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Die Krise der Kaffeewirtschaft (Teil II): Wege aus der globalen Preiskrise

Ursachen und Probleme der Produzenten von Kaffee durch Niedrigpreise und Auswirkungen auf die Qualität des Kaffees waren Gegenstand des ersten Teils. Der zweite Teil beschäftigt sich mit Alternativen zu dieser Entwicklung. Welche Alternativen existieren um der Kaffeepreiskrise entgegen zu wirken und den Kaffeeproduzenten ein angemessenes Einkommen zu ermöglichen? In diesem Abschnitt werden zum einen die Möglichkeiten im traditionellen Kaffeesektor als auch die Chancen im alternativen Kaffeesektor angesprochen, wobei ein besonderes Augenmerk auf den letzteren gelegt wird.

Exportdiversifizierung

Die generelle Exportdiversifizierung, d.h. die Umorientierung der Produzenten auf alternative Exportprodukte mit einer höheren Rendite soll hier an erster Stelle genannt werden. Aufgrund der Marktsättigung in den USA und in Europa ist die Begrenzung der weiteren Ausweitung des Kaffeeangebots von Nöten, solange neue Märkte noch nicht erschlossen sind. Dies bedeutet die Umleitung von Investitionen und die Umnutzung alter Kaffeeflächen von risikofähigen Unternehmen und damit die Entlastung des Marktes zugunsten kleinerer Einheiten. Das Problem hierbei ist, dass besonders die Kleinproduzenten unter den niedrigen Kaffeepreisen leiden und ihnen jegliches Kapital für eine Umrüstung oder Diversifizierung der Anbauprodukte fehlt. (Vgl. Stamm 1999, S. 404)

Nachfragesteigerung

Die ICO hat einen Fonds aufgelegt, aus dem Werbemaßnahmen für Kaffee in potenziellen Konsumländern finanziert werden, wie zum Beispiel in China und Russland. Der Erfolg hält sich aber sehr in Grenzen, da in diesen Ländern andere traditionelle Konsumgewohnheiten vorherrschen, die schwer zu erschüttern sind und es zudem an Kaufkraft fehlt. (Vgl. Stamm 1999, S. 404)

Vertikale Integration

Eine Möglichkeit der erhöhten Wertschöpfung bei der Kaffeeproduktion ist die vertikale Integration der Kaffeewirtschaft, d.h. die Integration von Verarbeitungsstufen von Kaffee im Erzeugerland. Durch die Verflechtungen mit anderen Wirtschaftssektoren können weiterführende Entwicklungsprozesse angestoßen werden. An die Stelle der einfachen landwirtschaftlichen Massenproduktion treten die Entwicklung und Koordinierung von mehrstufigen agroindustriellen Produktionsketten.

Die meisten kaffeeerzeugenden Länder aber produzieren Rohkaffee. 95% der weltweiten Kaffeeexporte sind Rohkaffee. Von den verbleibenden fünf Prozent sind 95% löslicher Kaffee und nur ein verschwindend kleiner Anteil (5%) ist Röstkaffee. Warum wird in nur so geringen Mengen Röstkaffee exportiert? Der Export von Röstkaffee wird vor allem durch die Struktur der Märkte in den Industrieländern erschwert. Der Kaffeemarkt in den USA und Europa ist schwer umkämpft und wird von wenigen Großanbietern dominiert. Zudem existiert eine starke Konzentration des Einzelhandels. Eine hohe Startinvestition erschwert die Platzierung einer neuen Marke mit landesweiter Verteilung.

Es existieren aber auch technische Probleme des Exportes von Röstkaffee, da dieser schnell an Aroma verliert. Nur Vakuumverpackungen bieten einen bedingten Schutz. Der Kundenwunsch in den einzelnen Ländern ist sehr unterschiedlich. Eine hohe Marktkenntnis und eine flexible Produktion sind unabdingbar. Der Verbraucher ist an Geschmack und Aroma einer Marke gewöhnt, welche nur durch den ständig angepassten Verschnitt von Rohware unterschiedlicher Herkunft erreicht werden.

Ein weiterer wichtiger Grund für den geringen Export von Röstkaffee ist die fehlende Möglichkeit der Weiterverarbeitung von Kaffee für Kleinproduzenten, da es ihnen an Kenntnis und vor allem an Kapital fehlt.

Ostern in Brasilien: Gefräßigkeitstage mit Schockoladeneiern und reichlich zu Essen und zu Trinken

Wir feiern bald Ostern und komischerweise hat mich noch keiner gefragt, wie man Ostern in Brasilien feiert. Das Thema erscheint vielleicht nicht so interessant und außergewöhnlich, denn die Brasilianer haben im Endeffekt dieselbe christliche Tradition, wie die Deutschen. Es gibt Schockoladeneier und viel zu essen. Dennoch Ostern in Brasilien ist anders als in Deutschland. Und nun zu Ostern frage ich mich selbst, wie wir Brasilianer eigentlich Ostern im feiern.

Die Maquiladoras in der Cuidad Juárez in Mexiko – Arbeits- und Sexualmarkt junger Migrantinnen

Die schwierige Lage von Migrantinnen in der Stadt Juárez an der nördlichen Grenze Mexikos ist geprägt von sexualisierter Gewalt. An diesem Ort sind Frauen Gewalt in einem Maße ausgesetzt wie in keiner anderen Stadt Mexikos. Dennoch, die extreme Situation der jungen Frauen in Juárez ist exemplarisch und kann als Beispiel für viele andere Städte in Mexiko gelten. Die Cuidad Juárez ist von Wüste umgeben und über den Rio Grande durch drei Brücken mit der texanischen Stadt El Paso verbunden. Die Grenze zu den USA wird durch hochmoderne technisch aufgerüstete Grenzeanlagen und Zäune geschützt. In dieser nördlichen Stadt Mexikos werden seit über 10 Jahren junge Frauen straffrei ermordet.

Im Vergleich mit Baja California im Westen und Nuevo León im Osten ist Juárez und der Staat Chihuahua unterentwickelt und benachteiligt. Der amerikanische Konsul John Dye sagte im Jahre 1921 über diese Stadt: “Juárez is the most immoral, degenerate, and utterly wicked place I have ever seen or heard in my travels.” (Martínez 1996: 151) Martinez charakterisiert Juárez bereits aus historischer Sicht als eine „border boom town”. (Martínez 1996: 152) Über zwanzig Jahre später ist die Stadt, abgesehen von den sozialen und wirtschaftlichen Problemen, die sie mit vielen mexikanischen Städten teilt, erneut eine „border boom town”. Dies ist ein Resultat des immensen Wachstums der Maquiladora-Industrie in den 80ern und 90ern. Der Zustand der Gesellschaft in Juárez hat sich durch die Migration verändert und ist durch den Bevölkerungsfluss in einer stetigen Auflösung begriffen.

Migration in Juárez

Seit den 1940er Jahren gehört die nördliche Region Mexikos zu den bedeutendsten Zuwanderungsgebieten interner Migranten. Juárez ist ein wichtiges Ziel für Migranten aus dem Bundesstaat Chihuahua geworden. Wenn man die Zielgebiete der Arbeitsmigranten betrachtet, hat die Bedeutung der Region Texas stark zugenommen. Es ist festzuhalten, dass Juárez eine in großem Masse eine durch die Migration gewachsene Stadt ist. Außerdem hat die Ciudad Juárez innerhalb der mexikanischen Maquiladora-Industrie eine gewisse Sonderposition inne, da sich dort die größten Maquiladoras mit den bekanntesten Namen befinden.

„There is additional migration as a result of NAFTA“ (Parnreiter, 1999: http://vgs.univie.ac.at/VGS_alt/HSK14lp.html), wurde prophezeit. Die Entwurzelungswelle führte zu einer verstärkten Zunahme der Wanderungen. In der ersten Hälfte der 1990er Jahre stieg die Binnenmigrationsrate wie nie zuvor an (1980-1990: 17,4%; 1990-1995:19,4%). Somit gab es als 700000 neue Binnenmigranten pro Jahr. Diese Zahlen machen deutlich, dass die Anzahl der Binnenwanderer sich um ein Viertel erhöht hat. Weiterhin stieg die Emigration in die USA an. Doppelt so viele mexikanische Arbeitskräfte wanderten in die USA ein. Peter Smith fasste die wissenschaftlichen Positionen bezüglich der Auswirkungen der NAFTA folgendermaßen zusammen. Es zeigen sich vier Grundthesen (vgl. Alscher 2001: 53):

1. Reduzierung der Auswanderung: Das durch den Freihandel induzierte wirtschaftliche Wachstum in Mexiko erhöht die Chancen zur Teilnahme auf dem formellen Arbeitsmarkt, steigert das Lohnniveau und senkt somit die Motivation zur Auswanderung in die USA.

2. Erhöhung der Auswanderung: Die Restrukturierung der mexikanischen Ökonomie hat v.a. im Fall der arbeitsintensiven Produktion in kleinen und mittleren Unternehmen negative Auswirkungen. Arbeitskräfte werden freigesetzt, fehlende Alternativen auf dem Arbeitsmarkt steigern die Motivation zur Auswanderung.

Kein Ostern in China

Vom Osterfest habe ich in China früher nur etwas aus Büchern erfahren. Ehrlich gesagt, das Osterfest und auch Weihnachten gehören zu westlichen Ländern. Viele Leute wissen etwas über Weihnachten, aber ich glaube, dass nicht so viele etwas über das Osterfest wissen.

Die Krise der Kaffeewirtschaft (Teil I): Anbau, Ernte und Export – Ursachen des Preisverfalls des Rohkaffees

Kaffee ist nach Erdöl das meistgehandelte Rohprodukt der Welt. Aufgrund seiner Anbaubedingungen findet der Anbau fast ausschließlich in Entwicklungsländern statt, der Konsum aber in den Industrieländern. Der Verkauf von Kaffee ernährt 125 Millionen Menschen in sechzig Ländern. Meist sind dies Kleinbauern. Der Kaffeepreis ist zurzeit so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Kaffee gehört zu den Lieblingsgetränken von Millionen von Menschen, trotzdem müssen Kaffeeproduzenten ihren Kaffee zu Spottpreisen verkaufen, um nicht auf ihm sitzen zu bleiben. Warum ist dies so? Was sind die Ursachen des Verfalls des Kaffeepreises? Diesen Fragen gehe ich in dem folgenden Beitrag mit besonderem Blick auf die Situation in Zentralamerika nach.

[quote] „In der City of London, wo in den Banken und Börsen nur eine Armlänge die Kaffeetassen von den Krawatten trennt, schreibt ein grauer Kunststoffkasten die Fortsetzung der alten Geschichte von Armut und Reichtum. Der Computer ist das Gehirn der Terminbörse Liffe, und an jedem Börsentag in jedem Börsenjahr errechnet er eine Zahl, die sich von London aus um die ganze Welt verbreitet. Sie schießt durch Telefonleitungen unter den Meeren hindurch und taucht auf im Hafen von Hamburg und in den Bürotürmen von Miami, wo sauber frisierte Männer sie mit einem Mausklick auf ihre Bildschirme holen. Sie erklimmt das Hochland von Kenia und die Berge Ugandas, wo schwielige Hände sie mit Kreide auf schwarze Tafeln schreiben. Sie dringt in den Regenwald Indonesiens und auf die Plantagen Vietnams, wo in hölzernen Hütten kleine Fernseher stehen und der Nachrichtensprecher sie mit lauter Stimme verliest – diese Zahl, an der das Schicksal ganzer Volkswirtschaften hängt und die doch nichts weiter beziffert als den aktuellen Weltmarktpreis einer Tonne blassgrüner Bohnen.  Geröstet und gemahlen, aufgebrüht mit heißem Wasser, verwandeln sich diese Bohnen in das liebste Frühstücks- und Nachmittagsgetränk der Deutschen, der Amerikaner, Franzosen, Italiener, Spanier und Skandinavier. In Cappuccino, Espresso, Caffè latte, Cafetera, Café au lait. In Kaffee.” (Korneffel / Tenbrock / Uchatius 2002) [/quote]

Anbau und Ernte von Rohkaffee

Der heutige Kaffee-Anbaugürtel umfasst die gesamte tropische Zone und Teile der Subtropen (zwischen dem 23.Grad nördlicher und dem 25. Grad südlicher Breite) rund um den Globus. Von den zahlreichen Kaffee-Arten haben nur Arabica und Robusta wirtschaftliche Bedeutung. Der Anbau von Arabica findet vorwiegend in Zentralamerika, in den Andenländern, in wenigen Gebieten Brasiliens, in einigen Regionen Ostafrikas und in Madagaskar statt. Robusta-Kaffee wird dagegen in weiten Teilen Westafrikas, in der Tierra Templada (die niedrigen Bereiche) Zentral- und Südamerikas, in der Karibik und in großen Teilen Südostasiens angebaut. Beide Kaffeesorten haben unterschiedliche Anspruchsprofile und stellen höchste Anforderungen an Temperatur, Niederschlagsmenge, Windverhältnisse, Höhenlage und Boden (siehe Abb. 1). Sie werden daher als die Primadonna der Nutzpflanzen bezeichnet. Sowohl Arabica als auch Robusta bevorzugen einen halbschattigen Standort und alluviale oder vulkanische Böden. Robusta benötigt zusätzlich noch Humus. (Vgl. Glania 1997, S.9)

 

Arabica

Robusta

Klimazone

Subtropen: sommerwarm
Tropen: Hochland, wechsel-feucht

Tropen: wechselfeucht, immer- feucht

Katholizismus in Brasilien: Die Lebendigkeit des religiösen Gefühls, Ursachen und Auswirkungen in Gesellschaft und Familie

In der Beschreibung des brasilianischen Charakters bemerkt man häufig, dass dieser von Sensibilität, Irrationalität und Religiosität geprägt ist. Die Kräfte dieses Gefühls, die stets auf die Meinungen und Verhalten des Brasilianers wirken, zerstreuen seine Interessen an sinnlichen und objektiven Bestimmungen. Um diese Aussage zu verstehen, ist es notwendig die Wurzeln Brasiliens zu kennen. Sie entstammen dem portugiesischen Teil der iberischen Halbinsel. Portugal spielte im 15. und 16. Jahrhundert bei der Etablierung neuer Handelswege und der Eroberung und Entdeckung der Länder dieser Regiong eine sehr große Rolle. Die Portugiesen gründeten Kolonien in Afrika, Amerika und Asien und sie gründeten Brasilien. Die Lebendigkeit des religiösen Gefühls in Brasilien erklärt sich daraus, dass die „Entdecker“ nicht nur im Namen der portugiesischen Krone, sondern auch in dem von der katholischen Kirche geführten Gegenreform handelten. Dieses Gefühl entwickelte sich auf unterschiedliche Weise, teils mystischer und fanatischer Art, besonders in den ärmsten Bundesländern und auf dem Land, teils dogmatischer, dessen Fall in den Großen- und Hauptstädte vorkam. Der Unterschied bestand auch in der Art, wie man die Religion behandelte, das heißt mal formal, mal zeremoniell, mal rituell.



[quote] „Die Menge folgte dem Baldachin und schloss sich dem Gebet der Priester an. In vollem Ornat, mit reuiger Miene und gefalteten Händen, ließ Pater Basílio seine tönende Stimme zum Gebet erschallen. Der fromme Mann war zu dieser wichtigen Verrichtung wegen seiner hervorragenden Tugenden ausersehen worden, die ihm Anerkennung und die Achtung aller eintrugen; im übrigen war er als Eigentümer von Ländereien und Pflanzungen selbst daran interessiert, dass der Himmel eingriff. Deshalb betete er mit verdoppeltem Nachdruck“. „Gabriela“ von Jorge Amado. [/quote]

Auswirkungen der Maquiladora-Industrie in Mexiko

Maquiladoras sind Montagebetriebe in freien Produktionszonen in Mexiko, die das Halbfertige zu dreiviertel- oder ganzfertigem für den Export zusammensetzen. Durch Initiativen der mexikanischen Regierung konnten zahlreiche Jobs in der Maquiladora-Industrie geschaffen werden. Hierbei handelt es sich in der Regel um einfache Arbeiten, die oft unter prekären Arbeitsbedingungen abgeleistet werden müssen. Aufgrund des starken Ressourcenverbrauchs hat die Maquiladora-Industrie zudem negative Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der Bevölkerung. Weiterhin erscheint das Modell nicht zuletzt aufgrund der einseitigen Exportabhängigkeit der Betriebe von den USA kaum bestandsfähig.

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