Der Karneval von Cienfuegos

Mitte November fand in der nach dem Revolutionär Camillo Cienfuegos benannten Stadt ein Karneval statt, der mich stark an Bilder erinnerte, die ich sonst nur von Reportagen aus Brasilien kannte. Prachtvoll gestaltete Wagen mit bunt kostümierten Tänzern und Tänzerinnen schoben sich an der karibischen Promenade der Stadt entlang. Zehntausende von Menschen wohnten dem Spektakel bei und verwandelten die kleine Hafenstadt in eine pulsierende Metropole. Auf riesigen Bühnen traten bekannte kubanische Bands auf und auf festlichen Umzügen präsentierten Künstler typisch kubanische Tänze. Der Staat lässt sich das kulturelle Leben auf der Insel Einiges kosten, auch in Santa Clara gibt es wöchentlich zwischen zwei und drei Konzerte, oft von international bekannten, kubanischen Größen. Das alles kostet die Kubaner nichts.

Das eigentlich prägende Erlebnis dieses Abends war der Versuch nach Hause zurückzukehren. Das wie immer defizitäre Verkehrswesen zeigte sich von seiner besten Seite und es gab für viele hundert Leute genau einen Zug nach Santa Clara gegen vier. Wohl wissend, was den Leuten bevorstünde, wenn sie diesen Zug nicht bekämen, brach die übliche Drängelei vor dem Kartenhäuschen aus. Eigentlich normal, denkt man sich. Nur an diesem Tag entschieden die Polizisten im Bahnhof, dass der Einsatz von Tränengas angebracht wäre. Dieses kam gleich mehrfach und völlig grundlos zum Einsatz. Keiner der vielen Passagiere verursachte Probleme, keiner schmiss Flaschen, niemand wurde verletzt, auch die Polizisten wurden nicht beleidigt. Wenig später verließ der Zug überfüllt wie immer den Bahnhof und ließ Massen von Studenten mit stark angeschwollenen Gesichtern zurück, die vor dem Bahnhofsgebäude versuchten sich die Reste der ätzenden Substanz aus dem Gesicht zu waschen. Auf meine Frage nach dem Grund dieses Einsatzes antworte der verantwortliche Polizist, dass ich das als Ausländer nicht verstehen würde. Die Kubaner wüssten an vielen Orten nicht sich zu benehmen. Man müsste dafür sorgen, dass der Respekt gegenüber der Öffentlichkeit gewahrt würde. Der Repressionsapperat funktioniert hier so gut, dass sich nicht einmal jemand traut die Handlung der Polizisten in Frage zu stellen – macht einen wahrscheinlich ohnehin gleich zum Konterrevolutionär.

Der Großteil der Anwesenden schlief also anschließend auf dem Bürgersteig, da andere Möglichkeiten zur Heimkehr nicht existierten. Das änderte sich auch am nächsten Morgen nicht. Wir konnten schließlich nach unzähligen Versuchen gegen 8.30 Uhr ein illegales Taxi anwerben, das uns für einen Betrag von mehreren kubanischen Monatslöhnen nach Hause fuhr.

Fidels 80. Geburtstag

Der Geburtstag Fidels ist am 13. August 1926. Pünktlich zu seinem Jahrestag gibt es jährlich große Feierlichkeiten, an denen alle Kubaner mehr oder weniger freiwillig teilnehmen. Koordiniert wird diese Teilnahme durch die CDRs, die Komitees zur Verteidigung der Revolution, eine der großen Organisationen, der fast alle Kubaner angehören (Mitgliedschaft etwa 90% der Bevölkerung).

Auf Grund des Gesundheitszustands des Maximo Lider waren Feierlichkeiten bisher nicht angebracht. Da es ihm mittlerweile angeblich etwas besser geht, so zumindest die Pressemeldungen in den letzten Monaten, hat man beschlossen, seinen Geburtstag nachzufeiern. Als Ausweichdatum hat man den 2. Dezember gewählt, das Datum, an dem Fidel und seine Revolutionäre im Jahre 1958 mit ihrem Boot, der Grandma, von Mexiko nach Kuba übersetzten.

Konkret sahen die Feierlichkeiten so aus, dass innerhalb jeden Blocks auf der Straße eine typisch kubanische Suppe, die Caldoza, gekocht wurde. Dazu wurde Kuchen gereicht und auch Erfrischungsgetränke. Auf den Transparenten neben den Ständen waren reichlich Glückwünsche zu lesen: „Fidel für immer“ oder „Wir bleiben Dir treu, Fidel“.

Dass der Jefe sich an seinem Ehrentag aber weder im Fernsehen noch im Radio präsentierte und dieser Tag auch sonst völlig ereignislos verstrich, beunruhigt(e) die Kubaner doch merklich. Man beginnt zu mauscheln. Die größte Angst, die alle haben, ist der Tod des Kommandanten. Warum? Weil Politik „nach Fidel“ nie öffentlich thematisiert wurde und alle Angst vor einem abrupten Wechsel haben. Angst davor, dass das Wenige, was die Gesellschaft ihnen bietet, auch noch verloren geht. Interessant erscheint an dieser Stelle die unglaublich starke Medienpräsenz Hugo Chavez’, dessen Politik hier täglich in den Nachrichten gehuldigt wird. Vielleicht kommt „die Lösung danach“ gar nicht aus Kuba?!

Die Periodo Especial en el Tiempo de Paz – Reaktion auf den Zerfall des sozialistischen Lagers

Anfang der 90er Jahre wurde durch die Regierung Fidels als Reaktion auf den Zerfall des sozialistischen Lagers eine Sonderperiode in Friedenszeiten ausgerufen. Da der Handel mit den ehemaligen sozialistischen Staaten etwa 80% des Bruttosozialprodukts ausmachte, stand das Land praktisch vor dem Ruin. Ziel des Programms war es, die kubanische Bevölkerung trotz der Problemlage mit Gesundheitsgütern, Bildung und Lebensmitteln zu versorgen, sowie für eine strategische Neuausrichtung der Wirtschaft zu sorgen (Tourismus).

Diese Periode ist in meinen Augen ein Euphemismus für die Weiterführung des Kalten Krieges und gleichzeitige Rechtfertigung für sämtliche Entbehrungen, die die Kubaner täglich hinnehmen müssen. Offiziell wurde diese Periode nie beendet, wenngleich die Mehrheit der Kubaner behauptet, die „schwere“ Krise wäre längst vorbei.

An dieser Stelle spielt die antiimperialistische Rhetorik eine wichtige Rolle, denn der Kapitalist ist Schuld daran, dass es den Menschen hier so schlecht geht. Dabei geht man so weit den Schaden durch die amerikanische Blockade auf den Dollar genau zu beziffern (rund 1,8 Milliarden Dollar) und bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit die Blockade als Sündenbock für die Leiden der Kubaner zu betiteln (Plakate davon gibt’s beispielsweise an jedem größeren Busbahnhof). Dass dieses Land von einer institutionellen Ineffizienz geplagt ist, die ihresgleichen sucht, darf hier wahrscheinlich wieder niemand zugeben. Kuba – ein Land in Abwesenheit jeglicher Service- und Geschäftskultur, es sei denn, man bezahlt in Dollar.

Studieren in Kuba: Das Alltagsleben in Santa Clara

Ich habe mich derzeit an die widrigen Umstände vor Ort gewöhnt und angepasst. Ich genieße die ewige morgendliche Zugfahrt vorbei an den Bananenplantagen der Stadt, mache mich über die Geschwüre lustig die den widerwärtigen, stetig präsenten, streunenden Hunden aus dem Körper hängen und schlafe ein mit dem Geklapper der Pferdehufen auf dem Asphalt. Die dazugehörigen Kutschen dienen hier als reguläres Transportmittel. Ich frage mich nicht mehr täglich, warum alle Häuser von oben bis unten eingezäunt sind, wenn es hier keine Kriminalität gibt. Auch die Urin- und Kotflut in den universitären Sanitäranlagen ohne Wasser gehört zum normalen Tagesprogramm. In den Bussen schließt man sich dem sozialdarwinistischen Verhalten der Kubaner an. Ich esse nicht mehr außerhalb. Was das Warten angeht, braucht man immer was Gutes zu lesen. Wenn Sachen nicht klappen, wundert mich das nicht mehr, ist ja eher Normalzustand als Ausnahme.

Offiziell keine Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen in Santa Clara, Kuba

Ein weiterer Höhepunkt in den vergangen Wochen war der Besuch der Abschlussveranstaltung des Stadtentwicklungsprojekts (ASA). Das Ziel des Engagements der deutschen Entwicklungshelfer auf Makroebene war es den Grundstein für die nur in Keimen existierende kubanische Zivilgesellschaft zu legen. Da hier ja grundsätzlich fast alles verboten ist, hält sich das Demokratieverständnis der Kubaner stark in Grenzen und Partizipation wird zwar in einigen großen Organisationen gefördert und „unterstützt“, ist jedoch auf individueller Ebene fast unbekannt.

In der Mikroebene ging es darum mit den Menschen in dem marginalisiertesten Viertel der Stadt, dem Condado, Strategien zu entwickeln um dieses zu verbessern. Ich fand dieses Thema deshalb besonders spannend, weil es offiziell keine Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen in Santa Clara gibt. Auf meine Fragen in der Universität bekam ich energisch zu hören, dass die Lebensverhältnisse in allen Stadtteilen ähnlich wären und dass es eine Bündelung sozial schwächerer Schichten hier nicht gäbe. Diese Behauptung bereitet bei genauer Betrachtung Bauchschmerzen, denn genau aus genau diesem Grund wurde das Projekt, gefördert durch die Bundesrepublik, auf den Weg gebracht.

Das Condado hat historisch den Ruf erlangt, dass dort die größten Schwarzmarktgeschäfte abgewickelt werden. Des Weiteren gibt es dort erheblich mehr Kriminalität. Ende der 90er Jahre sollen etwa ¾ der nationalen Pesoreserven Kubas auf dem Schwarzmarkt kursiert sein, das veranschaulicht hervorragend das Ausmaß dieser Schwarzmarktaktivitäten.

Jeder „Mittelklassebürger“ rümpft also schon beim Namen „Condado“ die Nase und bemerkt nebenbei, dass er dort abends nicht allein auf die Strasse gehen würde. Ziel der Veranstaltung der deutschen Studenten war es also, möglichst viele der lokalen Entscheidungsträger des Viertels zusammenzubringen, d.h. alle Delegierten und Leiter ansässiger Organisationen wurden eingeladen. In Workshops wurde diskutiert, welchen Ruf das Condado hat, woraus eben dieser resultiert und welche Probleme die Menschen in den einzelnen Distrikten haben. Es wurde analysiert, welche öffentlichen Plätze Schlüsselpositionen im sozialen Gefüge haben und was die Menschen am Ehesten ändern würden. Am Häufigsten fiel, zu meinem Entsetzen, das Schlagwort Alkoholismus, der in der kubanischen Gesellschaft generell ein weit verbreitetes Problem zu sein scheint. Essentiell für mich war, wie unbeholfen die Menschen hier mit solchen Veranstaltungen sind. Es mangelt also nicht an der Kreativität oder der Motivation der Kubaner, sondern mehr an dem Wissen um die Technik der kollektiven Entscheidungsfindung, Demokratie eben.

25 Jahre Partnerschaft der Universität Santa Clara in Kuba und der Universität Magdeburg

Anfang November fanden an unserer Uni die Festlichkeiten zum 25jährigen Bestehen des Kooperationsvertrages zwischen Magdeburg und Santa Clara statt. Eine Reihe von deutschen Professoren erhielt für ihr hiesiges Engagement einen Ehrentitel und ergoss aus diesem Anlass schier endlose Reden über die Anwesenden. Dabei durfte (!) von deutscher Seite nicht vergessen werden auch die Gleichwertigkeit der Partnerschaft zu betonen oder dem Bildungsministerium für seine Kooperation zu danken. Was für eine Farce! Fast das gesamte IT-Material der Uni wurde von einer belgischen Stiftung gespendet, der DAAD unterstützt ebenfalls großzügig die Kooperation, die gesamte Festveranstaltung wurde von der Uni-Magdeburg finanziert. Erwähnenswert ist an dieser Stelle auch, dass die anwesenden deutschen Studenten während der gesamten Veranstaltung keine Rolle spielten, wenngleich Fernbleiben von derselben mit scharfer Kritik geahndet wurde. Die abschließenden lockeren Begegnungen beim Volleyball oder der Abendveranstaltung mit Gitarrenmusik erweckten aber zu meiner Freude den ehrlichen Anschein als wäre die Partnerschaft über die Jahre gewachsen und verbünde nun auch einige Freunde.

Der Sommer in Berlin zwischen Vergangenheit und Zukunft – ein Abschied von den Berliner Zwischenwelten

Den letzten Sommer habe ich im Prenzlauer Berg gewohnt. Im Juli ist es das schönste, die Zeit im Mauerpark zu verbringen und einfach mit Freunden „rumzuhängen“ und auf der Wiese in der Sonne zu sitzen. Die Sonne ist für mich die größte Freude des Lebens. Mir gefällt die Atmosphäre im Mauerpark. Die Berliner in dieser Ecke der Stadt sind verrückt. Sie spielen, singen und quatschen hier bis der letzte Sonnenstrahl die Stadt verlassen hat. Die Schaukel im kleinen Gebirge des Mauerparks ist mein Reich. Von hier hat man „den Blick in die Vergangenheit“, denn hier stand die Mauer. Auf dem Flohmarkt hatte ich Fotos von diesem alten und faszinierenden Berlin gesehen.

Und wenn ich auf der Schaukel schwebe – wie zwischen Vergangenheit und Zukunft, denke ich über meine eigene Vergangenheit und meine Zukunft nach. Wundervolle Tage vergehen immer schnell und so auch die Sommertage in Berlin. Für einige Monate ging es zurück nach Italien und ich musste meinen Abschied vom Sommer in Berlin nehmen. Also, habe ich eine „Tschüssparty“ organisiert – in der Bar im Grenzbereich in der Fehrbelliner Straße an der Oberbaumbrücke in Kreuzberg.

Ich sitze in der Bar und nachdem ich meine kleine Party mit dem Chef besprochen habe, trinke ich noch einen Kaffee. Da spricht mich ein charmanter Mann an. „Hallo woher kommst du mit solch einer charmanten Aussprache?“ Paola: „Mein Name ist Paola Coppola. Ich komme aus Italien.“ Sofort stellt sich heraus, dass wir beide eine große Faszination für Literatur haben. Ich gucke ihn mit großen Augen an. „Möchtest du mich einmal besuchen?“

Die Aussicht von seiner Wohnung ist beeindruckend. Im Zimmer liegen vier Bücher auf dem Tisch. Sie sind von ihm. Was für ein Schriftsteller ist er? Eine Woche bleibt uns und die Zeit mit ihm vergeht wie im Flug, eine wunderbare unvergessliche Zeit mit einer unvergesslichen Stimmung, die wir nie wieder hervorbringen können.

In dieser Zeit schreibe ich meine ersten Gedichte auf deutsch – über die „Berliner Zwischenwelten“. Er verfasst die letzten Zeilen seines neuen Buchs. Wir ahnen der Abschied ist nicht nur ein Abschied für einige Monate…

Der Frühling in Berlin ist einfach total verrückt

Der Frühling in Berlin ist einfach total verrückt! Völlig crazy, denn Berlin hat so viele Parks, Gärten mit Festivals und Feste im Frühjahr! Berlin wird eine neue Stadt im Vergleich zum Winter – plötzlich total lebendig, reich an tausenden Events, Aufführungen und Austellungen die man nicht verpassen darf. Ich würde vor allem den Karneval der Kulturen empfehlen, weil diese Parade der Freiheit und Freude beim Tanzen, bedeutet! Man kann auch die multikulti Atmosphäre Berlins spüren und die Schönheit dieser Vielfalt der Kulturen, der Farben der Haut und der fremden Sprachen. Man kann alles auf einmal zusammen wahrnehmen, wie in einem Traum, in einer anderen Welt! Beim Karneval lohnt es sich auch zu shoppen, vor allem bunte Taschen zu 20 Euro pro Stück. Sie sind sehr populär in Berlin. Trotzdem habe ich letztes Mal keine gekauft, denn P.G. hat mich davon abgehalten und so habe ich 20 Euro gespart.

Shopping in Berlin: Supermärkte, Kulturkaufhäuser, Flohmärkte und Shoppingzentren … wo man sich frei fühlen kann

Es gibt in Deutschland an jeder Ecke einen billigen Supermarkt. Beim Einkaufen sollte man auch eine Tasche mitnehmen, denn die Plastiktüte kostet Geld. Am Sonntag sind die Geschäfte geschlossen. Pech, wenn man am Samstag was vergessen hat. Dafür schließen sie mittags nicht, denn die Leute hier machen keine Siesta. Persönlich mag ich die Lebensmittelläden in Berlin nicht, weil sie sehr vernachlässigt und wie ich finde oft schmutzig und chaotisch sind. Und es gibt keine Bedienung… Ok, viele sind Discounter. Der Chef muss deshalb Geld sparen, damit er die Sachen so billig anbieten kann und nicht so viele Mitverkäufer einstellen muss. So muss der Kunde also selbsteffizient und unabhängig von der Hilfe der Verkäufer des Discounts sein. In Italien ist es ganz anders… Die Lebensmittelsupermärkte sehen wie Juwelierläden aus: die Einrichtung ist wunderbar, besser als bei Ikea. Die Produkte sind alle in perfekter Ordnung gestellt, die Farben sind koordiniert und sogar der Lichteeinfall ist kalkuliert. Bei uns gibt es beim Einkaufen nicht soviel Selbstbedienung und Automaten wie in Berlin, sondern viel mehr Verkäufer. Die Verkäufer sind sehr schön, nett, hilfsbereit und vielleicht manchmal sogar zu sehr gebräunt… (Italien ist das Land der artifiziell gebräunten Menschen… im Sonnenstudio.) Natürlich fühlt man sich freier und spontaner in Deutschland als in Italien, wo die Menschen auch im Supermarkt sehr elegant sein müssen und vorsichtig, weil „die Urteile der Italien immer anwesend und bereit sind“. Jeder urteilt an die Kasse zum Beispiel auch was der Nachbar gekauft hat. Fettige Sachen sind ein Skandal normalerweise. Butter, Sahne, Mayo – das ist absolut verboten in Italien (außer für Valeria Perucco). Die Preise sind auch so etwas von „unerzählbar“, weil sie unglaublich teuer sind, weil die Meisten gesunde, Diät und Bio-Sachen kaufen. Das glauben sie zumindest. Firmen wie Weight Watchers sollten dankbar sein, denn sie sind wahrscheinlich sehr reich geworden dank Italien. Natürlich ist Berlin eine große Stadt im Vergleich zu meinem Dorf am Gardasee, deshalb gibt es viele viele Möglichkeiten Shoppingzentren zu besuchen, wo man sich frei fühlen kann, Musik zu hören oder Movies anzusehen. Alles ist ohne Mittagspause oder Siestapause geöffnet! Man kann von „durchdauerneden“ Öffnungszeiten der Läden profitieren. So kann man auch auf das Mittagessen verzichten und gleichzeitig seine Kultur bei Dussmann vertiefen: Immer mehr Kulturhunger als Magenhunger…. In den Berliner Kulturkaufhäusern findet man tausende schöne Angebote und auch CDs, die in Italien nur bei den Schwarzen, die leider illegale Leute sind, zu bekommen sind. Es gibt so viele CDs und so verschiede, dass man für jeden Geschmack etwas finden kann, sodass jeder von uns seine persönliche Musik finden kann und dann in einer schönen Ecke des Ladens frei und ohne Inhibition tanzen kann! Leider habe ich niemals an einem Flohmarkt als Verkäuferin teilgenommen. Nur als Kunde war ich eine Malenda und wurde sofort verarscht: Eine Wintermütze = 25 Eurooo!!!!! Ich bin heute sprachlos. Aber es war mir kalt und es gab viel Schnee und ich hatte keine Zeit und bin immer verzweifelt durch Berlin gelaufen, dass ich sie gekauft habe ohne zu nachzudenken. Danach war ich niemals mehr auf einem Flohmarkt, auch wenn mein Freund P.G. immer wollte. Es gibt alles in Berlin, manchmal zu viel vielleicht. Und vier Mal H&M auf dem Ku'damm ist übertrieben. Man geht auch ein Risiko ein immer die gleichen Sachen zu kaufen, jede 100 Meter in jedem H&M. Ich mag nicht, dass in Deutschland am Ende alle Leute gleich aussehen, weil sich alle bei H&M eingekleidet haben. Der Ku'damm ist mein Lieblingsort einzukaufen. Es gibt alles und alles ist zusammen und niemand stört mich in Ruhe einzukaufen. Ich kann Sachen probieren ohne Druck einer Verkäuferin, wie in Italien, wo die Verkäuferin den Kunden ständig Ratschlage gibt, damit man am Ende alles kauft, auch wenn am Anfang nur 20 Euro ausgeben wollte. Aber am Ende tauchen mehr als 200!!! auf der Rechnung auf! Wie viel Geld ich immer so ausgebe? Ich kann das nicht ehrlich beantworten, weil ich leider keine Grenzen habe. Also versuche ich immer nicht zu zählen, wie viel eigentlich…

Wohnen in Berlin: Ich habe das echte Berlin entdeckt

Auf jeden Fall war es ein aktives Leben hier. Ich war so unternehmensfreudig und mit viel Energie als ich nach Berlin kam. Ich habe versucht, alles was möglich ist zu lernen und meine Ziele zu erreichen – an der Uni und im täglichen Leben. Ja, man kann sagen, ich hatte eine „Überenergie“. Sie hat sich gezeigt in der Lust alle Seiten von Berlin kennen zu lernen. Ich wollte nicht nur Ausgehen, sondern die verschiedenen Orte dieser Stadt bewohnen. Meine erste Wohnung in Charlottenburg in der Schillerstraße 49 bei Janina. Das Goethe-Institut hatte sie mir vermittelt. Leider fühlte ich mich ganz unwohl, einsam und schlecht behandelt, denn sie redete nie mit mir. Ich hatte soviel bezahlt, aber die Atmosphäre zu Hause war einfach zu anonym. Diese Stimmung war nichts für mich. Also suchte ich mir eine neue Wohnung. Leider war mein Deutsch noch ziemlich schlecht. Ich konnte kaum ein Wort am Telefon reden und alle die meine Anrufe bekommen hatten, lachten über mich. Das war zumindest mein Gefühl. Na ja, sie verstanden mich einfach nicht. Und so war es fast unmöglich eine neue WG zu finden. Ich war verzweifelt. Aber es gab noch eine andere Studentin von meiner Universität aus Italien, die mir half. Valeria hat mit mir eine Lösung gefunden. Die Lösung war bei einer Familie in der Nähe vom Checkpoint Charlie zu wohnen – im Gebäude links neben dem jüdischen Museum. Eine Frau, ihr Sohn und eine krasse Mietzekatze. So zog ich hier ein. Aber nach einer Weile kam es mir vor als ob überall Unsauberkeit und Schmutz mein Leben verdarb. Aber ich hatte keine Wahl, ich musste diese Wohnung nehmen, um nicht „am Arsch der Welt“ bleiben zu müssen, wie die Berliner sagen. Hier hatte ich zumindest die Ruhe meine Diplomarbeit anzufangen. Ich habe durchgehalten bis zum Februar. Im Januar gab es für mich noch eine andere eine riesige Ablenkung. Mein erste Liebe in Berlin. Frank war ein Tänzer, der mir den Kopf verdrehte. Wir waren jeden Tag zusammen bei ihm im Prenzlauer Berg. Das neue Viertel war für mich eine wunderschöne Entdeckung. Ich konnte zu Hause in Ruhe arbeiten und mit Frank die coolen Ecken im Prenzlauer Berg – die alten Häuser, Gerüche, die Farben, Geräusche und die Menschen in einer der faszinierendsten Ecken Berlins entdecken. Aber nach einem Monat war es plötzlich schon wieder vorbei. Als ob man aus einem Traum aufwacht. Ich konnte es nicht ertragen aus diesem Traum aufzuwachen und auch in dieser Familie wurde es immer unerträglicher. Ich begann die Katze zu hassen und wollte einfach nur noch weg und mein eigenes Leben leben – nicht wie ein Kind in einer Familie. Ich war so verrückt und verzweifelt und eifrig darauf die Situation zu verändern, dass ich nur noch weg wollte und am liebsten sofort bei Valeria in ihrem 12 qm großes Zimmer in Kreuzberg einziehen wollte. Zum Glück hat sie mich gestoppt und mir einen neuen Tipp gegeben – „mir einfach eine WG mit anderen jungen Leuten zu suchen.“ Jetzt konnte ich es. Mein deutsch war viel besser und ich konnte mich ganz allein und unabhängig auf den Weg machen eine WG zu suchen. Nachdem ich bestimmt 20 WG’s besucht hatte, hat es geklappt. In einer Woche habe ich wahrscheinlich einen Rekord gebrochen und eine neue WG gefunden – Meine erste ECHTE WG! Mit zwei Mitbewohnern. Wir waren zu dritt und das war das erste Mal, dass ich mich total selbständig fühlte. Ruzmir und Eva waren wie Geschwister für mich und natürlich war ich die Kleinste. Am Ende der Schönhauser Allee wohnte im Gebäude mit der Nummer 97. In einem von außen hässlichen Gebäude, aber innen in einer renovierten und warmen Wohnung mit riesigen Räumen, wo ich das echte Berlin entdeckt habe.