International

Leben und Arbeiten in Afghanistan: Flug und Ankunft in Kabul

Von November 2002 bis April 2003 war ich mit einer deutschen Entwicklungshilfe-Organisation in Afghanistan. Dankbar für diese Möglichkeit, habe ich ein erstaunlich vielseitiges und interessantes Land kennen gelernt: Durch die Taliban-Herrschaft traumatisierte Menschen, karge, aber wunderschöne Landschaften, Ruinen-Viertel und zahlreiche Neubauten, Gastfreundschaft und eindrucksvolle Persönlichkeiten, Straßen voller Bettler und im Frühjahr endlich wieder grüne Felder sind nur ein paar Stichworte aus vielen Begegnungen.

Perfekte Erlebniswelten: Die Mall of America

Ein perfektes Bespiel für ein erfolgreiches Mega-Mall-Konzept ist die wahrscheinlich imposanteste Mall, die je in den Staaten, der Mall-Heimat gebaut wurde: die stolz genannte „Mall of America“ in Bloomington, Minneapolis (Minnesota). Am 11. August 1992 eröffnet, gilt sie als die größte überdachte Mega-Mall der USA, und als die meist besuchte weltweit. Das Eigentum von Melvin and Associates, Teachers Insurance and Annuity und Ghermezian‘s (Triple Five Group) ist 700 m lang, 500 m breit und könnte 20 mal den Petersdom unterbringen. Auf der 390.000 m2 Gesamtfläche befinden sich 520 Geschäfte, die 650$ Millionen jährlichen Umsatz erzielen, darunter 100 Kleidergeschäfte, 25 Schuhläden, 10 Spielzeugläden, 6 Buchläden, technische Geschäfte, Geschenkartikel- und Devotionalienläden, Europäische Geschäfte, Geschichte-Läden, Platten-Läden, Naturkostzentren, Haushalts-, Möbel- und Ausrüstungsläden, Kunstgalerien, ein Hochzeitladen „Chapel of Love“, Warner Brothers Studio Store, Walt Disney Store und viele andere Geschäfte, bei denen das eigentliche Angebot unklar bleibt (Alchemie, Wissenschaftsläden).

Die quadratische Grundstruktur der Mall bilden 4 Großkaufhäuser (separate architektonische Gebäude mit eigenem Eingang) - Bloomingdale's, Macy's, Nordstrom und Sears. Neben den zahlreichen Geschäften findet man in der MoA auch diverse Dienstleistungen wie z. B.: Frisöre, Schönheitssalons, eine Reinigung, eine Schneiderei, Ärzte und Zahnärzte, ein Postamt, und sogar eine Kirche. Nationale und internationale Gastronomie mit ländertypischen Zutaten kann in 20 Sit-down Restaurants, 30 Fast-food Restaurants, 36 specialty-food-stores und mehreren Bars und Cafes genossen werden. Abgesehen vom Standard-Angebot bietet die Mall auch spezielle Attraktionen, zu den 14 Kinos, mehrere, Schaubühnen und Nightclubs, ein Grand Casino (Jackpot), ein Golf Mountain (Mini Golf), ein riesiger Freizeitpark, ein Lego-Zentrum, ein Dinosaurier-Museum, ein Aquarium, ein NASCAR Silicon Motor Speedway und A.E.A.S. Flight Simulation gehören. Weitere Besonderheiten der Mall machen zahlreiche Live-Events und VIP-Auftritte aus. In der Mall of America arbeiten das ganze Jahr über 11.000 Angestellte, im Sommer und an Feiertagen sogar 13.000, darunter 140 Reinigungskräfte. Die Polizisten, die in der Mall Aufsicht halten sind besser bezahlt als ihre Kollegen „draußen“.

Die von Montag bis Sonntag geöffnete Mall produziert täglich 14 Tonnen Müll, wobei sie eine eigene Müllentsorgung besitzt. Neben fast 13.000 Parkplätzen und 3.000 echten Pflanzen kann die Mall mit 22 Geschmacksrichtungen und Farben von Popcorn werben. Die Mall of America ist ein Erfolgsbarometer und ein Testort für viele neue Geschäfte und Produkte – wenn es hier funktioniert, wird es auch anderswo Erfolg haben.

Mall-Besucher

Open Source for Developing Countries: Looking for Penguins at the Horn of Africa

In April 2004, Jan Muehlig and Jutta Horstmann of relevantive AG set out to Addis Ababa, Ethiopia. The aim is to set up a project that might support Ethiopian people in connecting to the new possibilities offered by Open Source Software and to make use of them in a sustainable way. This included providing knowledge on open source technologies, initiating a project that might work as a blueprint for similar future projects in Ethiopia or other African countries and last but not least understanding and gathering knowledge on culture specific usage of technology.

Un-Australische Demonstranten

Der Konflikt um die kulturelle Identität der globalisierungskritischen Bewegung in Australien wird verschärft durch die Form des Ausschlusses von Demonstranten durch die Regierenden. Premier Bracks und Premierminister Howard sprechen ihnen beide die Zugehörigkeit zur Gruppe der Australier ab. Dies geschehe aufgrund ihrer militanten Taktiken und der Verweigerung von Kooperation. Die Rhetorik lässt in ihrer Klarheit auf eine Strategie aus dem Register sozialer Kontrolle schließen: Die öffentliche Herabsetzung. Dabei werden Mitgliedern der Gruppe in einem zeremoniellen Akt bestimmte Zugehörigigkeitssymbole und Rechte zeremoniell aberkannt, um ihr Verhalten im Nachhinein in den Augen der anderen Gruppenmitgliedern zu stigmatisieren und für die Zukunft zu tabuisieren.

Anschaulich erklärt wird die Methode auch in Roach-Anleu, Sharyn.
[quote] „Deviance and Social Control.“ In: Jureidini u. Pool [Hrsg.], 2003. S. 124. „Labelling theorists stress that becoming deviant, or acquiring a deviant self identity, is a process and does not automatically follow rule-breaking behaviour: it depends on a social audience's enforcement of a rule, which may entail a degradation ceremony in which an actor's public identity is ritually destroyed and replaced by another lower status with associated traits, which becomes the most important component of an individual's identity.“ [/quote]

Es geht in der Interpretation von S11 im Jahr 2000 in Melbourne also auch darum, was für australische Bürger zulässig ist. Damit ergibt sich die Frage, ob Widerstand gegen ein als ungerecht angesehenes Gesetz nun dem Australischen Selbstbild entsprechen soll oder nicht. Diese Fragen gehen über rein wirtschaftliche Aspekte hinaus und berühren kulturelle und nationaltheoretische Themenkomplexe. Es wird im Weiteren also auch darum gehen, herauszufinden, inwieweit sich tatsächlich ein solcher intra-persönlicher Konflikt abspielt, und inwieweit sich globalisierungskritische Demonstranten via den radikal-demokratischen, kanonischen Mythen für ihren Aktivismus motiviert sehen. Kurz, inwieweit wird der ökonomische Konflikt zwischen den dem globalen Kapital verpflichteten Institutionen und den Aktivisten auch auf der Ebene der nationalen und kulturellen Selbstsicht ausgefochten?

Klassenkampf versus kulturelle Identität in der globalisierungskritischen Bewegung Australiens

Maron Diani stellt in seinen Ausführungen über soziale Bewegungen die nahe liegende Frage, was bei den Differenzen zwischen einzelnen Gruppen und Individuen innerhalb der globalisierungskritischen Bewegung Australiens das Gemeinsame und Verbindende ist. Über dem gemeinsamen Verlangen nach weltweiter Gerechtigkeit hinaus, bleibt das Problem der eigentlichen kollektiven Identität bestehen: [quote]Those counter-cultural movements which alternate sudden explosions of protest with long periods of latency may be analysed in this light, for example. In their case collective identity provides the link between occasional outbursts which would be otherwise unexplainable. (Diani, Marion. „The Concept of Social Movement“. In: Nash, 2000, S. 168) [/quote]

Spannungsverhältnisse in der globalisierungskritischen Bewegung Australiens

Im folgenden Beitrag möchte ich der Frage, was die „globalisierungskritische Bewegung“ in Australien ausmacht, anhand von drei Spannungsverhältnissen nachgehen: Dem externen, dem internen und dem intra-individuellen. Hierzu definiere ich die von der Bewegung anvisierten Gegner wie zum Beispiel die WTO, der WEF sowie der IMF. Demfolgend analysiere die unterschiedlichen ideologischen Anschauungen und Organisationsformen innerhalb des Spektrums der Aktiven, die sich vorwiegend als politisch links einordnen lassen.

Definitionen und Gegner

Das erste spannungsgeladene Verhältnis ist das externe: Auf der einen Seite die Bewegung, auf der anderen Seite der Gegner, bzw. die Institutionen wie die WTO, deren World Economic Fora (WEFs), der International Monetary Fund (IMF), das internationale Hochfinanzwesen und die nationalen politischen Institutionen und Entscheidungsträger die erstere unterstützen. Die Arbeit all dieser ist kritisch zu beleuchten und die negativen Auswirkungen ihrer Entscheidungen einer breiten Öffentlichkeit zur Kenntnis zu bringen. Das könnte erst mal als Minimalkonsens angenommen werden. Dabei passen die Antiglobalisierungsaktivitäten in Australien als ganze in die Schablone anderer sozialer Bewegungen, deren gebräuchliche Definitionen sich relativ ähnlich sind, wie etwa die folgenden von dem indischen Soziologen Zirakzadeh:

[quote]Contemporary social movements comprise a group of people who consciously attempt to build a radically new social order; involve people of a broad range of social backgrounds; provide an outlet for political oppression by the non-powerful, non-wealthy and non-famous; and deploy confrontational and socially disruptive tactics, involving a style of politics that supplements or replaces conventional political activities like lobbying or working for a political party. (Zirakzadeh, 1997, S. 4f. Zitiert nach Burgmann, 2003, S. 3) [/quote]

Das Zitat beschreibt nicht nur die Bewegung, sondern definiert in der Umkehrung noch einmal, mit wem sie im Konflikt steht: mit den Mächtigen, Reichen, Berühmten, unkritische Parteipolitikern und Lobbyisten. Eine ähnliche Definition stammt von dem amerikanischen Kulturwissenschaftler Diani:

[quote] There are at least four aspects of social movement dynamics: (a) networks of informal interactions; (b) shared beliefs and solidarity; (c) collective action on conflictual issues; (d) action which displays largely outside the institutional sphere and the routine procedures of social life. (Diani, Mario. „The concept of social movements“. In: Kate Nash, 2000, S. 160) [/quote]

Diese vier Aspekte wurden zum Beispiel im Vorlauf zu S11 demonstriert. Normalerweise operieren die verschiedenen Gruppen in Melbourne relativ unabhängig voneinander, zum Teil weil sie in starker Konkurrenz um eine relativ kleine Mitgliederbasis miteinander stehen. Nachdem sich jedoch Anfang 2000 abzeichnete, dass sich im September eine Gelegenheit ergeben würde, gemeinsam gegen die Vertreter der globalen Kapitals vorzugehen, begannen sich diejenigen, zwischen denen philosophisch-politische Anknüpfungspunkte bestanden, für die Vorbereitungen einer Massenaktion zusammen zu tun (b). Zwei Allianzen bereiteten auf wöchentlichen Treffen unabhängig voneinander Aktion vor (a) - zunächst noch getrennt nach dem Grad der Militanz. Nach zähen Verhandlungen einigte man sich schließlich doch, gemeinsam eine Blockade zu versuchen und diese mit anderen Methoden des Protestes zu ergänzen (c,d).

Verity Burgmann fasst es noch einmal zusammen wenn sie schreibt:

Antiglobalisierungsaktivismus in Australien und die S11-Proteste in Melbourne

Wie in vielen anderen Nationen sind auch in Australien bis in die späten 1970er die Fronten geklärt. Es gibt eine Vielzahl von Gewerkschaften, deren gemeinsame Interessen in einer Partei, der ALP, gebündelt sind. Mit der Wahl des ersten ALP Premierministers Gough Whitlam 1970, drückt sich auch der Fortschritt eines gesamtgesellschaftlichen Wandels aus. Ab Mitte der 80er Jahre wird aus der Arbeiterpartei jedoch eher eine politische Alternative für das Kapital (Burgmann) – das Pro-Kopf-Einkommen von Arbeitern geht um mehr als zehn Prozent zurück, während die Profitraten sich verzehnfachen. Wachsender Unmut in der Bevölkerung zieht Konsequenzen nach sich. 1996 macht die offen rassistische und national-isolationistische One Nation Partei Furore. John Howard und die Liberals übernehmen die Regierung und beschleunigenden den wirtschaftlichen und kulturellen Globalisierungsprozess. Auf dem linken Flügel des politischen Spektrums mangelt es indes an einer ernsthaften politischen Alternative. Die nach dem Vorbild von Seattle organisierte Blockade des World Economic Forums im Crown Casino im September 2000 in Melbourne wird im Allgemeinen als der Start-, zugleich aber auch als der Höhepunkt, der neuen globalisierungskritischen Bewegung angesehen. Hatten in den 80er und 90er Jahren die verschiedenen Gruppen am linken Rand des politischen Spektrums ein Nischendasein gefristet, vereinigen sie hier fast über Nacht viel Aufmerksamkeit auf sich. Inspiriert von S11 versucht die Szene zwei Neuauflagen im folgenden Jahr. Zwar beteiligten sich tausende Menschen, jedoch kann die Bewegung nicht den gleichen Enthusiasmus hervorrufen. Für den Plan, weitere S11-ähnliche Blockaden zu veranstalten, ist es ein besonders harter Schlag, dass - ausgerechnet am Jahrestag von S11 - die Attentate auf das World Trade Centre stattfinden. Medienberichten zufolge verschwindet die Bewegung nach nur einem Jahr Aktivität. Dem würde ich entgegen halten, dass sich nur der Fokus der Aktionen verschob, die Aktivisten und die Studenten nicht verschwanden. So werden zum Beispiel von denselben Gruppen und Aktivisten von November bis Februar 2003/2004 ausgedehnte Antikriegsproteste organisiert, an denen nach vorsichtigen Schätzungen bis zu 500 000 Australier teilnahmen. Die globalisierungskritische Bewegung hat sich in ähnlicher Manier wie 2000 unter anderem Namen und mit einem anderen Ziel wieder zusammengefunden.

Pages

Subscribe to RSS - International