literatur

Die Russen kommen (Teil 1)

 

Nationalismus ist nicht das Erwachen des Selbstbewußtseins von Nationen:

Er erfindet Nationen, wo sie nicht existieren.“


Du hast gekocht als würden die Russen kommen!“

 

Du hast gekocht als würden die Russen kommen!

 

Russen, was für Russen? Wo kommen die her? Wieviele? Was wollen die hier? Und wie lange wollen die hier übernachten? Was für Russen?

Jan, mein Freund ...

Was für Russen, Kommode?

Armee.

Was, zum Übernachten? Du hast einen Haufen Russen eingeladen. Wo sollen die denn schlafen?

Jan, die Russen stehen vor Berlin.

Haha witzig, wie die Türken vor Wien, ja!

Nein, nicht wie Türken. Türken mit Pferden und kamen über Balkan. Russen haben Panzer und kommen durch Polen.

Polen, Polen, Kommode? Mit dem Zug oder mit dem Bus aus Polen, und wieviele, verdammt nochmal?!

„Der Fremde“ von Albert Camus

Die Handlung des Romans ist relativ einfach. Es geht im Wesentlichen um zwei Ereignisse - den Tod der Mutter Meursaults und den Mord an einem Araber. In dem Roman geht es aber nicht in erster Linie darum, was der Protagonist macht, sondern wie er es macht. Was den jungen Büroangestellten vor allem auszeichnet und ihn gegenüber anderen entfremdet, ist seine ungewöhnliche Gleichgültigkeit - gegenüber Dingen, Menschen, Ereignissen und sogar gegenüber seinem eigenem Schicksal. Die Gleichgültigkeit von Meursault ist ein schockierendes Element des Romans.

Albert Camus’ Verweigerung des Gottesglaubens

Ein Faktor, der für das gesamte Werk von Albert Camus eine gravierende Bedeutung hatte, war die Tatsache, dass der Schriftsteller nicht an Gott glaubte. Er war ein „incroyant décidé“, wie ihn sein Literaturlehrer an der Universität, Jean Grenier, nannte (Jean Grenier, `Préface´ à Albert Camus, «Théâtre, Récits, Nouvelles», Paris, 1962). Besonders aber lehnte Camus den christlichen Glauben ab, der für ihn viele Widersprüche enthält.

Es gab mehrere Gründe dafür, warum der junge Autor sich so vehement gegen die christliche Religion aussprach. Bereits in seiner frühen Jugend hat sich Camus vom Glauben entfernt, wenn dieser überhaupt irgendwann für ihn eine größere Rolle spielte. Camus kam aus einer armen Arbeiterfamilie, die in Alger lebte. Nach dem Tode des Vaters, der infolge der Verletzungen während der Schlacht an der Marne 1914 gestorben war, zog seine Mutter mit zwei kleinen Kindern zu ihrer Mutter in den armen Stadtviertel Belcourt. Um ihre Familie ernähren zu können, arbeitete sie als Putzfrau bei den wohlhabenderen Bewohnern Algers. Madame Camus und ihre zwei Söhne teilten die bescheidene Wohnung mit der strengen und despotischen Großmutter, die zu Hause herrschte, und mit ihrem ältesten Sohn. Keiner von diesen Familienmitglieder konnte lesen noch schreiben. Camus hat dies später, 1958, als wichtiges Merkmal seiner Kindheit betont hat:

[quote]„Personne autour de moi ne savait lire: mesurez bien cela“ [/quote]

Für dieses spezifische Milieu war die Kirche nicht nur wenig anwesend, sie erschien sogar als etwas Fremdes und Feindliches. Die Religiosität war sehr oberflächlich und begrenzte sich auf die Taufen und das letzten Sakrament. Der Katholizismus war in Alger vor allem eine Religion der Frauen, und sehr häufig auf der Devotion basiert. Die Unaufgeklärten, des Schreibens unkundigen Alten suchten einfach nach einer menschlichen Präsenz, die sie aus ihrer Langeweile und Einsamkeit herrauszog.

Die Religion, wie sie unterrichtet wurde, war eine strenge und beschuldigende Religion, denn sie legte einen großen Wert auf die Sünde, besonders auf die Sünde der Unkeuschheit. Junge Leute, die mit ihrer Lebensfreude das Leben genießen wollten, wurden von dieser Lehre entweder traumatisiert oder sie stellten sie in Frage.

Unter den armen Bewohnern Algers herrschte auch ein starker Antiklerikalismus. Der junge Camus spürte eine besondere Abneigung gegen die Geistlichen, da er während des Katechismusunterrichts, der ihn auf die erste Kommunion vorbereiten sollte, eine starke, unverdiente Ohrfeige vom Priester bekommen hatte. Diesen unbegründeten Angriff von Seiten des Kirchenrepräsentanten hat er nie vergessen. Auch anderes Geschehen hat Camus’ Verhältnis zu den Geistlichen beeinflusst, vielleicht noch mehr als die ungerechte Ohrfeige. Der beginnende Autor war Zeuge, als ein junger Priester mit voller Überzeugung sprach „wenn wir im Paradies sein werden...“. Diese Sicherheit, mit der der Geistliche diesen Satz aussprach, hat den heißblutigen Camus empört und in Verlegenheit gebracht. In seinem Tagebuch kommentiert er:

[quote]«Il y donc des hommes qui vivent avec une pareille certitude quand d’autres la recherchent à grands frais? (…) Sa sérénité m’avait fait mal. En d’autres circomstances elle m’aurait éloigné de Dieu. Elle m’avait alors profondément troublé.» (Albert Camus, «Carnets mai 1935-février 1942», Paris 1962, S.233) [/quote]

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