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Die belgische Kolonialzeit in Ruanda und die einseitige Bevorzugung der Tutsi

Nach dem Abzug der deutschen Kolonialherren in Ruanda, wurde die auf rassistischen Vorstellungen über Ethnien basierende Politik von der folgenden Kolonialmacht Belgien fortgeführt. Vereinfachungen der ursprünglich durchaus komplizierten Zusammenhänge der Gesellschaftsstruktur trafen sie genauso rigoros wie ihre deutschen Vorgänger. So wurde der Grundstein für zukünftige Konflikte gelegt.

Der Konflikt zwischen Kapital und Globalisierungskritikern in Australien und die Ebene der Selbstsicht: Gramsci und Hegemonie

Inwieweit wird der ökonomische Konflikt zwischen den dem globalen Kapital verpflichteten Institutionen und den globalisierungskritischen Aktivisten in Australien auf der Ebene der nationalen und kulturellen Selbstsicht ausgefochten? Eine hilfreiche theoretische Plattform zur Erklärung der Zusammenhänge zwischen dem externen und dem intra-persönlichen Spannungsverhältnis liefert das Hegemoniekonzept von Antonio Gramsci, deren Applikation im Folgenden umrissen werden soll.

Neue Bedeutungen für die Bezeichnungen 'Hutu' und 'Tutsi' während der deutschen und belgischen Kolonialzeit

Schon seit Beginn der deutschen Kolonialmacht (1899) übten die deutschen Vertreter eine indirekte Herrschaft aus, da den Einheimischen zu jeder Zeit gewisse Machtpositionen eingeräumt wurden. Trotz indirekter Herrschaft muss sie sich mit ihrer Einteilung in eine Rassenordnung für die Grundsteinlegung der ethnischen Konflikte verantworten. Die zu deutschen Kolonialzeiten gestellten Weichen verhärteten sich irreversibel in der belgischen Kolonialzeit und führten 1994 letztendlich zu einem massenhaften, ethnisch begründeten Töten.

Die ersten europäischen Erkunder Ruandas und die deutsche Kolonialzeit

Als die ersten Erkunder des Landes 1894 Ruanda betraten und Recherchen über die „Ethnien“ Ruandas betrieben, waren sie sich nicht über deren Auswirkungen in der künftigen Kolonialzeit bewusst. Sie bereisten Afrika und berichteten als so genannte „Agenten der Zivilisation“ (so wurden die ersten Erkunder Afrikas – und damit auch Ruandas – genannt; vgl. Semujanga, 2003: 114). Schon bald versuchten sie – um ein klares, einfaches Gesellschaftsbild zu erhalten – alle Menschen in Rassen und Ethnien aufzuteilen.

Die Bedeutung der Begriffe 'Hutu' und 'Tutsi' im Ruanda vor der Kolonialzeit

Vor der Kolonialzeit wurden die Begriffe 'Hutu' und 'Tutsi' wesentlich flexibler genutzt als es nach der Eroberung der Fall war. Zudem gibt es keine Hinweise auf eine ethnische Gruppierung innerhalb Ruandas vor 1894. Obwohl die Bezeichnungen schon vor dem „Einfall der Europäer“ im späten 19. Jahrhundert existierten, variierten ihre Bedeutungen in Raum und Zeit.

Zuerst entschlüsselten die Begriffe 'Hutu' und 'Tutsi' die regionale Herkunft: Im Südwesten nannten die Menschen, die nicht aus Ruanda stammten, alle Einwohner Ruandas 'Tutsi' (vgl. Hoering, 1997: 18). Später brachte nicht die Abstammung, sondern vielmehr die Frage nach dem Reichtum und Status eines Einzelnen eine wesentliche Erkenntnis darüber, ob man Tutsi oder Hutu war. Ein bedeutsamer Indikator hierfür war die Größe des Viehbesitzes einer Person. Ein „Tutsi“ wurde erst als solcher identifiziert, wenn er eine gewisse Anzahl Vieh besaß, in ansonsten gehörte er zu der zahlenmäßig weit überlegenen Hutugruppe. Ein Hutu konnte also, nachdem er zu Reichtum gekommen war und sich davon Vieh kaufte, automatisch ein Tutsi werden. Weder seine eigene religiöse Überzeugung, noch irgendein traditionelles Ritual war bei dieser Bezeichnungsänderung ausschlaggebend; ganz im Gegenteil: Der Übergang von Hutu zu Tutsi (und umgekehrt) fand fließend statt. Gleiches galt bei Hochzeiten: Ein reicher Hutu durfte sich eine Tutsi zur Frau nehmen, was zur Folge hatte, dass von da an auch er zu der Volksgruppe Tutsi gehörte. Verarmte jedoch ein Tutsi, konnte ihm von seinen Angehörigen verwehrt werden, eine Tutsi zu heiraten. Er musste diesen sozialen Abstieg in Kauf nehmen und eine Hutu- Frau heiraten. Von nun an war auch er automatisch ein Hutu, was zeigt, dass die Bezeichnungen nicht absolut, nicht starr, sondern vielmehr fließend waren. Für den Vorgang des sozialen Auf- und Abstiegs gab es sogar Benennungen in der Sprache Kinyarwanda, was den Beweis mit sich bringt, dass dieses Phänomen keine Seltenheit war. Als sozialen Aufstieg benutzte man das Wort „icyhure“ und mit dem Begriff „umuwore“ kennzeichnete man den Abstieg von Tutsi zu Hutu (vgl. Harding, 1998: 18 f).

Diese Beispiele zeigen, dass die Ruander vor der Kolonialzeit nicht verschiedenen Ethnien angehörten, sondern vielmehr in soziale Kategorien eingeteilt werden konnten. Vielleicht trifft die Bezeichnung „soziale Klassen“ den Kern. Der eigene Erwerb des Einzelnen war ausschlaggebend für die individuelle Namensgebung 'Hutu’ oder 'Tutsi'. Da sich die ökonomischen Bedingungen stets verändern konnten, waren diese Bezeichnungen dynamisch veränderbar. Durch bspw. Fleiß, Heirat, Glück oder Arbeit konnte man in die jeweils andere Klasse auf- oder absteigen. Somit bestimmten diese Verhaltensweisen die Zugehörigkeit der Ruander. 

Lerntheorien und neuere kognitionswissenschaftliche Erkenntnisse: Implikationen für den Unterricht

Die wissenschaftlichen Positionen zum Lernen und Lehren (Lerntheorien) werden in diesem Beitrag anhand aktueller Literatur nachgezeichnet. Das Konstrukt der pedagogical content beliefs, wie es von Peterson et al. (1989) sowie Staub und Stern (2002) genutzt wird, stellt ältere Theorien zu den Teachers’ Beliefs und neuere kognitionswissenschaftliche Erkenntnisse gegenüber.

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