Logar – in der Heimatprovinz von meinem Co-Teacher Einnullah

An meinem letzten Arbeits-Wochenende bin ich mit Übersetzer Sadat und meinem Co-Teacher Einnullah in die Heimatprovinz des Letzteren gefahren. Die Woche zuvor hatte mir Einnullah spontan abgesagt und ich war sehr enttäuscht gewesen. Als Grund hatte er angegeben, dass es in Logar gefährlich wäre. Ich habe das nicht recht geglaubt, sondern eher vermutet, dass er schlicht keine Lust dazu hatte, mich einzuladen, oder aber es in seinem Haus zu eng wäre.

Kategorien:

Mit meiner Kollegin ohne Schleier in Karam

Letzte Woche war noch mal richtig was los. Erst kam mich am Mittwoch Abend Bettina , meine Kollegin, abholen. Ich habe die Gelegenheit genutzt, sie zu fragen, ob sie mit mir vielleicht noch mal nach Karam fahren möchte. Weil ich das doch gerne fotografieren wollte. Sie hatte Lust und Zeit dazu und so sind wir bis zu dem Ort gefahren und anschließend noch zu Gulsars Gehöft gelaufen (die Straße geht nur bis zur Ortsmitte, danach gibt es nur den Weg für Fußgänger und Maulesel).

Kategorien:

Die Schomali-Ebene nördlich von Kabul

An einem Wochenende fuhren Benjamin und ich in die Schomali-Ebene nördlich von Kabul. Ich hatte immer mal wieder davon gelesen und wollte sie einfach gerne sehen. Sie soll sehr fruchtbar gewesen sein, voller Weinberge auch. Sie war aber immer wieder ein wichtiges Kriegsgebiet gewesen, zuletzt zwischen den Taliban und den die Nordallianz dominierenden Panjiris. Das Panjirtal grenzt im Norden direkt an die Schomali- Ebene. Die Taliban verfolgten eine Weile eine Politik der Vertreibung und etliche Schomali-Dörfer wurden in die Provinz um Jallalabad zwangsumgesiedelt.

Kategorien:

Entwicklungshilfeprojekte in Hezarak

Hezarak ist durch und durch eine Landwirtschaftsregion (wie fast überall in Afghanistan). So überwiegen bei den Entwicklungshilfeprojekten - neben medizinischer Versorgung und dem Bau von Schulen und dergleichen - die Arbeit in diesem Sektor. Die Erklärungen meiner Lehrlinge, warum sie zu spät gekommen sind, sind entsprechend: Die Kuh war krank, mein Esel ist gestorben und ich musste nach einem Neuen suchen, oder: Auf dem Weg zur Arbeit bat mich ein Nachbar, ihm beim Säen zu helfen. Ob ich wolle, dass sein Nachbar nicht richtig aussät?

Neben der eigentlichen landwirtschaftlichen Beratung gibt es aber auch den Wasserbausektor und das ist schon sehr interessant: Einmal sind das sehr große Brunnen, etwa zweieinhalb Meter im Durchmesser, die von unten her hoch gemauert werden (wenn sie nicht zu früh auf Wasser stoßen und dann nicht mauern können - dann bröckelt nur leider die Erde vom Rand her langsam wieder ins Loch) und der Bewässerung der Felder dienen. Zum anderen sind das aber die so genannten Kareze, in denen unterirdisch Wasser von Quellen an zu bewässernde Stellen gebracht werden. Manchmal sind das übermauerte Kanäle, manchmal aber sind es Stollen, die durch Berge getrieben werden. Das hat in Afghanistan seit vielen Jahrhunderten Tradition, wenn nicht länger (ich muss zugeben, dass ich nicht weiß, ob es nicht vielleicht schon viel älter ist). Leider hat UNHCR aus mir nicht bekannten Gründen die Unterstützung für diesen Teil des Wasserbaus eingestellt.

Zum Dritten gibt es dann noch die überirdischen, sichtbaren Kanäle, die ich immer wieder beeindruckend finde. Über viele Kilometer wird das Wasser vom eigentlichen Fluss- oder Bachbett abgezweigt, bis es dann irgendwann weit oberhalb des Talgrundes entlang fließt und so über viele Terrassen hinweg bewässern kann.

Es muss halt nur genug Wasser im Bach sein. Denn obwohl es jetzt schon seit fünf Wochen immer wieder regnet und das Grundwasser von Kabul inzwischen nicht mehr ganz so schrecklich schmeckt, wie am Anfang meiner Zeit, sind die Quellwasserreservoire in den Bergen noch lange nicht aufgefüllt. Die Bäche führen meist nur dann Wasser, wenn es gerade regnet. Darauf versiegen sie wieder.

Aber immerhin: Der Kabulfluss, der Panjir -Fluss, der Logar -Fluss, alles Flüsse hier in der Gegend, sie alle führen jetzt wieder durchgängig Wasser. Die Teppichverkäufer in Kabul, die ihre Stände im Flussbett hatten, mussten zum großen Teil dem Wasser weichen.

Kategorien:

Lesen lernen, ein Lehrer und Frustration über die eigene Arbeit mit den Lehrlingen


Nun ist das Ende meiner Dienstzeit immer absehbarer und ich will versuchen, noch möglichst viel aufzuschreiben, bevor ich alles vergesse. Diese Woche saß ich abends mit Ing. Mir Shah zusammen und dann kamen im Radio plötzlich die Namen meiner Lehrlinge und am Schluss auch mein Name. Hab ich mich aber gefreut! Da waren wohl an einem Tag, an dem ich noch nicht da oder schon weg war, ISAF- Soldaten im Hof erschienen und haben nach einem Musikwunsch meiner Leute gefragt.

Kategorien:

Religion in Afghanistan


Mitte März war ein hoher schiitischer Feiertag. Der war ein bisschen heikel, weil die Schiiten eine Minderheit in dem ansonsten mehrheitlich sunnitischen Afghanistan sind und dieser Feiertag irgendwie eine Erinnerung an einen Krieg zwischen den Glaubensrichtungen ist. Prompt gab es bei uns hier auf der Kreuzung auch eine kleinere Schlägerei zwischen Jugendlichen beider Gruppen. Ganz in der Nähe ist übrigens auch noch eine Moschee der Ismaeliten, die wiederum eine schiitische Abspaltung sind.

Kategorien:

Handwerk in Afghanistan: „Es macht wenig Sinn, sauberer zu arbeiten, als ein Kunde das wünscht.“

Ich denke, ein ganz wesentlicher Aspekt meiner Arbeit hier ist, dass ich völlig ohne Strom arbeite und alles, was ich lehre, sich nur auf Handarbeit bezieht. Das ist eigentlich nicht so die Stärke eines deutschen Handwerksmeisters, zum Glück aber meine. Meine Leute können sehr schnell arbeiten, im Allgemeinen schneller als ich. Aber auf dem Bazar und natürlich besonders bei meinen Lehrlingen, die zum Teil ja Anfänger sind, sehe ich sehr unsaubere Arbeiten. Maßhaltigkeit, genaue, saubere Verbindungen gibt es selten. Selbst Einnullah, mein Co-Teacher arbeitet nicht besonders sauber.

Kategorien:

Pages

Subscribe to Perspektive'89 RSS