Überglücklich und schwitzend von Ouagadougou nach Tomegbé und ein Besuch im Voodoodorf

Nun lebe ich hier seit knapp 2 Wochen in Ouagadougou in Burkina Faso, in einer großen Villa mit 2 Terrassen die 25 min Fußmarsch von der nächsten Asphaltstrasse entfernt ist, in einem Viertel, wo nur jedes zwanzigste Haus Strom hat (meines inklusive) und einem Gartenwächter, der nachts vor meinem Gartentor steht. Seltsames Gefühl so eine Villa für sich alleine zu haben, wenn Leute neben mir zu zehnt in einer Blechhütte wohnen. Ja und vor ein paar Tagen haben wir mit dem Chef von AGBE einen Ausflug in das Dorf Tomegbé gemacht und dort einiges erlebt..

Die Fahrt nach Tomegbé war der blanke Horror. Vier Mal umsteigen und jedes Mal in ein Buschtaxi, das absolut und völlig überfüllt war, Hühner auf dem Boden machten uns die Fahrt schwierig und die 3 Pannen sorgten für üble Verspätungen. Dennoch, irgendwann am Abend trafen wir ein, mit Sack und Pack, ach ja, und 1600 BH's von der firmt Triumpf. Die BH's wurden an einen süddeutschen Verein übergeben, der die BH 's verteilen soll. Das war dann unsere Aufgabe. Aber dazu kommt gleich noch eine Anekdote.

Das Dorf Tomegbé ist relativ groß und mitten in den Bergen gelegen. Insgesamt gibt es ca. 3 Asphaltstraßen, weder Elektrizität noch Wasser und man lebt mit der Sonne. Bis um 7 Uhr schlafen ist reiner Luxus. Mein Tag beginnt hier um 5 Uhr, zusammen mit der Sonne. Die Leute waren so interessiert und freundlich, dass sie uns gebeten haben, viele Fotos zu machen, so dass es ein bisschen mehr in die Öffentlichkeit kommt, was gut für uns war. Somit konnten wir ungestört durch das Dorf marschieren und die tollsten Fotos überhaupt machen.

Am Samstag dann haben wir Superglück gehabt. Und zwar durften wir bei der offiziellen Wahl der Minister beiwohnen, die sich um die Region des Dorfes Tomegbé kümmern. Was unglaublich ist, dass der Dorfchef (bei dem wir auch eine kurze Audienz hatten) seit 5 Jahren der Chef des Dorfes ist. Der davor ist schon vor 25 Jahren gestorben. Man brauchte dann eine lange Übergangszeit (5 Jahre) um auszuwählen welcher Chef (natürlich aus der gleichen Familie des alten Chefs) nun an Tomegbés Spitze sein darf. Und dann hat es einfach noch mal 19 Jahre gedauert, bis man sich geeinigt hatte und bis man meinte es sei nun langsam an der Zeit die Minister zu wählen. Und just an diesem Tag waren wir da.

Die ganze Zeremonie ist einfach zusammengefasst: Ab halb acht wurde angefangen sich zu besaufen - in der glühenden Hitze - und es wurde mit Handzeichen gewählt. Auch eine Frau ist mit von der Partie. Anschließend wurde getanzt, gesungen und weiter getrunken. Der Dorfchef ist dann später in der Kirche eingeschlafen. Interessant ist auch, dass an der Hütte des Dorfchefs die "declaration de droit de l'homme" angebracht war, dass eine Art Gesetzbuch für die Bewohner hier ist. Ist nur doof, dass die Analphabetenrate über 50 Prozent liegt und Wenige überhaupt wissen was draufsteht, aber immerhin ein guter Anfang.

Und dann am nächsten Tag hatten wir das glück den Voodoostamm nähe des Dorfes kennen zu lernen. Und das war was! Alle Achtung! Ein bisschen Angst, oder zumindest Respekt hatten wir schon. In dem Voodoodorf werden keine Schuhe getragen und tote Hühner und deren Füße werden auf kleinen Lehmbopseln zusammengehäufelt. Und die Voodoopriesterin, die natürlich kein französisch sprach (alles wurde aber für uns übersetzt) war eine liebe alte, dicke Frau, die Kräuter, Stoff und eine Zahnbürste auf ihrem Tischchen hatte. Also echt wie im Voodoofilm. Überall waren Fetische und das Tolle, dass nichts künstlich für Touristen gemacht wurde. Ein paar der BHs verteilten wir an sie (mir persönlich war das sehr wichtig. somit standen wir bei ihr in einem guten Licht, und das kann ja ganz hilfreich sein bei Voodoo-Leuten).

Am Abend haben wir dann eine Einladung zu der Voodoofete gehabt. Die Voodoos wollten am nächsten Tag auf Reisen gehen, für 2 Tage, und vorher mussten die Götter gefragt werden, ob auch alles gut laufen würde. Und und diese Fete, ach du grüne Neune! Es wurde getanzt, ein Kind wurde durch die Gegend geschleudert und gesungen und weiss angemalt und in komische Strohkleidung gesteckt. Eine Frau war so stark in Trance, dass sie bald "abgeführt" wurde. Heiße Steine wurden noch verteilt, die man an die Bauchkettchen hängen muss. Ein kleiner Junge, der Narben im Gesicht hatte, war die Verkörperung eines Geistes und als dann der Voodoomeister auf einmal „Salemaleikum“ rief, meinte man später zu uns, dass dies von den Göttern gesagt wurde und keine richtigen Worte seien. Seltsam. Am Ende hatten die Voodoos jedenfalls ihre BHs und wir hatten einen spannenden Abend.

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Wer vor einer Reise nach Togo mit dem Verein Germano-Philia e. V. (www.germanophilia.de) Kontakt aufnimmt und sich beraten lässt, braucht vor Vodoo keine Angst zu haben.