Kabultag: Eine Schreinerei, in der Moschee und im Zoo

Am Donnerstag Morgen traf ich meine Leute dann an einer der Ausfallstraßen von Kabul. Ein Kleinbus und alle völlig gut drauf, laute Musik, einer, zwei mit Zigarette. Den Spaß mit dem Glimmstängel habe ich ihnen erst mal genommen und auch die laute Musik hat mich ziemlich nervös gemacht nach einer Weile. Ich dachte schon: Hoffentlich läuft mir dieser Ausflug nach Kabul nicht aus dem Ruder!

Aber dann wurde es sehr gut. In der Schreinerei, die ich besuchen wollte, wurden wir sehr freundlich und zuvorkommend empfangen. Ein Mitarbeiter wurde uns extra bereitgestellt, der auf alle Fragen bereitwillig Auskunft gab. Und meine Leute haben sehr viel gefragt, ich war total stolz. War wohl eine gute Idee gewesen, ihnen vorher einen Fragenkatalog zu geben und um Beantwortung zu bitten: Was wird gebaut, welche Maschinen, welche Preise, woher das Holz, was verdient ein Arbeiter?

Diese Schreinerei wird geleitet von einem recht jungen Afghanen, Qadir, der zuvor für die deutsche Welthungerhilfe gearbeitet hat und es irgendwann leid war, nur als Hilfsmafiosi zu arbeiten. „Solange wir nur ausländische Hilfe verteilen, kommen wir in diesem Land nie voran“, hatte er mir in einem Gespräch zuvor gesagt. Er selbst hat nie Schreiner gelernt, ist aber ein sehr guter Manager. Er hatte einige Unterstützungsgelder auftun können und eine richtig große, professionelle Schreinerei aufgebaut mit etwas 5o Arbeitern.

Nur zu seinen Arbeitern sei er nicht ganz so korrekt, wurde mir von anderer Seite gesagt.Die Möbel sind (fast) in europäischer Qualität und mit (fast) europäischen Preisen. Weil er aber viel für ausländische Hilfsorganisationen und deren Angehörigen arbeitet, kann er diese Preise auch durchsetzen.

In seiner Schreinerei gibt es eine kleine Polsterei, eine Korbflechterei, einen Raum, in dem Holzschnitzereien angefertigt werden, außerhalb einen überdachten Raum mit stationären Maschinen und einer sehr großen Bandsäge, mehrere Räume für die nach wie vor überwiegenden Handarbeiten, eine Drechselmaschine und einen großen Oberflächenraum (die Oberflächen sind allerdings nicht so toll, sondern kleben auch nach mehreren Monaten noch). Qadir hat sich sogar einen Holztrockenraum ausgedacht, der mit kleinen deutschen Anlagen gut mithalten kann. Von diesem Raum war ich wirklich begeistert.

In der folgenden Woche habe ich meine Lehrlinge abgefragt (nachdem ich sie in drei Gruppen untereinander das Gesehene habe durchsprechen lassen) und sie konnten mir noch einige Details nennen, die ich nicht mitbekommen habe. Unter anderem berichteten sie mir kichernd von einem Raum, in dem Frauen feine Malerarbeiten machten. Gebaut wurden Betten, Couchs, Tische, unter anderem ein Glastisch, ein Teetisch, ein Schreib- und ein Computertisch, sehr viele Stühle (unter anderem ein Schaukelstuhl), Schränke, aber auch viele kleinere Dinge, wie ein schöner Spiegel, Kleiderhaken, Bilderrahmen, ein Abfallkorb oder eine Flaggenstange.

Das Holz kommt überwiegend aus Russland oder den GUS-Ländern und ist etwas billiger als bei uns die Buche oder die Fichte, also für afghanische Verhältnisse sehr teuer. Ein kleinerer Teil kommt aus der afghanischen Provinz Kunar und aus Pakistan. In einer anderen Provinz, Nuristan, sei der Holzeinschlag verboten (was immer das dann bedeutet). Ein Arbeiter verdient 120,- Dollar pro Monat, was alle (bis auf Einnullah) ganz in Ordnung fanden.

Nazim, einer meiner Leute, bekam allerdings nicht so arg viel von all dem mit. Ihm ist irgendwie schwindlig geworden und ich habe ihn in den Bus gebracht, wo er ein wenig schlief. Sadat brachte ihm noch eine Cola.

Danach wollten alle zum Zoo und Sadat versuchte mir einzureden, dass der jetzt ganz prima auf dem Weg läge. Ich berief mich aber beharrlich auf den von den Lehrlingen selbst gemachten Plan und der lautete: Erst die Arbeit, dann der Zoo.

‚Die Arbeit’ war ein kleiner Einkaufsbummel. Ich wollte, dass sie alle die Plätze kennen lernen, wo in Kabul Schreinerwerkzeuge zu kaufen sind. Außerdem sollten sie Preise erfragen. Zusätzlich (das lag tatsächlich auf dem Weg) sind wir noch in den Möbelladen der Schreinerei von Qadir. Da haben sie dann einen Haufen Bilder gemacht, am Computertisch im Chefsessel und vor der afghanischen Fahne, gerne mit Sonnenbrille. Ich musste zum Ärger von einigen etwas bremsen, sonst hätten sie den einen Film völlig ohne Gruppenphotos verknipst.

Dann gab’s Essen, wobei die Hauptattraktion nicht das Essen, sondern der Fernseher mit sich erotisch bewegenden Sängern und Sängerinnen war. Nur Machmad, der Älteste, schaute demonstrativ nicht hin, sondern immer mal wieder entrüstet in meine Richtung. Ich habe dann auch kaum hingeschaut, es aber wahrscheinlich nicht so bedauert, wie er.

Wie immer nach dem Mittagessen wollten alle beten. Ich habe Einnullah gefragt, ob ich mitkommen dürfe und einmal mitbeten. Er fand das okay und so sind wir zu einer der großen Moscheen in Kabul. Allerdings sind wir draußen geblieben, auf dem umzäunten Gelände. Ich hatte eigentlich gehofft, hineingehen zu dürfen. Aber es war auch so spannend genug. Zuerst musste ich mich waschen. Dafür gab es (ich habe mal wieder nur Männer gesehen) als erstes unzählige kleine Kabinen, um die Genitalien zu waschen. Eine Schwingtür, etwa halbhoch, mann hockt sich hin, zwischen den Füssen eine tiefe, etwa 10 Zentimeter breite, geflieste Rinne, vor sich ein Wasserhahn. Deutlich zu riechen war, das diese Anlage auch als Pissoir genutzt wird. Ein guter Moslem, wurde mir gesagt, wäscht sich solcherart fünfmal am Tag. Und es herrschte tatsächlich ein ungeheuerer Antrag, aber so richtig sinnvoll kann ich das nicht finden. Richtig ungesund ist, dass etliche Frauen sich fünfmal täglich eine Scheidenspülung verpassen, um rein vor ihren Gott zu treten. Irgendeine Organisation versucht seit einiger Zeit, dem aufklärerisch entgegenzuwirken, zumal der Koran so was wirklich nicht vorschreibt.

Ohne Kabine werden dann die Füße, die Hände und das Gesicht gewaschen. Leider hatten Einnullah und ich keine Decke, auf der man eigentlich beten soll, aber es ging auch ohne. Ich habe mich neben Einnullah hingestellt und alles genau wie er gemacht. Zumindest habe ich das versucht, denn offensichtlich konnte man von außen gut erkennen, dass ich das nicht seit 40 Jahren mache. Und auch nicht in der Koranschule gelernt habe. Jedenfalls hatte ich bald in einer gewissen Entfernung einen wütenden Zuschauer. Ich habe ihn dann auch böse angeguckt, woraufhin er noch ein paar Meter zurückwich. Als er versuchte, andere auf mich aufmerksam zu machen, habe ich ihn auf Dari gefragt, ob es denn verboten wäre zu beten. Worauf er sich noch ein paar Meter entfernte. Hätte er weitere Anhänger für seine Wut gefunden, hätte ich mich ziemlich sofort entfernt, aber die allgemeine Stimmung war sehr freundlich. Besonders meine Lehrlinge waren begeistert. Ich habe mir gedacht, dass mein morgendliches Sonnengebet auch nicht so viel anders ist und dass ein praktizierender Moslem ziemlich beweglich bleibt.

Spaziergänge mit Sher Patscha

Auf einer meiner Taxifahrten hatte ich ein längeres Gespräch mit dem Fahrer. Wir unterhielten uns über Krieg und Frieden, scheiterten dann aber an meinen doch noch immer ungenügenden Sprachkenntnissen. „Sie müssen mich unbedingt besuchen kommen,“ meinte er zum Ende des Gespräches und wechselte dabei die Anrede: „Am Besten, Du kommst jetzt gleich mit mir zu einem Tee. Mein Schwager spricht Englisch!“

Normalerweise habe ich solche Einladungen nicht mehr sehr ernst genommen, weil ich gelernt hatte, dass sie oft auch nur als nette Geste gemeint waren. Einmal lud mich Said Machmat zu sich zu einem Tee ein, als wir an seinem Haus vorbei fuhren. Ich glaubte, das sei ernst gemeint und war auch neugierig, sein Haus zu sehen. Als ich einwilligen wollte, schritten zum Glück meine Mitfahrer mit Entschiedenheit ein: „ Nein, wir haben keine Zeit!“ Ich konnte an Said Machmat’s Gesicht erkennen, dass er froh war, als ich mich dann auch erinnerte, wie knapp unsere Zeit war.

Diesmal aber war die Einladung deutlich ernst gemeint; ich hatte auch Zeit und willigte ein. Ich konnte nicht ahnen, dass daraus eine meiner schönsten Begegnungen in Afghanistan würde. Der Schwager des Taxifahrers hieß Sher Patscha und arbeitete bei einer der vielen ausländischen Hilfsorganisationen. Er hatte das Glück, dass er dort eine relativ sichere Position hatte, wie ich aus den Gesprächen entnehmen konnte.

Er gehörte zu den Intellektuellen, wie ich sie schon getroffen hatte: Gebildet, interessiert und wach; es war sehr anregend sich mit ihm zu unterhalten. Bald war mir, ähnlich wie mit meinen afghanischen Kollegen, nicht mehr bewusst, dass ich in Afghanistan war. Bei unserem ersten Tee, im Beisein seines Schwagers, war Sher Patscha erst recht kühl mir gegenüber, taute aber im Gespräch schnell auf.

„Weißt du, ich habe schon so viele Europäer kennen gelernt und halte mich meist von ihnen fern. Viele schauen auf uns herab, halten sich für besser. Das können sie gerne tun, aber ich habe dann auch keine Lust, ihnen näher zu kommen. Bei Dir fühle ich mich gleichwertig,“ sagte er mir zum Abschied und verabredete sich mit mir zu einem Spaziergang durch die Stadt für die folgende Woche.

Sechs Tage später kam Sher Patscha pünktlich zu mir nach Hause, um mich abzuholen. Er hatte sich einen westlichen Anzug angezogen, was aber den Nachteil hatte, dass wir die Blicke der Leute auf uns zogen. „Ich dachte, dass Du auch europäisch gekleidet wärst und wollte dir zeigen, dass mir Deine Kleidung nicht ungewohnt ist,“ meinte er und lachte: „Das nächste Mal komme ich auch in unauffälligen Sachen!“

In den folgenden Wochen sind wir durch einige Winkel der Stadt gelaufen, den Viehmarkt und die Gassen hinter dem Großmarkt haben wir uns angeschaut und Sher Patscha hat mir sein Land erklärt. Auf einem der Hügel zeigte er mir die Versuche der Stadtverwaltung vor über zwanzig Jahren, also noch bevor der Krieg begann, grüne Oasen in der Stadt zu schaffen. Oben auf dem Hügel war ein Betonbecken, dass Regenwasser sammeln sollte. Es war geplant, den Hügel mit Bäumen zu bepflanzen, die die Zisterne bei Trockenheit bewässern sollte. Mir wurde in den Gesprächen immer mehr bewusst, wie sehr hier jemand leiden musste, der seinen Ort und die Menschen, mit denen er lebt, liebt. Vor dem Krieg hatte er mit aufbauen wollen, Afghanistan zu einem Land machen wollen, in dem es sich für alle gut leben lässt. Und stattdessen sah er jahrzehntelang nur Zerstörung.

„Weißt Du, als die Sowjets kamen, da glaubten einige von uns, dass sie dem Land auch helfen, verstaubte Strukturen zu verändern. Aber die waren ja so verbohrt. Ich habe miterlebt, wie sie eine alte Frau zur Alphabetisierung geschleppt haben. Oder einem Vater von fünf Jungen alle fünfe zum Militär eingezogen haben. ‚Nur für ein Jahr!’ Daraus wurden zwei, drei, vier. Viele der Kommunisten waren ganz junge Leute, die alles andere als sensibel mit den alten Strukturen umgegangen sind. Mit solchen und vielen anderen Geschichten haben sie ihre guten Ideen schon im Ansatz selbst lächerlich gemacht. Na ja, und dann natürlich dieses ganze Undemokratische, die Spitzel, die Gefängnisse. So etwas kannten wir schon vorher, aber es war noch schärfer, noch dazu, weil der Krieg dann ja begann.“

„Von Massoud hatte ich lange eine hohe Meinung,“ sagte er ein anderes Mal: „ich dachte, dass er demokratischer wäre und auch, wie soll ich sagen, zivilisierter. Lange hatten wir nur diese Idioten wie Rabbani, Hektmatyar oder andere dieser in Pakistan geschulten reaktionären Mörder in der Stadt. Als Massoud hier dann auftauchte, sind Freunde von mir zu seinen Truppen in die Berge, um sich anzuschließen. Oh, denen wurde übel mitgespielt! Weil sie aus Kabul waren und angeblich verwestlicht, wurden sie von Massouds Mujaheddin schikaniert und zum Teil behandelt, wie Feinde. Ich habe zwei von ihnen nie mehr wieder gesehen. Besonders, als Massouds Truppen sich dann in der Stadt festsetzten und gegen die anderen Kriegsherren kämpften, da benahmen sie sich genauso barbarisch, wie alle übrigen. Manchmal hat sich Massoud offiziell von den schlimmsten Vergewaltigungen oder Massakern distanziert, aber er hat nichts dagegen unternommen. Was waren wir enttäuscht.“

Manchmal wurde er sehr wütend über die Afghanen, die ins Ausland geflohen sind. Besonders diejenigen, die nach Europa oder Amerika fliehen konnten, jetzt reich sind (zumindest für afghanische Verhältnisse) und auch nach Kriegsende nicht zurückkommen. Ich glaube, er war verzweifelt, weil er gerade auf deren Weltoffenheit und Liberalität in Afghanistan hoffte. „Ich bin bei meinen Leuten geblieben,“ meinte er: „Die Menschen wollte ich nicht im Stich lassen. Meine Brüder sind alle geflohen, ich hätte auch das Geld gehabt. Natürlich weiß ich nicht, ob das irgendwem geholfen hat. Aber ich weiß, was es bedeutet, wenn gerade Dein Haus beschossen wird. Ich habe in Mikroyan gewohnt, als Hektmatyar angriff. Das Haus wurde voll getroffen, während wir im Keller saßen. Was ein Wunder, dass wir überlebt haben.“

Als ich ihm über den Wuluswal von Hezarak erzählte, fing er an zu schimpfen: „Diese ungebildeten Idioten! Haben nur Stroh im Hirn, haben nie etwas anderes gelernt als Töten! So Leute können nur noch von Krieg und Töten erzählen, weil sie von nichts anderem eine Ahnung haben. Ich habe das oft genug erlebt. Und sie glauben, wenn eine Frau sich wäscht, sei sie ‚sexuell’. Nur weil sie selbst und ihre Frauen stinken. Ungebildete Idioten halt.“ Ich lachte: „Du bist ein echter Kabuler, Sher Patscha! Die Kabuler haben die Leute vom Land noch nie gemocht.“ „Na ja,“ meinte Sher Patscha, „Glaub mir, so sind die Leute von der Sayyaf- Partei: Konservativ, gefährlich und dumm. Du hast doch erzählt: Die Familie vom Wuluswal wohnt in Pakistan, weil er sie dort sicherer weiß. Er kennt halt seinesgleichen. Hier ist für ihn Manövergebiet und hier will er regieren und absahnen!“

Manchmal war ich ganz schlapp nach einem Besuch von ihm, es waren so viele bittere Geschichten, die er zu erzählen hatte. Er wollte auch anfangs nicht, dass ich ihn zu Hause besuche. Als ich ihn das erste Mal getroffen hatte, war er in dem Haus seines Schwagers gewesen. Er wollte wohl kein Aufsehen im Block, weil ihn ein Europäer besucht. Ich glaube, er hat sich in den vielen Kriegsjahren an Vorsicht und Angst gewöhnt. Seine Frau trage auch die Burka, wenn sie außer Haus gehe, meinte er.

Sher Patscha wohnte in einer der Plattenbausiedlungen, die unter den Afghanen als Wohnungen sehr beliebt sind. Warum die Wohnung beliebt sind, konnte ich nicht nachvollziehen, ich fand sie sehr hässlich und eng.

Irgendwann erlaubte er mich doch, ihn zu besuchen: „Meine Kinder wollen Dich gerne sehen“, sagte er lächelnd. Sieben Kinder hatte auch er, zwei waren schon junge Männer, studierten beide. Und alle zusammen wohnten in einer kaum möblierten Drei-Zimmer-Wohnung, die Schlafmatten wurden immer ausgerollt. Ich bekam Tee und eine Süßspeise serviert und nacheinander kamen zwei kleine Jungen ins Zimmer, blieben kurz und gingen dann wieder. Seine kleine Tochter schaute ebenfalls für ein paar Minuten zu uns herein Seine Frau bekam ich auch bei ihm nicht zu Gesicht. Bilder hingen an den Wänden. „Früher habe ich geschrieben und gemalt,“ erzählte mir Sher Patscha,“ aber das kann ich heute nicht mehr. Die Kriegszeit macht so hart.“

So gerne ich mit Sher Patscha zusammen war, bei ihm wurde mir am schmerzlichsten bewusst, wie schwer es ist, über Kulturgrenzen hinaus Freundschaften zu schließen. Manchmal mag es die Sprache gewesen sein, aber oft war es unser verschiedener kultureller Hintergrund, der ein wirkliches Verstehen so schwer machte. Besonders in den Zeiten, in denen ich durch meine kurzen Wochenenden in Kabul weniger Kontakt zu den anderen Deutschen hatte, spürte ich, wie meine Freundschaft zu Sher Patscha oder anderen Afghanen die Nähe nicht ersetzen konnte, die ich von Deutschland her kannte. Es war halt doch immer noch eher ein Bilderbuch, dass ich aufschlug, eine Betrachtung von außen und kein Verstehen von innen.

6. April

Kuba: Ein Besuch in der Zigarrenfabrik in Santa Clara

Vergangene Woche besuchten wir im Rahmen unseres Unterrichts die örtliche Zigarrenfabrik. Der Besuch begann an der Tafel mit Informationen zur wöchentlichen Planerfüllung, gekennzeichnet waren dort alle aktuellen Bestände und die Prozentzahlen, die für alle Arbeiter deutlich machten, in welchen Bereichen sie gut gearbeitet hatten bzw. wo weiter zugepackt werden muss.

Von einer dicken, dunkelhäutigen Mittvierzigerin namens Virginia bekommen wir die Spielregeln der Manufaktur erläutert. Virginia wirkt fröhlich und hat zu jedem ihrer Gesprächspunkte einen Scherz auf den Lippen. Sie fertigt per Hand Zigarren der Marke Monte Christo, dafür stehen ihr laut Plan pro Stück etwa fünf Minuten zur Verfügung. Die Tagesproduktion während der 8 Stunden Arbeit sollte rund 75 Stück betragen.

Ein Plan wird für jede Person und jede Aufgabe individuell erstellt. Virginia erhält ihr Gehalt 15-tägig und ich vernehme erstaunt die Summe ihres Entgelts: 400 Peso Nacional. Das ergibt insgesamt etwa 800 Peso Nacional (30 Euro) pro Monat, also deutlich mehr als die Vergütung eines Uni-Professors mit etwa 500 Peso. Hinzu kommen Boni jeglicher Art bei Übererfüllung des Plans, von denen Aufenthalte in den 5-Sterne Unterkünften bei Varadero den Spitzenplatz einnehmen.

Eine Zigarre der Marke Monte Christo kostet im offiziellen Vertrieb etwa 7 Euro, jedoch besteht auch die Möglichkeit selbige zu guten Rabatten über den Schwarzmarkt zu beziehen, dies erschwert jedoch die Ausfuhr erheblich.

Es ist schon überaus interessant, dass Kubas profitable Produkte (d.h. Tourismus, Zucker, Rum und Zigarren) unter Marktbedingungen geschaffen werden, die den unsrigen nicht in viel nachstehen. Wie man diese zusätzlichen Anreize dem Volk auf „revolutionäre“ Art und Weise näher bringt, weiß ich nicht.

Logar – in der Heimatprovinz von meinem Co-Teacher Einnullah

An meinem letzten Arbeits-Wochenende bin ich mit Übersetzer Sadat und meinem Co-Teacher Einnullah in die Heimatprovinz des Letzteren gefahren. Die Woche zuvor hatte mir Einnullah spontan abgesagt und ich war sehr enttäuscht gewesen. Als Grund hatte er angegeben, dass es in Logar gefährlich wäre. Ich habe das nicht recht geglaubt, sondern eher vermutet, dass er schlicht keine Lust dazu hatte, mich einzuladen, oder aber es in seinem Haus zu eng wäre. Ursprünglich wollte ich über eine Nacht dort bleiben und da er in dem Haus seines Schwiegervaters für sich und seine Frau nebst zweijähriger Tochter nur ein Zimmer zur Verfügung hat, kann das gut zu eng gewesen sein (in dem einen Zimmer natürlich, aber normal gibt’s in so einem Anwesen ja ein Gästezimmer).

Ich war richtig stinkig, weil ich mich sehr darauf gefreut hatte und habe ihm bei der nächsten Gelegenheit erzählt, dass ich nicht glaube, dass ich sein Freund sei, sonst hätte er mich nicht ausgeladen. Irgendwie haben wir dann ausgehandelt, dass ich ihn nur über Tag besuche. Er ist also nach der Arbeit am Donnerstag nach Logar und kam am Freitag früh wieder nach Kabul. Um acht Uhr hatte er uns zu der Werkstatt eines seiner Onkel bestellt, er kam so gegen neun. Etwa eine halbe Stunde später (nach etlichen kleineren Widrigkeiten, ich glaubte schon nicht mehr so recht daran, dass wir überhaupt fahren würden) ging’s dann auch schon los.

Wir haben uns in einen Kleinbus mit dazu gesetzt, hinter uns eine Familie mit kleinem, schreienden Kind und ein einzelner Mann, vor uns neben dem Fahrer noch ein dritter Mann. Und kaum, dass wir abfahren wollten, kam noch ein weiterer Mann absprachewidrig mit zu uns dreien in die zweite Sitzreihe. Das wurde ziemlich unbequem und mir schien die Fahrt endlos. Besonders die ersten zwanzig Minuten wollten nicht vorüber gehen. Und ich wusste ja: Eine Strecke dauert ungefähr zwei Stunden.

Aber die Landschaft wurde immer schöner. Wir konnten sie meist rechts neben uns liegen sehen, die recht gute, asphaltierte Straße zog sich ein wenig am Hang entlang. Eine echte Flussoasen-Landschaft mit ausgedehnten Bewässerungskulturen, auch hier wieder viele blühende Obstbäume. Eine Art blüht ganz lila, wie bei uns der Flieder von der Farbe her, die Blüten sind aber einzeln.

Und direkt neben den Feldern und vielen Bäumen dann karges Land, jetzt mit einem zarten grünen Überzug, der aber in den nächsten Monaten, zum Sommer hin, wieder verschwindet. Die Berge, die sich den ganzen Weg entlang rechts und links auftürmen, mal weiter weg, mal ganz eng zusammen, zum Teil noch mit ein wenig Schnee, aber alle kahl. Weit im Hintergrund hohe, ganz weiße Bergspitzen. Ein besonders hoher Berg zu unserer Linken ist Koh-e-safet, der weiße Berg, den ich auch von Hezarak aus immer sehen konnte.

Auf den Berghängen die Zelte der Kutschis mit zum Teil riesigen Schaf- und Ziegenherden. Einmal sahen wir sie auch mit Kamelen. Und überall Siedlungen, ich konnte nicht erkennen, wo ein Dorf aufhört und wo das nächste anfängt. Auch die Entscheidung, was ein größerer Ort ist (wie auf der Karte eingezeichnet), fand ich ziemlich willkürlich.

Gegen Ende der Fahrt verließen wir die gut ausgebaute Straße, die auch weiter zu den Unruheprovinzen Paktia und Paktika führt und bogen auf eine der inzwischen gutbekannten Lehmpisten ab. Dort standen ab und zu kleine Jungen, die mit Mühe ihre Schaufel halten konnten, neben einem Schlagloch. Wütend schrieen sie uns manchmal etwas nach, wenn wir sie nicht dafür bezahlen wollten, das sie doch offensichtlich die Straße reparierten.

Leider war unsere Absprache, dass ich meine Klappe halte und auch auf gar keinen Fall fotografiere, damit mich (inzwischen mit Afghanenkleid, Sandalen ohne Strümpfe, weißem Mullahkäppi, der Decke über der Schulter und –was mir schwer gefallen ist- ohne Rucksack) niemand als Ausländer erkennt.

So musste ich dann mit dem Bildermachen warten, bis wir aus dem Auto gelassen wurden (was ein Glück!) und unsere Glieder strecken konnten. Wir standen nun inmitten einer engen Allee, ringsum Felder und Baumreihen, vor uns, an einen Hügel mitten im Tal gebaut, eine Siedlung. Den engen Gassen folgend, kamen wir zu einem sehr verwinkelten Haus und durch eine kleine Holztür verschwand Einnullah. Wir mussten erst einmal draußen warten, bis drinnen alle unsere Wege ausreichend frauenfrei waren, dann durften wir eintreten, freundlich durch zwei 15-jährige erst mit Tee, später mit dem üblichen Reis, Fleisch, Joghurt und weißem Pudding bewirtet. Wir aßen zu fünft.

Einnullah’s kleine Tochter kam irgendwann heulend zu uns und ließ sich weder mit Murmeln, noch mit einer kleinen Taschenlampe von mir beeindrucken. Einnullah erklärte auf meine Nachfrage, dass sie geschlagen oder ausgeschimpft wurde, weil sie geschrieen hatte. Nach meiner Beobachtung ist es mit der viel gerühmten Kinderliebe der Afghanen nicht ganz so weit her. Besonders die Paschtunen sind sehr streng selbst zu den Kleinsten. Ich habe zwar manchmal auch in der Öffentlichkeit Mütter und Väter zärtlich zu ihren kleinen Kindern gesehen, aber eben auch öfter Schläge beobachtet.

Einmal bekam ich auf einer sehr großen Kreuzung von einem etwa zwölfjährigen Radfahrer den Weg abgeschnitten. Rechts neben mir ein Auto, er von schräg links kommend, blieb mir nichts anderes übrig, als anzuhalten. Obwohl die Kreuzung ansonsten fast leer war, standen wir nun dicht an dicht, er konnte wegen des Autos ja auch nicht weiter. Ich hebe in so Momenten gerne grinsend die Hände und frage: „Und, was hast Du jetzt vor?“ Der Junge hat aber mein Handheben sofort eindeutig interpretiert und duckte seinen Kopf. Wie selbstverständlich erwartete er eine Ohrfeige. Aber, wie bereits geschrieben, die Polizisten ohrfeigen auch Erwachsene, nicht nur Kinder.

Das Haus selbst bestand aus mehreren Etagen, an den Hang gebaut, zum Teil durch eine wunderschöne, gewundene Lehmtreppe miteinander verbunden. In ihrem Zimmer hatten sie mächtig herumgeräumt, um mir den üblichen, leeren Raum präsentieren zu können. In einem Drittel stapelten sich irgendwelche Dinge bis unter die Decke, mit Tüchern zugedeckt. Das Badezimmer bestand aus einem sehr dunklen Raum mit verschiedenen Abteilungen, die durch etwa zehn Zentimeter hohe Mäuerchen voneinander abgetrennt waren. Eine dieser Abteilungen war das berühmte Loch im Boden, das ich dann auch benutzte. Daneben lag in einer kleinen Kuhle ein Haufen loser Erde. Ich nehme an, die wird nach getaner Arbeit durch das Loch geworfen, gegen die Fliegen.

Nach dem Essen bedurfte es einiger Überzeugungsarbeit, bis ich das versprochene Sightseeing-Programm auch wirklich geboten bekommen habe. Ich kam mir zwar einerseits ziemlich schofel und unhöflich als Gast vor, auf der anderen Seite wusste ich aber auch, dass ich nach Logar wahrscheinlich nie mehr in meinem Leben kommen würde. Und mir ging es auch ein bisschen auf den Keks, immer wieder alles Erdenkliche versprochen zu bekommen, mit dem offensichtlich gutem Wissen, dass es doch nicht möglich ist. Viele Argumente jedenfalls, die ich zu hören bekam, wusste Einnullah schon vorher.

Als erstes war auf dem Programm, Einnullahs zukünftiges Haus zu bewundern. Gegen meinen Willen sind wir mit einem Taxi dort hingefahren. Das Argument war, wir müssten sowieso das letzte Stück zu Fuß gehen (etwa 300 Meter). Wir gingen an einem tiefen, sehr großen Loch vorbei, wohl ein Bewässerungsbrunnen mit irgendeiner Wasserhebevorrichtung. Leider habe ich nicht ganz verstehen können, wie das funktionierte und Sadat war mal wieder mit seiner Verdauung beschäftigt und unwillig zu übersetzen. Im Augenblick – durch den vielen Regen der letzten Wochen – floss aber sowieso genügend Wasser über die normalen Bewässerungskanäle.

Wir kamen dann in eine Folge enger Gassen, die zwischen hohen Mauern hindurch gingen (aber auch hier etwas freier und luftiger, als die Paschtunen- Siedlungen), bis wir wieder vor einem sehr niedrigen Holztor standen. Durch eine Reihe von tunnelartigen Gängen (wir mussten uns zum Teil bücken) ging es zu einer größeren Freifläche, die von offensichtlich kriegsbeschädigten Bauten umgeben war. “Hier will ich mein Haus bauen”, sagte Einnullah. Zu sehen war noch gar nichts. Ich bin mir immer noch unsicher, ob ich ihm das alles so recht abnehmen soll. Immerhin ist es ihm ein wichtiges Anliegen, mir klar zu machen, wie arm er ist, weil er sich über mich Unterstützung von ZIM erhofft. Hauptsächlich hat mich irritiert, dass sein Haus hinter einer solch langen Flucht von anderen Bauten in einen kleinen Winkel eingebaut werden sollte. Kein richtiger Garten, das Ganze ziemlich bedrückend und eng. Und das, obwohl das Gebiet ringsum eigentlich weiträumig und offen ist, wir waren schließlich nicht in Kabul.

Auf dem Rückweg durch den Tunnel kamen wir an zwei wunderschönen, geschnitzten Türen vorbei. “Die hat mein Schwager selbst gemacht”, erklärte Einnullah: “der ist auch Schreiner, wie die meisten meiner Familie.” Kaum wieder draußen wurden wir von weiteren Verwandten in den nächsten Hof zum Tee gebeten. Auch hier wieder erstaunliche Bauten hinter den nicht ganz so gepflegten und nicht so hohen Mauern, zum Teil mehrstöckig (die Bauten).

Dort kamen Männer jeglichen Alters zusammen, um mit mir Tee zu trinken. Ich glaubte schon die Großvater-Generation zu bewundern, wurde aber eines Besseren belehrt. Die alten Männer mit ihren langen Bärten standen ehrfürchtig auf, als ein Greis den Raum betrat, mit Stock und nur noch nuschelnd. Dessen Alter war nun wirklich nicht mehr einzuschätzen.

Obwohl es durch den Tee schon spät geworden war, bestand ich auf den versprochenen Spaziergang, zumindest einmal wollte ich einen der Hänge hinauf, um einen Blick über das Tal zu bekommen. Sie hatten schon das Taxi bestellt für den Rückweg und nun wollten sie einfach wieder zurück. Mit Geld und Geduld konnte ich dann auch den Taxifahrer davon überzeugen, wie wichtig mir das wäre, etwas zu Fuß zu laufen.

Unterhalb eines Aussicht versprechenden Berges und nach meiner eindringlichen Nachfrage, ob er auch wirklich sicher Minenfrei sei, hielt das Taxi an. Sadat meinte, es sei nicht gut, mit vielen Leuten auf den Berg zu gehen, weil dann die Miliz argwöhnisch werden würde. Einnullah aber kam mit und dann noch ein Junge, wohl der Bruder des Taxifahrers (seine niedliche, zweijährige Schwester war übrigens auch mit im Taxi).

Ich bin sofort voller Begeisterung den Hang hochgestürmt, kam aber bald nicht weiter, weil einer der vielen Bewässerungsgräben (inzwischen bestimmt 20 Meter oberhalb des Flusses) mir den Weg versperrte. Nach dem fast erfolgreichen Versuch, ihn einfach zu überspringen, wollte mich Einnullah schon überreden, wieder umzukehren. Ich sei schließlich ganz nass und oberhalb sei ein weiterer Graben, noch tiefer und breiter.

Das stimmte auch, aber erstens schien die Sonne und zweitens gab es weiter links ein Gehöft, das hinter den Gräben lag. Also musste es eine Brücke geben. Als wir diese überquerten, wurden wir neugierig beobachtet.

Mir wurde wieder bewusst, wie neu auch in Deutschland die Idee ist, Landschaft nicht nur nutzen, sondern betrachten zu wollen. Soweit ich weiß, fingen bei uns die Leute erst im Zuge der Romantik an, wandern zu gehen. Und Berge zu besteigen, ohne Vieh weiden lassen zu wollen, gab es vor 1800 so gut wie nicht.

Ich erinnere mich, noch während meiner Lehrzeit auf dem Land mit meinem Ansinnen, spazieren gehen zu wollen, auf völliges Unverständnis gestoßen zu sein. Und nicht etwa, weil jemand gehfaul war (wie Sadat), sondern weil meine damalige Freundin sich einfach nichts darunter vorstellen konnte. Sie führte mich in den großen Gemüsegarten hinter ihrem Haus und schaute mich dann ratlos an: „Und jetzt?“

Oben auf dem Berg angekommen, war es wunderschön. Selbst Einnullah, der eigentlich nur seinen Gast nicht alleine lassen durfte, war erstaunt und begeistert, seine Heimat von oben zu betrachten. Deutlich konnten wir die Flussoase als dichtes, grünes Band mit vielen Häusern sich durch das Braun der Landschaft ziehen sehen. Mitten drin der sich spiegelnde Fluss und zu den Seiten die zum Teil schneebedeckten Berge. Dann war es Zeit, wieder nach Kabul zu fahren. Ich rannte den Berg hinunter, es machte richtig Spaß. Dann mussten wir aber wieder einen Übergang über die beiden Kanäle finden, wir waren nicht denselben Weg zurückgelaufen. In der Nähe eines Hofes gebot mir Einnullah, nicht mehr zu rennen. Das würde auf uns aufmerksam machen, weil in Afghanistan niemand rennt würde.

Ich habe tatsächlich noch keinen Afghanen rennen sehen. Mit den Badelatschen, die die Afghanen oft tragen, kann man auch nicht rennen. In der Nähe von Einnullahs Haus mussten wir das Taxi wechseln. Einnullah bestand darauf, auf meinen Pullover aufzupassen und verschlampte ihn dann. Er versprach mir, ihn wieder beizubringen, vergaß ihn aber bei der nächsten Begegnung.

Vielleicht spekuliert er darauf, ihn auch geschenkt zu bekommen (ich hatte ihm schon mal einen geschenkt), ich weiß es nicht. Der neue Taxifahrer wollte möglichst schnell nach Kabul, weil er in Logar wohnte und wieder zurück wollte, am gleichen Tag.

Nach wieder mal einiger Überzeugungsarbeit an allen Beteiligten gelang es mir, in der nächsten ‚Stadt’ einen Taxifahrer zu finden, der mir zusicherte, genügend Zeit zu haben, dass ich immer wieder anhalten könne um Bilder zu machen. Das war richtig toll, ich habe einige sehr schöne Bilder machen können.

Sadat und ich hatten auch richtig viel Platz in dem Taxi nur für uns, ein ganz anderes Fahren, als auf dem Hinweg. War natürlich auch teurer: Anstelle vorher umgerechnet 1 Euro pro Kopf für die zweistündige Fahrt zahlte ich jetzt 6 Euro für das ganze Taxi. Einnullah war in der Kreisstadt geblieben und wollte abends wieder zu seinem Haus zurück.

Sadat wollte unbedingt vorne sitzen und redete in einer Tour auf den Fahrer ein. Nach etwa einer Stunde wirklich unentwegten Redens (der Fahrer hörte fast nur zu), machte ich eine Bemerkung dazu, weil es mich langsam aufregte. Sadat erklärte mir daraufhin, sie hätten einiges klären können, der Fahrer habe zu der gleichen ‚Society’ gehört wie er. Mir war sofort klar, zu welcher: Beide gehörten früher dem fundamentalistischen Hektmatyar an, der in der Zeit nach der Vertreibung der Russen unter anderem gegen Massoud kämpfte und dabei das bis dahin kaum zerstörte Kabul in Schutt und Asche legte.

Sobald Hektmatyar wieder zu mehr fähig ist, als zu albernen Kleinattacken gegen die Amerikaner wie jetzt, wird Sadat mit Begeisterung mitkämpfen. Waffen haben wir alle noch, meinte er stolz.

In der einbrechenden Dämmerung erreichten wir den letzten Checkpoint vor Kabul. Zu meinem großen Ärger hielten Milizionäre das Auto an und erklärten, dass sie mitfahren wollten nach Kabul. Einer stieg erst auf der einen Seite ein und zweie schickten sich an, auf der anderen Seite einzusteigen. Ich habe fluchtartig das Auto verlassen, zwischen diesen beleibten Herren wollte ich mich auf keinen Fall einzwängen lassen. Sie fanden dann auch ganz normal, dass ich mich vorne zu Sadat quetschte.

Sadat, offenbar in Angst, es könne auf die letzten Meter jetzt noch Schwierigkeiten geben, gebot mir, bloß die Klappe zu halten. Die werden sonst misstrauisch und wollen wissen, woher Du kommst, was Du in Logar gemacht hast und so weiter, meinte er. Ich war so sauer, dass ich mich nur mit Mühe beherrschen konnte. Und in Kabul angekommen, wo ich mich sicher fühlte, redete ich auch trotz des Verbotes von Sadat. Die dreie hinter uns hat es aber nicht im Mindesten interessiert.

Im Süden von Kabul ließ uns der Taxifahrer raus, ich verabschiedete mich von Sadat, aß noch eine Portion Pommes und suchte mir dann ein Taxi nach Taimani.

4.April

Mit meiner Kollegin ohne Schleier in Karam

Letzte Woche war noch mal richtig was los. Erst kam mich am Mittwoch Abend Bettina , meine Kollegin, abholen. Ich habe die Gelegenheit genutzt, sie zu fragen, ob sie mit mir vielleicht noch mal nach Karam fahren möchte. Weil ich das doch gerne fotografieren wollte. Sie hatte Lust und Zeit dazu und so sind wir bis zu dem Ort gefahren und anschließend noch zu Gulsars Gehöft gelaufen (die Straße geht nur bis zur Ortsmitte, danach gibt es nur den Weg für Fußgänger und Maulesel).

Es war wieder richtig schön, besonders weil die Obstblüte unmittelbar bevorsteht und es an vielen Stellen schon richtig grün geworden ist. Auch einige Blumen habe ich gesehen, den Huflattich habe ich erkannt.  Als wir losfuhren, habe ich Bettina vorsichtig wegen einem Kopftuch gefragt. Sadat meinte, das sei nicht nötig. ‚We have now democracy’ sagte er empört, aber auch ein wenig spöttisch. Mir war es dann sehr peinlich, Bettina darauf angesprochen zu haben.

Und tatsächlich, die Leute haben zwar geguckt, aber ein Problem war es zu keinem Zeitpunkt. Nur eine Reihe von Mädchen, die auf dem Feld arbeiteten, fingen fürchterlich an zu kichern. Bettina meinte: ‚Davon werden sie wohl noch ein Leben lang erzählen.’ Und ich setzte lachend hinzu: ‚Ja, ‚a nacked women’.’ Ich dachte mir dann, da hätte Svenja auch nicht die ganze Zeit auf dem Hof ein Kopftuch tragen müssen.

Die Schomali-Ebene nördlich von Kabul

An einem Wochenende fuhren Benjamin und ich in die Schomali-Ebene nördlich von Kabul. Ich hatte immer mal wieder davon gelesen und wollte sie einfach gerne sehen. Sie soll sehr fruchtbar gewesen sein, voller Weinberge auch. Sie war aber immer wieder ein wichtiges Kriegsgebiet gewesen, zuletzt zwischen den Taliban und den die Nordallianz dominierenden Panjiris. Das Panjirtal grenzt im Norden direkt an die Schomali- Ebene. Die Taliban verfolgten eine Weile eine Politik der Vertreibung und etliche Schomali-Dörfer wurden in die Provinz um Jallalabad zwangsumgesiedelt. Außerdem haben sie viele Weinberge zerstört, weil sie dem Laster und der Gottesferne dienen. Mir ist die Schomali- Ebene die ganze Zeit nur ein Begriff gewesen, unerreichbar fern.

Mit dem Taxi eines Nachbarn und dessen 17-jährigen Sohn als Fahrer (der Nachbar hatte gefragt, ob ich nicht lieber selber fahren wollte, sein Sohn würde immer so schnell fahren), ging’s los. Und ich war erstaunt, wie schnell wir diese Ebene erreichten. Im Grunde mussten wir nur über einen der Hügel. Oben gab es eine Kaserne mit wirklich der riesigsten Massoud-Stellwand (dem ermordeten Kriegsfürsten der Panjiris), die ich bisher gesehen habe. Und das will was heißen, ist sein Konterfei doch überall präsent in der Stadt.

Die Amerikaner wollten eigentlich nicht, dass die Nordallianz die Stadt Kabul einnimmt, aber das hätten sie nur mit einem Krieg gegen ihre Verbündeten verhindern können. Nachdem die Taliban einmal aus Schomali vertrieben waren, brauchten die Massoud-Krieger schließlich nur noch übern Berg. Nun sitzen sie in Kabul in allen wichtigen, bzw. lukrativen Positionen, empfinden sich als Befreier oder als Besatzer und benehmen sich auch so. Das sind ja zum Teil Leute, die zwanzig Jahre nichts anderes als gekämpft und getötet haben. So einer ist dann jetzt Bürgermeister von Kabul zum Beispiel. Für den ist Kabul nur die Beute, die es auszunehmen gilt.

Aber dann lag sie endlich zu unseren Füssen, die blühende Landschaft. Grün, endlich wieder grün! Und blühende Obstbäume! Und wilde Tulpen! Die Felder waren voll davon und Kinder standen am Straßenrand, um sie zu verkaufen. Ich habe auch noch sehr viele Weinberge gesehen, wobei es natürlich keine Berge sind, sondern der Wein wird in der Ebene angebaut. Viel Kriegsschrott (beeindruckend ist so ein Schlachtfeld mit mehreren ausgebrannten Panzern und anderen Fahrzeugen schon) konnten wir auch sehen, viele Zerstörungen, Ruinen und Mienenfelder.

Aber im Grunde ist die ganze Ebene besiedelt. Überall diese Wehrburgen, aber auch kleinräumigere Siedlungen. Ein Deutscher, in dessen Werkstatt ich meine Bienenkästen habe bauen lassen, erklärte mir später, dass die Paschtunen vorzugsweise diese Festungen bauen und auch nicht unbedingt im Dorfverbund. In einem solchem Hof wohnen manchmal schon über fünfzig Menschen.

Und die Tadjiken (meine Schreibweise ist keine offizielle!) bauen eher im Dorfverbund und brauchen nicht so dringend diese hohen Mauern um ihre Anwesen. Das war mir auch in Karam aufgefallen, in Hezarak. Karam war ein sehr großes Dorf und irgendwie anders als die Dörfer sonst in Hezarak. Bis mir auffiel, dass unter anderem die hohen Mauern fehlten. Auch mein Lehrling Shirshah (übersetzt: der König der Löwen) wohnte in einem Haus ohne Mauer drum herum.

Karam ist ein Tadjiken-Dorf. In einem Paschtunen- Dorf hatte mir Mir Shah von NGE Häuser gezeigt, die sie fertig gebaut hatten, in die die Leute aber nicht einziehen wollten, weil die Mauer noch fehlte. Paschtunen bauen erst die Mauer, dann das Haus.

Mitten durch diese Ebene geht die autobahnbreite Straße, richtig mit Grünstreifen in der Mitte. Die haben die Taliban gebaut, eine echte Hitlerautobahn, aus militärischen Gründen halt. Manchmal ist sie direkt am Straßenrand vermint.

Wir haben bald Rast gemacht, in einem Restaurant zu Mittag gegessen. Das war so ein Drive-in, neu gebaut, aber nett gemacht. Und das Essen in dem großen Raum war auch gut. Leider gab es nicht mal die Andeutung einer Toilette. Warum auch, drumherum ist schließlich genug Landschaft. Wir saßen auf einem der Holzpodeste, die es –neben der Bestuhlung- oft in den Restaurants gib. Ich mag das sehr gerne, im Schneidersitz zu essen. Wir hatten natürlich bald zwei, drei interessierte Zuhörer und bekamen auch den Rat, nicht in die Berge zu fahren. Ansonsten war das große Restaurant fast leer.

Direkt neben dem Restaurant gab es einen kleinen Bach, der unter einer Steinbrücke unter der Straße entlang floss. Ihm entlang konnte ich unter grünen Bäumen in der Ferne Kinder auf einer Wiese zwischen ihren Häusern spielen sehen, ein richtig schönes Frühlingsbild.

Später konnten wir von Weitem Baghrami sehen, den großen Militärflughafen der Amerikaner, auf dem sie ihr zentrales Gefangenenlager in Afghanistan eingerichtet haben und –nach vielen übereinstimmenden Berichten- auch foltern. Wahrscheinlich in Gottes Auftrag. Je weiter wir nach Norden fuhren, desto unruhiger wurde unser Fahrer. Nach eigenen Angaben hat er Kabul noch nie verlassen, aber ich kann das nicht glauben. Vielleicht war er in diesem Jahr noch nicht außerhalb von Kabul. Jedenfalls ist für ihn, wie für jeden echten Kabuler, alles außerhalb Kabuls gefährlich.

Als Benjamin irgendwo mit seiner großen Kamera Bilder machte und auch ins Gespräch kam mit einer Volleyballmannschaft, kam er hinterher gelaufen und bat ihn wieder ins Auto: “Die haben alle Pistolen unter ihren Schawls (den großen Decken, die sie oft tragen)!”

Für mich war es sehr beeindruckend, an den Tälern vorbeizufahren, wo es nach Bamyian abgeht, dem Hazarajat also, wo die großen Buddhastatuen standen, oder dem Tal, wo es nach Salang geht, dem Hindukushpass nach Mazar-i-Sharif. Dem Pass also, den alle der vielzähligen Eroberer überwinden mussten, Alexander der Grosse zum Beispiel.

Leider wurde es dann zu spät, die Straße war auch nach der letzten Flussüberquerung (eine beeindruckend gesprengte Brücke und wir fuhren weit hinunter auf eine Ponton-Brücke) immer schlechter geworden und wir kamen kaum noch voran. Auch waren wir schon am nördlichen Rand der Ebene und es ging in die angrenzenden Hügel hinein.

Ich wäre so gerne noch bis zum Panjirtal gefahren, hätte Gulbahar gerne gesehen, wo die große Textilfabrik gestanden hatte, vor 25 Jahren der Einsatzort vieler Entwicklungsdienst-Kollegen. Aber unserem Fahrer stand allmählich die Angst im Gesicht geschrieben und wir wollten auch vor sechs wieder in Kabul sein. Auf dem Nachhause-Weg mussten wir ihn allerdings bremsen, sonst hätte er uns mit überhöhter Geschwindigkeit noch in den Straßengraben befördert. Auf einem malerischen Bazar, direkt neben dem Salangfluss, zum Teil ging’s mit kleinen Stahlbrücken über das tief eingeschnittene Tal, habe ich mir mit viel Handeln noch einen dieser Shawels gekauft, die über die Schulter getragen werden, aber auch als Sitzkissen oder Aufbewahrungsbeutel gut geeignet sind.

Ich fand diesen Ausflug super toll. Vor allem auch die Flüsse mit dem vielen Wasser haben mich sehr beeindruckt. Inzwischen hat der Kabulfluss auch recht ansehnlich Wasser, genug jedenfalls um den sogenannten ‚Titanic-Markt’, der im Flussbett war, zu vertreiben. Aber ein paar Monate lang habe ich kaum ein paar Liter Wasser auf einen Haufen gesehen.

28.März

Entwicklungshilfeprojekte in Hezarak

Hezarak ist durch und durch eine Landwirtschaftsregion (wie fast überall in Afghanistan). So überwiegen bei den Entwicklungshilfeprojekten – neben medizinischer Versorgung und dem Bau von Schulen und dergleichen – die Arbeit in diesem Sektor. Die Erklärungen meiner Lehrlinge, warum sie zu spät gekommen sind, sind entsprechend: Die Kuh war krank, mein Esel ist gestorben und ich musste nach einem Neuen suchen, oder: Auf dem Weg zur Arbeit bat mich ein Nachbar, ihm beim Säen zu helfen. Ob ich wolle, dass sein Nachbar nicht richtig aussät?

Neben der eigentlichen landwirtschaftlichen Beratung gibt es aber auch den Wasserbausektor und das ist schon sehr interessant: Einmal sind das sehr große Brunnen, etwa zweieinhalb Meter im Durchmesser, die von unten her hoch gemauert werden (wenn sie nicht zu früh auf Wasser stoßen und dann nicht mauern können – dann bröckelt nur leider die Erde vom Rand her langsam wieder ins Loch) und der Bewässerung der Felder dienen. Zum anderen sind das aber die so genannten Kareze, in denen unterirdisch Wasser von Quellen an zu bewässernde Stellen gebracht werden. Manchmal sind das übermauerte Kanäle, manchmal aber sind es Stollen, die durch Berge getrieben werden. Das hat in Afghanistan seit vielen Jahrhunderten Tradition, wenn nicht länger (ich muss zugeben, dass ich nicht weiß, ob es nicht vielleicht schon viel älter ist). Leider hat UNHCR aus mir nicht bekannten Gründen die Unterstützung für diesen Teil des Wasserbaus eingestellt.

Zum Dritten gibt es dann noch die überirdischen, sichtbaren Kanäle, die ich immer wieder beeindruckend finde. Über viele Kilometer wird das Wasser vom eigentlichen Fluss- oder Bachbett abgezweigt, bis es dann irgendwann weit oberhalb des Talgrundes entlang fließt und so über viele Terrassen hinweg bewässern kann.

Es muss halt nur genug Wasser im Bach sein. Denn obwohl es jetzt schon seit fünf Wochen immer wieder regnet und das Grundwasser von Kabul inzwischen nicht mehr ganz so schrecklich schmeckt, wie am Anfang meiner Zeit, sind die Quellwasserreservoire in den Bergen noch lange nicht aufgefüllt. Die Bäche führen meist nur dann Wasser, wenn es gerade regnet. Darauf versiegen sie wieder.

Aber immerhin: Der Kabulfluss, der Panjir -Fluss, der Logar -Fluss, alles Flüsse hier in der Gegend, sie alle führen jetzt wieder durchgängig Wasser. Die Teppichverkäufer in Kabul, die ihre Stände im Flussbett hatten, mussten zum großen Teil dem Wasser weichen.

Lesen lernen, ein Lehrer und Frustration über die eigene Arbeit mit den Lehrlingen

Nun ist das Ende meiner Dienstzeit immer absehbarer und ich will versuchen, noch möglichst viel aufzuschreiben, bevor ich alles vergesse. Diese Woche saß ich abends mit Ing. Mir Shah zusammen und dann kamen im Radio plötzlich die Namen meiner Lehrlinge und am Schluss auch mein Name. Hab ich mich aber gefreut! Da waren wohl an einem Tag, an dem ich noch nicht da oder schon weg war, ISAF- Soldaten im Hof erschienen und haben nach einem Musikwunsch meiner Leute gefragt.

Vor einiger Zeit hatte ich mit einem meiner Anfänger, einem lieben, schlaksigen, jungen Kerl namens Sardar, ein Einzelgespräch. Sardar ist ein ganz eifriger Lerner und auch intelligent, aber Analphabet (wie sich dass anhört, wo das hier doch ganz normal ist). Irgendwie dachte ich, ich muss ihm ein Leselernbuch oder so was beschaffen, weil ich die Schriftsprache ja selber nicht beherrsche und auch nicht unterrichten kann. Er fand die Idee toll.

Später sprach mich der ältere Machmad erneut auf Geld an und ich sann darüber nach, wie ich ihm, dem Vater von ‚acht Kindern und einem Jungen’ wohl am Besten würde helfen können. Es widerstrebt mir irgendwie, den Leuten einfach nur Geld in die Hand zu drücken.

Inzwischen habe ich ihn schon oft an der Tafel unterrichten lassen (Mathe für Fortgeschrittene), ein leibhaftiger Lehrer Böckel und dann war irgendwie klar: Der soll meine Analphabeten unterrichten. Ein bisschen habe ich dabei ein schlechtes Gewissen, weil es wieder einmal ausschließlich Männer sind, die ich da unterstütze. Ich habe ihn trotzdem gefragt und er hat sich wohl ziemlich gefreut, war gleich dabei, sich die Rahmenbedingungen zu überlegen und einen Lehrplan festzulegen. Dann erzählte er mir, dass er in Pakistan schon unterrichtet hätte, ihm nur für Afghanistan irgendeine Abschlussprüfung fehlt. War ich stolz auf mich, wohl ein echter Volltreffer.

Als Bettina vom Entwicklungsdienst mich diese Woche abholen kam, hat er sie auch gleich angesprochen, ob der Entwicklungsdienst seinen Unterricht nicht vielleicht länger bezahlen könne. Bettina hat mich später danach gefragt, weil so eine Unterstützung unter bestimmten Regeln schon möglich wäre. Aber ich konnte ihr da keine Empfehlung geben, weil ich keine sinnvolle Kontrolle weiß. Und ein weiteres Problem hatte ich: Wem gebe ich das Geld für den Unterricht? Also wem kann ich so vertrauen. dass dann auch wirklich Unterricht sein wird? Ihm selbst? Den Lehrlingen? Einem von den Chefs dort?

Ich habe mich dann entschlossen, ihm den Hauptteil des Geldes zu geben und Said Machmat den anderen Teil. Said Machmat fand meine Idee toll und bot von sich aus an, das Geld treuhändlerisch zu übernehmen und später auszuzahlen. Für mich war es nicht besonders viel: 150 Euro für 50 Schulstunden. Ein Lehrer verdient normal das Einheitsgehalt aller Staatsbediensteten von 40 Dollar im Monat (soweit ich gehört habe). Das reicht eigentlich nicht für eine Familie.

Ich fragte Machmad, ob Said Machmat okay für ihn sei, ob er da sicher sei, das Geld auch zu bekommen (immerhin sind einige Lehrlinge auf NGE schlecht zu sprechen und erzählen viele böse Unterschlagungsgeschichten). Ja klar, meinte er, das ist immerhin der Sohn meiner Schwester! Oh nein, dachte ich. Erstens weiß ich jetzt auch, warum er einen Platz im Schreinerworkshop bekommen hat, obwohl er schon so alt ist und eigentlich gar nicht dazu passt. Ich dachte, dass sei eine besonders soziale Nummer von Said Machmat gewesen, weil Machmad so arm ist. Und zweitens bin ich gleich im Kopf alles durchgegangen, was ich mit meiner großen Klappe inzwischen über NGE meinen Lehrlingen erzählt habe.

Über meine eigene Arbeit war ich diese Woche etwas frustriert. Ich hatte mir doch Mühe gegeben, den Lehrlingen etwas über die Formveränderungen des Holzes beim Trocknen beizubringen. Bei der praktischen Anwendung musste ich jetzt feststellen, dass es niemand verstanden hat.  Kann natürlich sein, dass mir wieder mein lieber Kollege Einnullah dazwischengefunkt hat, der den Lehrlingen andere Anweisungen gegeben hat, als ich. Ich habe mich dann vor die Klasse gestellt und gesagt, dass ich ein schlechter Lehrer sei, weil ich es nicht geschafft hätte, ihnen dieses Wissen beizubringen. Das hat sie alle sehr beeindruckt. Und ich glaube, dass das einige jetzt wirklich behalten haben, schon alleine um mir zu beweisen, dass ich kein schlechter Lehrer bin. Vielleicht sogar Einnullah.

27.März

Religion in Afghanistan

Mitte März war ein hoher schiitischer Feiertag. Der war ein bisschen heikel, weil die Schiiten eine Minderheit in dem ansonsten mehrheitlich sunnitischen Afghanistan sind und dieser Feiertag irgendwie eine Erinnerung an einen Krieg zwischen den Glaubensrichtungen ist. Prompt gab es bei uns hier auf der Kreuzung auch eine kleinere Schlägerei zwischen Jugendlichen beider Gruppen. Ganz in der Nähe ist übrigens auch noch eine Moschee der Ismaeliten, die wiederum eine schiitische Abspaltung sind.

Mohammad, selbst Sunnit, stand tagsüber draußen vor der Tür, schaute den Massenansammlungen vor der kleinen schiitischen Moschee zu und sagte nachdenklich zu mir: „Das ist nun alles 1300 Jahre her und wir wissen eigentlich alle nicht mehr so richtig, wer von uns Recht hat mit seiner Darstellung der Geschichte.“

Ich glaube, der dritte Imam war es, der auf dem Weg zu einer Stadt, in der seine Anhänger lebten, umgebracht worden ist und die Schiiten geißeln sich nun seit 1300 Jahren an diesem Jahrestag selbst, weil ihre Vorfahren ihm nicht zur Hilfe geeilt sind. Benjamin wollte sich diese Geißelungen unbedingt anschauen, aber ich hatte dazu keine besondere Lust. Mir hat schon gereicht, was ich von hier oben aus meinem Zimmer, vage in der Moschee schräg gegenüber erkennen konnte.

Den Abend zuvor hatten sie sich gemeinsam im Takt nur auf die Brust geschlagen, aber am eigentlichen Feiertag sollte es dann mit Peitschen, die ausgewählte Männer (sie waren ganz in grün gekleidet) sich selbst über die Schulter auf den Rücken schlagen, richtig zur Sache gehen. Benjamin und ich sind ein bisschen durch die Straßen gelaufen, auf denen immer wieder Schiiten in langen Konvois fuhren oder als eine Art Prozession durch die Straßen liefen. Ganz in schwarz war auch an einigen Stellen eine Art Zelt aufgebaut, wo sie sich dann trafen. Aus Solidarität hatte übrigens die ganze Stadt frei.

Meine Lehrlinge fragten mich diese Woche, ob ich auch von der Gottesoffenbarung in Deutschland wüsste. Es sei schon etwa zehn Jahre her, aber es stand wohl in den Zeitungen und für sie war es eine ganz wichtige Sache. In irgendeinem deutschen Park hätten sich die Blätter alleine zu den Worten: Allah ist groß’ geformt. Sie hätten Bilder davon gesehen und es würde ganz sicher stimmen. Auch wären einige Deutsche daraufhin zum Islam übergetreten.

Ich sagte ihnen, dass diese Geschichte nur Propaganda ist (was sie vehement bestritten). Fundamentalistische Christen würden bei Bedarf ähnliche Geschichten auch über islamische Länder erzählen. Ich würde keine davon glauben und ich fände viel wichtiger als solche Geschichten, dass es eben ein und derselbe Gott sei, an den Christen und Moslems glauben. Ich kann ihren großen Hunger nach allem und jedem ja meistens gut nachvollziehen und bin immer ganz gerührt, wenn irgendjemand trotz aller Armut die Kraft aufbringt, irgendein Geschenk abzulehnen. Manchmal aber ärgert es mich, dass sie so grenzenlos fordern können und oft gerade dann unzufrieden werden, wenn sie etwas bekommen.

Ich habe ihnen deshalb diese Woche das Märchen von dem Fischer und seiner Frau erzählt. Bei mir hieß es aus Gründen der besseren Identifikation: Die Fischerin und ihr Mann’ und es war ihr Mann, der grenzenlos forderte. Ein paar waren durch die ständigen Wiederholungen etwas abgenervt, aber die meisten sind begeistert mitgegangen. Als aber der Fischer der 1. Iman sein wollte, waren alle so gebannt von dieser Ungeheuerlichkeit, das es mucksmäuschenstill wurde. Ich entschloss mich deshalb, es dabei zu belassen, und zu verschweigen, dass dem Fischer dieser Wunsch gewährt wurde und er danach Gott selbst sein wollte.

Hermidula, einer meiner Lehrlinge, der gerne kämpft und fordert, meinte dann auch: Der Fischer sei wie die Amerikaner. Ich lachte, antwortete dann aber, dass ich diese Geschichte für mich selbst als wichtig empfinden würde: Es sei gut, Wünsche zu haben, aber es sei mir auch wichtig zu wissen, was ich wirklich brauche und wünschen kann und was nicht.

22.März

Handwerk in Afghanistan: „Es macht wenig Sinn, sauberer zu arbeiten, als ein Kunde das wünscht.“

Ich denke, ein ganz wesentlicher Aspekt meiner Arbeit hier ist, dass ich völlig ohne Strom arbeite und alles, was ich lehre, sich nur auf Handarbeit bezieht. Das ist eigentlich nicht so die Stärke eines deutschen Handwerksmeisters, zum Glück aber meine. Meine Leute können sehr schnell arbeiten, im Allgemeinen schneller als ich. Aber auf dem Bazar und natürlich besonders bei meinen Lehrlingen, die zum Teil ja Anfänger sind, sehe ich sehr unsaubere Arbeiten. Maßhaltigkeit, genaue, saubere Verbindungen gibt es selten. Selbst Einnullah, mein Co-Teacher arbeitet nicht besonders sauber. Für die Zwingen werden keine Zulagen genommen, andere Druckstellen gar nicht erst beachtet, wenn Holz ausreißt, ist das auch in Ordnung.

Das Holz ist so teuer, dass eine vernünftige Holzauswahl kaum möglich ist. Ich habe versucht, zu erklären, dass der Kern eines Holzes keinesfalls genommen werden darf, aber Einnullah hat meine Lehrlinge dann hinterher doch angewiesen, auch Holz mit der Mark- (Kern) röhre zu nehmen. Das bedeutet natürlich, dass das Holz sehr reißt. Vor allem auch die Benutzung von Nägeln macht die Arbeit unsauber. Das Holz reißt auch dort oft auf, die Hammerschläge beschädigen das Holz, es bleibt der Nagelkopf sichtbar. Manchmal bricht mit dem Nagel eine ganze Ecke des Holzes weg. Das passiert oft, wenn kleinere Reparaturen am eigenen Werkstück vorgenommen werden. Da kleine Zwingen nicht üblich sind, wird eigentlich immer mit Hilfe von Nägeln geleimt, die alles noch schlimmer machen.

Die Fenster und Türen werden mit Bändern hergestellt, wie wir sie an alten Truhen haben, der Schreiner nennt sie Lappenbänder. Die sind mit Schrauben befestigt, die aber oft der Schnelligkeit halber mit dem Hammer eingetrieben werden.

Es gibt nicht, wie in Deutschland, die Einspannmöglichkeiten für ein Werkstück. So wird das, was ich bearbeite, fast immer mit dem Fuß gehalten. Oft stehen meine Leute auf dem Werktisch und sägen das mit dem Fuß gehaltene Holz von oben mit dem Fuchsschwanz. Jedes Holz wird mit der Rauhbank, mit der ich inzwischen ganz gut umgehen kann, erst glatt gehobelt. Die Rauhbank ist ein sehr langer Hobel, der das Holz eben macht. Vorausgesetzt, er ist gut geschärft und auch anderweitig in Ordnung.

Anfangs haben meine Lehrlinge von mir erwartet, dass ich ihre Werkzeuge in Ordnung halte. Sie brachten mir einen Hobel: ‚Geht nicht’ und wenn ich ihn dann in die Hand nahm, wollten sie zufrieden abziehen in der Erwartung, ihn später geschärft und repariert wieder zurückzubekommen. Das hätte mir auch geholfen. Denn, selbst wenn ich es irgendwann schaffe, das Teil zu reparieren, kann ich oft noch nicht erklären, was ich da eigentlich gemacht habe. Aber Ausbildung bedeutet natürlich, ihnen beizubringen, wie sie es selbst machen müssen.

Zum Glück sind ja viele Dinge analog, so dass ich mit meinem Wissen über den normalen Hobel auch schnell erfasse, warum eine Rauhbank nicht so arbeitet, wie sie soll.
Trotzdem ist den meisten schon klar geworden, dass ich vorher noch nie mit einer Rauhbank gearbeitet habe. Aber für die vielen Sachen, die eben in Afghanistan üblich sind und nicht in Deutschland, arbeite ich ja auch mit meinem Co-Teacher Einnullah zusammen, von dem ich selbst lerne. Meine Stärken sind deshalb mein sauberes, genaues Arbeiten, vor dem sie alle ehrfürchtig staunen und mein im Vergleich doch umfangreiches, theoretisches Wissen über Verbindungen, Werkzeug und Holz.

Wenn nur Einnullah auch bereit wäre, von mir zu lernen. Obwohl er selbst wohl ganz gut erklären kann, hat er eine ausgeprägte Abneigung gegen Theorie. Soweit ich beurteilen kann, was er erklärt. Denn wenn er an der Tafel steht, fällt mein Übersetzer Sadat immer in so eine Art Lethargie, aus der ich ihn nur schwer erwecken kann. Mit viel persönlicher Energie bringe ich ihn manchmal dazu, mir einen oder zwei Sätze von Einnullah zu übersetzen. Wonach er wieder beharrlich schweigt. So sitzen wir beide während des Vortrages von Einnullah da und träumen vor uns hin.

Als wir die Werktische gebaut haben, habe ich ihnen gezeigt, wie man eine Gratleiste macht. Eine Gratleiste hält ein Vollholzbrett (wie zum Beispiel die Arbeitsfläche der Werkbänke) gerade und lässt das Holz trotzdem arbeiten, d.h. schwinden. Wenn ich ihnen etwas Neues zeige, behaupten sie oft (besonders Einnullah), das sei zu schwierig. Dabei hat der, der die Leiste dann machte, nur zwanzig Minuten dafür gebraucht.

Lange habe ich dafür gebraucht, zu erklären, dass Holz arbeitet, also sich zusammenzieht, wenn es trocknet und sich ausdehnt, wenn es Feuchtigkeit aufnimmt. In Deutschland ist das eine der wichtigsten Grundregeln fürs Schreinern. In Afghanistan wird das natürlich in vielen Verbindungen praktisch angewendet, aber sie wissen nicht unbedingt, warum. Einnullah jedenfalls ganz sicher nicht.

Die Arbeitsfläche der Werkbänke wollte er in der Fläche verleimen und dann aber auf der Unterkonstruktion festschrauben. Das muss reißen habe ich gesagt und: Gut, wir machen halt beides und schauen es uns einen Monat später noch mal an. Diese Woche haben wir es uns gemeinsam angeschaut: Die verleimten und verschraubten Tische sind entweder in der Leimfuge gerissen oder, wenn es gut und richtig geleimt war, mitten durchs Holz. Der Tisch mit der Gratleiste ist in der Breite zwei Zentimeter schmaler geworden, aber nicht gerissen. Erst schien es, als hätten sie verstanden. Aber dann verleimte Einnullah den Stuhl, den er zum Vorzeigen für die Lehrlinge gebaut hatte, wieder in genau der Art und Weise, dass die Sitzfläche mitten im Holz reißen muss. Ich habe es nur für ihn erneut erklärt und vielleicht hat er es verstanden.

Ich glaube, in unseren fachlichen Auseinandersetzungen geht es ihm oft um seine Selbstbehauptung. Ich habe deshalb anfänglich oft nachgeben, auch weil ich hoffte, von ihm zu lernen. Aber nachdem ich jetzt schon recht häufig anschaulich sehen konnte, warum ich als Schreiner irgendetwas so und nicht anders mache, bestehe ich nun regelmäßiger auf meiner Methode. Ich werde ja auch eigentlich nicht dafür bezahlt, dass ich etwas lerne, sondern dass etwas von meinen Kenntnissen und Fähigkeiten in Afghanistan bleibt.

In der direkten Konfrontation ziehe ich aber häufig den Kürzeren. Viele, einschließlich Einnullah, sind einfach sehr stur. Und wenn ich irgendetwas jetzt und hier geändert haben will, dann passiert einfach gar nichts. Zum Glück gefällt mir das grundsätzlich (nur im jeweiligen Moment halt nicht). Außerdem habe ich auch mit meinem Sohn gelernt, rechtzeitig aus einer Eskalation auszusteigen und nicht Willen brechen zu wollen. Wenn ich es unbedingt will, wird es noch lange nicht gemacht.

Oft ist es für sie sehr einfach zu erklären, warum ich sauberer als sie arbeite: Ich habe einfach das bessere Werkzeug (das sie oft ausleihen wollen). Werkzeug aus Deutschland ist immer viel besser. Vor allem besser als pakistanische Produkte, die immer schlecht sind, sagen sie. Ich habe dann zeitweilig mit ihrem Werkzeug gearbeitet, um ihnen zu zeigen. dass es eben nicht an der Badehose liegt, wenn der Bauer nicht schwimmen kann. Außerdem habe ich einigen, deren Werkzeug auch nicht scharf war, gesagt, dass sie es nicht behalten können, wenn sie gar nicht damit arbeiten.

Ein paar Sachen habe ich als Beispiel gebaut, weil es anschaulich besser zu erklären ist, als an der Tafel. Trotzdem glaube ich, dass ein guter Schreiner auch theoretische Sachen nachvollziehen können muss, sonst gibt es bald Grenzen in dem, was er lernen kann. Deshalb mache ich gleichzeitig weiter mit meinem theoretischen Unterricht. Da unterrichte ich auch Fachrechnen. Ich habe sie in zwei Gruppen eingeteilt. Es gibt eine Gruppe, in der ich die Grundrechenarten lehre, das kleine Einmaleins durchnehme (ich habe es mit arabischen Zahlen geschrieben und als Kopie an alle verteilt) oder auch nur addieren über Zehnergrenzen übe.

In der anderen Gruppe nehmen wir Dreisatz, Bruchrechnen und Kommazahlen durch. Ich wusste gar nicht, wie schwer es ist, zu erklären, warum 0,5 durch 0,0125 geteilt vierzig ergibt. Als letztes will ich mit ihnen Raumberechnung machen, um die Frage zu klären, wie viele Bretter ein Stamm ergibt. Spaß macht es mir, das Gelernte gleich im drauffolgenden Praxisunterricht abzufragen: Wie viele Schrauben brauchst Du, wenn Du hier am Fenster vier Bänder hast mit je sechs Schrauben? Na ja, oft stellt sich dann heraus, dass es nicht ganz die richtige Formulierung ist zu sagen: ‘Das Gelernte abzufragen’.

Gut hat sich bewährt, mir die von ihnen gebauten Werkstücke mit jedem Lehrling einzeln genau anzugucken und zu bewerten. Ich versuche dann immer die Ecke zu finden, die gut geworden ist und zu sagen: Das ist toll geworden. Fast alle meine Lehrlinge sind mit Lob leicht zu erreichen. Der Krieg hat sie eben sehr hungrig gemacht, auch auf Lob. Auf die Art habe ich deutliche Verbesserungen ihrer Arbeit erzielen können. Obwohl ich auch viele verzierte Schreinerarbeiten gesehen habe, überwiegt in dieser Wiederaufbauzeit eindeutig die Funktion des Gebauten. Es ist oft nicht ganz so wichtig, wie es aussieht. Und das hängt im Grunde natürlich mit den Kundenwünschen zusammen. Auch in Deutschland macht es wenig Sinn, sauberer zu arbeiten, als ein Kunde das wünscht. Das wird eben nicht bezahlt.

Über das hier verwendete Holz kann ich übrigens gar nichts lehren. Ich kann die verschiedenen Holzsorten weder voneinander unterscheiden, noch kenne ich ihre Eigenschaften. Ich sehe nur, dass es erstaunlich viele verschiedene Sorten gibt und eine Eichenart habe ich erkannt. Zu meinem Entsetzen als Feuerholz in größerer Menge. Plattenmaterial gibt es auch, Spanplatten, die hier espanpalat heißen, und Sperrholz in allen Stärken und meist schlechter Qualität. Vieles ist so, wie ich mir Schreinerei in Deutschland vor etwa hundert Jahren, vielleicht auch direkt nach dem 2.Weltkrieg, vorstelle.

Öfter kommt irgendjemand und will irgendetwas von mir persönlich gebaut haben. Ich bin dann schnell abgenervt, weil sie dafür auch nichts bezahlen wollen. Wildfremde Menschen behaupten, dass das Gebaute sie dann immer an mich erinnern würde, wenn ich wieder in Deutschland bin.

Obwohl ich inzwischen ein wenig den anderen kulturellen Hintergrund verstehe, aus dem heraus sie mich auf so etwas anquatschen, sind meine Emotionen noch eindeutig europäisch. Ich bin dann immer ärgerlich. Ich bin es gewohnt, dass alles bezahlt wird und dass man höflich fragt, ob jemand etwas für einen machen kann und es nicht fordert.

In unserer individualisierten Welt wird eben viel über Geld geregelt, viele Beziehungen unter den Leuten sind Warenbeziehungen. Für die Afghanen ist das völlig unverständlich, weil vieles über Freundschaft und deshalb als Geschenk läuft. Weil jemand, der über Mittel verfügt, mehr Geschenke machen kann und diese Geschenke dann ‚Seilschaften’ herstellen, sprechen wir von Korruption oder Unterschlagung.

So ist die Vehemenz, mit der auch ich auf Bezahlung und Abrechnung bestehe, im Grunde nichts anderes als die Durchsetzung der Warengesellschaft, ‚Entwicklungshilfe’ eben.

21. März