Bush singt Lennon-Song „Imagine”

Bereits seit einigen Monaten findet im P2P-Netz ein Cover-Song des bekannten Lennon-Stücks „Imagine“ aus dem Jahr 1971 seine Verbreitung. Der Song wird offensichtlich vom amerikanischen Präsidenten George W. Bush gesungen. Inzwischen kursieren zahlreiche Remixes im Web (ein Download von Mediacracy hier). Doch es stellen sich mehrere Fragen: Erstens, wieso wurde der Song (eine Privataufnahme?) ins Internet gestellt? Und zweitens, wieso singt der Präsident des mächtigsten Landes der Welt gerade diesen Song oder stammt die Aufnahme doch von jemand anderen?

Die Möglichkeiten eines Präsidenten der USA scheinen schier unbegrenzt. Georg W. Bush wird nach seiner Präsidentschaft vielen als Initiator und Visionär einer anderen Welt in Erinnerung bleiben. Doch wird Bush auch der Musikwelt in Erinnerung bleiben? Bisher waren die musikalischen Aktivitäten von Bush nur wenigen bekannt. Doch musikalische Qualitäten von amerikanischen Präsidenten sind nichts Ungewöhnliches. Auch vorherige Präsidenten, wie der ehemalige amerikanische Präsident Clinton waren für ihre Musikalität geschätzt. Insbesondere die Fähigkeiten Clintons als Bläser am Saxophon sind weit bekannt. Dies jedoch bereits vor der Zeit seiner Präsidentschaft.

Nun tauchte zum Erstaunen informierter Kreise ein Cover des Lennon-Songs „Imagine“ vom amerikanischen Präsidenten George W. Bush im Internet auf. Das Lied ist bereits seit einigen Monaten im Umlauf, wurde jedoch von den Medien bisher kaum beachtet. Auch in den oft vorpreschenden englischen Medien, wie dem linksliberalen Guardian oder den sensationsgierigen Sun und Mirror, war nichts hierüber zu lesen. Womöglich wird jedoch die Echtheit des Liedes angezweifelt. In der Tat ist der Ursprung ungeklärt. Weder vom Präsidenten selbst, noch aus dem Umfeld des Weißen Hauses wurden hierzu bisher Erklärungen abgegeben wurden.

Doch in Internetforen wird der Song bereits heiß diskutiert. Google listet unter den Stichwörtern „Bush + Imagine + Song“ bereits 11.700.000 Einträge. Das Lied gilt vielen auch bereits als eine Antwort auf kritischen Song „My Sweet Neocon“ der Rolling Stones über die Neokonservativen in den USA (Die alten Rocker und der große Knall).

[quote] You lie to your people and blame it on your war of course. […]
You call yourself a Christian, I call you a hypocrite.
You call yourself a Patriot. Well, I think, you are full of shit. […]
How come you're so wrong?
My sweet neo-con,
where's the money gone,
in the Pentagon. […]
It's liberty for all, democracy's our style,
unless you are against us, then it's prison without trial. [/quote]

George W. Bush antwortet nun hierauf nicht nur inhaltlich, sondern auch in musikalischer Hinsicht. Der Stil der Interpretation von „Imagine“ erinnert an Rap und Hip Hop, wenngleich Bush die Sprache der schwarzen Rapper an sich nicht imitiert. Stattdessen verwendet er seine Reden in der Öffentlichkeit und passt sie dem Musikstil an. Bush äußerte bereits früher seine Bewunderung für „Black Music“ (President Celebrates Black Music Month at the White House). Der Stil des Songs kann als Hommage an Größen wie Brian Burton a.k. DJ Danger Mouse angesehen werden. Dieser musste ein Album mit remixten Beatlesliedern auf Druck der Musikindustrie wegen angeblicher Copyright-Verletzung von seiner Homepage entfernen. Bush tut jetzt jedoch genau dasselbe. Ist dies ein unüberlegter Schritt? Werden sich hieraus Konsequenzen für den Präsidenten und möglicherweise gar ein Impeachment ergeben (Will Vermont Impeach George W. Bush?). Wie in Onlinekanälen bereits bemerkt wird, ist dies eher unwahrscheinlich, denn Bush steht mehr oder weniger am Ende seiner Amtszeit und hätte auch bei dem bisher sehr verhaltenem Medienecho nichts zu befürchten.

Die Cover-Version des Liedes ist musikalisch das Werk eine Fortgeschrittenen. Auf Hiphopmusic.com fragt man sich daher, ob Bush Hilfe hatte und wer ihm geholfen hat. Auch inhaltlich ist das Lied von John Lennon damals wie heute progressiv und stellt in diesem Sinne einen Gegensatz zu der bisherigen Politik George W. Bushs dar. Es könnte ein Zeichen des Präsidenten sein die bisherige Politik zu überdenken. Das Lied handelt von einer Welt ohne Religion in der die Menschen friedlich zusammenleben. Der Präsident ist bisher vor allem für seine Religiosität und aktive Militärpolitik bekannt.

[quote] Imagine there's no heaven
It's easy if you try
No hell below us
Above us only sky

[…]

Imagine there's no countries
It isn't hard to do
Nothing to kill or die for
And no religion too
Imagine all the people
Living life in peace
You may say,
I'm a dreamer
But I'm not the only one
I hope some day
You'll join us
And the world will be as one [/quote]

Die Motivation des Präsidenten bleibt unklar. Möglich ist auch, dass der Song in erster Linie wegen der schönen Melodie aufgenommen wurde. Obwohl das Lied der Politik Bushs inhaltlich widerspricht, kann nach Meinung von Spezialisten eine Fälschung ausgeschlossen werden, da es sich eindeutig um die Stimme von George W. Bush handelt. Dies bestätigen Vergleichstests von Wissenschaftlern. Unter Analysten gibt es auch Mutmaßungen über den Umstand der Veröffentlichung. Die Gerüchteküche brodelt. Eine anonyme Quelle aus dem Weißen Haus deutet darauf hin, dass der Präsident mehrere Songs für private Zwecke während der Sommermonate in Texas unter dem Einfluss der Friedensproteste mit Cindy Lee Miller Sheehan a.k. „Peace Mom“ ('Peace Mom' Hurt In Scuffle) aufnahm. Aufgrund der inhaltlichen Sprengkraft des Liedes verhinderten Umgebene und vor allem Condolezza Rice jedoch eine offizielle Veröffentlichung genauso wie ein Zusammentreffen mit Sheehan. Aus dem Umfeld des Präsidenten wurde ein Stück dann dennoch wahrscheinlich heimlich in P2P-Netzwerke eingespeist, heißt es.

Eine andere jedoch unwahrscheinlich erscheinende Möglichkeit könnte ebenfalls sein, dass das Lied Teil einer neuen und progressiven Strategie der Informationsverbreitung ist. Versuche in dieser Richtung wurden bereits mit dem Büro für strategische Kommunikation (Strategic Communications and Planning Office) gestartet, das jedoch aufgrund von Einwenden auf Eis gelegt wurde. Der Song würde als ungewöhnliche PR-Maßnahme für den Präsidenten und die USA durchaus in dieses Konzept passen. Eine derartige Strategie wäre ein völlig neuer Ansatz. Hierdurch erreichen Informationen der US-Regierung auch Schichten, die in bisherigen Medienstrategien der US-Regierung außen vor blieben. Die Veröffentlichung des Liedes könnte ein Test für derartige Strategien des Weißen Hauses sein. Aufgrund spärlicher Informationen müssen derartige Erklärungen jedoch als rein spekulativ angesehen werden. Sehr fraglich ist zudem, dass es in die außenpolitische Agenda passt (Außenpolitische Einflüsterer).

Ist die neue Strategie des Weißen Hauses nach hinten losgegangen? In anonymen Onlinekanälen im Internet wird hierüber heiß diskutiert. So oder so geht man jedoch davon aus, dass das Weiße Haus von der Veröffentlichung profitieren wird. Frei nach der Devise „Jede Nachricht ist eine gute Nachricht“ (BBC: When bad news is 'good news'). Inwieweit und ob der Song sich überhaupt auf kommenden Kongress- und Senatswahlen auswirken wird, ist vor allem in Bezug auf schwarze Wählerschichten nicht abzusehen.

Das Weiße Haus nahm bisher gegenüber Anfragen generell keine Stellung. Solange hier keine Reaktionen erfolgen, werden wahrscheinlich weiterhin wilde Verschwörungstheorien durch die Netzwelt geistern. Diese wirken oft vollkommen abstrus, jedoch bauen sie auf einigen bekannt Fakten auf, die bereits in anderen Zusammenhängen publik wurden. Einige Erklärungen fußen auf Berichten des amerikanischen Journals „TheOnion“. Hier wurde berichtet, dass Cheney das Telefonsystem des Weißen Hauses missbraucht hatte, sich über das Telefonsystem als Gott ausgegeben mit dem Büro von Bush verbunden hatte und Bush als göttliche Stimme Anweisungen gegeben hatte (Voice Of God Revealed To Be Cheney On Intercom). Auch die BBC (White House denies Bush God claim) und die israelische Zeitung Haaretz hatten schon früher berichtetet (PM Abbas tells Hamas), dass Bush behauptet, er kommuniziere mit Gott und erhalte im Weißen Haus Anweisungen von ihm. Jetzt stellte sich jedoch heraus, dass dies offensichtlich Cheney war. Träfe dies zu, könnte Bush die Aufnahme auch aus einer anderen Motivation heraus gemacht haben – einfach um sich an Cheney zu rächen. Möglicherweise ist das Lied eine Möglichkeit diesen Betrug zu verarbeiten und nun auf eine andere friedlichere Politik umzuschwenken. Er könnte somit mit Ankündigungen in Zusammenhang gebracht werden, Soldaten aus dem Irak abzuziehen und eine neue Friedenspolitik in der Welt einzuleiten (President Discusses War on Terror and Rebuilding Iraq). Die kommenden Monate werden hierzu weitere Aufklärung bringen.

Im Netz kursieren bereits zahlreiche remixte Versionen. Darunter auch eine Version bei der am Anfang eine Stimme mehrmals "Fu*k" sagt. Unklar ist, ob es sich auch hier ebenfalls um die Stimme des Präsidenten handelt oder einer anderen Person. Hier könnte es sich auch um den Gag der australischen Gruppe Mediacracy, die den Song bereits bearbeitet und neu veröffentlicht hat.

Auswirkungen der Maquiladora-Industrie in Mexiko

Maquiladoras sind Montagebetriebe in freien Produktionszonen in Mexiko, die das Halbfertige zu dreiviertel- oder ganzfertigem für den Export zusammensetzen. Durch Initiativen der mexikanischen Regierung konnten zahlreiche Jobs in der Maquiladora-Industrie geschaffen werden. Hierbei handelt es sich in der Regel um einfache Arbeiten, die oft unter prekären Arbeitsbedingungen abgeleistet werden müssen. Aufgrund des starken Ressourcenverbrauchs hat die Maquiladora-Industrie zudem negative Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der Bevölkerung. Weiterhin erscheint das Modell nicht zuletzt aufgrund der einseitigen Exportabhängigkeit der Betriebe von den USA kaum bestandsfähig.

Seit den späten 1930er Jahren wandte Mexiko ein Handelssystem basierend auf dem Import-Substitution-Industrialization-Modell (ISI) an. Dies wurde als der beste Weg die mexikanische Wirtschaft aufzubauen und die Abhängigkeit von importierten Produkten zu verringern, propagiert. Das ISI-System basierte unter anderem auf der Idee die heimische Produktion und Wirtschaft durch protektionistische Maßnahmen, wie zum Beispiel Einfuhrzölle, zu schützen. Die ersten Maquiladoraprogramme wurden in den 1960er Jahren von der mexikanischen Regierung angeregt. Es war eine radikale Kehrtwende vom ISI-Modell. Das neue Wirtschaftsprogramm erlaubte ausländischen Firmen nun entlang der amerikanisch-mexikanischen Grenze fast steuerfrei zu produzieren und zollfrei Handel mit den USA zu treiben. Die Maquiladora-Initiative wurde in dieser Zeit jedoch noch nicht als ein alternatives Modell zur Industrialisierung gesehen, sondern vielmehr als eine Politik der Migration und Arbeitsbeschaffung.

Das erste Maquiladora-Programm, das Border Industrialization Program (BIP) wurde 1965 unter der Regierung von Präsident Gustavo Diaz Ordaz gegründet. Die Ziele des Programms waren vielseitig. Zum einen sollte es die Wirtschaft der Grenzstaaten im nördlichen Mexiko stimulieren und zur Entlastung des riesigen Ballungsraumes Mexiko City beitragen. Dies sollte ferner zu einem Anstieg des Lebensstandards der Menschen im nördlichen Mexiko führen sowie den mexikanischen Markt im inneren Teil des Landes aufbauen. Zum anderen bestand das Ziel des Programms darin, eine Arbeitsmöglichkeit für Tausende von arbeitslosen mexikanischen Arbeitern zu schaffen, die aus den USA zurückkehrten, nachdem das Bracero-Programm 1964 scheiterte. Das Bracero-Programm wurde während des 2. Weltkrieges von der amerikanischen Regierung gegründet, um mexikanischen Bauern eine Perspektive zu geben. Als diese dann in ihr Heimatland zurückkehrten, siedelten sie oft in der Grenzregion. Hier wurde zollfreie Produktionszonen eingerichtet. Die Einrichtung dieser Zonen lockte zahlreiche ausländische Investoren an. Maquiladoras entstanden hier ferner aufgrund der Exportausrichtung der Industrie grenznah zu den USA.

Durch das Wachstum der Maquiladoras hat sich die Grenzregion von einer wirtschaftlichen Einöde zur dynamischsten Wirtschaftszone Mexikos entwickelt. Seitdem ist die Arbeitslosigkeit kontinuierlich gesunken und das Wirtschaftswachstum rund doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt. Trotzdem genießen die Maquiladoras keinen guten Ruf. Niedrige Löhne, mangelnde Sicherheit, schlechte Arbeitsbedingungen, Verbot von Gewerkschaften und ständige Angst vor Entlassung machen die Fabrikanlagen zu einem sehr instabilen und teilweise gefährlichen Arbeitsumfeld. Daneben wirkt sich die Umweltverschmutzung und der starke Ressourcenverbrauch, insbesondere der Wasserverbrauch, auf die Lebensverhältnisse der Bevölkerung aus.

Im Jahre 1980 befanden sich  620 Maquiladoras entlang der Grenze zu den USA. 120.000 Menschen waren dort beschäftigt. 1986 trat Mexiko dem General Agreement on Tariffs and Trade (GATT) bei. Diese Veränderungen führten auch in anderen Teilen des Landes zu einer Etablierung von Maquiladoras. 1990 wurden mehr als 400.000 Menschen in 1500 Maquiladoras beschäftigt. Die Maquiladora-Industrie dominiert jetzt ebenfalls den Textil- und Manufaktursektor. Auch auf die Verteilung der industriellen Wertschöpfung Mexikos hatte die Entwicklung Auswirkungen. Während der Anwendung des ISI-Modells waren ca. 40% der industriellen Produktion in Mexiko City konzentriert. 1990 bestimmte die Maquiladora-Industrie immerhin 25% der Produktion Mexikos und war vornehmlich im Norden Mexikos angesiedelt. Den größten Einfluss auf das Maquiladora-Programm hatte folgend die Unterzeichnung der NAFTA (North American Free Trade Agreement) 1994. Dies führte zu einem weiteren Anwachsen der Anzahl von Fabriken und Beschäftigten.

Die Stadt Juárez kann als ein Paradebeispiel für die Auswirkungen der Maquiladora-Industrie gelten. Der Zustrom von Arbeitern bewirkte in der Cuidad Juárez einen immensen Bevölkerungszustrom. In weniger als 40 Jahren schwoll die Stadtbevölkerung von 200.000 im Jahre 1965 auf nahezu zwei Millionen im Jahr 2005 an. Innerhalb von fünf Jahrzehnten wächst die Stadt von einer unbedeutenden Grenzstadt zur fünftgrößten Stadt Mexikos. Dort werden mittlerweile 1,6% des gesamten Bruttoinlandsprodukts Mexikos erwirtschaftet, befinden sich 15% aller mexikanischen Maquiladora-Betriebe und arbeiten knapp ein Drittel aller Maquiladorabeschäftigten. Ende der 90er Jahre entstehen jährlich rund 30.000 neue Arbeitsplätze. Im Jahr 2000 befinden sich in Juárez 312 Maquiladoras mit 265.000 beschäftigten Arbeitern. Die Ciudad Juárez steht in Mexiko an erster Stelle der Beschäftigten in Maquiladoras.

Das Maquiladora-Programm hat sich von einem regionalen Entwicklungskonzept zu einem nationalen Modell entwickelt. Anstatt nur den Beschäftigungszuwachs und die industrielle Entwicklung an der nördlichen Grenze anzukurbeln, dominiert es nun die industrielle Entwicklung ganz Mexikos. Das Maquiladora-Programm führte zu Wachstum und der Schaffung vieler Arbeitsplätze. Kann man das Programm demnach als erfolgreich bezeichnen?

Es ist richtig. Einige der gestellten Ziele sind verwirklicht worden. Die industrielle Produktion an der nördlichen mexikanischen Grenze wurde angeregt und entwickelte sich. Das ursprüngliche Ziel, Männer, die am Bracero-Programm mit den USA teilgenommen hatten, zu beschäftigen, schlug jedoch fehl. Im Endeffekt wurden und werden vor allem Frauen in den Maquiladoras beschäftigt. Die Zahl der weiblichen Fabrikarbeiterinnen stieg bis zum Jahr 1980 sogar auf 80%. Probleme im Zusammenhang mit der Maquiladora-Industrie ergeben sich insbesondere mit dem enormen Anstieg der Bevölkerungszahl in den Grenzstädten zu den USA. Die meisten davon in Wüstengegenden mit sehr limitierten Wasserressourcen.

Das exponentielle Wachstum der Bevölkerung führt zudem zu einer Überlastung der lokalen Infrastruktur. Diese kann nicht in dem Tempo angepasst werden, wie dies im Hinblick auf den Bevölkerungsanstieg notwendig wäre. Verlotterte Siedlungen mit mangelnder Strom- und Trinkwasserversorgung im Umkreis der Städte sind eine Konsequenz des „Erfolgs“ der Maquiladora-Industrie. Hier wohnen die Beschäftigten der Fabriken. Überraschend ist, dass die Mehrzahl der Migranten Gegenden in Mexiko verlassen haben, in denen sie abgesehen von  einer Beschäftigung, bessere Lebensbedingungen hatten. In Juárez besitzen sie zum Beispiel außer einer Arbeit meist nichts. Als ein Modell, anspruchslose Jobs zu schaffen, ist das Maquiladora-Programm zwar als erfolgreich anzusehen. Dennoch, das Programm und die Auswirkungen haben die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Bevölkerung nicht verbessert, sondern in vielerlei Hinsicht in der Tat verschlechtert. Trotzdem, die Maquiladoras sind auch weiterhin ein Anziehungspunkt für mexikanische Arbeitssuchende. Sie haben oft keine andere Wahl, als hier ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Im Hinblick auf das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung muss die Verbreitung der Maquiladora-Industrie mit ihrem großen Ressourcenverbrauch und häufig verbundenen Umweltverschmutzungen ebenfalls sehr kritisch betrachtet werden.

Ein weiteres Problem für die Maquiladora-Industrie an sich offenbarte sich in den vergangenen Jahren. Die mexikanische Wirtschaft und der Maquiladora-Sektor im speziellen sind aufgrund einer einseitigen Exportausrichtung vom amerikanischen Markt abhängig. So war es auch keine Überraschung, als die amerikanische Wirtschaftskrise im Jahr 2000 einen starken Einfluss auf die mexikanische Wirtschaft ausübte. Manche Analytiker sprachen in dieser Zeit von einem Zusammenbruch des Maquiladora-Sektors. Diese Krise verzeichnet bis Mitte des Jahres 2003 142 Maquilas, 45% der Fabriken (!) die ihre Tore schließen mussten.

 

Quellen und Verweise 

Alscher, Stefan (2001): Märkte, Migration, Maquiladoras: Auswirkungen des Freihandels auf Migrationsprozesse aus regionaler Perspektive (Tijuana/San Diego),Berlin.

Klagsbrunn, Viktor (Hg.) (1986): Lehrforschungsprojekt Mexiko: Veränderungen der  Sozialstruktur und Migration in Mexiko, Berlin 

Martínez, Oscar (1996): U.S.- Mexico Borderlands: Historical and Contemporary Perspectives, Washington.

Sklair, Leslie (1993): Assembling for Development: The maquila industry in Mexico and the United States, San Diego. 

Fischer, Karin; Novy, Andreas; Parnreiter, Cristof (Abruf 30. März 2006): Globalisierung und Peripherie. Umstrukturierung in Lateinamerika, Afrika und Asien. Frankfurt am Main: Brandes und Apsel, Wien: Südwind 1999 (Historische Sozialkunde 14). URL: http://vgs.univie.ac.at/VGS_alt/HSK14.html

Witerich, Christa (Abruf 30. März 2006): Gender matters. Zur Vergeschlechtlichung von Arbeit auf globalisierten Märkten. Aus: Werkstattgespräch, Berlin 21./22.Januar 2000, Karl Dietz Verlag Berlin (gekürzt). Verantwortlich für das Zitat: Heidi Ambrosch. URL: www.kpoe.at/progdisk/forum/59.html