Meine Frau Svenja zu Besuch in Afghanistan


Ja, und dann kam meine Frau Svenja mich in Hezarak besuchen. Erst war es überhaupt nicht klar, ob sie mit nach Hezarak kann. Weder Entwicklungsdienst-Anders noch ZIM- Van den Berg noch NGE- Beckum wollten sich daran die Finger verbrennen. Nur die NGE- Afghanen sagten von Anfang an: kein Problem! So war es denn auch. Wir waren insgesamt dreimal zwei Tage in Hezarak, eine Nacht ist Svenja wegen Bauchschmerzen nach Kabul zurückgefahren.

Svenja war die einzige Frau auf dem Hof während dieser Zeit (nur im Auto saßen mal zwei Frauen unter dem Tschadori mit dabei) und hat viel mitgearbeitet. Schon das allein war für mich toll. Zum Beispiel, weil endlich mal die Kommunikation einfach war und es auch mit dem Container voranging. Mehrere dieser Tagen waren (unerwarteterweise) arbeitsfreie Tage aus, so dass wir auf dem Hof teilweise nur mit einem oder zwei der Intellektuellen waren.

In der einen Nacht, in der Svenja wieder nach Kabul gefahren ist, war ich sogar mit zwei der Wachleute allein. Mir war das auch nicht ganz geheuer, so dass ich ganz froh gewesen war, dass Svenja nicht in Mundul geblieben ist.

Ich hatte die ganze Zeit, auch in Kabul schon, sehr große Sorge, dass Svenja etwas passieren könnte. Mir war klar, dass ich mir mein Leben lang dann Vorwürfe machen würde.
Unter den NGE-Leuten, den Intellektuellen, den Köchen, Wächtern und so, fühlte ich mich mit Svenja aber sehr sicher. In die Gespräche abends mit Hermid, Samea, Mir Shah, Mir Wais, Khalid, Haschir und Said Machmat wurde sie vollständig mit einbezogen, wenn auch mit ein bisschen Scheu. Es war schön zu erleben, wie die Ingenieure ihre Herzlichkeit auch gegenüber Svenja zeigten. Schön auch, Svenja inmitten der Schreinerjungs arbeiten zu sehen. Die haben sich, glaube ich, auch bald an sie gewöhnt.

Beide hatten wir mehr Lust, nach dort oben zu fahren, als in Kabul zu bleiben. Zwei der sechs Tage, die ich mit ihr in Hezarak war, waren Urlaubstage von mir gewesen. Am 5. Januar (Sonntag, also Wochenanfang) fuhren wir wieder nach Hezarak. Ein Teil der Möbel sollte geliefert werden und ich zeigte den Weg. Die Möbelfirma hatte sich bereit erklärt, die Möbel bis Hezarak zu liefern. (Fast) europäische Qualität, schöne, helle Möbel aus einer Kiefernart, aber eben auch europäische Preise: Ein Stuhl 50,- Euro, für afghanische Verhältnisse also unglaublich teuer.

Oft hörte ich das afghanische Sprichwort: Man sieht, dass Deine Frau da ist, Deine Augen glänzen!

5.Januar

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