch FDG-ähnliche Objekte. Die Arbeiter der Hotels werden täglich in speziellen Shuttles transportiert, diese passieren regelrechte Grenzübergänge mit Passkontrollen. Die Joint-Ventures, die die Anlagen betreiben, zahlen den (Dollar-)Lohn an die kubanische Regierung, diese wiederum zahlt den Kubanern (einen Bruchteil davon) in Peso Nacional aus. Auf den Inseln angekommen, treffen wir auf eine Traumkulisse wie in einem anderen Land: Palmenstrand, weißer Sand, blaues Wasser… Irgendwie haben es doch noch einige Kubaner an den Strand geschafft. Leider konnten wir nicht herausfinden, wer diese Personen waren.

Richtung Kabul – Berlin, Frankfurt, einen Tag in Dubai und eine Nacht im Dreamland Hotel

Ein Jahr in Kabul. Ein kleine Odyssee – das Geld für den Flug geht vom Honorar ab, also suche ich mir die billigste Variante. Von Berlin geht es nach Frankfurt am Main für 28 Euro. Den Tag verbringe ich dort und nehme am Abend einen Flug nach Dubai für 198 Euro. Im besten Falle würde ich dort dann gleich noch einen Anschlussflug nach Kabul (für 220 US-Dollar) bekommen. Das klappt leider nicht. In Dubai sind 23 Grad und die Sonne scheint. Und Angela Merkel ist auch gerad’ zufällig hier, das steht in den Zeitungen im Presseshop.

Dubai! Ich spreche mit ein paar Ausländern am Flughafen. „Wie läuft es hier? Wie viel Geld muss man für ein Hotel ausgeben?“ 150 Dirham (Eurokurs 1:4,80), dafür soll man etwas ganz Anständiges bekommen, steht im Reiseführer von zwei deutschen Mädels, die die Reise hierher bei einem Preisausschreiben gewonnen haben. „150 Dirham, no you cannot get anything for this price.”, meint der indische Taxifahrer. “We have the festival now.” Was für ein Festival? „Shopping Festival. They come from all over the world for this festival.”, sagt er während er mich in einem ziemlich teuren Hotel absetzen will. Eigentlich kann ich das schon von Draußen sehen… Für 700 Dirham kann ich sofort etwas bekommen. Danke. Verärgert steige ich wieder ins Taxi und beschließe mich hier nicht mehr von dem Fahrer austricksen zu lassen. Ich brauche nur ein einfaches Hotel für ein paar Stunden, denn am nächsten Morgen fliege ich doch sowieso schon wieder weiter.

Die nächste Ecke: Hier dieses Hotel! „Please stop here, I am gonna have a look.“ Dreamland Hotel, sieht ein bisschen aus, wie ein „Love Hotel“, aber egal. 300 Dirham und ich kann sofort ein Zimmer haben. Zimmer mit eigenem Bad, nicht prickelnd, aber ok. Auf 200 Dirham kann ich noch runterhandeln.

Der Taxifahrer wollte unbedingt die ganze Zeit draußen warten. Jetzt verstehe ich warum. Die Taxis sind hier fast genauso teuer wie in Deutschland und für’s Warten bekommen sie auch Geld. Der Zähler läuft dann eben weiter. 30 Dollar will er, 10 hätte ich mir sparen können – gut das nächste Mal.

Ziemlich müde schlafe ich erst einmal zwei Stunden bevor ich mich mit meiner Kamera auf den Weg mache. Erinnert mich an Malaysia hier… Ich laufe den ganzen Tag herum und mache Fotos und fühle auch gleich wie die Sonne mir sofort einen leichten Sonnenbrand bereitet.

Frisch gepresste Fruchtdrinks gibt es an jeder Ecke und Kebap. Hm, Kebap habe ich doch in Berlin und jetzt hier das Gleiche! Irgendwann hole ich mir trotzdem einen, denn sie sind ja doch ein bisschen anders. Da sitze ich mit einem nigerianischen Businessmann am Tisch und beginne zu verstehen, dass ich jetzt wirklich nicht mehr in Europa bin. Wahrscheinlich ganz gut so mit der Zwischenlandung, bevor ich in Kabul bin – so ist es nur ein Kulturschock auf Raten.

Hier gibt es neben den Arabern auch viele andere Leute z.B. aus Indien, Bangladesh, China oder aus afrikanischen Ländern, dazwischen immer wieder Touristen aus Russland und der Ukraine. Einige scheinbar einheimische Mädels laufen ziemlich freizügig herum (ev. auch Gastarbeiterinnen aus den Philippinen). Das hätte ich nicht erwartet, aber das wird mir in Afghanistan nicht passieren. Ab morgen beginnt „der Ernst des Lebens“. Dann kommen die Dari-Wörterbücher zum Einsatz. Um 8 Uhr werde ich abfliegen und zwei Stunden weiter bin ich in Kabul.

Vorher gibt es aber noch eine Überraschung im Hotel – Dreamland Hotel.

Bei dem Namen eigentlich kein Wunder. Ich bin in einem echten Party-Hotel gelandet. Unten arabische Party und oben im ersten Stock tanzen die Mädels aus Indien. Also, vorne haben die Mädels wie in den indischen Filmen getanzt und rundherum standen Tische, wo die Männer starr da saßen und ab und zu Geld über die Mädchen warfen. Und plötzlich kam dieser verrückte Mann auf die Tanzfläche und warf viele Scheine (aber wahrscheinlich alle mit niedrigem Wert) über die Mädels während er um sie herum tanzte. Schien also eine lustige Show zu sein. Ein Bier kann ich ja nehmen (Kosten 20 Dirham, Eurokurs 1:4,80). Ich setze mich hin. Neben mir ist Jeffrey aus den USA, lebt aber in Ecuador und arbeitet Zivil für die NATO in Afghanistan. Hm. Was für ein Zufall! „Ja!“„…billiges Hotel in Dubai gesucht und hier gelandet, hm?“. „Yes“, meine ich.

Jeffrey hat Alkohol verkauft in Kabul und wurde jetzt runtergestuft im Job. Ist nur noch Chief of Staff oder so für die ausländischen Angestellten vom Flughafen. In Ecuador kann er sich auch nicht mehr sehen lassen, denn da hat er es sich mit der Regierung versaut. Ich habe von amerikanischen Flugzeugen gehört, die aus Kolumbien kommen und über die Grenze fliegen und dort Gift gegen Marijuhana versprühen. Ja genau das hat er gemacht, aber hat damit aufgehört, als er mitbekommen hat, dass das das Grundwasser vergiftet und den Kindern der Region schadet (sagt er). Kommt mir vor wie in so einem amerikanischen Rambo-Film hier alles. Und was ist das hier für ein Hotel, frage ich. Die indischen Mädchen sind nicht zum „Kauf“. Ist ja gut so. Kein Problem. Doch er kennt jemanden, der mir trotzdem ein Mädchen besorgen könnte, wenn ich will. Preislage 100 Bucks (US Dollar) für eine Stunde, 200 Bucks für länger. Das lehne ich aber ab. Ist ja nicht unbedingt notwendig. Außerdem bestätigt er noch, dass es in Kabul chinesische Prostituierte gibt. Angeblich bekommen diese pro Monat 600-800 Dollar vom chinesischen Geheimdienst, der ab und zu kompromittierende Fotos und Videos von jemanden braucht oder einmal brauchen könnte. Die Mädchen werden trotzdem stark in Anspruch genommen, meint Jeff. Ok, das sind wirklich interessante Infos.

Um drei ist Schluss mit Party in Dubai – Sperrstunde. Gut, dann kann ich noch zwei Stunden schlafen bevor ich zum Flughafen muss.

Richtung Kabul – Berlin, Frankfurt, einen Tag in Dubai und eine Nacht im Dreamland Hotel

Ein Jahr in Kabul. Ein kleine Odyssee – das Geld für den Flug geht vom Honorar ab, also suche ich mir die billigste Variante. Von Berlin geht es nach Frankfurt am Main für 28 Euro. Den Tag verbringe ich dort und nehme am Abend einen Flug nach Dubai für 198 Euro. Im besten Falle würde ich dort dann gleich noch einen Anschlussflug nach Kabul (für 220 US-Dollar) bekommen. Das klappt leider nicht. In Dubai sind 23 Grad und die Sonne scheint. Und Angela Merkel ist auch gerad’ zufällig hier, das steht in den Zeitungen im Presseshop. Dubai! Ich spreche mit ein paar Ausländern am Flughafen. „Wie läuft es hier? Wie viel Geld muss man für ein Hotel ausgeben?“ 150 Dirham (Eurokurs 1:4,80), dafür soll man etwas ganz Anständiges bekommen, steht im Reiseführer von zwei deutschen Mädels, die die Reise hierher bei einem Preisausschreiben gewonnen haben. „150 Dirham, no you cannot get anything for this price.”, meint der indische Taxifahrer. “We have the festival now.” Was für ein Festival? „Shopping Festival. They come from all over the world for this festival.”, sagt er während er mich in einem ziemlich teuren Hotel absetzen will. Eigentlich kann ich das schon von Draußen sehen… Für 700 Dirham kann ich sofort etwas bekommen. Danke. Verärgert steige ich wieder ins Taxi und beschließe mich hier nicht mehr von dem Fahrer austricksen zu lassen. Ich brauche nur ein einfaches Hotel für ein paar Stunden, denn am nächsten Morgen fliege ich doch sowieso schon wieder weiter. Die nächste Ecke: Hier dieses Hotel! „Please stop here, I am gonna have a look.“ Dreamland Hotel, sieht ein bisschen aus, wie ein „Love Hotel“, aber egal. 300 Dirham und ich kann sofort ein Zimmer haben. Zimmer mit eigenem Bad, nicht prickelnd, aber ok. Auf 200 Dirham kann ich noch runterhandeln. Der Taxifahrer wollte unbedingt die ganze Zeit draußen warten. Jetzt verstehe ich warum. Die Taxis sind hier fast genauso teuer wie in Deutschland und für’s Warten bekommen sie auch Geld. Der Zähler läuft dann eben weiter. 30 Dollar will er, 10 hätte ich mir sparen können – gut das nächste Mal. Ziemlich müde schlafe ich erst einmal zwei Stunden bevor ich mich mit meiner Kamera auf den Weg mache. Erinnert mich an Malaysia hier… Ich laufe den ganzen Tag herum und mache Fotos und fühle auch gleich wie die Sonne mir sofort einen leichten Sonnenbrand bereitet. Frisch gepresste Fruchtdrinks gibt es an jeder Ecke und Kebap. Hm, Kebap habe ich doch in Berlin und jetzt hier das Gleiche! Irgendwann hole ich mir trotzdem einen, denn sie sind ja doch ein bisschen anders. Da sitze ich mit einem nigerianischen Businessmann am Tisch und beginne zu verstehen, dass ich jetzt wirklich nicht mehr in Europa bin. Wahrscheinlich ganz gut so mit der Zwischenlandung, bevor ich in Kabul bin – so ist es nur ein Kulturschock auf Raten. Hier gibt es neben den Arabern auch viele andere Leute z.B. aus Indien, Bangladesh, China oder aus afrikanischen Ländern, dazwischen immer wieder Touristen aus Russland und der Ukraine. Einige scheinbar einheimische Mädels laufen ziemlich freizügig herum (ev. auch Gastarbeiterinnen aus den Philippinen). Das hätte ich nicht erwartet, aber das wird mir in Afghanistan nicht passieren. Ab morgen beginnt „der Ernst des Lebens“. Dann kommen die Dari-Wörterbücher zum Einsatz. Um 8 Uhr werde ich abfliegen und zwei Stunden weiter bin ich in Kabul. Vorher gibt es aber noch eine Überraschung im Hotel – Dreamland Hotel. Bei dem Namen eigentlich kein Wunder. Ich bin in einem echten Party-Hotel gelandet. Unten arabische Party und oben im ersten Stock tanzen die Mädels aus Indien. Also, vorne haben die Mädels wie in den indischen Filmen getanzt und rundherum standen Tische, wo die Männer starr da saßen und ab und zu Geld über die Mädchen warfen. Und plötzlich kam dieser verrückte Mann auf die Tanzfläche und warf viele Scheine (aber wahrscheinlich alle mit niedrigem Wert) über die Mädels während er um sie herum tanzte. Schien also eine lustige Show zu sein. Ein Bier kann ich ja nehmen (Kosten 20 Dirham, Eurokurs 1:4,80). Ich setze mich hin. Neben mir ist Jeffrey aus den USA, lebt aber in Ecuador und arbeitet Zivil für die NATO in Afghanistan. Hm. Was für ein Zufall! „Ja!“„…billiges Hotel in Dubai gesucht und hier gelandet, hm?“. „Yes“, meine ich. Jeffrey hat Alkohol verkauft in Kabul und wurde jetzt runtergestuft im Job. Ist nur noch Chief of Staff oder so für die ausländischen Angestellten vom Flughafen. In Ecuador kann er sich auch nicht mehr sehen lassen, denn da hat er es sich mit der Regierung versaut. Ich habe von amerikanischen Flugzeugen gehört, die aus Kolumbien kommen und über die Grenze fliegen und dort Gift gegen Marijuhana versprühen. Ja genau das hat er gemacht, aber hat damit aufgehört, als er mitbekommen hat, dass das das Grundwasser vergiftet und den Kindern der Region schadet (sagt er). Kommt mir vor wie in so einem amerikanischen Rambo-Film hier alles. Und was ist das hier für ein Hotel, frage ich. Die indischen Mädchen sind nicht zum „Kauf“. Ist ja gut so. Kein Problem. Doch er kennt jemanden, der mir trotzdem ein Mädchen besorgen könnte, wenn ich will. Preislage 100 Bucks (US Dollar) für eine Stunde, 200 Bucks für länger. Das lehne ich aber ab. Ist ja nicht unbedingt notwendig. Außerdem bestätigt er noch, dass es in Kabul chinesische Prostituierte gibt. Angeblich bekommen diese pro Monat 600-800 Dollar vom chinesischen Geheimdienst, der ab und zu kompromittierende Fotos und Videos von jemanden braucht oder einmal brauchen könnte. Die Mädchen werden trotzdem stark in Anspruch genommen, meint Jeff. Ok, das sind wirklich interessante Infos. Um drei ist Schluss mit Party in Dubai – Sperrstunde. Gut, dann kann ich noch zwei Stunden schlafen bevor ich zum Flughafen muss.

Kabul / Teheran 1979 ff.

Kürzlich erschien das Buch „Kabul / Teheran 1979 ff.,“ von Sandra Schäfer, Madeleine Bernstorff und Jochen Becker. In dem Interview mit Saghar Chopan stellt Sandra Schäfer das Buch vor, das als eine Art Fortsetzung eines Filmfestivals entstand.Direkter Link: http://video.google.de/videoplay?docid=-5794359148648408443 Mit zahlreichen Bildern und Beiträgen verschiedener Autoren werden die Veränderungen in Kabul und Teheran nach der iranischen Revolution 1979 nachvollzogen und gezeigt wie sich der Wandel im Medium Film präsentiert. Im Hinlick bauf die Veränderungen in den Städten sind weitere Hauptthemen des Buches die Stadtentwicklung und Migration aus Afghanistan und im Iran. Buch: Sandra Schäfer, Madeleine Bernstorff, Jochen Becker (Hg.): Kabul / Teheran 1979 ff., b_books, Berlin

Kabul / Teheran 1979 ff.

Kürzlich erschien das Buch „Kabul / Teheran 1979 ff.,“ von Sandra Schäfer, Madeleine Bernstorff und Jochen Becker. In dem Interview mit Saghar Chopan stellt Sandra Schäfer das Buch vor, das als eine Art Fortsetzung eines Filmfestivals entstand.Direkter Link: http://video.google.de/videoplay?docid=-5794359148648408443 Mit zahlreichen Bildern und Beiträgen verschiedener Autoren werden die Veränderungen in Kabul und Teheran nach der iranischen Revolution 1979 nachvollzogen und gezeigt wie sich der Wandel im Medium Film präsentiert. Im Hinlick bauf die Veränderungen in den Städten sind weitere Hauptthemen des Buches die Stadtentwicklung und Migration aus Afghanistan und im Iran. Buch: Sandra Schäfer, Madeleine Bernstorff, Jochen Becker (Hg.): Kabul / Teheran 1979 ff., b_books, Berlin

Werkzeug und Tee für die Schreiner in Hezarak

Die Lehrlinge brachten auch kein Werkzeug mit. Zumindest haben sie erst nur mit meinem gearbeitet. Ich weiß nicht, ob sie eigenes haben. Als meine Säge für Sher Sar zu schlecht war, hatte er aber schnell eine andere aufgetrieben und irgendwann auch noch einen Hammer. Erst mussten wir den Hammer wieder zurückbringen. (Einer hatte ihn abends vor dem Container aufgesammelt und mir gesagt, dass ich darauf achten sollte, dass das Werkzeug wieder zurückkommt.) Irgendwann war es mir zu lästig mit dem knappen Werkzeug und ich habe über das Wochenende auf Entwicklungsdienst-Rechnung etwas Werkzeug eingekauft. Drei Hämmer, zwei Sägen. Heute habe ich in einem Lagerschuppen eine Unterlegscheibe gesucht (erfolglos) und dabei sechs Sägen, etliche Hämmer und anderes Werkzeug in einer Pappschachtel in einem Wust von anderen Dingen gefunden. Na, das hätten sie auch rausrücken können. Aber wer weiß, warum sie es nicht tun. Vielleicht hat jeder Schreiner schon einen Werkzeugsatz bekommen (so jedenfalls das offizielle Statement des Entwicklungsdienstes) und ihn verscherbelt, zu Hause gebunkert, wie auch immer. So wie mit meinen Thermoskannen: Weil meine Leute keinen Tee bekamen, habe ich ihnen jeweils eine Thermoskanne und Tee gekauft, so dass sie sich von zu Hause Tee mitbringen können. Sie haben beides genommen, kommen aber morgens weiterhin ohne Tee hier an. Ich habe ihnen gesagt, dann sei es auch nicht mehr mein Problem, ob sie Tee haben oder nicht. Habe ich gesagt und später dem frierenden Alisardar doch von meinem Tee gegeben. Mal sehen, wohin das noch führt. Wenn ich Nein sage, habe ich halt immer die eine Tschadori- Frau vor Augen, die da morgens tot mit ausgestreckter Hand auf der Straße lag. Hätte ich ihr doch, ohne mir wehzutun, das Leben retten können.