Behaviorismus und Unterrichtsüberzeugungen

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts dominierte die Assoziationspsychologie und später der Behaviorismus die wissenschaftlichen Auffassungen zu Lernen und Lehren und wie Staub und Stern (2002) zu berichten wissen, prägt diese Sichtweise bis heute den Schulalltag. Die daraus herrührende Vermittlungsperspektive bedient sich weiterhin behavioristischer Prinzipien. Die Darstellungen im folgenden Beitrag gründen sich vor allem auf Collins et al. (2001), Greeno et al. (1996), Holzinger (2001), Mayer (2003), Shuell (2001) und Slavin (1994) sowie Staub und Stern (2002).

Wissen

In der behavioristischen Tradition wird davon ausgegangen, dass der Lerninhalt sich vollständig auf Reiz-Reaktions-Verküpfungen reduzieren lässt. Diese lassen sich wie Objekte durch den Lernenden ‚erwerben’. Der ‚Besitzer’ des Wissens hat damit:

[quote] „(…) an organized collection of connections among elementary mental or behavioral units. These units may be elemetary sensory impressions that combine to form percepts and concepts, or stimulus-response associations (…).” (Shuell, 2001, S. 8614) [/quote]

Diese Verknüpfungen können beobachtet oder gemessen werden, wie beispielsweise der erhöhte Speichelfluss beim Pawlow’schen Hund oder ein Gedichtvortrag eines Schülers in der Schule.. Damit ist in dieser Konzeption Wissen auf das Zeigen bestimmter Verhaltensweisen in bestimmten Situationen beschränkt.

Lernprozess

Der Schüler nimmt das Wissen am besten auf, wenn der Lehrer mit zeitnah eingesetzter Verstärkung arbeitet, das heißt gewünschtes Verhalten belohnt und/oder ungewünschtes Verhalten bestraft. Werden einzelne Fertigkeiten oder komplexeres Problemlösen oft genug geübt, kann sich Verständnis entwickeln. Dabei ist die Rolle des Lerners eher passiv. Er nimmt lediglich den Unterrichtsstoff auf, den der Lehrer in möglichst kleinen, überschaubaren und gut strukturierten Einheiten vorträgt. Der Lehrer hingegen sollte das Lernumfeld kontrollieren, um gezielt beim Schüler neue Stimulus-Reaktions-Verkettungen zu erzeugen. Damit trägt er natürlich auch die direkte Verantwortung für den erzielten Lernerfolg. Fehler sollten aus der Vermittlungsperspektive nach Möglichkeit unterbunden werden, da sonst das Risiko falscher Assoziationen, also ungewollter Verknüpfungen von Wissensbausteinen besteht. Diese müssten dann mit großem Aufwand gelöscht und neu ausgeprägt werden. Eine gute Unterrichtseinheit ist aus der Vermittlungsperspektive dann erfolgt, wenn es dem Lehrer gelungen ist, sein Wissen möglichst verlustfrei an die Schüler weiterzugeben.

Implikationen für den Unterricht

Für die konkrete Unterrichtssituation umgesetzt bedeutet dies, dass der Lehrer zunächst sein großes Lehrziel in viele kleine und übersichtliche Teilschritte unterteilen sollte. Diese sollte der Lehrer zur Vermeidung von Fehlern in der Information und ihrer Übertragung einzeln selbst vor der Klasse erarbeiten oder für eine effiziente Vermittlung durch Medien wie Computerprogramme oder Videos sorgen. Dann sollten diese kleinen Einheiten in ihrer Reihenfolge mit aufsteigender Komplexität von den Schülern ausgiebig geübt werden. Die Lernziele, welche die Lehrkraft zu Beginn einer Unterrichtseinheit präsentiert hat, können dann als Orientierung genutzt werden, um die Schüler regelmäßig mit klaren Rückmeldungen über ihren Lernfortschritt zu versorgen, sie zu Loben und Noten zu vergeben. Um das Wissen zu festigen sollten die Schüler die Aufgaben zu Hause erneut üben. Damit die Wissensvermittlung effizient ist, sollte die Lehrkraft im Lernumfeld potentielle Störquellen wie laut redende oder umherlaufende Schüler unterbinden. Am Ende einer Lerneinheit kann der Lehrer den Lernerfolg mittels Leistungstests leicht feststellen. Dazu entwirft er standardisierte Aufgaben, die messen, in welchem Maße die Schüler einzelne Wissenskomponenten wiedergeben können oder erlernte Fertigkeiten ausüben können.

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