Durch Ouagadougou wie ein alter Burkinabé, die Welt zwischen Diplomaten und unvorstellbarer Armut und zwei Hühner auf dem Moto

Nach vier Wochen in Ouagadougou gefällt es mir echt gut, langsam Dödel ich durch die Straßen wie ein alter Burkinabé und es ist einfach schön, Orte zu haben, die man kennt (ich habe jetzt schon mein Lieblingscafé gleich nebenan und einen guten "Bäcker", zu dem ich jeden Morgen gehe). Für mich ist das ein wichtiger Unterschied zu einem touristischen Aufenthalt. Ich merke langsam, dass ich hier lebe, hier wohne, auch wenn mir täglich an die 50mal "Nassara – Weißer auf Mooré" entgegen schrien wird, was mich dann doch daran erinnert, dass, egal wie wohl ich mich hier fühle, ich für die anderen Einwohner immer eine Fremde bleiben werde – Die Hautfarbe ist einfach zu eindeutig (auch wenn ich mich wahnsinnig bemühe dagegenzuwirken…). Ja, ansonsten arbeite ich jede Tag in der Botschaft und ich habe mich mit ein paar Mitarbeitern angefreundet. Ist komisch hier in den beiden Welten, der Welt der feinen Diplomaten mit Pool, Köchin etc pp. und der schlimmsten Armut, die man sich vorstellen kann. Mein Gemüt wechselt ständig, mal komme ich mit der Armut "gut" zurecht und arrangiere mich mit ihr, mal eben nicht. Aber ich glaube, dass das normal ist.

Ansonsten mache ich gerade meine Recherche bezüglich meiner Abschlussarbeit. Ich werde (so wie s sich grad raus kristallisiert) über Kinderarbeit, Straßenkinder, Koranschüler schreiben und mache diesbezüglich meine Interviews. Am vergangenen Wochenende war ich in einem kleinen Dorf von einem Freund (ohne Strom, fließendes Wasser, ohne Toilette, selbst mein Essen und Trinken musste ich mir aus Ouaga mitnehmen). Die Erlebnisse dort waren sehr einschneidend.

Einmal habe ich mit dem "chef de terre" (Erdchef), dem Dorfchef und vielen anderen reden können. Und manche wusste noch nicht mal wie viele Kinder sie eigentlich haben. Der eine so ca. 21 etc (und dann natürlich auch 6 Frauen!). Die Menschen sterben aufgrund der Wassernot, aber es gab doch glatt in einer Hütte Cola zu kaufen (jedoch kein Wasser) – Kapitalismus lässt grüßen. Der Dorfchef hat mir dann auch gleich seine traditionelle Medizin gezeigt und erklärt – ein Glück hatte ich keine Kopfschmerzen, denn sonst hätte Lust gehabt an mir einen Selbstversuch zu unternehmen…

Die Erlebnisse kann ich alle gar nicht beschreiben. Als Dankeschön meines Kommens habe ich dann schließlich auch zwei lebende Hühner geschenkt bekommen – Na ja, wat soll ick denn nu mit Hühnern anfangen?! Die wurden dann über das Lenkrad meines Motos gebunden und ich habe zu Hause eine kleine Vorrichtung aus Stühlen für sie gebaut. Denn essen kann ich die nicht!

Die Zeit in Ouagadougou nutze ich daneben um ins Kino zu gehen. Hier ist nämlich gerade das größte afrikanische Filmfestival. Viele Leute aus der ganzen Welt sind und da habe ich einige Journalisten kennen gelernt und am Samstag auch gleich einen Auftritt im Radio gehabt. Es waren fast ausschließlich afrikanische Filme zu sehen. Besonders ein Film aus Nigeria über Kindersoldaten hat mich beeindruckt.

Die Periodo Especial en el Tiempo de Paz – Reaktion auf den Zerfall des sozialistischen Lagers

Anfang der 90er Jahre wurde durch die Regierung Fidels als Reaktion auf den Zerfall des sozialistischen Lagers eine Sonderperiode in Friedenszeiten ausgerufen. Da der Handel mit den ehemaligen sozialistischen Staaten etwa 80% des Bruttosozialprodukts ausmachte, stand das Land praktisch vor dem Ruin. Ziel des Programms war es, die kubanische Bevölkerung trotz der Problemlage mit Gesundheitsgütern, Bildung und Lebensmitteln zu versorgen, sowie für eine strategische Neuausrichtung der Wirtschaft zu sorgen (Tourismus).

Diese Periode ist in meinen Augen ein Euphemismus für die Weiterführung des Kalten Krieges und gleichzeitige Rechtfertigung für sämtliche Entbehrungen, die die Kubaner täglich hinnehmen müssen. Offiziell wurde diese Periode nie beendet, wenngleich die Mehrheit der Kubaner behauptet, die „schwere“ Krise wäre längst vorbei.

An dieser Stelle spielt die antiimperialistische Rhetorik eine wichtige Rolle, denn der Kapitalist ist Schuld daran, dass es den Menschen hier so schlecht geht. Dabei geht man so weit den Schaden durch die amerikanische Blockade auf den Dollar genau zu beziffern (rund 1,8 Milliarden Dollar) und bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit die Blockade als Sündenbock für die Leiden der Kubaner zu betiteln (Plakate davon gibt’s beispielsweise an jedem größeren Busbahnhof). Dass dieses Land von einer institutionellen Ineffizienz geplagt ist, die ihresgleichen sucht, darf hier wahrscheinlich wieder niemand zugeben. Kuba – ein Land in Abwesenheit jeglicher Service- und Geschäftskultur, es sei denn, man bezahlt in Dollar.

Linux, Open Source und die Philosophie der Free Software Foundation

Als Linus Torvalds, Student an der Universität in Helsinki, am 25.August 1991 auf der Newsgroup[1] comp.os.minix mit „I’m doing a (free) operating system (just a hobby, won’t be big and professional like gnu) for 386(486) AT clones“[2] sein Linux-Projekt zum ersten Mal öffentlich ankündigte, gab er damit nicht nur den Startschuss zur Entwicklung des ersten freien Kernels, auf dem GNU laufen sollte, sondern begann auch das erste große Softwareprojekt, das fast ausschließlich über das Internet koordiniert werden sollte. Anders als Stallman wollte er mit diesem Projekt jedoch nicht die Welt verändern, sondern lediglich ein persönliches Bedürfnis befriedigen und das Ergebnis und die Arbeit daran mit anderen teilen.

Linux

Torvalds war Student der Informatik und hatte nach einem Unix-ähnlichen System gesucht, das er auf seinem PC laufen lassen konnte. Professionelle Unices[3] , so sie überhaupt schon auf x86 Rechner portiert waren, hatten so hohe Lizenzgebühren, dass sie für Studenten nicht erschwinglich waren. Einzige Ausnahme war die von dem Amsterdamer Professor Andrew S. Tannenbaum mit seinem Buch Operating Systems: Design and Implementation mitgelieferte Unix-Variante „Minix“. Minix war von Tannenbaum extra für Studenten geschrieben worden, die damit den Umgang mit Unix lernen und üben sollten. Mit Minix wurde aus diesem Grund zwar der Sourcecode mitgeliefert, aber im Grunde war es trotzdem ein proprietäres System und Tannenbaum, der alleine Regie über die Entwicklung führte, wollte größere Veränderungen nicht zulassen. „I was afraid the system code would get hairier and hairier and bigger and bigger, [… i]t wouldn’t run on this minimal hardware, which I wanted for the students, and it would be to hard to explain.“[4]

 

Wie Stallman acht Jahre vorher, begann Torvalds sein Projekt von einem bereits existierenden System (Minix) aus, auf dem er so lange an dem neuen programmierte, bis dieses das erste ersetzen konnte. Im Unterschied zu Stallman war Torvalds jedoch ein Anfänger. Wo sich Stallman schon einen Namen z.B. für seine erste Version des Texteditors emacs gemacht hatte, war Torvalds gerade ein paar Jahre in seinem Studium. Doch dies waren nicht die einzigen Unterschiede. Stallman hatte nach dem alten Muster in kleinem Kreis seine Programme geschrieben und diese erst veröffentlicht, nachdem sie ein Stadium erreicht hatten, in dem sie brauchbar waren. Torvalds hingegen veröffentlichte regelmäßig seinen Sourcecode im Internet und begann früh mit anderen zusammenzuarbeiten.[5] Das Internet machte also eine völlig neue Art der Kooperation möglich, die Stallman gar nicht zur Verfügung gestanden hatte.[6]

Obwohl sowohl Stallman als auch Torvalds jeweils ankündigten ein freies Betriebssystem zu schreiben, war für Torvalds erst einmal nur der Kernel wichtig, denn den Rest des Betriebssystemes gab es schon: GNU war bis auf den Kernel fertig – und nach und nach sollten Teile aus verschiedenen anderen Quellen das System ergänzen. So sprach Torvalds auch in seiner Ankündigung schon von zwei GNU-Ports (portierten Programmen), die er geschrieben hatte – bash, die GNU Shell und gcc, den GNU C-Compiler. Schon knapp zwei Monate später schrieb Torvalds wieder an comp.os.minix, wo in der ersten Zeit von Linux die Diskussionen geführt wurden: „To make things clear – yes I can run gcc on it, and bash, and most of the gnu [bin/file]utilities, but it’s not very debugged, and the library is really minimal“ und „it will be free though (probably under gnu-license or similar).“[7]

Auf den ersten Blick schien sich hier eine ideale Kombination zu ergeben. Zwei sich ergänzende und freie Systemprojekte, die, je weiter die Entwicklung des Kernels fortschritt, immer enger miteinander kombiniert wurden. Während die Software jedoch gut zusammenpasste, blieben die Ansprüche des Kernel-Projektes, aus Sicht der FSF, hinter denen des GNU-Projekts zurück. War der Hauptgrund des letzteren die Freiheit, die im Bereich der Softwareentwicklung verloren gegangen war, wieder zu gewinnen, so war Torvalds vor allem darauf aus, die Software zum Laufen zu bringen und, als das Projekt wuchs, deren Stabilität und Brauchbarkeit auszubauen. Damit kündigte sich eine neue Interessengemeinschaft an, die sich etwa sieben Jahre später, mit der Gründung der Open Source Initiative und der Einführung von Open Source als Markennamen, von der Freien Software-Bewegung abspalten sollte.[8]

Erste GNU/Linux-Distributionen

Weniger als ein Jahr, nachdem Torvalds seine Pläne für ein neues Betriebssystem veröffentlicht hatte, war bereits die erste GNU/Linux-Distribution erhältlich. Torvalds selbst hatte Kopien der beiden Disketten, die zum Installieren des Kernels und des zu ihm gehörenden Filesystems[9] nötig waren, auf einem ftp-Server zur Verfügung gestellt. Diese beiden Disketten wurden bald auf anderen Rechnern im Netz gespiegelt[10] . Da Linux unter einer Lizenz veröffentlicht wurde, die das Kopieren und Weiterverteilen erlaubte,[11] war es für jeden möglich Linux auch in Kombination mit anderen Paketen (z.B. den schon portierten GNU-Programmen) zu verteilen. So entstand aus einem der Mirror eine erste Distribution. Das Manchester Computing Center (MCC) brachte, basierend auf dem Kernel mit der Versionsnummer 0.12[12] vom Februar 1992, die MCC Interim Distribution heraus, die es Anfängern und Unix-Unkundigen erlauben sollte Linux zu installieren. In dem dazugehörigen Readme-Text wird der Name wie folgt erklärt: „Our versions are called ,interim‘ because they are not intended to be final or official. They are small, harmonious, and moderately tested.“[13] In diesem Zitat deutet sich schon an, was später eine wichtige Aufgabe beim Erstellen von Distributionen (ähnlich wie beim Programmieren selbst) werden sollte. Sie mussten getestet und von Fehlern befreit (debugged[14] ) werden. Der MCC Interim folgten verschiedene andere Distributionen, unter denen die größte und später von diesen frühen auch bekannteste als „Softlanding Linux Systems“ (SLS) die erste kommerzielle GNU/Linux-Distribution war.

Heute gibt es weit über 100 verschiedene Distributionen. Die „Linux Distribution List“[15] (ldl) führte am 11. November 2001 183 Distributionen, von denen allein 66 in die Kategorie „Full-sized Distribution“ fielen.

Von Free Software zu Open Source

Im Zusammenhang mit dem Linux-Projekt und anderen Projekten, die ähnlich wie dieses über das Internet koordiniert wurden, hatte sich also eine neue Art von Gemeinschaft zusammengefunden. Diese war über die Welt verteilt und so wurde das Internet eine wichtige Voraussetzung für ihre Arbeit. Das Internet selbst besteht, wenn man die Software betrachtet, in seinen wichtigsten Funktionen aus Freier Software und so war es nur logisch, dass andere Projekte, besonders solche, die mit Internetprogrammen zu tun hatten, auch über das Internet koordiniert wurden.[16]

Im Folgenden wird versucht nachzuvollziehen, wie sich solche Projekte gründeten, wie sie zu einem neuen Selbstverständnis kamen und wie unterschiedliche Interessen innerhalb der Freien Software-Gemeinschaft zur Spaltung in die Freie Software- und die Open Source-Bewegung führten. Dazu sollen insbesondere die Geschichte des Debian-Projektes und die Ausführungen Eric Raymonds, einem der Vordenker der Open Source-Bewegung, betrachtet werden.

Debian-Projekt

Das am 16. August 1993 offiziell von Ian Murdock gegründete Debian-Projekt[17] gibt bis heute die einzige wichtige GNU/Linux-Distribution heraus, die wie die Softwareprojekte ausschließlich über das Internet erstellt werden. Murdock war über die Qualität der zu dieser Zeit erhältlichen kommerziellen Distributionen verärgert, deren größtes Problem es war mit den schnellen Veränderungen in der Entwicklung der Softwarepakete Schritt zu halten. Um dies für die Debian-Distribution zu verhindern, entschloss sich Murdock die Zusammenstellung der Debian-Pakete mit möglichst vielen Interessenten zu teilen. Einzelne Pakete und Paketgruppen sollten von kleineren Arbeitsgemeinschaften gepflegt werden, die sich für diese verantwortlich fühlten. Damit wollte Murdock den Problemen entgehen, die isolierte kleinere Gruppen oder einzelne Personen bei der Erstellung einer Distribution hatten. Er wollte aber auch der Verkommerzialisierung von GNU/Linux entgegentreten, die er für die mangelnde Qualität der bekannten Distribution verantwortlich machte:

„Many distributions have started out as fairly good systems, but as time passes attention to maintaining the distribution becomes a secondary concern. A case-in-point is the Softlanding Linux System (better known as SLS). It is quite possibly the most bug-ridden and badly maintained Linux distribution available; unfortunately, it is also quite possibly the most popular. It is, without question, the distribution that attracts the most attention from the many commercial ,distributors‘ of Linux that have surfaced to capitalize on the growing popularity of the operating system.

This is a bad combination indeed, as most people who obtain Linux from these ,distributors‘ receive a bug-ridden and badly maintained Linux distribution. As if this wasn’t bad enough, these ,distributors‘ have a disturbing tendency to misleadingly advertise non-functional or extremely unstable ,features‘ of their product. Combine this with the fact that the buyers will, of course, expect the product to live up to its advertisement and the fact that many may believe it to be a commercial operating system (there is also a tendency not to mention that Linux is free nor that it is distributed under the GNU General Public License). To top it all off, these ,distributors‘ are actually making enough money from their effort to justify buying larger advertisements in more magazines; it is the classic example of unacceptable behavior being rewarded by those who simply do not know any better. Clearly something needs to be done to remedy the situation.“[18]

Wie bei dem Linux-Projekt war die Geschwindigkeit, mit der die Veränderungen in der Debian-Distribution stattfanden, mit denen, die im Bereich unfreier Software üblich sind, nicht vergleichbar. Allein bis zum Jahresende 1993 erschienen die Versionen 0.01 bis 0.90 der Distribution. Die Version 0.91, vom Februar 1994, hatte bereits ein eigenes Paketsystem, mit dem die einzelnen Pakete auf dem Computer installiert und verwaltet werden konnten. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten bereits „mehrere dutzend Personen“ an dem Projekt mit.[19] Allerdings gab es in dem Jahr, in dem das Projekt von der FSF gesponsort wurde, keine weiteren Veröffentlichungen, weil das Projekt strukturiert werden musste. Außerdem wurde an Debians eigener Software, dem Paketmanager „dpkg“, gearbeitet.

Im April 1996 übernahm Bruce Perens die Führungsrolle im Debian-Projekt. In diesem Jahr überschritt die Zahl der Entwickler im Projekt die einhundert und Debian bestand Ende des Jahres aus mehr als 800 Paketen. Dies war für Perens Anlass, den Debian Social Contract und die zu diesem gehörenden Debian Free Software Guidelines zu schreiben, die 1997 veröffentlicht wurden.[20] Diese sollten einen Rahmen bieten, an dem sich das Projekt messen lassen wollte. Dazu musste sowohl fremde Software, die in die Distribution kommen sollte, als auch Software, die vom Projekt geschrieben wurde, Freie Software sein. Außerdem mussten alle Veränderungen und Fehlerreporte in einer öffentlichen Datenbank zugänglich gemacht werden. Die Free Software Guidelines, die als fester Bestandteil des Contracts gedacht sind, sollten festlegen, was im Zusammenhang mit diesem unter „Freier Software“ zu verstehen ist.

Mit Punkt 5 des Social Contracts scheint sich Perens von Murdocks Vorstellungen zu entfernen: „We [the Debian developers] acknowledge that some of our users require the use of programs that don’t conform to the Debian Free Software Guidelines. […] Thus, although non-free software isn’t a part of Debian, we support its use, and we provide infrastructure […] for non-free software packages.“[21] Zusätzlich wurden sogar zwei neue Verzeichnisse – „contrib“ und „non-free“ – eingerichtet, in denen unfreie Software zur Verfügung gestellt wurde.

Auch die Debian Free Software Guidelines wichen von den Vorstellungen zumindest der FSF ab. Obwohl sie sich offensichtlich an der Free Software Definition orientierten, wurde das, was bei Stallman noch Mindestforderungen waren, in den Guidelines zu kompletten Definitionen. Denn anders als für Stallman war es für Perens nicht wichtig, ob eine Lizenz zuließ, dass die Software irgendwann proprietär werden könnte. Interessant war lediglich, ob Software, die in die Distribution aufgenommen werden sollte, frei war oder nicht. Auch wurden Zugeständnisse an die Autoren der Software gemacht: „The license must explicitly permit distribution of software built from modified source code“, aber „[… it] may require derived works to carry a different name or version number from the original software.“[22] Im Gegensatz zu Stallman, dessen alleiniges Augenmerk auf die Freiheit der Nutzer gerichtet war, musste sich Perens mit einer großen Gemeinde von Programmierern arrangieren, von denen viele auch an der Erstellung des Dokuments beteiligt waren.

Zusätzlich enthalten die Debian Free Software Guidelines noch zwei Punkte, die es Lizenzen verbieten bestimmte Personengruppen oder Betätigungsfelder von der Nutzung auszuschließen. Dies sollte wohl einer Situation vorbeugen, in der z.B. Kernkraftwerkbetreiber oder Militär von der Nutzung ausgeschlossen werden könnten. Außerdem wurde festgelegt, dass die Lizenzen weder auf die Debian-Distribution beschränkt werden, noch anderen Paketen in der Distribution Beschränkungen auferlegen dürfen.

The Cathedral & the Bazaar

Die Gemeinschaft der Programmierer, die über das Internet miteinander an Freier Software arbeitete, wuchs also ständig. Allein am Debian-Projekt waren Mitte 1998 schon rund 400 Personen beteiligt. Da die Ideologie der FSF für viele nicht mehr die Hauptmotivation war, entstand ein Bedürfnis in der Gemeinschaft eine Erklärung dafür zu finden, dass es eine Bewegung gab, die Software produzierte und dann verschenkte. Auch die Organisation so großer freier Projekte war für viele ein Rätsel.

Eine Antwort auf diese Fragen gab Eric Raymond[23] mit seiner zwischen 1997 und 1999 erschienen Textreihe The Cathedral & the Bazaar (CatB), Homesteading the Noosphere (HtN) und The Magic Cauldron (tMC).[24] CatB beschäftigt sich mit der Frage, wie Softwareprojekte über das Internet koordiniert werden. Raymond, der dazu seine eigenen Erfahrungen mit einem Email-orientierten Projekt namens „fetchmail“ und die Linus Torvalds’ mit Linux einbezieht, beschreibt hier den Unterschied zwischen der traditionellen Art kommerzielle Software herzustellen und der neuen Art der offenen Projekte.

Das traditionelle Modell, das er als Kathedralenmodell bezeichnet, beruht auf relativ wenigen Programmierern, die in hierarchisch-strukturierten Gruppen mit engen Managementvorgaben und langen Abständen zwischen den Veröffentlichungen arbeiten. Diesem stellt er das Basarmodell gegenüber, in dem zum Teil weit voneinander entfernt wohnende Personen miteinander kooperieren. Hier wird so oft wie möglich veröffentlicht und jeder kann zum Endprodukt beitragen. Der Vorteil beim Basarmodell ist, so Raymond, dass die Vielzahl der Personen, die die Software in verschiedenen Stadien ihrer Entwicklung bearbeitet und testet, sie sicherer und stabiler macht. Wenn Änderungen und Korrekturen schnell in die Codebasis integriert werden und diese dann wieder veröffentlicht wird, ist das Interesse der Nutzer sich zu beteiligen größer, als dies traditionellerweise der Fall ist. In Firmensoftware bleibt ein Fehler oft monatelang, bevor ein „Patch“[25] auf den Markt kommt.

In CatB kommt Raymond dann auch zu dem Schluss, dass das Basarmodell für viele (und besonders für große) Softwareprojekte die logische Wahl sein sollte. Vor allem wirtschaftlich seien die traditionell arbeitenden Firmen auf dem falschen Weg, weil sie ständig einen großen Stab an Testern beschäftigen müssten, die sie sich sparen könnten, wenn sie einfach ihren Sourcecode veröffentlichten und die Gemeinschaft der Programmierer im Internet an ihren Projekten teilhaben ließen.

Im zweiten Teil der Textreihe, Homesteading the Noosphere, geht Raymond auf die Kultur der Hacker solcher Internet-basierter Projekte ein. Er beschreibt die losen Gruppen, die sowohl die einzelnen Projekte ausmachen, als auch die gesamte Kultur, in der er diese Projekte zu finden glaubt, mit Beispielen aus der Anthropologie. Hierbei zitiert er die Geschenkkultur der Kwakiutl – eines Indianerstammes aus der Gegend des heutigen Vancouver/Kananda – ebenso wie das Recht der Landnahme im „Wilden Westen“. Der Vergleich mit der Landnahme dient als Erklärung dafür, wie Projekte, an denen jeder teilhaben kann, zu einem Führer (häufig wird von „project leaders“ oder auch „project owners“ gesprochen) kommen. Dazu vergleicht er den „Raum“, in dem sich alle hypothetisch möglichen freien Softwareprojekte befinden – den er Noosphere[26] nennt – mit den unbesiedelten Gebieten im früheren Westen der USA. Hier wie dort ist der Besitz durch die Landnahme geregelt. Das bedeutet, dass jemand Besitzer eines Projektes wird, in dem er es öffentlich zu seinem „Eigentum“ erklärt. Dabei gilt natürlich, dass keine weitere Person dieses Recht bereits beanspruchen darf. Raymond selbst beschreibt dies wie folgt:

„The ,noosphere‘ of this essay’s title is the territory of ideas, the space of all possible thoughts. What we see implied in hacker ownership customs is a Lockean theory of property rights in one subset of the noosphere, the space of all programs. Hence ,homesteading the noosphere‘, which is what every founder of a new open-source project does.“[27]

Die Geschenkkultur der Kwakiutl ist für Raymond ein Vorbild für seine Beschreibung der Geschenkkultur der Hacker. Bei den Kwakiutl gab es einen Brauch („potlach„ genannt), nach dem ein Gastgeber seine Gäste beschenkte. Der Wert dieser Geschenke – das konnten Lebensmittel, Kleidung oder auch Gebrauchsgegenstände sein – bestimmte die soziale Stellung des Gebenden, so dass es wichtig war möglichst wertvolle Geschenke zu machen. Außerdem hatte der Potlach vermutlich den Sinn des Warenaustausches, denn von den Gästen wurde selbstverständlich erwartet, dass sie, wenn sie in der Position der Gastgeber waren, ebenfalls wertvolle Geschenke machten.

In der Übertragung ist es nun der Beitrag zu einem Freien oder Open Source (s. u.) Software-Projekt, der zum Geschenk gemacht wird. Dabei machen Qualität und Umfang des Beitrages auch seinen Wert aus, der dann wiederum Einfluss auf die Stellung in der Gemeinschaft hat. Raymond meint nun, dass der Wunsch nach Ansehen in der Gemeinschaft wie auch der Spaß am Programmieren die Regeln der „Landnahme“ und der „Geschenkkultur“ in der Hackergemeinschaft verankern, ohne dass eine weitere Instanz nötig wäre diese Regeln durchzusetzen.

Diese beiden Texte, CatB und HtN, waren in der Folgezeit sehr einflussreich. Raymond hatte zum ersten Mal die innere Dynamik offener Softwareprojekte beschrieben und dadurch die Identifikation der Hacker mit der durch seinen Basarstil bestimmten Bewegung ermöglicht.[28] Seitdem sind die Schlagworte „Cathedral“ und „Bazaar“ immer wieder in Diskussionen um die verschiedenen Softwareprojektstile und die Abgrenzung der Hackergemeinschaft von die traditionellen Vorgehensweisen im Softwaregeschäft zu finden.

Der dritte Teil der Textreihe, The Magic Cauldron, ist weit weniger bekannt. Er beschäftigt sich mit den Möglichkeiten offene Softwareprojekte ökonomisch zu nutzen. Hier, wie an vielen Stellen der anderen beiden Texte, zeigt sich deutlich Raymonds Vorstellung, dass Open Source-Software nur dann eine wirkliche Berechtigung habe, wenn sie sich in der freien Marktwirtschaft gegen Software bewähren könne, die im traditionellen Rahmen entstanden ist.

Gründung der Open Source Initiative

Raymonds Texte hatten aber auch eine weitergehende Wirkung. Außer, dass sie einen sozialen Fixpunkt für die Internethackergemeinde schufen, sollten sie das Basarmodell für große Softwarefirmen interessant machen.

Im Januar 1998 ging die Firma Netscape mit der Nachricht an die Öffentlichkeit, dass sie den Sourcecode für ihren Internetbrowser veröffentlichen und unter eine „freie“ Lizenz stellen werde. Dieser Schritt, der in der proprietären Softwarewelt bis dahin undenkbar gewesen war, wurde dadurch motiviert, dass der Netscape-Browser den so genannten „Browserkrieg“ gegen Microsofts „Internet Explorer“ zu verlieren schien. Ausschlaggebend für diese Entscheidung Netscapes war Eric Raymonds Artikel CatB.

Um bei der Freien Software-Gemeinde Anklang zu finden, mit deren Hilfe man sich erhoffte wieder konkurrenzfähig zu werden, wurden führende Persönlichkeiten aus deren Reihen um Unterstützung gebeten. Vor allem bei der Erstellung einer passenden Lizenz – die sowohl zeigen musste, dass Netscape es ehrlich meinte und nicht nur die Arbeit möglichst vieler unbezahlter Arbeitkräfte für sich in Anspruch nehmen wollte, als auch die wirtschaftlichen Interessen Netscapes wahren sollte – wurden Linus Torvalds, Eric Raymond und Tim O’Reilly[29] um Hilfe gebeten. Am 31. März 1998 wurde der Sourcecode für den nun freien Teil von Netscape, der „Mozilla“ getauft wurde, unter einer Doppellizenz veröffentlicht. Dabei steht der Code unter der Netscape Public License (NPL) und darf von Netscape unter dieser Lizenz in seine kommerziellen (unfreien) Produkte integriert werden. Alle Neuerungen stehen jedoch unter der Mozilla Public License (MPL oder MozPL), die von der FSF als „frei“ anerkannt wird, und dürfen sogar unter einer anderen zu dieser kompatiblen Lizenz veröffentlicht werden. Diese Art der Lizensierung sollte für andere Firmen zum Vorbild werden.[30]

Die Ankündigung der Sourcefreigabe des Netscape-Browsers sowie seine Überzeugung, dass das Basarkonzept in der Softwarewirtschaft Fuß fassen musste, veranlassten Raymond sich mit Gleichgesinnten am 3. Februar 1998 zu einer Strategiesitzung zu treffen.

„We realized it was time to dump the confrontational attitude that has been associated with ,free software‘ in the past and sell the idea strictly on the same pragmatic, business-case grounds that motivated Netscape. We brainstormed about tactics and a new label. ,Open source,‘ contributed by Chris Peterson, was the best thing we came up with.“[31]

Mit Linus Torvalds und Bruce Perens wurden zwei bekannte Persönlichkeiten der Szene miteinbezogen, die dem Vorhaben durch ihre Unterstützung Anerkennung verschaffen sollten. Bruce Perens ließ „open source“ als Warenzeichen eintragen und schon Ende des Monats wurde die Open Source Initiative gegründet. Dies alles musste relativ schnell gehen, wollte man die Wellen, die Netscapes Ankündigung schlug, ausnutzen, um darauf das neue Warenzeichen und die damit verbundenen Ideen weiterzuverbreiten:

„We realized that the Netscape announcement had created a precious window of time within which we might finally be able to get the corporate world to listen to what we have to teach about the superiority of an open development process.“[32]

Um dem Begriff „open source“ einen Rahmen zu geben wurden die Debian Free Software Guidelines in die Open Source Definition umgeschrieben, wobei alle Debian-spezifischen Referenzen entfernt wurden und der Text dem neuen Vorhaben angepasst wurde. Am 22. November 1998 wurde dann die Gründung der Open Source Initiative (OSI) offiziell bekannt gegeben.[33]

Mit dem Announcement[34] wurden unter anderem Ian Murdock als Sekretär, Bruce Perens als Schatzmeister und Eric Raymond als Präsident eingeführt und um weitere Mithilfe aus der „hacker community“ gebeten. Letzteres war vor allem deshalb nötig, weil es um diese Neugründung und den damit zusammenhängenden Kurswechsel bereits heftige Meinungsverschiedenheiten gegeben hatte.

Open Source versus Free Software

Bereits im Januar des folgenden Jahres distanzierte sich Perens wieder von der OSI und legte sein Schatzmeisteramt nieder. In It’s Time to Talk about Free Software Again beschrieb er einen Nebeneffekt, den die Öffnung der Hackergemeinde auf die Position der FSF hatte:

„One of the unfortunate things about Open Source is that it overshadowed the Free Software Foundation’s efforts. This was never fair – although some disapprove of Richard Stallman’s rhetoric and disagree with his belief that _all_ [sic! ] software should be free, the Open Source Definition is entirely compatible with the Free Software Foundation’s goals, and a schism between the two groups should never have been allowed to develop. I objected to that schism, but was not able to get the two parties together.“[35]

Die Spaltung blieb und vertiefte sich noch durch Stallmans und Raymonds Umgangston.[36] Bald war es fast eine religiöse Frage, ob man Free Software oder Open Source sagte, wobei beide Seiten, zumindest in der ersten Zeit, über die gleiche Software sprachen.

Mit der Einführung der Apple Public Source License (APSL)[37] , die von der OSI als eine Open Source-Lizenz zertifiziert wurde, zeigten sich aber deutlich die Unterschiede zwischen den beiden Organisationen. So führt die Lizenz-Seite der FSF[38] die APSL auch nach einigen Veränderungen noch unter den unfreien Lizenzen und in der Begründung dieser steht folgender Kommentar:

„Overall, I think that Apple’s action is an example of the effects of the year-old ,open source‘ movement: of its plan to appeal to business with the purely materialistic goal of faster development, while putting aside the deeper issues of freedom, community, cooperation, and what kind of society we want to live in.“[39]

Hier soll nicht weiter auf die „Free Software oder Open Source“-Diskussion eingegangen werden.[40] Im Großen und Ganzen geht es neben den unterschiedlichen Blickwinkeln auf die Freie Software, die Freiheit auf der einen und die Qualität der Software und die Möglichkeiten der Basarmethode auf der anderen Seite, um persönliche Auseinandersetzungen und quasi-religiöse Sektiererei. Immer wieder werden aus der so oft von beiden Seiten beschworenen Hackergemeinschaft Rufe laut, die besonders Richard Stallman und Eric Raymond auffordern, sich an einen Tisch zu setzen und gemeinsame Sache zu machen.

Wie gering die Differenzen im Vergleich zu den Gemeinsamkeiten sind, zeigt die von Bruce Perens verfasste und von weiteren Sprechern beider Lager (unter anderen Stallman und Raymond) unterzeichnete Antwort auf Attacken von Seiten der Firma Microsoft. Wiederholt hatte es in den letzten Jahren Public-Relations-Angriffe auf die Freie Software- und Open Source-Bewegung gegeben, in denen Microsoft im Rahmen des Anti-Trust-Prozesses gegen die Firma die gesamte Bewegung als größten Konkurrenten ausmachte.

Diese Antwort – die von Open Source-Protagonisten trotz ihres Titels, Free Software Leaders stand Together, unterschrieben wurde – zeigt Perens, wie die beiden Teilgemeinschaften ihre Vorstellungen in wenigen Sätzen gemeinsam darstellen können:

„Remember that Free refers to liberty, not price. […T]he business model of Open Source is to reduce the cost of software development and maintenance by distributing it among many collaborators.

The success of the Open Source model arises from copyright holders relaxing their control in exchange for more and better collaboration. Developers allow their software to be freely redistributed and modified, asking only for the same privileges in return. […] Even companies that have not fully embraced the Open Source model can justify collaboration on Free Software projects for this non-differentiating software, because of the money they will save. And such collaborations are often overwhelmingly successful […b]ut Free Software is also directly in the user’s interest, because it means that the users control the software they use. When they do business with Open Source vendors, the vendors do not dominate them.“[41]

Allerdings steht Perens mit seiner Meinung, dass Free Software und Open Source nur zwei Seiten einer Medaille sind, relativ alleine. Die meisten Köpfe der beiden Richtungen sehen dies entschieden anders und geben sich allem Anschein nach die größte Mühe dies auch so zu belassen.

 

Für die Zukunft bleibt abzuwarten, ob sich Bruce Perens Hoffnung auf die Wiedervereinigung der beiden Gruppen in eine gemeinsame Bewegung erfüllen werden, oder ob sich die Bewegung weiter spaltet und es bald eine Free Software und eine Open Source-Bewegung geben wird. Liest man in den einschlägigen Foren, wird klar, dass dies vor allem von den führenden Köpfen dieser Gruppen und von deren Bereitschaft aufeinander zuzugehen abhängen wird. Deutlich ist dabei vor allem, dass in den Diskussionen oft die Eitelkeiten der Einzelnen wichtiger sind als die immer wieder beschworene „Gemeinschaft der Hacker“.

 

*Dieser Text stammt aus der Magisterarbeit „Geschichte der Freien Software“ von Joachim Korb aus dem Jahr 2001. Das Originaldokument ist abrufbar unter: http://tal.cs.tu-berlin.de/korb/Magister/

 



[1]Eine Art Schwarzes Brett oder Diskussionsforum im Internet. Newsgroups gibt es zu allen möglichen Themen; diese hier schlüsselt sich wie folgt auf: comp für „Computer betreffend“, os für „Operating Systems“ und minix für „Minix“ (s.u.).

[2]Zitiert nach Torvalds 1992. Die 386- und 486-Prozessoren (die gesamte Reihe wird oft mit x86 bezeichnet) gehören zu den ersten weit verbreiteten PC-Architekturen und sind die Vorgänger der Pentiumreihe (auch 586 usw. genannt) und vergleichbaren Prozessoren.

[3]Dies ist eine mögliche Pluralform von Unix, daneben finden sich noch Unixes, Unixen und diverse andere.

[4]Zitiert nach Moody 2001.

[5]Erst später kam ein System hinzu, das ,stabile‘ und Entwicklerversionen voneinander unterschied. Andererseits werden heute auch die meisten zu GNU gehörenden Projekte so koordiniert, wie dies hier für Linux beschrieben ist.

[6]Das ARPANET bot 1983 zwar schon die Möglichkeit, sich mit anderen per Email auszutauschen und von Ferne auf Daten zuzugreifen, aber es war in Umfang und Verbreitung noch weit entfernt von dem, was Torvalds 1991 zur Verfügung stand. Allein die Anzahl der angeschlossenen Institutionen in aller Welt übertraf um ein Vielfaches die Teilnehmer des Vorgängers.

[7]Zitiert nach Torvalds 1992. Die eckigen Klammern sind von Torvalds.

[8]Eine ausführliche Geschichte zu Linux gibt Glyn Moody in rebel code Moody 2001.

[9]Ein Filesystem enthält Informationen darüber, wie die Dateien, die sich auf einem Datenträger (z.B. einer Festplatte oder einer Diskette) befinden, auf diesem verteilt sind.

[10]Man spricht von „Mirror“, wenn eine Website ein weiteres Mal unter einer anderen Adresse im Internet zu finden ist. Mirror werden zum Beispiel eingerichtet, um Webangebote, auf die häufig zugegriffen wird, schneller für mehr Besucher zugänglich zu machen.

[11]Dies war noch eine eigene Lizenz, die Restriktionen enthielt, die sie für die FSF zu einer unfreien Lizenz machen würde. Später wechselte Torvalds zur GPL.

[12]Begonnen hatte die Versionszählung mit 0.01, am 5. Oktober 1991 folgte mit 0.02 die erste ,offizielle‘ Version (0.01 war nicht öffentlich angekündigt worden). Die Versionsnummer 0.12 zeigt an, dass Torvalds zu diesem Zeitpunkt noch viel Verbesserungsbedarf sah. Erst die Versionsnummer 1.0, vom März 1994, sollte anzeigen, dass der Kernel ein verhältnismäßig ,stabiles‘ Stadium erreicht hatte. Allerdings hatte die Zählung große Sprünge. Nach 0.03, die kurz nach 0.02 veröffentlicht wurde, folgte schon 0.10. Nach 0.12 ging Torvalds zu 0.95 und begründete: „[…]as the follow-on to 0.12 was getting feature-full enough to deserve a number in the 0.90’s“.Torvalds 1992

[13]Zitiert nach Moody 2001, S.8.

[14]Fehler in Programmen werden allgemein als „bug“ (die Laus, die Wanze, aber auch die Störung) bezeichnet. „Debugging“ (Software von Fehlern befreien) ist eine der wichtigsten Aufgaben beim Programmieren.

[15]http://ldl.sourceforge.net/

[16]Beispiele dafür sind das Domain Name System (DNS), ein System von Protokollen, das den Adressen im Internet zugrunde liegt, und die Berkeley Internet Name Domain (BIND), die diese Protokolle umsetzt. Aber auch Programme, wie Apache (ein Webserver) und viele Protokolle und Programme, die mit dem Empfang und dem Senden von Emails zu tun haben.

[17]Der Name ergibt sich aus der Kombination von Murdocks eigenem Vornamen und dem seiner Frau Debra. Vgl. Debian 2001a, Kapitel 5.

[18]Murdock in seinem Debian Manifesto von 1994 Debian 2001a, Kapitel1.2. Später hat er die etwas harten Worte gegen SLS bedauert, weil Peter MacDonald, der diese Distribution ins Leben gerufen hatte, als Einzelperson gar nicht in der Lage war sie auf dem neuesten Stand zu halten. Vgl. Moody 2001, S.88 ff.

[19]Vgl. Debian 2001a, Kapitel 3.

[20]Vgl. Debian 2001b. Die Debian Free Software Guidelines, die ein Teil des Contracts sind, sollten später, mit leichten Veränderungen, zur Open Source Definition Open Source Initiative 2001b werden.

[21] Debian 2001b, Punkt 5

[22] Debian 2001b, DFSG Punkt 4

[23]Raymond ist Leiter oder Mitglied verschiedener Freier Software-Projekte. Außerdem wird er häufig als Historiker und Vordenker der Hackergemeinschaft gesehen.

[24]Das Buch Raymond 1999 ist aus insgesamt fünf zuvor im Internet bzw. in Di Bona 1999 veröffentlichten Artikel zusammengestellt. Die beiden anderen, A Brief History of Hackerdom und The Revenge of the Hackers, beschäftigen sich mit der Geschichte der Hacker, wie sie auch in Levy 1984 beschrieben wird, bzw. mit den Veränderungen in der Hackerkultur, die sich durch die Möglichkeiten des Internets und der Freien Software ergeben haben. Diese Artikel sind, glaubt man Raymonds Erklärung, nach demselben Muster entstanden, das er in CatB beschreibt. (Die Abkürzungen der Titel stammen von Raymond selbst, werden aber auch an anderen Stellen benutzt.)

Ab Anfang 1998 sind übrigens alle Textstellen, in denen bis dahin von „free software“ die Rede war, durch „open source“ ersetzt worden.

[25]Als Patches (Flicken) werden Codestücke bezeichnet, die Fehler in der Originalsoftware beheben sollen.

[26]Nach dem griechischen Wort ,noos‘, das Gedanke oder Idee bedeutet.

[27]Raymond 1999, S. 94f

[28]Abgesehen von diesem Effekt, den Raymonds Texte unbestreitbar hatten, sind seine Ausführungen immer wieder, an einzelnen Punkten oder als Gesamtbild, kritisiert worden. Zum Teil ist diese Kritik in die Texte, an denen er bis ins Jahr 2000 noch Veränderungen vorgenommen hat, eingeflossen. Andere Kritik, besonders solche, die seinen anthropologischen Ansatz oder seine Charakterisierung der offenen Projekte als „Basar“ als unpassend oder zumindest unzureichend bemängeln, tut er mit zum Teil recht harschen Antworten ab.

[29]Verleger beim O’Reilly Verlag. Der Verlag ist seit langem für sein Engagement im Open Source- (und vorher Freie Software-) Bereich bekannt.

[30]Mehr zur Geschichte des von Mozilla findet sich in J. Hamerly, T. Paquin und S. Waltons Beitrag Freeing the Source: The Story of Mozilla Di Bona 1999, S.197-206 und im Kapitel Heresis in Young 1999, S.65-91.

[31] Open Source Initiative 2001a

[32] Open Source Initiative 2001a

[33] Open Source Initiative 2001c

[34] Open Source Initiative 2001c

[35] Perens 1999

[36]Diese Auseinandersetzungen fanden öffentlich in verschiedenen Internetforen statt, so dass es inzwischen fast unmöglich ist sie im einzelnen nachzuvollziehen.

[37]http://www.darwin.org/apsl/

[38] FSF 2001f

[39]Der Passus in der APSL, um den es dabei geht, fordert von Firmen, die angepasste Versionen des Darwin-Kernels benutzen, ihren Code der Firma Apple zur Verfügung zu stellen. Solche Regelungen sollten auch nach der Open Source Definition nicht zulässig sein. Vgl. Paragraph 7. Distribution of License:

„The rights attached to the program must apply to all to whom the program is redistributed without the need for execution of an additional license by those parties.“ Open Source Initiative 2001b

Die APSL verlangt zwar keine extra Lizenz, aber der bestimmte Passus fügt zusätzliche Regeln ein, so dass nicht mehr für alle Nutzer die gleichen Rechte gelten. Insofern ist die Kritik wohl berechtigt, auch wenn diese Stelle sich anders interpretieren ließe.

[40] Einen Eindruck geben FSF 2001g für die Freie Software- und Eric Raymonds Raymond 1998 für die Open Source-Seite.

[41] Perens 2001

Studieren in Kuba: Das Alltagsleben in Santa Clara

Ich habe mich derzeit an die widrigen Umstände vor Ort gewöhnt und angepasst. Ich genieße die ewige morgendliche Zugfahrt vorbei an den Bananenplantagen der Stadt, mache mich über die Geschwüre lustig die den widerwärtigen, stetig präsenten, streunenden Hunden aus dem Körper hängen und schlafe ein mit dem Geklapper der Pferdehufen auf dem Asphalt. Die dazugehörigen Kutschen dienen hier als reguläres Transportmittel. Ich frage mich nicht mehr täglich, warum alle Häuser von oben bis unten eingezäunt sind, wenn es hier keine Kriminalität gibt. Auch die Urin- und Kotflut in den universitären Sanitäranlagen ohne Wasser gehört zum normalen Tagesprogramm. In den Bussen schließt man sich dem sozialdarwinistischen Verhalten der Kubaner an. Ich esse nicht mehr außerhalb. Was das Warten angeht, braucht man immer was Gutes zu lesen. Wenn Sachen nicht klappen, wundert mich das nicht mehr, ist ja eher Normalzustand als Ausnahme.

Meine Abreise aus Afghanistan

Ich finde es sehr schön, auf meine letzten Tage in Kabul nicht mehr alleine im Gästehaus zu sein. Ein bisschen gemeinsames Yoga, gemeinsames Kochen oder ein Spiel am Abend mit netten Leuten lassen die Tage kürzer werden, als ich es eigentlich will. Mit dem Ehepaar Pukmann bin ich zweimal in die Innenstadt einkaufen und jedes Mal haben wir eines der vielen afghanischen Restaurants besucht. Das eine, das Herat- Restaurant, ist Ausländer gewohnt, aber in dem anderen, einer echten Spelunke, sind wir doch sehr aufgefallen, besonders natürlich wegen Carmen Pukmann.

Mich haben die Leute auch groß angeguckt, weil ich zwar afghanisch gekleidet bin und auch noch den ‚Fremdenführer’ gebe, in dem ich übersetze und erkläre, aber dann nur schlecht Dari spreche. Trotzdem bin ich begeistert, wie schnell es möglich ist, eine Sprache so zu lernen, dass Verständigung möglich ist. Und ich bin nun wahrlich kein Sprachgenie, sondern habe mich schon mit dem Englisch lernen damals sehr gequält.

Vor einigen Tagen habe ich mein Ariana-Ticket bekommen, Holger aus dem Büro hat es mir gebracht. Ich wollte nicht wieder mit der Bundeswehr fliegen, einen Flug fand ich interessant genug. Ariana fliegt regelmäßig als zivile Linie nach Frankfurt, warum soll ich da nicht mitfliegen? Ein Kollege meinte: „Ich weiß, warum ich da nicht mitfliegen will. Kennst Du die indischen Flugzeuge und deren Sicherheit? Na, und Ariana fliegt mit ausrangierten indischen Flugzeugen!“

Ich werde angewiesen, das Ticket im Ariana-Büro bestätigen zu lassen. Das Büro ist in einem normalen Haus untergebracht und zuerst weiß ich nicht, welchen Eingang ich benutzen soll. Weil aber vor dem einen Tor eine ganz lange Schlange ist, gehe ich durch das zweite Tor, dass ich in der Mauer finde. Dort ist nur ein Wächter, der mich freundlich grüßt und ich gelange in einen Garten, in dem ich mein Fahrrad abstellen kann.

Eine Balkontür führt in ein Büro mit Tresen und es sieht so aus, als sei ich den normalen Weg herein gekommen. In dem Büro sind eine Menge Leute und ich brauche eine Weile, bis ich an den richtigen Mann gerate. Der erklärt mir etwas unfreundlich, dass ich gar nicht hätte kommen brauchen. Aber auch das gehört wohl zum Ritual.

Mein Gepäck habe ich zuvor in Alukisten gepackt und mit der Post zurück geschickt. Das erspart mir den ganzen Aufwand mit Speditionsfirma und dergleichen. Es ist ja auch nicht mehr all zu viel.

Und dann ist mein Abreise-Tag da. Jemand hat mir vor ein paar Tagen den Bären aufgebunden, Ariana wäre einmal sogar eine halbe Stunde zu früh los geflogen und mir damit tatsächlich einen Schrecken eingejagt. Anstelle eine Stunde später, als von Ariana angegeben (was ich sonst getan hätte), bin ich heute Morgen eine Stunde früher aufgebrochen.

In der Nähe des Flughafens gehe ich, sozusagen zum Abschied, in eine der Basarstraßen, um Obst und etwas zum Trinken zu kaufen. Mit meinem letzten Kleingeld beglücke ich noch eine Bettlerin, um dann zum Flughafen-Gebäude zu schlendern.

Die Formalitäten sind erstaunlich schnell erledigt und ich ärgere mich, dass meine letzten zwei Stunden Afghanistan ausgerechnet in dieser tristen Wartehalle stattfinden sollen.

Mir gegenüber sitzen einige Frauen mit Burka und ich überlege, ob die nach Frankfurt mitfliegen. Das muss wohl so sein, denn die Sperre ist zu und hier im Warteraum ist nur noch Zugang für Reisende. Später im Flugzeug rätsele ich, wer von den schick und westlich gekleideten Frauen wohl vorher eine Burka getragen hat.

Eine junge Frau war ohne Burka in der Abfertigungshalle gewesen. Weil sie alleine reiste und westlich gekleidet war, wurde sie besonders schikanös und gründlich durchsucht. Mich hat das schon beim Zuschauen wütend gemacht. Nur zu deutlich war, dass die afghanischen Beamten sie am Liebsten inhaftiert oder misshandelt hätten für ihr unzüchtiges Auftreten. Bewundert habe ich die Ruhe und Klarheit, mit der diese junge Frau den Herren entgegen getreten ist, obwohl sie sichtlich abgenervt war von dieser Art Afghanistan.

Nun bin ich weit über den Wolken, habe die kargen Berge Afghanistans gesehen und dazwischen die schmalen Bänder der Flussoasen. Als es grüner wurde, waren wir schon lange über dem Iran.

30. April

Überglücklich und schwitzend von Ouagadougou nach Tomegbé und ein Besuch im Voodoodorf

Nun lebe ich hier seit knapp 2 Wochen in Ouagadougou in Burkina Faso, in einer großen Villa mit 2 Terrassen die 25 min Fußmarsch von der nächsten Asphaltstrasse entfernt ist, in einem Viertel, wo nur jedes zwanzigste Haus Strom hat (meines inklusive) und einem Gartenwächter, der nachts vor meinem Gartentor steht. Seltsames Gefühl so eine Villa für sich alleine zu haben, wenn Leute neben mir zu zehnt in einer Blechhütte wohnen. Ja und vor ein paar Tagen haben wir mit dem Chef von AGBE einen Ausflug in das Dorf Tomegbé gemacht und dort einiges erlebt..

Die Fahrt nach Tomegbé war der blanke Horror. Vier Mal umsteigen und jedes Mal in ein Buschtaxi, das absolut und völlig überfüllt war, Hühner auf dem Boden machten uns die Fahrt schwierig und die 3 Pannen sorgten für üble Verspätungen. Dennoch, irgendwann am Abend trafen wir ein, mit Sack und Pack, ach ja, und 1600 BH's von der firmt Triumpf. Die BH's wurden an einen süddeutschen Verein übergeben, der die BH 's verteilen soll. Das war dann unsere Aufgabe. Aber dazu kommt gleich noch eine Anekdote.

Das Dorf Tomegbé ist relativ groß und mitten in den Bergen gelegen. Insgesamt gibt es ca. 3 Asphaltstraßen, weder Elektrizität noch Wasser und man lebt mit der Sonne. Bis um 7 Uhr schlafen ist reiner Luxus. Mein Tag beginnt hier um 5 Uhr, zusammen mit der Sonne. Die Leute waren so interessiert und freundlich, dass sie uns gebeten haben, viele Fotos zu machen, so dass es ein bisschen mehr in die Öffentlichkeit kommt, was gut für uns war. Somit konnten wir ungestört durch das Dorf marschieren und die tollsten Fotos überhaupt machen.

Am Samstag dann haben wir Superglück gehabt. Und zwar durften wir bei der offiziellen Wahl der Minister beiwohnen, die sich um die Region des Dorfes Tomegbé kümmern. Was unglaublich ist, dass der Dorfchef (bei dem wir auch eine kurze Audienz hatten) seit 5 Jahren der Chef des Dorfes ist. Der davor ist schon vor 25 Jahren gestorben. Man brauchte dann eine lange Übergangszeit (5 Jahre) um auszuwählen welcher Chef (natürlich aus der gleichen Familie des alten Chefs) nun an Tomegbés Spitze sein darf. Und dann hat es einfach noch mal 19 Jahre gedauert, bis man sich geeinigt hatte und bis man meinte es sei nun langsam an der Zeit die Minister zu wählen. Und just an diesem Tag waren wir da.

Die ganze Zeremonie ist einfach zusammengefasst: Ab halb acht wurde angefangen sich zu besaufen – in der glühenden Hitze – und es wurde mit Handzeichen gewählt. Auch eine Frau ist mit von der Partie. Anschließend wurde getanzt, gesungen und weiter getrunken. Der Dorfchef ist dann später in der Kirche eingeschlafen. Interessant ist auch, dass an der Hütte des Dorfchefs die "declaration de droit de l'homme" angebracht war, dass eine Art Gesetzbuch für die Bewohner hier ist. Ist nur doof, dass die Analphabetenrate über 50 Prozent liegt und Wenige überhaupt wissen was draufsteht, aber immerhin ein guter Anfang.

Und dann am nächsten Tag hatten wir das glück den Voodoostamm nähe des Dorfes kennen zu lernen. Und das war was! Alle Achtung! Ein bisschen Angst, oder zumindest Respekt hatten wir schon. In dem Voodoodorf werden keine Schuhe getragen und tote Hühner und deren Füße werden auf kleinen Lehmbopseln zusammengehäufelt. Und die Voodoopriesterin, die natürlich kein französisch sprach (alles wurde aber für uns übersetzt) war eine liebe alte, dicke Frau, die Kräuter, Stoff und eine Zahnbürste auf ihrem Tischchen hatte. Also echt wie im Voodoofilm. Überall waren Fetische und das Tolle, dass nichts künstlich für Touristen gemacht wurde. Ein paar der BHs verteilten wir an sie (mir persönlich war das sehr wichtig. somit standen wir bei ihr in einem guten Licht, und das kann ja ganz hilfreich sein bei Voodoo-Leuten).

Am Abend haben wir dann eine Einladung zu der Voodoofete gehabt. Die Voodoos wollten am nächsten Tag auf Reisen gehen, für 2 Tage, und vorher mussten die Götter gefragt werden, ob auch alles gut laufen würde. Und und diese Fete, ach du grüne Neune! Es wurde getanzt, ein Kind wurde durch die Gegend geschleudert und gesungen und weiss angemalt und in komische Strohkleidung gesteckt. Eine Frau war so stark in Trance, dass sie bald "abgeführt" wurde. Heiße Steine wurden noch verteilt, die man an die Bauchkettchen hängen muss. Ein kleiner Junge, der Narben im Gesicht hatte, war die Verkörperung eines Geistes und als dann der Voodoomeister auf einmal „Salemaleikum“ rief, meinte man später zu uns, dass dies von den Göttern gesagt wurde und keine richtigen Worte seien. Seltsam. Am Ende hatten die Voodoos jedenfalls ihre BHs und wir hatten einen spannenden Abend.